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A Closer Look: A. Lange & Söhne 1815 Rattrapante Honeygold „Homage to F. A. Lange“

A Closer Look: A. Lange & Söhne 1815 Rattrapante Honeygold „Homage to F. A. Lange“

A. Lange & Söhne 1815 Rattrapante Honeygold „Homage to F. A. Lange“ cover titelbild

Die Rattrapante Funktion, oder auch Schleppzeiger genannt, genießt bei A. Lange & Söhne einen gewissen Stellenwert. Sie kommt in allen erdenklichen Varianten daher: als Double-Split, Triple-Split, kombiniert mit ewigem Kalender, als Tourbograph Perpetual mit Tourbillon, Chronograph und ewigem Kalender oder auch in der Grand Complication von Lange, mit großem und kleinem Geläut, Minutenrepetition, ewigem Kalender und eben einer Rattrapante-Chronographen-Funktion mit blitzender Sekunde. Doch niemals solo, bis jetzt! Hier kommt die 1815 Rattrapante Honeygold „Homage to F. A. Lange“.

Die Glashütter Manufaktur schenkt der hochkomplexen Funktion nun endlich ein Uhrenmodell, in der sie die alleinige Hauptrolle spielt. Und feiert zugleich noch eine weitere Premiere: zum ersten Mal kombiniert Lange ihre hauseigene Legierung Honiggold mit einem schwarzen Zifferblatt – und reiht sich damit auf direktem Weg in die Riege der schönsten modernen mechanischen Schleppzeiger-Chronographen ein.

Meister des Schleppzeiger-Mechanismus

Ein gewisser Joseph Thaddaeus Winnerl erfindet 1831 den ersten Schleppzeiger Mechanismus. Warum bei Lange diese Funktion einen so bedeutenden Stellenwert hat, lässt sich auch damit begründen, dass Ferdinand A. Lange einen Großteil seiner Lehrjahre bei Winnerl verbracht hat. Doch es fehlte noch an einer wichtigen Zusatzfunktion, die einen echten Chronographen, und später Schleppzeiger-Chronographen ausmachte: die Nullstellung. So ließen sich die Zeiger zwar starten und stoppen, aber nicht gezielt auf Null zurückstellen. Diesen Mechanismus erfindet 1844 Adolphe Nicole – präsentierte die Konstruktion allerdings erst 1862 in einem Uhrengehäuse und komplettierte damit alle nötigen Funktionen für einen echten Chronographen: Start, Stopp, Nullstellung.

Bei A. Lange & Söhne werden diese Grundfunktionen ihrer Chronographen seit 1999 durch Kolonnenräder (statt Nocken) gesteuert, was aufgrund ihrer hohen Fertigungskosten und Zuverlässigkeit gewissermaßen als Qualitätskriterium angesehen wird. Der technisch erweiterte Rattrapante (Schleppzeiger) Mechanismus beim Chronographen bietet einen zweiten Stoppzeiger, der unabhängig vom Chronographen-Zeiger angehalten und auch wieder mit diesem synchronisiert werden kann. In der Ausgangsstellung liegen beide Zeiger direkt übereinander. Ein Rattrapante-Chronograph erlaubt daher Vergleichs- und Zwischenzeitmessungen.

A. Lange & Söhne Doppel- und Triple-Rattrapante

Einen Meilenstein in der Geschichte der Schleppzeiger-Mechanismen legte Lange dann 2004 mit einem Doppel-Rattrapante – es war der erste Doppelschleppzeiger-Chronograph in der Geschichte der Uhrmacherei. Der Double Split von A. Lange & Söhne verfügt nicht nur über zwei Sekundenzähler, sondern auch über zwei Minutenzähler. Ganz verrückt wurde es dann im Jahr 2018, als Lange den weltweit ersten und bis heute einzigen dreifachen Rattrapante-Mechanismus präsentierte. Der Triple Split besitzt neben Sekunden und Minuten noch einen zusätzlichen Zeiger für die Stunden. Somit lassen sich beliebig viele Zwischen-und Referenzzeiten sowie zwei gleichzeitig gestartete Ereignisse bis zu einer Dauer von 12 Stunden messen und vergleichen. Er ist bis heute der erste und einzige seiner Art.

