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Patek Philippe Calatrava Pilot Travel Time – Ref. 5524 & 7234

Patek Philippe Calatrava Pilot Travel Time – Ref. 5524 & 7234

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Als Patek Philippe 2015 mit der Referenz 5524G eine Fliegeruhr vorstellte, herrschte in der Uhrenwelt allgemeine Verwunderung. Für eine so klassische Manufaktur schien eine so markante Uhr doch etwas ungewöhnlich. Doch der Überraschungsgast kam nicht von ungefähr. Patek Philippe entwickelte bereits in den 1930er Jahren Stundenwinkeluhren für das Militär. Die Stundenwinkel-Uhren, auch Siderometer-Uhren genannt ermöglichten es Piloten, ihre jeweilige Position auch über dem offenen Meer zu ermitteln, zu einer Zeit, als es noch keine GPS Geräte gab.

Durch digitale Bordcomputer wurde die analoge Anzeige dann natürlich überflüssig – doch der Mythos Fliegeruhr blieb. Später dienten den Piloten und Vielfliegern in erster Linie Weltzeitzonen, um sich zu orientieren. 1959 stellte Patek Philippe das erste eigene Patent für den Travel Time Mechanismus vor – 1996 revolutionierte die Manufaktur ihn mit einem Zeitzonen-Mechanismus, bei dem das Verstellen der zweiten Zeitzone keinen Einfluss mehr auf die Präzision der Echtzeit hatte, da der Ortszeit-Stundenzeiger entkoppelt wird. Er zeichnet sich optisch durch zwei übereinanderliegende Stundenzeiger aus der Mitte heraus aus.

Für’s Fliegeruhren-Comeback der Patek Philippe Ref. 5525G im Jahr 2015 ließen sie sich von zwei ihrer Stundenwinkeluhren aus dem Jahr 1936 inspirieren. Da die Siderometer-Einteilung obsolet geworden war, hat sie einer Funktion Platz gemacht, die heutzutage einen viel höheren Nutzen hat: die Anzeige einer zweiten Zeitzone. Seit 2015 bekommt die Patek Philippe Calatrava Pilot Travel Time Fliegeruhr stetig Zuwachs.

2018 erschien eine Version in Rotgold (Ref. 5524R) sowie etwas später im selben Jahr eine Mid-Size Version in 37,5 Millimeter (Ref. 7234R). Jetzt ergänzt Patek ihr Weißgold Modell von 2015 ebenfalls mit einer Mid-Size Version in 37,5 mm (Ref. 7234G). Und obwohl die Zeitmesser stets in der Weltgeschichte unterwegs sind, haben wir alle vier Referenzen gemeinsam vor die Linse bekommen.

Kollektion & Ausführungen

Calatrava Pilot Travel Time Ref. 5524G (2015)

Als Patek 2015 das Thema Fliegeruhren wieder aufgriff, wollte es nicht so ganz zum gewohnten Image der traditionellen Manufaktur passen: ein modifiziertes, kantiges Calatrava Gehäuse mit rustikalen Drückern, überdimensionierten Ziffern und markanten Baton Stab-Leuchtzeigern.

Wenn man aber ins Jahr 1936 zurückblickt und die Modelle Movement No. 170 383 oder auch No. 170 381 betrachtet (siehe oben), versteht man die Herkunft der modernen Fliegeruhr von Patek. Und statt ihre Fliegeruhr in ein überdimensionales Großgehäuse in Edelstahl zu hüllen, kombiniert diese Uhr ganz Patek-typisch ein edles Weißgoldgehäuse mit moderaten 42 Millimetern Durchmesser (bzw. 37,5 mm). Auch ein für Pilotenuhren gängiges Armband mit Metallnieten würde man bei Patek wohl nie finden.

Das Kaliber 324 S C FUS besitzt den bereits erwähnten und 1996 patentierten Zwei-Zeitzonen-Mechanismus, modifiziert mit Gyromax-Unruh und mit Spiromax-Spirale aus Silizium-Derivat Silinvar, einem leichten, aber harten und nahezu reibungsfreien, antimagnetischen und korrosionsfesten Material.

Bei Patek’s Fliegeruhren werden die Zeitzonen in Ortszeit und Heimatzeit unterteilt. Der durchbrochene Zeiger der Ortszeit versteckt sich unter dem Heimatzeiger, insofern er nicht genutzt wird. Die Baton-förmigen Zeiger aus gebläutem Stahl sind ganz in Fliegeruhren-Manier großzügig mit Leuchtmasse versehen. Anders als gewöhnlich bei Fliegeruhren ist das Zifferblatt Blau statt Schwarz, inspiriert vom Anstrich der amerikanischen Jagdflugzeuge der 1930er Jahre. Preis: 46.421 Euro.

Calatrava Pilot Travel Time Ref. 5524R (2018)

Nachdem sich die anfängliche Verwunderung beruhigt hatte, legte die Manufaktur im Jahr 2018 nach und lancierte mit der Patek Philippe Referenz 5524R eine Calatrava Pilot Travel Time in Roségold mit braunem Zifferblatt und einem subtilen Schwarzverlauf von der Zifferblatt Mitte nach außen. Die breiten Baton Stabzeiger sind hier passend zum Gehäuse ebenfalls aus Roségold.

