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Jaeger-LeCoultre CEO Catherine Rénier über musikalische Klänge aus dem Vallée de Joux

Jaeger-LeCoultre CEO Catherine Rénier über musikalische Klänge aus dem Vallée de Joux

Zwischen Vogelgeschnatter und Wasserplätschern ertönen immer wieder zarte Gongs, als würde jemand gefühlvoll auf einem Triangel spielen und dabei in friedlicher Umgebung in die Ferne schweifen. Was zu hören ist, sind allerdings hochsensible akustische Uhren, und keine Musikinstrumente. Catherine Rénier, CEO von Jaeger-LeCoultre spielt uns per Zoom-Interview ein Video vor, das im Rahmen der Watches & Wonders Neuheiten Präsentation 2020 entstanden ist.

Gewidmet ist es in erster Linie der New Master Grande Tradition Grande Complication, einer der spannendsten Neuheiten, die Jaeger-LeCoultre dieses Jahr anlässlich des 150. Jubiläums ihrer ersten Minutenrepetition präsentiert. Und mit über 200 verschiedener solcher akustischen Uhrenkaliber in der Firmengeschichte, kann man auf ein erstaunliches Repertoire und Know-How zurückreifen. Jaeger-LeCoultre hat in Sachen Schlagwerksuhren eine Benchmark gesetzt, die in der Branche ihresgleichen sucht.

Erst im letzten Jahr hat die Maison mit der Master Grande Tradition Gyrotourbillon Westminster Perpétuel eine hoch komplexe Schlagwerks-Uhr vorgestellt. Und die Reise geht weiter, inspiriert von den Klängen der Natur; vom Seufzen des Windes im Wald, oder dem Rauschen der Gebirgsbäche, von denen die Manufaktur seit 187 Jahren im Vallée de Joux umgeben ist.

Doch Catherine Rénier ist es nicht genug, in der Vergangenheit zu verharren, man müsse immer den Anspruch behalten, innovativ zu sein. Das sei es auch, was das Unternehmen seit 187 Jahren antreibt.  Und es ist das, was auch bei den diesjährigen Neuheiten wieder deutlich wird. Trotzdem ist auch der Blick zurück in die Vergangenheit genau jetzt so wichtig um in der aktuellen Krise zu verstehen, dass man von Anfang an alles richtig gemacht hat. Denn das, was die Menschen hinter Jaeger-LeCoultre seit ihrer Gründung 1833 mit viel Leidenschaft und Mühe aufgebaut haben, komme der Maison jetzt in den schwierigen Zeiten zugute: der Aufbau einer autark arbeitenden Manufaktur, das Streben nach Perfektion, der unermüdliche Innovationsgeist und inzwischen auch ein starker Kundenservice, online wie offline.

Bereits in der Vergangenheit hat Jaeger-LeCoultre gelernt, wie man auch in schweren Zeiten auf Erfolgskurs bleibt. Da war früher zum einen die schwer zugängliche und durch lange Winter geplagte Region im Schweizer Jura, in der es galt, sich anzupassen. Und auch in der späteren Quarzkrise der 1970er Jahre musste man sich zu helfen wissen. „Es gibt ein schönes Sprichwort“, sagt Rénier: „Dance in the rain – das soll bedeuten, dass wir uns unseren Problemen stellen müssen. Und das gelingt am besten durch eine positive Einstellung.“

The Sound Maker

Mit über 1200 verschiedenen in-house Kalibern und über 400 Patenten ist Jaeger-LeCoultre eine der innovativ-tüchtigsten Manufakturen überhaupt. Und somit ist sicherlich der Anspruch an die Maison hoch – nicht nur von der Chefin selbst, sondern auch von Kundenseite. In den letzten 15 Monaten sind alleine drei neue Minutenrepetitionen lanciert worden. „Wir waren sehr fleißig“, sagt Rénier.

Das Highlight in diesem Jahr ist das Kaliber 945, das in der neuen Master Grande Tradition Grande Complication läuft. Es ist ein bestehendes Kaliber, das weiterentwickelt wurde und nun das geballte Fachwissen der Manufaktur über Klangfolgemechanismen vereint, um die akustische Qualität noch mal um eine Nuance zu verbessern. Dafür wurde die patentierte Kristalltonfeder von JLC direkt auf das als Verstärker dienende Saphirglas gelötet. Natürlich dürfen auch in diesem mechanischen Soundsystem die Trébuchet-Hämmerchen nicht fehlen – sie sorgen nämlich zusammen mit den Tonfedern im quadratischen Querschnitt für gleichmäßigere und kräftigere Schläge. Ein stiller Schlagregulator eliminiert dann alle Hintergrundgeräusche.

Die neue Minutenrepetition mit Sternzeitkalender steht als ultimatives Symbol für Jaeger-LeCoultre und ihren Standort. Die Klänge aus den Wäldern und Bergen, die schon 1870 die Uhrmacher zu ihren Uhren mit komplexen Schlagwerken inspirierten und die Reinheit des Himmels im Schweizer Jura, die schon damals Astrologen dazu animierte, den Sternenhimmel zu erkunden.

