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Die kuriose Geschichte der ROLEX 1530: ein Automatikwerk in einer Quarzuhr

Die kuriose Geschichte der ROLEX 1530: ein Automatikwerk in einer Quarzuhr

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Wir machen in diesem Artikel eine kleine Zeitreise. Rund 40 Jahre zurück – genauer gesagt in das Jahr 1972. Ein genialer Designer namens Gerald Genta machte in der Uhrenbranche von sich reden. Quasi über Nacht zauberte er das markant-eckige Gehäuse Design der Royal Oak von Audemars Piguet aus dem Ärmel. Kurze Zeit später entwickelt Genta die Ikone von Patek Philippe, die Nautilus. Weitere Designs für namhafte Uhrenmanufakturen folgten.

Ein Genta Design bei Rolex?

Wer nun die Oyster Perpetual Date 1530 von Rolex aus den frühen 70er Jahren betrachtet, der wird sich die Augen reiben. Ein Gerald Genta Design bei Rolex? Es ist das kantige Gehäuse, aber auch das integrierte Armband, das einen Hinweis auf ein Genta Design geben könnte. Doch es gibt keinen eindeutigen Beleg dafür – die Marke Rolex schweigt dazu. Allerdings war Genta auch für das Uhrenhaus Rolex kein komplett unbeschriebenes Blatt, denn er war für das Design der King Midas verantwortlich, die später in die klassische „Cellini“-Linie integriert wurde. Es würde also alles einen Sinn ergeben.

Wie dem auch sei – die Rolex Oyster Perpetual Date 1530 birgt noch eine weitere, mindestens genauso kuriose Geschichte, die viele Rolex Liebhaber und Fans höchstwahrscheinlich nicht wissen. Als die Quarzkrise über die Schweizer Uhrenindustrie rollte, machte sich auch Rolex ernsthafte Gedanken über den neuen Trend zur Quarzuhr. Somit tüftelten sie an einer Uhr, die 1977 als Oysterquartz lancierte.

Doch weil Rolex sein neues Modell nicht mit irgendeinem Quarzwerk ausstatten wollte, benötigten sie fünf Jahre bis zur marktreifen Entwicklung des Quarz-Kalibers 5035. Band und Gehäuse waren aber längst fertiggestellt. Also stattete man die Uhr kurzerhand mit einem mechanischen Automatikkaliber aus, um die Zeit zu überbrücken. Die Referenz 1530 wurde 1975 lanciert und bis 1977 in einer Stückzahl von rund (und maximal) 1500 Exemplaren produziert. Als 1977 dann die erste Oysterquartz auf den Markt kam, wurde die 1530 schon wieder eingestellt. Das macht sie heute natürlich zu einem seltenen und begehrten Uhrenmodell, wenn man sie denn kennt.

Die Besonderheiten der Rolex Oyster Perpetual Date 1530

Rolex stattete die Oyster Perpetual Date 1530 mit ihrem Automatikkaliber 1570 aus – ein sogenannter „Superlative Chronometer“ mit KIF-Ultraflex Stoßsicherung für die Unruh und Stoppsekunde. Vergleicht man die 1530 mit der späteren Oysterquartz, für die ja Band und Gehäuse überhaupt entwickelt wurden, so fällt auf; das Zifferblatt der 1530 sitzt unterhalb einer im 45 Grad Winkel stehenden Minuterie. Vermutlich entschieden sich die Ingenieure für diese Lösung, da das mechanische Kaliber etwas flacher war als das spätere Quarzwerk und man somit das Gehäuse ausfüllen wollte. Beide Gehäuse der 1530 und späteren Oysterquartz weisen eine Gehäusehöhe von 12 mm auf, sie sind also identisch.

Die Rolex Oyster Perpetual Date 1530 gab es ausschließlich als Stahlversion (36 mm Gehäuse), wohingegen die spätere Oysterquartz in Stahl und verschiedenen Goldausführungen erschien. Es gab allerdings noch eine weitere Referenz, die ebenfalls ein Automatikwerk im Oysterquartz-Gehäuse besaß und zur selben Zeit entwickelt wurde wie die 1530. Referenz 1630 erschien in Bicolor und mit integriertem Jubilee Armband.

Die Referenz 1530 besaß als erstes Rolex Modell ein Saphirglas und ersetzte somit vorläufig Plexiglas. Wenn man bedenkt, dass Saphirglas erst in den 1980er Jahren in der Uhrenbranche flächendeckend verwendet wurde, so war Rolex einer der First Mover auf diesem Feld. 

Das Zifferblatt der 1530 ist Silber, doch die Patina hat über die Jahre für einen gelblichen Farbton gesorgt. Mir gefällt dieser martialische Look in Kombination mit dem derben Gehäuse und Band. Dazu die kantige Minuterie mit dem abgesetzten Zifferblatt – da ist Musik drin und etwas mehr Dynamik als bei den späteren Oysterquartz Modellen.

Verfügbarkeit der Rolex Oyster Perpetual Date 1530

Wie viele Uhren der Referenz 1530 überhaupt noch im Umlauf sind lässt sich nicht ermitteln. Hin und wieder taucht auf dem Gebrauchtuhrenmarkt ein Modell auf. Die Preise schwanken noch stark, übersteigen aber deutlich den ursprünglichen Listenpreis von rund 2.000 DM zu ihrer Lancierung in den 1970er Jahren. Es ist auch damit zu rechnen, dass die Preise in den nächsten Jahren weiter zulegen. Wer ein Modell besitzt, sollte es tragen, nicht damit spekulieren, denn die Geschichte hinter der 1530 ist so sonderbar und kostbar, dass der emotionale Wert mit Geld nicht aufzuwiegen ist.


Unser Dank geht an Hubertus Reygers von Reygers Vintage Timepieces München für die Bereitstellung der Uhr zu Fotozwecken