Den „einfachen“ Rattrapante ließ Lange bislang trotz seiner beachtlichen Komplexität nicht ohne einen weiteren starken Companion an seiner Seite existieren. Anlässlich des 175-jährigen Jubiläums seit der Gründung von Ferdinand Adolph Langes erster Taschenuhrenfabrikation, widmet ihm die Glashütter Manufaktur nun ein limitiertes Modell, in dem er als Solist glänzen darf.

Die A. Lange & Söhne 1815 Rattrapante Honeygold – Einer der schönsten modernen Schleppzeiger-Chronographen

Die neue A. Lange & Söhne 1815 Rattrapante Honeygold „Homage to F. A. Lange“ ist eines von drei Modellen aus der Jubiläumskollektion – mit unterschiedlichen Funktionen, aber allesamt demselben Gehäusematerial aus Honiggold. Eine Legierung, die einerseits besonders hart ist – zumindest härter als Platin – und damit weniger empfindlich gegen Beschädigungen, sich dafür aber auch schwerer bearbeiten lässt. Die Legierung strahlt einen besonders warmen Glanz aus der, je nach Lichteinfall, zwischen Weißgold und einem leichten Rotgold changiert. Seit 2010 gibt es diese Goldlegierung exklusiv nur bei Lange, dessen genaue Zusammensetzung ein Firmengeheimnis bleibt.

Seit 2010 waren es erst acht limitierte Modelle, die sich im Farbton des süßen Bienenerzeugnis hüllten, doch immer mit einem hellen Zifferblatt kombiniert wurden. Zehn Jahr hat es gedauert, bis Lange sich an eine neue Farbkombination herantraute. Und das Warten hat sich gelohnt, denn zusammen mit dem schwarzen Zifferblatt entpuppt sich der Honiggoldton als Perfect Match. Denn, kombiniert man Gelbgold mit Schwarz, so will es nicht so richtig zusammenpassen – und Rotgold macht sich zwar mit Schwarz gut, aber der hohe Kupferanteil führt oftmals dazu, dass der Goldton einen zu rötlichen Touch bekommt. Honiggold hingegen bietet meiner Meinung nach die perfekte Balance zwischen Rot- und Gelbgold, die mit einem schwarzen Zifferblatt kombiniert unsere uhrmacherischen Rezeptoren vor Freude hüpfen zu lassen.

Die Details der A. Lange & Söhne 1815 Rattrapante Honeygold „Homage to F. A. Lange“

Eine echte Dress Watch sollte meinem Empfinden nach einen Gehäuse-Durchmesser von 42 mm nicht übersteigen. Mit Komplikation dürfen es dann auch mal 43 mm sein. Pateks Schleppzeiger Chronograph Ref. 5370P – übrigens für mich ebenfalls einer der schönsten modernen Schleppzeiger-Chronos – zeigt eindrucksvoll, wie man Haute Horlogerie und Ästhetik perfekt in Einklang bringt. Er hat einen Gehäuse-Durchmesser von 41 mm und die inzwischen eingestellte Version mit schwarzem Zifferblatt (5370P-001) besitzt denselben reizvollen Charme wie Langes neuste Kreation. Allerdings erschien sie mit einem Gehäuse aus Platin, anstelle Honiggold, das in der 1815 Rattrapante Honeygold „Homage to F. A. Lange“ einen Durchmesser von 41.2 mm bei einer Höhe von 12.6 mm aufweist.  Das schwarze Zifferblatt besteht aus massivem Silber und zeigt Stunden, Minuten sowie kleine Sekunde mit Sekundenstopp und einem Rattrapante-Chronographen mit 30-Minutenzähler.

Besonders gefällig ist meiner Meinung nach auch, dass die Hilfszifferblätter ebenfalls in schwarz gehalten sind und nicht farblich hell unterlegt wurden, wie es zum Beispiel bei der Datograph Auf/Ab in Rotgold mit schwarzem Zifferblatt der Fall ist. Darüber hinaus wurden sie vertikal statt horizontal angeordnet, was den Chronographen weniger sportlich, dafür wesentlich eleganter wirken lässt.

