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A Closer Look: 2020 Blancpain Fifty Fathoms Bathyscaphe

A Closer Look: 2020 Blancpain Fifty Fathoms Bathyscaphe

Ein beinahe tödlicher Tauchunfall ist dafür verantwortlich, dass die Schweizer Uhrenmanufaktur Blancpain einen bedeutenden Beitrag zur mechanischen Taucheruhr geleistet hat. Neben den großen Playern wie Rolex, Omega, Panerai und Co., die sich in diesem Segment ein gewisses Renommee erarbeitet haben, hat Blancpain bereits in den 1950er Jahren entscheidende Features entwickelt, die das Tauchen ab sofort ein Stück weit sicherer und besser machten. Mit den neuen Fifty Fathoms Modellen kommt die Geschichte ans Handgelenk – mit neuen Farben, Materialien und Technologien. Wir gehen den Details auf den Grund.

Jean-Jacques Fiechter war ein begnadeter Freizeittaucher. Fiechter war in den 1950er bis 80er Jahren nicht nur Generaldirektor von Blancpain, sondern selber auch Mitglied in mehreren Tauchsportclubs an der schönen französischen Riviera. Obwohl er ein äußerst erfahrener Taucher war, verlor er bei einem seiner Tauchgang an der Côte d’Azur plötzlich das Zeitgefühl, das ihm beinahe das Leben kostete. Die Tauchausrüstung, so wie wir sie heute kennen, steckte damals noch in den Kinderschuhen. Daher mussten sich die Taucher letztendlich auf ihre mechanischen Zeitmesser verlassen. Sie zeigten ihnen in erster Linie die verbleibende Zeit an, die ihre Flaschen sie noch mit Sauerstoff versorgen würden.

Im selben Jahr, ein paar Monate früher, stellte auch Blancpain ihre erste Taucheruhr Fifty Fathoms. Obwohl zu dieser Zeit bereits Taucheruhren fürs Handgelenk im Umlauf waren, so fehlte ihnen eine klare Anzeige zur Berechnung der Sauerstoffversorgung – gewisse Standards in diesem Bereich waren noch nicht vorhanden.

Somit hatte Fiechter die simple aber geniale Idee, auf das Gehäuse eine Drehlünette mit Tauchskala zu platzieren. Damit aber nicht genug – Fiechter eine ganz besondere Technik entwickelt. Somit ließ sich die einseitig drehbare Lünette nur verstellen, indem man sie herunterdrückte. Es gab den Tauchern also die Sicherheit, nicht versehentlich die recht banale, aber so lebenswichtige Einstellung zu ihrem Nachteil zu manipulieren. Es schützte außerdem die Lünette davor, von Salz und Sand negativ beeinträchtigt zu werden.

Die Geburtsstunde der Fifty Fathoms

Der Name Fifty Fathoms ist auf die maximale Tiefe von Fünfzig Faden (91.45 Meter) zurückzuführen, die Taucher in der damaligen Zeit erreichen konnten. Neben der neuartigen Drehring-Technik, forschte Fiechter zusammen mit Tauchausrüstungsherstellern an wirksamen Dichtungen für den Gehäuseboden und die Krone. Und ließ diese sogar patentieren. Die Fifty Fathoms zeichnete sich außerdem durch ihr Stahlgehäuse mit Weicheisenkäfig, welches das Werk vor Magnetfeldern schütze und den gut lesbaren, großen weißen Leuchtziffern und Indexe auf einem schwarzen Zifferblatt aus. Blancpain setzte Automatikkaliber ein, um die Nutzung der Krone und somit eine unnötige Manipulation oder Wassereintritt zu reduzieren.

Bathyscaphe – die zivile Taucheruhr

Nicht nur, dass die Fifty Fathoms Modelle von Blancpain nach strengen Auswahlkriterien an die französische Kampftaucherelite „Nageurs de Combat“ ausgeliefert wurden, plötzlich nahmen auch Tauchsportgeschäfte, wie das renommierte Unternehmen AquaLung – ein Spezialist für Tauchflaschen und Atemschutzgeräte, das es übrigens heute noch gibt – die Fifty Fathoms Uhren in ihr Sortiment auf. Das brachte Fiechter auf eine Idee; die Fifty Fathoms als zivile Taucheruhr. Er hatte von nun an zwei Zielgruppen im Visier: die professionellen Taucher aus dem militärischen Bereich sowie die Amateurtaucher. Die Fifty Fathoms war mit ihren über 40 mm Gehäusedurchmesser damals nicht für den Alltag brauchbar. Daher konzipierte er 1956 eine Uhr für eine breite Zielgruppe, die sowohl im Alltag als auch zum Tauchen verwendet werden konnte. Es war die Geburtsstunde der Bathyscaphe.