Für Rénier symbolisiere dieser Zeitmesser auch das Streben nach Exzellenz und Innovation. Er verkörpere die Komplexität der Miniaturisierung, die Uhrmacher immer wieder vor neue Herausforderungen stelle. „Die Uhren wurden über die letzten 150 Jahre immer kleiner, von Kirchenglocken über Tisch- und Taschenuhren hin zu Armbanduhren – die Mechanik dafür aber immer komplexer und umfangreicher, ohne Kompromisse bei der Qualität einzugehen“.

Das JLC-typische Grand Tradition Gehäuse wurde von Hand gefertigt, was etwa 40 Arbeitsstunden in Anspruch nahm. Die Lünette alleine besteht aus über 80 Komponenten. Das Zifferblatt hat eine 3-D Optik, um die Weite der Galaxie zu transportieren, in der ein orbital fliegender Tourbillon in genau 23 Stunden, 56 Minuten und 4 Sekunden pro Sterntag um das Zifferblatt schwebt. Für 405.000 Euro sind acht Exemplare dieser exklusiven Version in Rotgold (Ref. Q5262460) zu haben.

Master Control

Als Jaeger-LeCoultre im Jahr 1992 die Kollektion Master Control einführte, die von klassischen runden Uhren aus den 1950er Jahren inspiriert ist, wollte man zeigen, inwiefern sich die Werke in Sachen Präzision und Zuverlässigkeit in der Zwischenzeit verbessert hatten. Somit stellten sie das „1000 Hours Control“-Zertifikat vor, bei dem die vollständig zusammengesetzte und funktionsfähige Uhr (also nicht nur das Uhrwerk) auf Herz und Nieren überprüft wurde. Es ist bis heute eines der strengsten Testverfahren der Uhrenbranche.

Für die neue Master Control Kollektion (Date, Calendar, Chronograph Calendar, Geographic) wollte Catherine Rénier wieder ein starkes Zeichen setzen. Und das ist ihr durchaus gelungen: Das Kaliber 759 der Master Control Chronograph Calendar (Ref. 4138420) wurde umfassend überarbeitet und mit einer Siliziumhemmung sowie einem neuen Federhaus und zahlreichen weiteren energiesparenden Optimierungen ausgestattet. Zum ersten Mal bietet ein Modell aus der Kern-Kollektion (also nicht limitiert) eine Gangreserve von 70 Stunden.

Von Anfang an zeichnete sich die Master Control Kollektion durch das Datum und die dreifache Kalenderkomplikation aus. Zum ersten Mal kombiniert Jaeger-LeCoultre nun einen Chronographen, die dreifache Kalenderanzeige und eine Mondphase miteinander. „Wohingegen wir mit den Minutenrepetitionen etwas in Nostalgie schwelgen, geht es bei den Master Control Modellen um alltagstauglichere Funktionen. Männer in Aktion, die einen klassischen aber modernen Look verkörpern“, beschreibt Rénier die Linie.

Das zeigt sich auch in den Master Control Memovox Modellen. Das überarbeitete Kaliber 956 der Master Control Memovox Timer (Ref. 410848J) ermöglicht es der neuen Timer-Funktion den Alarm danach einzustellen, wie viele Stunden bis zum Auslösen des Alarms vergehen sollen (quasi wie ein Countdown). Alternativ kann aber die Alarmfunktion auch ganz traditionell auf eine bestimmte Zeit eingestellt werden.  Zum ersten Mal wird das Werk mit seinem akustischen Mechanismus durch einen offenen Saphirglasboden sichtbar. Mit einem neu entwickelten Gong am Rand ist die Uhr 15 Prozent flacher als vorher. Die Gehäusegröße beträgt gerade einmal angenehm zu tragende 40 Millimeter. Sie ist limitiert auf 250 Exemplare bei einem Preis von 16.100 Euro.

Und auf was können sich alle Polaris Fans freuen? Immerhin ist das 2019er Modell in Blau ausverkauft. „Wir arbeiten an einem neuen Modell, das wir schon bald vorstellen werden“, macht Rénier Hoffnung.

Hoffnung macht auch, dass Jaeger-LeCoultre scheinbar halbwegs gut durch die letzten Monate gekommen ist. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Manufaktur durch ihre starke Kompetenz im eigenen Haus weitestgehend autark von externen Zulieferern agieren kann. Auch wenn eingeschränkt, können Entwicklung, Produktion und Montage weiterlaufen. Und auch wenn der stationäre Handel lange nicht erreichbar war, ist JLC schon längst im Netz unterwegs, um ihren Kunden den bestmöglichen Service zu bieten. Für Rénier sei online nun nach der Krise nicht mehr nur ein Service, sondern ein unumgänglicher Weg, mit Kunden im Kontakt zu bleiben.

Minuten Repetitionen sind zwar auch per Video Konferenz oder online nett anzusehen, die wahre Magie ihrer musikalischen Klänge aus dem Vallée de Joux lässt sich allerdings digital niemals transportieren.

www.jaeger-lecoultre.com

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