Stefan Ihnen leitet die Abteilung für Forschung & Entwicklung bei IWC. In diesem Jahr darf man sich den Ingenieur und Uhrmacher als besonders glücklichen Mann vorstellen, der vor der schwierigen Frage steht: Auf welchen Nachwuchs sind er und sein Team am stolzesten? Den weltwirtschaftlichen Herausforderungen und der damit verbundenen Konsummüdigkeit begegnet man bei IWC in diesem Jahr schließlich mit unterschiedlichsten Neuheiten: Da ist die Pilot‘s Venturer Vertical Drive, die nach IWC-Selbstverständnis erste mechanische Astronautenuhr der Welt. Außerdem präsentiert die Richemont-Tochter mit dem Big Pilot‘s Watch Perpetual Calendar Ceralume erstmals eine limitierte Edition mit der hauseigenen, im dunkeln leuchtenden Keramik. 

Und dann sind da noch die Varianten der Big Pilot’s Watch Perpetual Calendar IWC-ProSet, ausgestattet mit dem neuen Uhrwerk für Ewige Kalender des Hauses. Es ist ein komplett neues Kaliber, das die Funktionalität des Kurt-Klaus-Kalibers, das in der Vergangenheit die Marke maßgeblich geprägt hat, noch einmal erhöht. Fast zehn Jahre hat Stefan Ihnen mit seinen Kollegen auf diesen Moment hingearbeitet. Natürlich ist er sich bewusst, was für ein großer Augenblick die Lancierung dieser Uhren ist. Aber so wie ein guter Vater keine Lieblingskinder hat, so stellt Ihnen lediglich fest, dass dieser Ewige Kalender allein eigentlich schon für den großen Auftritt bei der Genfer Messe gereicht hätte. Dass es nun deutlich mehr geworden ist, zeugt vom Tatendrang in Schaffhausen. 

Der Big Pilot’s Watch Perpetual Calendar IWC-ProSet

Der von Kurt Klaus erdachte und 1985 erstmals präsentierte Ewige Kalender zeichnet sich dadurch aus, dass er allein über die Krone gestellt wird und zudem über eine vierstellige Jahresanzeige verfügt. Nach der Quarzkrise war diese Innovation der erste große Erfolg der „International Watch Corporation“, und bis heute wird dieses Uhrwerk nicht nur genutzt, es bildet beispielsweise auch die Basis des „Eternal Calendars“ von IWC, der sogar die seltenen ausfallenden Schaltjahre ab dem Jahr 2100 berücksichtigt.

Das neue Kaliber 82665 steht in der Tradition von genau dieser historischen Erfindung. Chefentwickler Stefan Ihnen fasst die Entstehungsgeschichte so zusammen: „Wir haben 2016 mit dem Projekt gestartet – damals vom Kurt-Klaus-Kalender kommend, der eigentlich perfekt ist, nur dass er einen einzigen Punkt nicht erfüllt: Er ist nicht rückwärts korrigierbar.“ Von den Kunden habe man immer wieder gehört, dass dieser Umstand Probleme bereite. Aus Versehen einen Tag zu weit gegangen? Ärgerlich. Einen ganzen Monat zu viel: Noch viel mühsamer. Bei IWC machte man sich also daran das vertraute Kaliber zu verbessern, musste sich aber eingestehen: Auf Basis des bestehenden Kalibers würde es nicht gelingen. Ihnen: „Mit dessen Mechanismus, der auf der Kombination von Datumsscheiben und Abtasthebeln basiert, kriegt man es mit unseren Ansprüchen nicht hin. Die Prototypen waren nicht robust genug.“ Darum sei man zwei Schritte zurückgegangen, um noch einmal ganz neu auf das Thema zu blicken. Das war 2021. Das Ergebnis ist nun ein reines Räderwerk mit flexiblen, ausziehbaren und einziehbaren Fingern, für das man fünf Patente angemeldet hat. Ihnen: „Denn Räder kann man in beide Richtungen drehen, während Hebel sich ohne Zusatzmechanismen meist nur in eine Richtung klicken lassen.“ Das Ziel wurde von der Research & Development-Abteilung makellos umgesetzt: Problemlos lässt sich nun vor- und zurückspringen. Damit befindet man sich bei IWC in bester Gesellschaft: Auch das im vergangenen Jahr von Audemars Piguet vorgestellte Kaliber 7138 lässt sich allein über die Krone ein- sowie vor- und zurückstellen. Wobei man sich in Le Brassus auf einem ganz anderen Preisniveau bewegt.