Der Name stammt von einem speziellen U-Boot Konzept “Bathyskaphen” (griechisch: bathys = tief und skaphos = Schiff), das der Schweizer Forscher Auguste Piccard für seine Tiefseetauchgänge entwickelte. Der Bathyscaphe-Unterseeboottyp war eine Kreuzung zwischen Tauchglocke und U-Boot.

Die neue Bathyscaphe Uhren von Blancpain besaßen einen kleineren Gehäusedurchmesser von 37 mm. Später kamen dann noch eine Datums- und Wochentaganzeige hinzu, nützliche Funktionen für den Alltag, die natürlich auch den Absatz steigerten. Die Bathyscpahe Day Date aus den 1970er Jahren transformierte dann die Toolwatch endgültig zu einem sportlichen Mode-Accessoire. Sie bekam plötzlich ein kissenförmiges Gehäuse, denn das war en vogue zu dieser Zeit. Die Drehlünette, einst das Markenzeichen der Taucheruhren von Blancpain, wurde durch einen inneren Drehring auf dem Zifferblatt ersetzt. Eine subtile Anpassung zugunsten der Trendentwicklung, ohne dabei alle Design-Codes sprichwörtlich über Bord zu werfen.

Ihr Revival feierte die Bathyscaphe dann 2013 zum 60-jährigen Jubiläum der Fifty Fathoms. Seither steht sie bei Blancpain und ihren Anhängern wieder hoch im Kurs und erscheint jährlich in neuen, weiterentwickelten Ausführungen. Zur Baselworld 2018 stellte Blancpain drei neue Bathyscaphe Modelle vor. In diesem Jahr erweitert Blancpain die Linie um drei weitere gelungene Ausführungen.


Blancpain Fifty Fathoms Bathyscaphe Day Date Desert Edition

Die Bathyscaphe Day Date Modelle sind von den späteren Taucheruhren von Blancpain inspiriert, die in den 1970er Jahren auf den Markt kamen. Vergleicht man das Original mit der Re-Edition fällt auf, dass die ovale Gehäuseform in den modernen Uhren nicht übernommen wurde. Auch der innere Drehring ist verschwunden und die äußere Drehlünette zurück. Auch wenn Blancpain davon spricht, originalgetreue Neuauflagen kreiert zu haben, sind es zwei unterschiedliche Uhren. Es leuchtet schon ein, dass man eine Taucheruhr immer auch mit einer Drehlünette assoziiert, wobei mir das Vintage-Design der Originale ausgesprochen gut gefällt – und auch in den modernen Ausführungen gut gefallen würde.

Stattdessen erinnert heute ein Minutenkreis mit arabischen Ziffern in 5-Minuten-Intervallen an den inneren Drehring der Originalmodelle der 70er Jahre. Die einseitig drehbare Lünette ist vielmehr von den ursprünglichen Fifty Fathoms Uhren übernommen worden. Wobei die Tauchskalen der Fifty Fathoms mit einem Inlay aus Saphirglas geschützt werden, kommt bei den Bathyscaphe Modellen Keramik-Einlagen zum Einsatz. Früher nutze man üblicherweise Aluminium, was sich aber als nicht besonders robust erwies. Saphirglas und Keramik sind dagegen kratzfest – Keramik ist hingegen etwas hochwertiger und passt daher ganz gut zu den schicken Bathyscaphe Modellen. Die rechteckigen Stundenindexe und üppige Stabzeiger mit Super-LumiNova® gleichen den originalen Bathyscaphe Tauchern der 1950er Jahre.

2018 lancierte Blancpain zum ersten Mal eine neue Day Date Version, die Bathyscaphe Day Date 70s Limited Edition, mit einem grau-braunen Zifferblatt und auf 500 Stück limitiert. In diesem Jahr erscheint die Day Date mit einem sandfarbenen Zifferblatt. Die Uhrmacher ließen sich von der Death Valley Wüste in Kalifornien inspirieren, in der Ernest H. Brooks 1962 einen 120 Meter tiefen Tauchgang in die Devils Hole unternahm. Der Pionier und Unterwasserfotograf nahm an einigen Blancpain Projekten teil. So lässt sich die Verbindung zur neuen Desert Edition erklären.

