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50 Jahre TUDOR Chronographen – eine Spurensuche

50 Jahre TUDOR Chronographen – eine Spurensuche

Tudor Heritage Chrono 70330B-0003 Blue Fabric

Vor knapp 100 Jahren traf Rolex Gründer Hans Wilsdorf die Entscheidung, ein neues Uhrenunternehmen ins Leben zu rufen. Wie viele Kenner sicherlich bestätigen würden ist es ihm gelungen, eine preisgünstigere Uhr gegenüber der Rolex Schwester anzubieten, die aber trotzdem allen Standards wie Zuverlässigkeit und Ganggenauigkeit gerecht werden würde, für die Rolex sich bereits einen Namen gemacht hatte. So entstand im Jahr 1926 die Marke TUDOR. Anfänglich war sie noch unter dem Namen „Veuve de Philippe Hüther“ registriert, eher sie 1936 an Wilsdorf überschrieben wurde. Im Jahr 1946 firmierte TUDOR dann schließlich offiziell als Unternehmen, das sich auf Uhrenmodelle für Männer und Frauen gleichermaßen spezialisierte.

Präzision ist natürlich die Voraussetzung für jede gute Uhr. Dennoch gibt es einen ganz bestimmten Uhren-Typen, der besonders genau sein sollte und die Zuverlässigkeit bieten musste, auf die Wilsdorf schon so viele Jahre lang höchsten Wert legte.

Hier kommen die Chronographen ins Spiel – Chronographen als Armbanduhren haben uns bereits seit den 1910er Jahren als äußerst praktische und komplexe Zeitmesser gedient, als sie erstmals in Serie produziert wurden.

Ein weiterer Meilenstein wurde 1969 mit Zenith’s El Primero gelegt, dem ersten automatischen Chronographen Uhrwerk, knapp gefolgt von Heuer (später bekannt als TAG Heuer) und dem gemeinsamen Engagement mit Breitling, aus dem das Kaliber 11 hervorging. Aber auch TUDOR hat auf die wachsende Nachfrage nach Sport Chronographen reagiert und konnte dieses Feld in den letzten 50 Jahren mit der Entwicklung einiger nennenswerter Referenzen bereichern.

1970 – Die ersten Chronographen von TUDOR

Im Jahr 1970 feierte Rolex’ Schwestermarke TUDOR mit der Chronographen Serie „Oysterdate“ ihr Debut. Die drei Versionen der legendären 39 Millimeter Sportuhr (inklusive des Prototypen Ref. 7033) mit ihren typischen und unterschiedlichen Lünetten wurden von einem mechanischen Handaufzugswerk Valjoux-Kaliber 7734 angetrieben. Die orange-leuchtenden Details auf dem Zifferblatt und die sonderbaren fünfeckigen Stundenindizes der auffälligen „Oysterdate“ 7000 Serie (Ref. 7031, Ref. 7032, Ref. 7033) boten eine willkommene Abwechslung zum Uhren Alltag.

Mit ihrem robusten wasserdichten Stahlgehäuse, der verschraubten Krone und dem eigenwilligen 45-Minuten Zähler des Hilfszifferblatts, war sie schon eine ideale Sportuhr für abenteuerlustige Jungs, lange bevor die #BornToDare Kampagne ins Leben gerufen wurde.

1971 – Die Monte-Carlo

Ohne Zweifel war TUDOR’s erster Chronograph ein ziemlicher Erfolg – innerhalb eines Jahres produzierte das Uhrenunternehmen die gesamte Serie von 1971. Serie 7100 fiel mit blauen Akzenten auf, die letztendlich auch ein Stück weit zu einem Markenzeichen von TUDOR wurden (überwiegend Ref. 7149). Aufgrund ihres Zifferblatts, das an eine Roulettescheibe erinnerte, gaben ihr Fans der Marke den Spitznamen „Monte-Carlo“.

Die überarbeiteten, farbenfrohen Modelle waren vom Prototyp Serie 7000 (Ref. 7033) inspiriert und erhielten die langersehnte drehbare Lünette.

