Jaeger-LeCoultre Reverso mit Métiers Rares 2026: Email, Edelsteinbesatz und Hokusai-Serie im Fokus – technische und gestalterische Details.

Mit der Excalibur Biretrograde Perpetual Calendar schärft Roger Dubuis das Thema Ewiger Kalender auf bemerkenswert eigenständige Weise. Astronomie, mechanische Ordnung und expressive Gestaltung greifen hier so präzise ineinander, dass die Uhr weniger wie eine Addition einzelner Komplikationen wirkt als wie ein geschlossenes uhrmacherisches Statement.
Das Zentrum dieser Excalibur bildet der Ewige Kalender – eine Komplikation, die in der Haute Horlogerie nicht nur als technisch anspruchsvoll gilt, sondern als Paradebeispiel echter Uhrmacherkunst. Roger Dubuis knüpft damit an ein Thema an, das innerhalb der Maison eine besondere historische und technische Bedeutung besitzt. Doch die Neuheit erschöpft sich nicht in der bloßen Wiederaufnahme einer großen klassischen Disziplin. Sie verbindet den Ewigen Kalender mit jener bi-retrograden Anzeige von Tag und Datum, die seit langem zu den gestalterischen und mechanischen Signaturen des Hauses Roger Dubuis zählt. Beide Anzeigen folgen elliptischen Bahnen und springen nach vollendetem Umlauf augenblicklich an ihren Ursprung zurück – eine Lösung, die Präzision und Bewegung gleichermaßen sichtbar macht.
Gerade hier gewinnt die Uhr ihr Profil: Sie zeigt Kalendermechanik nicht als statische Konstruktion, sondern als dynamisch gegliederte Anzeige. Die bi-retrograde Darstellung verleiht der Anzeige von Tag und Datum einen technisch anspruchsvollen Rhythmus, der zugleich eine klare visuelle Identität stiftet. Die bi-retrograde Anzeige wurde 1989 von Roger Dubuis und Jean-Marc Wiederrecht gemeinsam zum Patent angemeldet und fand sich ab 1996 in den frühen Modellen von Roger Dubuis, insbesondere in den ersten bi-retrograden Kalenderuhren der Sympathie- und Hommage-Linie, wieder. Die Excalibur Biretrograde Perpetual Calendar trägt damit nicht nur eine Komplikation, sondern ein Stück Markengeschichte auf dem Zifferblatt.
Im Inneren arbeitet das neue Kaliber RD850, ein Automatikwerk, das Roger Dubuis als weiterentwickelte Generation seines bi-retrograden Uhrwerks mit Ewigem Kalender konzipiert hat. 435 Komponenten, 60 Stunden Gangreserve, Entwicklung und Fertigung vollständig in der Genfer Manufaktur. Das ist nicht nur eine Frage der Kompetenzbündelung, sondern auch Ausdruck eines uhrmacherischen Selbstverständnisses, das Konstruktion, Ausführung und Finissierung als zusammenhängende Disziplin begreift.
Besonders überzeugend ist dabei das Upgrade des Ewigen Kalenders. Zu den relevanten Neuerungen zählt ein Monatskorrektor, der die manuelle Anpassung der Monatsanzeige mit nur einem Handgriff ermöglicht. Dieser Eingriff mag unspektakulär wirken, ist in Wahrheit aber von erheblicher Bedeutung. Komplexe Kalenderkomplikationen gewinnen immer dann an Qualität, wenn ihre Handhabung der Raffinesse des Mechanismus nicht entgegensteht. Das RD850 führt genau diese zwei Punkte zusammen: Es bewahrt die technische Autorität des Ewigen Kalenders und verbessert zugleich seine Bedienbarkeit, ohne die Mechanik unnötig zu belasten.
Hinzu kommt die grundsätzliche Leistungsfähigkeit der Komplikation. Der Ewige Kalender berücksichtigt variable Monatslängen ebenso wie Schaltjahre und garantiert, korrekt justiert, eine vollkommen richtige Datumsanzeige bis zum Jahr 2100.