Premiere feiert das neue Werk in drei verschiedenen Varianten: Zum einen als Big Pilot‘s Watch Perpetual Calendar ProSet Le Petit Prince (Referenz IW329601, 38.300 Euro) in einem 42-Millimeter-Stahlgehäuse mit dunkelblauem Zifferblatt und einem Stahlarmband, an das sich dank des Schnellwechselverschlusses auch ein dunkelblaues Kautschukarmband ganz unkompliziert montieren lässt. Zum anderen als roségoldene Variante als Teil der regulären Kollektion mit dunkelgrünem Zifferblatt (Referenz IW329602) und grünem Lederband. Und zu guter Letzt noch einmal als Petit-Prince-Variante mit einem Gehäuse aus weißer Keramik, die das Gehäuse auf 43 Millimeter wachsen lässt, und im Kontrast mit dem tiefblauen Zifferblatt ein echter Blickfang ist (Referenz IW339601, 40.900 Euro).

Die drei Modelle zeigen zum einen eindrucksvoll, wie unterschiedlich ein Ewiger Kalender optisch wirken kann. In Stahl wirkt die Uhr zeitlos-schön, in weiß sehr zeitgenössisch-cool. Da wird die nutzwertige Fliegeruhr mit der markanten Krone schnell zum Fashion-Accessoire. Vor allem zeigen sie zudem einen weiteren Pluspunkt auf: Das ProSet-Kaliber passt auch in kleinere Gehäuseumfänge, während das Vorgänger-Kaliber stets die 46,2-Millimeter-Variante der Big Pilot ausfüllte, und für kleinere Durchmesser in der Vergangenheit Kaliber-Varianten genutzt wurden, die auf die Jahresanzeige verzichteten.

Lichtgestalt: Die Big Pilot`s Perpetual Calendar Ceralume 

In der Entwicklungsabteilung von IWC folgt man einer klaren Innovationsstrategie. Stefan Ihnen berichtet: „Wir investieren sicherlich 90 Prozent unserer Ressourcen in drei große Schwerpunkte: Das sind zum einen die Kalender, das andere die Chronographen, und dann natürlich auch die Materialien.“

Gleich zwei dieser Schwerpunkte finden sich in der Big Pilot‘s Perpetual Calendar Ceralume (Referenz IW505801): Der Ewige Kalender in Form von Automatik-Kaliber 52616, und die Materialforschung in Form von Ceralume. Dass diese Uhr kommen würde, ist grundsätzlich keine Überraschung: Bereits vor zwei Jahren wurde ein Unikat mit einem Gehäuse aus im dunkeln leuchtender Keramik am Handgelenk von Rennfahrer Lewis Hamilton gesichtet. Doch nun endlich findet sich diese Art Gehäuse, gebrannt aus einer Kombination von Keramikpulver und Superluminova, auch in der regulären Kollektion – wenn auch zunächst nur in einer limitierten Edition von 250 Exemplaren.