Ein entscheidender Unterschied zwischen den beiden sonst sehr ähnlichen Serien lag im Uhrwerk. Die 7100 Modelle wurden vom Handaufzugswerk Valjoux-Kaliber 234 angetrieben. Dank der höheren Frequenz war das Werk noch präziser als ihr Vorgänger, was nicht zuletzt auf den überarbeiteten Chronographenmechanismus mit Kupplung und Säulenrad zurückzuführen war.

1976 – Die ‘Big Block’: Das erste automatische Chronographenwerk

Als die Schweizer Uhrenindustrie in den 70er und 80er Jahren tief in der zunehmenden Inflation und Quarz Krise steckte, hielt sich TUDOR über Wasser. Das Unternehmen lancierte 1976 die dritte Serie ihrer Chronographen Uhren, Serie 9400.

Die drei revolutionären Prince Oysterdate Referenzen unterschieden sich maßgeblich von ihren Vorgängern. Denn sie wurden nun von TUDOR’s erstem automatischen Chronographenwerk angetrieben, dem Valjoux-Kaliber 7750, das etwa 1.5 Millimeter dicker war als das Valjoux-Kaliber 234 und aufgrund seiner besonderen Genauigkeit geschätzt wurde. Die Uhren waren daher in einem etwas größeren Gehäuse gebettet, was dazu führte, dass die Serie mit ihren verschiedenen Lünetten und Zifferblättern (jetzt auch mit Stundenzähler) in Sammlerkreisen den Spitznamen „Big Block“ erhielt.

Die drei Referenzen bestanden aus: Ref. 9420, Ref. 9421 und Ref. 9430. Der entscheidende Unterschied lag in ihren Lünetten. Referenz 9421 besaß eine ‘Bakelite’ Tachymeter-Lünette – Bakelite war der erste vollsynthetische Kunststoff. Außerdem hatte Ref. 9421 eine beidseitig drehbare 12-Stunden Lünette. Dennoch, am auffälligsten war sicherlich die robuste Stahl-Lünette der Referenz 9430.

Zu dieser Zeit wurden die sonst so farbenfrohen TUDOR Chronographen durch Modelle in Schwarz, Grau und Weiß ersetzt – eine gute Entscheidung wenn man bedenkt, dass die Ergänzung durch den extra Stundenzähler dazu führte, dass das ganze Hilfszifferblatt-Design nach links rückte, und das Datum bei 3 Uhr seinen Platz fand. Das Zifferblatt sah durch die gedeckten Farben etwas aufgeräumter aus. TUDOR experimentierte damals trotzdem mit einigen extra Features – einige Versionen wurden beispielsweise mit einer blauen Plexiglas Lünette versehen, die bei TUDOR bereits 1970 erstmals zum Einsatz kam, mit lackierten Indizes und blauen und orangenen Details als Anspielung auf die Monte-Carlo Modelle.

Andere wiederum bezogen sich auf die Modelle einer früheren Generation, die mit ihren hellen Details zu einem neuen Spitznamen führten: „Big Block Exotic“. Der markante „Square Guards“ Kronenschutz war eines der unverwechselbaren Features und zum ersten Mal 1959 bei der Submariner (Ref. 7928) zu sehen. Diese Modellreihe wurde somit „Big Block Exotic Square Guards“ getauft.

1989 – Ein paar subtile Veränderungen der ‘Big Block’

Während der Westen 1989 von einer Welle an Veränderungen durch die Revolution im Ostblock und den Fall der Mauer in Aufruhr war, schien es um die Chronographen Uhrmacher bei TUDOR etwas ruhiger geworden zu sein. Obwohl eine vierte Generation (Serie 79100) produziert wurde, gab es nur wenig Veränderungen zur Serie 9400. Das Gehäuse war unverändert, weshalb sie ihren Spitznamen ‘Big Block’ beibehielten. Eine der leicht überarbeiteten Modelle war Ref. 79170. Der Nachfolger des ‘Bakelite’ Tachymeters Ref. 9421 zeigte nun nicht mehr ‘ROLEX’ auf der Bandschließe, sondern trug den Namen ‘TUDOR’.