Die Uhr wird an einem farblich überaus gefälligen Kalbslederband in Vintage-Braun getragen, das schon fast ein wenig ins rötliche geht, aber wunderbar mit dem satten 5N Roségold-Ton des Gehäuses und dem sonnengeschliffenen braun-schwarzen Zifferblatt harmoniert. Natürlich einen Tick zu elegant für eine Fliegeruhr und all den Features, die man mit ihnen verbindet. In der 5524R läuft dasselbe Automatikkaliber 324 S C FUS mit zweiter Zeitzone und Zeigerdatum. Preis: 45.421 Euro.

Calatrava Pilot Travel Time Ref. 7234R (2018)

Im selben Jahr lancierte Patek zum ersten Mal auch eine Medium-Ausführung (Mid-Size) der Calatrava Pilot Travel Time mit einem Gehäusedurchmesser von 37,5 mm (Referenz 7234R). Sie soll auch die weibliche Zielgruppe für dieses Fliegeruhrenmodell begeistern, wird aber sicherlich auch von vielen männlichen Liebhabern stark gefragt sein, die daheim noch ein paar Vintage 33 oder 36 mm Modelle herumfliegen haben. Alle anderen Features sind identisch zum größeren Bruder in 42 mm.

Auffällig ist allerdings, dass sich das Werk nun deutlich besser in das Gesamtbild der Uhr einfügt. Das Kaliber 324 S C FUS scheint in der 42 mm Ausführung doch etwas verloren zu sein und um die offene Gehäuserückseite musste viel Material herumgebaut werden, um den freien Raum zu tuschieren.

Es ist fast ein bisschen wie ein Rennsportwagen, bei dem man dann unter der Haube den Motor eines VW Polos findet. Allerdings ist es auch für die Uhrmacher-Konstrukteure wahrlich keine einfache Aufgabe: man hätte das Werk vermutlich etwas breiter gestalten können (periphere Schwungmasse zum Beispiel), aber mit einer Bauhöhe von 4,9 mm ist das Kaliber ohnehin schon recht flach – und soll eine Fliegeruhr wirklich noch flacher am Handgelenk liegen? Eher nicht. Außerdem hätte die Manufaktur hierfür ein komplett neues Werk konstruieren müssen. Preis: 41,830 Euro.

NEU: Calatrava Pilot Travel Time Ref. 7234G (2020)

Nachdem 2019 eine Grande Complication Alarm Travel Time Referenz 5520P mit Alarmfunktion in der Kollektion erschien, stellt Patek nun ihr ursprüngliches Modell aus dem Jahr 2015 mit Weißgoldgehäuse in einer Medium-Ausführung in 37,5 mm vor. Abgesehen von der Größe sind es nur ein paar subtile Details, die sie von der 42 mm unterscheiden.

Die Zeiger sind aus gebläutem Weißgold statt Stahl. Das braune Kalbslederband wurde mit einem zum Zifferblatt passendem Band in Marineblau ergänzt, zum Lieferumfang gehört allerdings auch das gewohnte Lederband in Vintage-Braun.

Wir schauen uns die Details von Patek’s Fliegeruhren etwas genauer an und auch, inwiefern sich die Modelle unterscheiden. Preis: 41.830 Euro.

Highlights

Gehäuse & Materialien

Die beiden 2018 vorgestellten Versionen Referenz 5524R (42 mm) und Referenz 7234R (37,5 mm) besitzen jeweils ein Gehäuse in Roségold. Lediglich die Goldstufe unterscheidet sich von 4N bei der kleineren zu 5N bei der größeren Version, wohingegen bei 5N etwas mehr Kupfer (20,5% zu 16%) beigemischt wird. Das macht sich auch optisch bemerkbar, insofern das kleinere Modell eher in einen Gelbgold-Ton geht, wohingegen die 42 mm in einem satten Roségold-Ton scheint.

Die 2015 vorgestellte Referenz 5524G (42 mm) sowie die neue Referenz 7234G (37,5 mm) besitzen jeweils ein 18 Karat Weißgold Gehäuse. Die Gehäuse haben sowohl für die 42 als auch die 37,5 mm Modelle eine Höhe von 10,78 mm.

Zifferblätter

Die beiden roségoldenen Ausführungen besitzen jeweils ein braunes Zifferblatt mit Sonnenschliff. Nach außen hin weisen sie einen subtilen Schwarzverlauf auf. Die Zifferappliken und Stabzeiger sind aus Roségold gefertigt.

Die beiden Weißgoldmodelle haben ein blau lackiertes Zifferblatt mit Weißgold-Zifferappliken. Die Leuchtzeiger der größeren Version in Weißgold sind aus gebläutem Stahl, wohingegen die Leuchtzeiger der neuen kleineren Ausführung aus gebläutem Weißgold gefertigt sind. Die Feuille-Zeiger des Datums sind bei allen Ausführungen weiß lackiert.