Was den Besitzern im Alltag einen erstklassigen Partytrick bescheren wird, ist das Ergebnis intensiver Materialforschung, wobei die größte Herausforderung darin bestand, ein gleichmäßiges Leuchten des Gehäuses zu erreichen. Im Dunkeln funkelt die schneeweiße Ceralume nun wie ein Glühwürmchen: Gehäuse, Zifferblatt, Band – alles ist erleuchtet. Mit 46,5 Millimeter Durchmesser ist die Uhr dabei zu jeder Tages- und Nachtbeleuchtung schwer zu übersehen, und für schmale Handgelenke eine ziemliche Herausforderung. Glücklicherweise befindet sich IWC aber augenscheinlich erst am Anfang einer vielfältig ausbaubaren Ceralume-Geschichte. Dem Vernehmen nach sind kleinere Gehäuse technisch ebenfalls umsetzbar, und zumindest theoretisch könnte man auch andere Keramikfarben leuchten lassen, wobei Weiß naturgemäß den extremsten Effekt hat. Für den ersten großen Aufritt die große Big Pilot zu nehmen erscheint vor diesem Hintergrund mehr als stimmig.

Die Ingenieur-Familie wächst: Grüne Keramik, Titan und mehr

Noch mehr Kalender und Materialien finden sich in der Ingenieur-Familie, die auch dieses Jahr weiter ausgebaut wird. Ein optisches Highlight ist dabei eine Variante aus olivgrüner Keramik mit roségoldenen Akzenten. Sie folgt auf die schwarze Variante aus dem vergangenen Jahr, und ist durch die güldenen Indizes, Zeiger, Schrauben und Krone alles andere als in Tarnfarbe unterwegs (Referenz IW338902, 23.700 Euro). Sie folgt hier eher auf den Spuren der roségoldenen Ingenieur mit fliegendem Tourbillon (Referenz IW345901). Bei aller Sympathie für die Kollektion darf an dieser Stelle allerdings festgehalten werden, dass letztere Version sicherlich eher eine Leistungsschau als ein großer Verkaufserfolg sein dürfte. Für eine IWC ist dieser Zeitmesser einfach ungewohnt lautstark. Deutlich diskreter ist nicht nur in diesem Vergleich die aktuellste Variante des Ewigen Ingenieur-Kalenders: Aus Titan gefertigt nimmt sich das 41-Millimeter-Gehäuse mit seinem mattgrauen Antlitz angenehm zurück – vom Tragekomfort ganz zu schweigen (Referenz IW344904, 44.100 Euro).

Der kleine Prinz: 20 Jahre mit Antoine de Saint-Exupéry

Es gilt als das meistverkaufte Buch nach der Bibel und dem Koran. Die Geschichte des kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry berührt die Menschheit, und die Kooperation von IWC mit den Erben des Autors beschert beiden Parteien seit nunmehr zwei Jahrzehnten finanzielles Glück, und der Uhrenwelt diverse besonders gelungene Zeitmesser. Das ist auch in diesem Jubiläumsjahr nicht anders, vielmehr ist der Prinz und das mit ihm fest assoziierte dunkelblaue Zifferblatt allgegenwärtig. Von den beiden Big Pilot Varianten mit dem neuen ProSet-Kalender war hier bereits zu lesen. Hinzu kommen unter anderem „Le Petit Prince“-Modelle der Mark XX in Roségold (Referenz IW328301) sowie stählerne Flieger-Chronographen mit 41- und 43-Millimeter-Gehäusen (Referenzen IIW388120 und IW378011).

Ein stiller Höhepunkt der diesjährigen Kollektion aber ist eine 34-Millimeter Portofino Day & Night (Referenz IW459806). Das Stahlmodell mit goldenen Akzenten verfügt über eine Tages- und Nachtanzeige auf sechs Uhr, und bei genau dieser steht der kleiner Miniatur-Prinz auf dem Mond und schaut in den Sternenhimmel. Diese Uhr ist die zarteste und romantischste Protagonistin aus dem diesjährigen Neuheiten-Chor, ganz weit weg von Flieger-Chronos, Astronauten-GMT und vollgoldenem Tourbillon. Ihr Anblick aber lässt Innehalten und Lächeln. Und obendrein zeigt sie, wie groß die Bandbreite der typischen IWC-Uhrenwelt ist.


iwc.com

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