Blancpain ist natürlich nicht in erster Linie für ihre Toolwatches bekannt, sondern für ihre Haute Horlogerie und Expertise in der Fertigungstiefe aufwendig-verzierter Zifferblätter. Hier trifft eine robusten Wassersportuhr auf feine Uhrmacherei. Schon in den 1970er Jahren schimmerten die Zifferblätter der Bathyscaphe mit eindrucksvollen Sonnenschliffen, die von der Mitte in irisierende Linien ausstrahlten. Dabei durchläuft das Zifferblatt einen zweistufigen Polierprozess um Kratzer zu entfernen und dann der Oberfläche ein weiches, glattes Finish zu verleihen. In der neuen Fifty Fathoms Bathyscaphe Day Date Desert Edition erscheint das Zifferblatt in abgestuften Sandfarben mit Sonnenschliffdekor. Bei 3 Uhr befindet sich das typische Datum und Wochentag. Das 43 mm Gehäuse (die Fifty Fathoms messen gewöhnlich 45 mm) besteht aus satiniertem Stahl und ist bis 300 m wasserdicht.

Die Uhr läuft mit einem Manufakturwerk 1315DD mit fünf Tagen Gangreserve und einer Unruh mit Siliziumspiralfeder. Sie ist somit antimagnetisch und eine Eigenschaft, die schon in den Anfangsjahren unabdingbar für eine echte Taucheruhr war. In der damaligen Zeit wurden Uhrwerke mit einem Weicheisenmantel im Inneren des Gehäuses vor dem Einfluss magnetischer Felder abgeschirmt. Die traditionelle Unruhspiralfeder aus einer Metalllegierung war äußerst anfällig. Blancpain gehörte dank der Expertise durch ihren Mutterkonzern Swatch Group zu den Vorreitern bei der Einführung von Spiralfedern aus antimagnetischem Silizium. Der schöne Nebeneffekt: es ermöglichte nun auch einen transparenten Saphirglasboden mit Blick auf das Werk.

Bei diesem Modell fällt der Blick zuerst auf den  Aufzugsrotor aus Gold, der mit einer speziellen Legierung auf Platinbasis (NAC) beschichtet wurde. Die Fifty Fathoms Bathyscaphe Day Date Desert Edition wird an einem sandfarbenen Segeltuchband getragen. Preis: 11.780 Euro.

Blancpain Fifty Fathoms Bathyscaphe Chronographe Flyback

Ein Jahr nach der Wiedereinführung ihrer Bathyscaphe Linie, kam auch ein Flyback Chronograph dazu. Inzwischen gibt es das Modell in Schwarz, Blau und sogar Meteoritengrau – neuerdings auch in Grün. Allerdings schimmert nicht nur das Zifferblatt grün, sondern auch die drehbare Lünette mit grünen Keramikeinsätzen. Die Indexe darauf sind aus Liquidmetal®, das der ein oder andere vielleicht aus seiner OMEGA kennt und 2009 erstmals vorgestellt wurde.

Wer die Gelegenheit hat, sollte sich das eindrucksvolle Changieren der Lichtreflexe auf dem Zifferblatt live ansehen. Beim Einfärben des Zifferblatts werden mehrere nanometrisch feine Materialschichten abgelagert. Die Lichtstrahlen reflektieren dann den gewünschten Farbton und changieren je nach Einfallswinkel mit metallischen Nuancen. Die Chronographenzähler werden vertieft und azuriert, was das Zifferblatt in Kombination mit dem Sonnenschliffdekor noch interessanter macht. Und auch guttut – denn es verleiht den vielen Lichtreflexen des Hauptzifferblatts etwas Ruhe. Ein schönes Detail findet sich auf der kleinen Sekunde des unteren Hilfszifferblatts, die mit einem Lollipop-artigen Zeiger mit kräftiger Leuchtmasse versehen ist.

Mit einer Bauhöhe von 15.25 mm sollte man sich bewusst sein, dass die Uhr nichts für den klassischen Hemdträger ist. Auch wenn die Bathyscaphe modisch sein möchte, ist sie immer noch eine Taucheruhr – und in diesem Fall ein Chronograph, der laut Hersteller sogar bis zu einer Wassertiefe von 30 Bar betätigt werden kann. Für den Antrieb sorgt das automatische Manufakturkaliber F385, das bereits 2014 für dieses Modell konstruiert wurde. Ein Schnellschwinger (5 Hz) mit vertikaler Kupplung und Chronographenmechanismus, der über ein Säulenrad gesteuert wird. Das Werk ist durch einen offenen Saphirglasboden des 43.6 mm Gehäuses aus satinierter schwarzer Keramik zu bewundern.