Die astronomische Mondphase bei 6 Uhr verleiht dem Kaliber eine zusätzliche Dimension. Ihr Mechanismus bildet den synodischen Mondumlauf mit 29 Tagen, 12 Stunden und 45 Minuten ab. Also jenes Intervall von Neumond zu Neumond, das auch der tatsächlichen Himmelsbewegung entspricht. Damit erscheint die Mondphase hier nicht bloß als optisch passende Erweiterung des Optik, sondern als präzise astronomische Anzeige.
Die Konsequenz ist beachtlich. Während konventionelle Mondphasenanzeigen den Zyklus meist auf etwa 29,5 Tage runden und deshalb nach zwei bis drei Jahren einen Korrekturbedarf von einem Tag aufweisen, bleibt die Anzeige dieser Excalibur rund 122 Jahre exakt, bevor eine Justierung nötig wird. Im Zusammenspiel mit dem Ewigen Kalender entsteht so ein Zeitmesser, der kalendarische Ordnung und astronomischen Rhythmus präzise miteinander verknüpft.
Gestalterisch lebt die Uhr von einem skelettierten Zifferblatt, das sich in neun Ebenen staffelt und daraus eine eindrucksvolle Tiefenwirkung bezieht. Die Konstruktion gibt das Werk nicht einfach preis, sondern organisiert Anzeigen, Flächen und Mechanik zu einer klar gegliederten Raumarchitektur. Im neuen Farbton Astralblau gewinnt diese Komposition eine kühle, souveräne Präsenz, die ihre technische Komplexität deutlich unterstreicht.
Bemerkenswert ist die Materialkomposition. Perlmutt erscheint in mehreren Funktionsbereichen, dazu zählen Ekliptikanzeigen, Monatsscheibe und Mondphasenzähler. Die zentrale Mondphasenscheibe ist aus Aventurin gefertigt und trägt einen plastisch gewölbten Mond aus 18-karätigem Roségold, dessen lasergravierte Details zusätzliche Textur schaffen. Hinzu kommen graue Beschichtungen, kreisförmige Bürstungen, Sonnenschliff und die offene Sicht auf das skelettierte Kaliber selbst. Die Wirkung entsteht nicht aus der bloßen Vielzahl der Details, sondern aus ihrem fein austarierten Zusammenspiel – differenziert in der Materialität, klar im Zusammenspiel.
Das 40 Millimeter große Gehäuse aus 18-karätigem Roségold verleiht der Uhr jene Ruhe und Präsenz, die eine derart vielschichtige Anzeige benötigt. Es fasst die technische Offenheit des Zifferblatts in eine klare, wertige Form und setzt zur kühlen Farbwelt des Astralblauen einen bewusst warmen Akzent. Dadurch entsteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen mechanischer Komplexität und äußerer Geschlossenheit. Das Armband aus astralblauem Kalbsleder nimmt diesen Farbton präzise auf und führt den gestalterischen Roten Faden der Uhr konsequent fort.
Dass das Kaliber RD850 das Poinçon de Genève trägt, ist Teil des uhrmacherischen Selbstverständnisses der Excalibur Biretrograde Perpetual Calendar. Das Genfer Siegel steht nicht nur für Herkunft, sondern ebenso für gehobenen Anspruch an Konstruktion, Ausführung und Leistung. Gerade bei einem Werk, das sich so offen präsentiert, erhält diese Auszeichnung ein besonderes Gewicht, weil sich ihr Qualitätsversprechen nicht im Verborgenen erschöpft, sondern direkt in der sichtbaren Qualität der Ausarbeitung nachvollziehen lässt.
Wie ernst Roger Dubuis diesen Anspruch nimmt, zeigt sich in der Veredelung. Die 19 Finissierungen sind ein deutlicher Ausdruck von sehr gehobener Handwerkskunst. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Innenwinkel, deren Ausführung bis heute zu den anspruchsvollsten Übungen klassischer Haute Horlogerie zählt. Vor allem auf den W-förmigen Brücken der retrograden Anzeigen bei 3 und 9 Uhr tritt diese Sorgfalt deutlich hervor, wo die Innenwinkel-Finissierung in vierzehnfacher Ausführung erscheint. Genau dort gewinnt das Werk jene Schärfe und Tiefe, die technische Komplexität erst in wahrhaftige Uhrmacherkunst verwandeln.