Die Modelle wurden auch weiterhin vom Bestseller Kaliber Valjoux 7750 angetrieben. Wohingegen andere Chronographenwerke auf ein Säulenrad zurückgreifen, verfügt dieses Kaliber über ein Drei-Ebenen-CAM-System. Es besteht aus einer Werksplatine, einer Kalenderplatine und einer Platine für den Chronographen. Hebel setzen die Nocken des Mechanismus in Bewegung. Das Werk ist bis heute eines der erfolgreichsten Automatik-Chronographenwerke und wird in der Schweizer Uhrenindustrie von Marken wie IWC Schaffhausen, OMEGA, Panerai, Hublot und vielen weiteren geschätzt und genutzt.

Die Chronographen waren allerdings wieder mit unterschiedlichen Lünetten erhältlich. TUDOR Fans konnten sogar aus verschiedenen Zifferblatt Optionen wählen, allen voran einem Zifferblatt im „Panda Look“, bekannt von Zenith’s El Primero aus den 1960er Jahren.

1995 – Die Prince Oysterdate ‘Sapphire’ Linie wird lanciert

Ein gutes halbes Jahrzehnt später tauchte bei TUDOR plötzlich eine ganz neue, fünfte Generation ihrer Chronographen auf – die Serie 79200, besser bekannt als die Prince Oysterdate ‘Sapphire’, dank ihres Saphirglas, wie der Name es schon verrät, welches das Plexiglas ersetzte.

1995 feierte sie ihr Debüt und präsentierte sich in einem überarbeiteten, runderen Gehäuse was ihr einen etwas eleganteren Touch verlieh. Die ursprüngliche Plexiglas-Lünette wurde mit einer Tachymeterskalenscheibe aus schwarz eloxiertem Aluminium ersetzt, das nicht nur robuster war, sondern auch vor Korrosion schützte. Im Inneren lief das Valjoux-Kaliber 7750, das seit 1976 einigen Updates unterzogen wurde.

Zusätzlich wurden Bicolor Modelle (Stahl und Gold) und auch Lederarmbänder angeboten, womit sich TUDOR so langsam von den sportlichen Chronographen verabschiedete.

1999 – 2009: Abenteuerliches neues Design

Die Reise für Serie 7900 war noch nicht vorbei. TUDOR präsentierte etwas später die Tiger TUDOR Prince Date Chronographen, die heutzutage etwas obskur wirken mögen. Die Uhren wurden in Kooperation mit Profigolfer Tiger Woods vorgestellt, nachdem er 1997 die Masters gewann.

Das Modell Ref. 79280, mit seiner beachtlich großen Edelstahl-Lünette ähnelte der ‘Big Block’ – auf der Lünette war passend zum Gehäuse eine Tachymeter Skala eingraviert. Ein auffälliges Feature, genauso wie bei allen anderen Modellen dieser Serie, war der Schriftzug ‘TIGER’ auf der Oberseite des Zifferblatts. Einige Versionen besaßen wahrlich verblüffende und einmalige Zifferblätter. Eine skurrile Ausführung der Ref. 79280 zum Beispiel war mit einem dunkelrot guillochierten Zifferblatt versehen. Die meisten Modelle waren jedoch mit silbernen, weißen oder schwarzen Ziffer- und Hilfszifferblättern ausgestattet. Hin und wieder sah man Modelle mit blauen Blättern. Das letzte Modell der Tiger TUDOR Prince Date Chronographen hatte drei Hilfszifferblätter im Panda Look bei 12, 6 und 9 Uhr.

2010 – Zurück zu den Wurzeln: Der Heritage Chrono

Sowohl Gentlemen als auch Sportler trugen die TUDOR Chronographen nun bereits seit 40 Jahren am Handgelenk. Zum Jubiläum brachte TUDOR den Heritage Chrono (Ref. 70330N) heraus, der von dem inzwischen legendären Prototyp Ref. 7033 aus dem Jahr 1970 inspiriert war.