Der Fifty Fathoms Bathyscaphe Chronographe Flyback wird an einem NATO- oder Segeltuchband getragen. Ein weiteres schönes Detail: Dornschließe und Schlaufen sind ebenfalls aus Keramik gefertigt und wurden sorgsam finissiert. Preis: 15.840 Euro

Blancpain Fifty Fathoms Bathyscaphe Sedna® Gold

Als dritte Neuheit in diesem Jahr stellt Blancpain eine Bathyscaphe mit einem 43 mm Gehäuse aus Sedna® Gold mit blauem Zifferblatt und Lünette vor. Auch dieses Material wird innerhalb der Swatch Group von OMEGA genutzt. Sedna® Gold ist eine Legierung aus Gold, Kupfer und Palladium und sorgt für einen ganz eigenständigen Roségoldton. Auch die einseitige Drehlünette besteht aus Sedna® Gold, mit Keramikeinsatz und einer Zeitskala sowie Indexen aus Ceragold®.

Anders als bei den Day Date Modellen, ist hier das Design auf die ersten Bathyscaphe Uhren der 1950er Jahre zurückzuführen. Denn sie besaßen die typischen leuchtenden längsrechteckig geformten Stunden- und Minutenzeiger und die rechteckigen Stundenindexe – hier mit feinen Goldpunkten und Super-LumiNova® Beschichtung ergänzt. Was zwar für die Taucher damals noch eher irrelevant war, kann heute im Alltag nützlich sein, somit besitzen sie auch heute noch einen schlanken Sekundenzeiger und eine Datumsanzeige, die ich mir persönlich allerdings bei der 3 Uhr Position wünschen würde, wie auch bei den ersten Bathyscaphe Modellen von 1956.

Im Inneren tickt das automatische Manufakturwerk 1315. Es wurde 2007 speziell für die Sportuhren von Blancpain entwickelt und zeichnete sich besonders durch seine fünftägige Gangreserve aus. Dafür sorgen drei in Reihe geschaltete Federhäuser. In der Unruh schwingt eine Siliziumspiralfeder.

Durch den offenen Saphirglasboden kommen die gewendelten und abgeschrägten Brücken zum Vorschein. Unübersehbar ist auch die schön finissierte Schwungmasse aus Sedna® Gold mit einem eingravierten Blancpain Logo. Preis: 23.260 Euro.

Zusammenfassung

Ein Leitsatz bei Blancpain sagt „Innovation ist unsere Tradition“. Diese Aussage birgt auch eine Herausforderung, fortschrittlich zu sein, ohne sorgsam erarbeitete Design-Codes einer Marke über die Zeit zu verwässern. Und wir sprechen bei Blancpain von 285 Jahren Firmengeschichte, auch wenn die Taucheruhren der Marke sehr viel jünger sind. Blancpain stellt sicher, dass diese Geschichte einerseits weitergeht und andererseits weitergedacht wird, mit neuen Materialien, Funktionen und Farben.

Somit verschmelzen die Bathyscaphe Modelle von Blancpain zu einer Melange aus robusten Wassersportuhren und feiner Uhrmacherei. Der Sinn für die Ästhetik und Eleganz schwing in den Uhren immer mit, was auch erklären könnte, warum sich kaum derbe Edelstahlbänder an den Taucheruhren finden. Mir persönlich gefällt das sehr gut, denn es hebt sie – genauso wie die vielen anderen Design-Codes der Uhren – von der Masse ab.

Warum die Taucheruhren von Blancpain nicht unbedingt denselben Bekanntheitsgrad wie ihre Mitstreiter genießen mag auch daran liegen, dass sie preislich in einer anderen Liga schwimmen und stark begrenzt verfügbar sind. Sie bedienen nun mal eine Nische – die Bathyscaphe Modelle vielleicht sogar, trotz ihrer modischen Erscheinung, noch mehr als die Ur-Taucheruhr von Blancpain. Denn die Fifty Fathoms verkörpert alle Eigenschaften einer echten Taucheruhr – zumindest deutlicher als die trendigen Bathyscaphe Uhren. Aber in der Nische sind sie ein ernst zu nehmender Player, die mit einer starken Geschichte und Savoir-Faire aufweisen können.


www.blancpain.com


Quellen: Blancpain Lettres Du Brassus Issue Nr. 13 | Blancpain Lettres Du Brassus Issue Nr. 18 | Blancpain Lettres Du Brassus Issue Nr. 20