Anzeigen & Funktionen

Die Calatrava Pilot Travel Time Modelle zeigen zwei Zeitzonen (Ortszeit und Heimatzeit), eine separate Tag-/Nacht-Anzeige für die Orts- und die Heimatszeit und ein Zeigerdatum. Die beiden Stundenzeiger liegen deckungsgleich übereinander, solange nur eine Zeitzone genutzt wird. Reist man in eine andere Zeitzone, wird der Ortszeit-Stundenzeiger in Einstunden-Schritten vor- (unterer Drücker) oder zurückgestellt (oberer Drücker). Der durchbrochene Stundenzeiger zeigt dann die Heimatzeit an.

Die beiden Zeitzonen-Drücker befinden sich auf der linken Gehäuseflanke und verfügen über eine patentierte Sicherung, die ein versehentliches Verstellen der Ortszeit verhindern. Das Datum bei sechs Uhr ist mit der Ortszeit synchronisiert.

Uhrwerk

Das Kaliber 324 S C FUS mit automatischem Aufzug besteht aus 294 Einzelteilen mit einem einfach zu bedienenden Travel Time-System zur Anzeige der zweiten Zeitzone. Das Werk basiert auf Patek’s bewährtem Kaliber 324 SC (seconde centrale), das auch in der Nautilus, Aquanaut und Calatrava zum Einsatz kommt. Dank der hohen Schwingfrequenz von 28.000 Hz bietet das Werk einen stabilen Gang und somit eine zuverlässige Ganggenauigkeit.

Das Werk misst inkl. Modul einen Durchmesser von 31 mm zu 4,9 mm Höhe. Die Unruh ist aus patentierter Gyromax und die Spiromax-Spirale aus Silizium-Derivat Silinvar, einem leichten, aber harten nahezu reibungsfreien, antimagnetischen und korrosionsfesten Material. Der einseitige Aufzug des 21-karätigem Zentralrotor sorgt für eine Gangreserve von max. 45 Stunden.

Die Bänder

Bei der Sonderedition Referenz 7234A, die 2019 anlässlich der Patek Philippe Ausstellung in Singapur lanciert wurde, gab es schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf ein neues Band aus (strukturiertem) Kalbsleder in Blau. Das sah verdammt gut aus, das Modell war aber leider auf 400 Stück limitiert. Für das neue nicht limitierte Modell hat Patek sich ebenfalls für ein blaues (allerdings glattes) Kalbslederband entschieden. Wem das erstmal zu befremdlich erscheint, der kann jederzeit auf das Vintage-braune Band zurückgreifen, das im Lieferumfang inbegriffen ist.


Schlusswort

Was hat ein Goldgehäuse mit einer Fliegeruhr zu tun? Nun ja, zurück in den 1930er Jahren rein gar nichts. Die moderne Interpretation hat sich durch die veränderte Nutzweise der Fliegeruhren revolutioniert. Wer den Spirit von einst in vollen Zügen ausleben möchte, der ist bei der Calatrava Pilot Travel Time Linie von Patek komplett falsch. Wer sich aber für die Geschichte der Manufaktur interessiert und innerhalb des Produktportfolios nach etwas Abwechslung sucht, der könnte an den Modellen Spaß haben.

Das Werk hat sich bewährt und ist hochmodern, die Anzeigen und Funktionen sind nützlich und beide Gehäusegrößen könnten nicht besser sein, auch wenn Fliegeruhren-Fetischisten wohl monieren werden, dass 37,5 mm keineswegs eine echte Fliegeruhren-Größe ist. Es ist eben auch die Patek-sche Interpretation einer Fliegeruhr, und nicht die von IWC, Oris oder Zenith.

Das Drücker-Design hätte allerdings ruhig an die reduzierte Gehäusegröße angepasst werden können. So wirken sie etwas zu bullig und unproportioniert. Dafür passt nun wiederum aber das Werk mit seinen 31 mm Durchmesser wesentlich besser zum kleineren Gehäuse. Das Zeigerdatum mit den weiß-lackierten Feuille -Zeigern ist fast ein wenig zu klassisch in Kombination mit den großen Leuchtziffern und Baton-Stabzeigern. Es wäre interessant zu sehen, wie sich ein Großdatum an selber Position machen würde.

Und noch ein paar Worte zum neuen Armband. Das Band des limitierten Singapur Modells war so exotisch und cool, dass es leider zum Leidwesen vieler ausschließlich in Form einer Sonderedition nur stark limitiert aufgelegt wurde. Umso erfreulicher ist es zu sehen, dass es jetzt wieder aufgegriffen und für ein Kernmodell in die Linie integriert wurde. Was könnte als Nächstes kommen? Eine Version in Gelbgold, oder sogar in Edelstahl? Ein erstes willkommenes Upgrade wäre sicherlich die Überarbeitung des Werkes, um den Kunden eine längere Gangreserve bieten zu können.

www.patek.com

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