Ähnlich zum El Primero A384 Revival aus dem Vorjahr, hat sich auch TUDOR stark am Original Model Ref. 7033 orientiert – die drehbare Lünette mit 12-Stunden Graduierung, dem 45-Minuten Zähler des Hilfszifferblatts, die orangenen Details, die polierten Nocken zum Schutz der Aufzugskrone und die Rändelung der Lünette und der Drücker.

Wohingegen das Modell bislang in Grau und Schwarz angeboten wurde, folgte 2013 dann der TUDOR Heritage Chrono Blue mit einer integrierten blauen Lünette und einem blau akzentuierten Zifferblatt als Anspielung auf die Monte-Carlo Modelle von 1971.

In diesem Jahr räumte die Heritage Black Bay beim Grand Prix d’Horlogerie de Genève den Preis in der Kategorie „Revival“ ab, was den eh schon hoch angesehenen Chronographen einen weiteren Schub verlieh.

Im selben Jahr überraschte TUDOR dann noch mit einem komplett neuen, besonders sportlichen Chronographen Modell; dem Fastrider Black Shield, mit einem schicken matt schwarzen Monoblock-Gehäuse aus Hightech-Keramik und einem automatischen ETA Werk 7753, mit einer Schnellkorrektur des Datums auf der 9-Uhr-Position.

2017 – Der erste Black Bay Chronograph

2017 löste TUDOR bei allen Heritage Black Bay Fans mit der Ref. 79350 eine wahre Hysterie aus – sie lancierten einen ‘bezahlbaren’ Chronographen mit integriertem Säulenradmechanismus und vertikaler Kupplung und das zu einem attraktiven Preis von unter 5.000 Euro (je nach Ausführung mit Stahlband oder aus Leder).

Angetrieben wurde das 41 Millimeter Stahlmodell vom TUDOR Manufaktur Chronographenkaliber MT5813, abgeleitet von dem Chronographenkaliber Breitling 01 mit einem hochpräzisen, von TUDOR entwickelten Regulierorgan. Es bietet eine großzügige Gangreserve von 70 Stunden, besitzt die typischen ‚Snowflake‘ Zeiger und natürlich auch einem 45-Minuten Zähler auf dem Hilfszifferblatt. Der Chronograph wurde sofort ein Erfolg.

2019 – Black Bays goldene Zeiten

Das bringt uns (fast) zum hier und jetzt – unsere TUDOR Chronographen Reise endet mit der Bicolor Black Bay Chrono in Stahl und Gold, obwohl Gold der eigentliche Star dieses Modells ist. Denn er ist überpräsent, von den glänzenden Drückern und der in Gold gehüllten Krone bis hin zu den Details auf der Tachymeterskalenscheibe.

Der Chronograph wird vom selben zuverlässigen Kaliber wie das Vorgängermodell angetrieben und verdankt seine Präzision der Siliziumfeder. Die Indizes und Zeiger sind mit Super-LumiNova gefüllt. Der Black Bay Chrono S&G ist bis 200 Meter wasserdicht und das Stahlband ist mit Faltschließe und Sicherheitsbügel ausgestattet.

Anlässlich der Rugby-WM im September 2019 und zu Ehren der Partnerschaft mit der neuseeländischen Rugby-Nationalmannschaft, präsentierte TUDOR den Black Bay Chrono Dark. Die schwarze Farbe der Uhr ist an das Trikot der All Blacks angelehnt. Der Chrono hat ein satiniertes Edelstahlband mit einem matten Finish und einer schwarzen PVD-Beschichtung. Der Black Bay Chrono Dark wird ebenfalls vom Manufakturkaliber MT5813 angetrieben.

Nun dürfen wir gespannt sein, was uns in Zukunft noch erwartet.

www.tudorwatch.com

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