Der unten liegende Chronographen Zeiger ist aus rot vergoldetem Stahl, wohingegen der oben liegende Rattrapante Zeiger aus rhodiniertem Stahl gefertigt wurde. Der Schleppzeiger für die zweite Zeitmessung wird über den Drücker bei 10 Uhr bedient – ein kleines Detail, das Träger mehr oder weniger zu schätzen wissen. Denn oftmals wird die Schleppzeiger-Funktion über einen verlängerten Drücker in der Krone gesteuert, was für den ein oder anderen einen ungewünschten Einfluss auf den Tragekomfort hat.

Ein subtiles aber unverkennbares Merkmal unterscheidet die A. Lange & Söhne 1815 Rattrapante Honeygold „Homage to F. A. Lange“ dann von den anderen beiden Modellen des Trios. Auf dem Zifferblatt ist die Aufschrift „Glashütte in Sachsen“ zu erkennen und soll besonders im Jubiläumsjahr an eine 175 Jahre alte uhrmacherische Vergangenheit erinnern.

Lange-Manufakturkaliber L101.2

Für die neue A. Lange & Söhne 1815 Rattrapante Honeygold „Homage to F. A. Lange“ haben die Uhrmacher ein neues Handaufzugswerk Kaliber L101.2 kreiert und mit einer klassischen Kolonnenradschaltung ausgestattet. Um den Träger an den technischen Vorgängen ein Stück weit teilhaben zu lassen, sind die Kolonnenräder und Rattrapante-Zange, die den Rattrapante-Zeiger bei den Zwischenzeitnahmen fixiert, durch den Saphirglasboden sichtbar. Die an dem verzierten Lange-Unruhkloben montierte Schraubenunruh schwingt mit einer Frequenz von 3 Hertz (21.600 Halbschwingungen pro Stunde). Das Federhaus bietet nach Vollaufzug eine Gangreserve von 58 Stunden. Die 365 Einzelteile werden von Hand verziert und montiert.

Weiterentwicklung traditioneller Finissierungstechniken

Die Manufaktur A. Lange & Söhne ist für ihre besonders anspruchsvolle Fertigungstiefe bekannt. Somit ist auch das Manufakturkaliber L101.2 wieder nach höchsten Lange-Qualitätskriterien hergestellt und von Hand dekoriert worden. Die erhabenen Gestellteile aus Neusilber sind mit gekörnten Oberflächen versehen. Hebel, Federn und Rasten des Chronographen sind auf der Oberseite mit einem Strichschliff dekoriert und die umlaufenden Fasen poliert. Dabei ist es besonders schwierig für die Finisseure, die spitzwinkligen Innenecken der Fasen gleichermaßen sorgfältig zu polieren.

Unruhkloben und Chronographen-Brücken wurden von Hand graviert und die Beschriftungen darauf im Anschluss schwarzrhodiniert. Durch den dunklen Farbton der galvanisch aufgebrachten Beschichtung kommen die Gravuren etwas besser zum Vorschein. Statt einer klassischen Perlage wurden die Kloben und Brücken wie die historischen Uhren gekörnt (granulare Oberfläche), als Vorlage galt die „Qualität Lange 1A“.

Auch wenn die Uhr mit 130.000 Euro nur eine kleine Zielgruppe anspricht, wird sie wohl in der breiten Masse jedem Uhrenliebhaber gefallen. Der Zeitmesser ist durch die Kombination von Honiggold und Schwarz fast unwiderstehlich elegant, das verzierte Werk betörend stilvoll, mit seiner Schleppzeiger-Funktion verspielt aber nicht überbordend und mit 41.2 mm Gehäusedurchmesser perfekt tragbar. Für mich schlichtweg Uhrmacherei in Perfektion. Auf 100 Stück limitiert und ausschließlich in A. Lange & Söhne Boutiquen erhältlich.


www.alange-soehne.com