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Mit Blumen die Zeit anzeigen? Van Cleef & Arpels‘ Lady Arpels Heures Florales

Mit Blumen die Zeit anzeigen? Van Cleef & Arpels‘ Lady Arpels Heures Florales

Man kann mit Recht behaupten, dass die Herren- und Unisex-Uhren häufig die technisch interessantesten sind. Ein Zeitmesser, der diesen Trend bricht, ist die Lady Arpels Heures Florales von Van Cleef. Diese Uhr ist nicht nur von außen wunderschön, sondern auch ein uhrmacherisches Meisterwerk.

Van Cleef & Arpels’ Lady Arpels Heures Florales – Ref. VCARPBJL00

Aber das ist noch nicht alles. Wenn es darum geht, Uhrmacherei und Gartenbau zu vereinen, kann man mit Sicherheit sagen, dass die Beziehung nicht sehr ausgeprägt ist. Oder etwa doch? In diesem Artikel werden wir unseren grünen Daumen wiederfinden und entdecken, wie ein einflussreicher schwedischer Wissenschaftler aus dem 18. Jahrhundert die Heures Florales-Zeitmesser inspirierte.

Fotocredit © Shalev Cohen

Die Poesie der Zeit

Unter dem Motto Poetry of Time kreiert Van Cleef Zeitmesser mit einer träumerischen und ätherischen Qualität: von fantastischen Feen, die mit Marienkäfern kommunizieren, bis hin zu Liebenden, die sich anmutig auf einer Brücke in Paris treffen.

Lady Arpels Pont des Amoureux Jour
Fotocredit © Van Cleef & Arpels

„Poesie der Zeit“ ist eine interessante Wortwahl: Einige der berühmtesten poetischen Werke, die je geschrieben wurden, befassen sich mit dem Konzept der Zeit. Da ist Audens Funeral Blues: „Stoppt alle Uhren, schaltet das Telefon ab“. Oder Shakespeares Sonett 19: „Tu dein Schlimmstes, alte Zeit: trotz deines Unrechts, / soll meine Liebe in meinen Versen immer jung leben“. In der Poesie nutzen die Menschen die Zeit, um über Gefühle, Erfahrungen, Erinnerungen und die Wunder der Welt nachzudenken.

Dichter und Dramatiker William Shakespeare, Skizze aus dem First Folio (1623)

Mit dem Wort „Zeit“ bezeichnen wir eine Epoche, einen genauen Moment, eine Messung, ein Ereignis, eine Erfahrung, einen musikalischen Rhythmus. Zeit ist ein vielschichtiges Wort – und genau das spiegeln die Uhren der Poetic Complication-Kollektion in den Geschichten wider, die sie erzählen.

Lady Arpels Heures Florales

Vor diesem Hintergrund wird es nicht überraschen, dass die Lady Arpels Heures Florales nicht nur ein hübsches Gesicht hat. Aber wenn wir schon beim Thema sind: Die Vorderseite der Uhr ist eine Ansammlung von Miniaturschmetterlingen, glitzernden Juwelen und gelbgoldenen Zweigen, die sich über das Zifferblatt wölben. Doch wie der Name schon sagt, sind es die Blumen, die in diesem hochtechnischen Stück eine zentrale Rolle spielen, denn die Blütenblätter öffnen und schließen sich, um die Zeit anzuzeigen. Die Entwicklung dieses einzigartigen Modells war keine leichte Aufgabe, denn Van Cleef & Arpels benötigte von der Konzeption bis zur Herstellung ganze fünf Jahre. 

Lady Arpels Heures Florales – Ref. VCARPBJM00

Botanische Inspiration für die Lady Arpels Heures Florales

Van Cleef & Arpels interessiert sich seit langem für die Natur, von den Art-déco-Blumenbroschen der 1920er Jahre bis zu den mit singenden Vögeln geschmückten Tischuhren der 1960er Jahre. Die Inspiration für die Lady Arpels Heures Florales geht jedoch auf eine faszinierende Idee des schwedischen Botanikers Carl von Linné aus dem Jahr 1751 zurück.

Van Cleef & Arpels Art-déco-Blumenbrosche (links),
Van Cleef & Arpels Pendulette De Bureau Saphirs, Diamants et Rubis (rechts)
Fotocredit © CHRISTIE’S LOT 5394828 & 6265827

Carl von Linné

Raten Sie mal, wer den Begriff Homo Sapiens (weiser Mensch) erdacht hat? Richtig – Carl von Linné. Er wird als „Plinius des Nordens bezeichnet“, was sich auf den berühmtesten Naturhistoriker aller Zeiten bezieht, doch sein Ruf übertrifft ihn: Jean-Jacques Rousseau übermittelte die Botschaft: „Sagen Sie ihm, ich kenne keinen größeren Menschen auf Erden“. Goethe schrieb: „Mit Ausnahme von Shakespeare und Spinoza kenne ich unter den nicht mehr Lebenden niemanden, der mich stärker beeinflusst hat“. Ein Kollege witzelte schlicht: „Gott schuf und Carl von Linné organisierte“.

Portrait des Naturforschers Carl von Linné
Foto von Mikael Wallerstedt
Ölgemälde von Johan Henric Scheffel

Am bedeutungsvollsten für Van Cleef & Arpels waren jedoch vielleicht die Worte des erfolgreichen schwedischen Schriftstellers August Strindberg. Er beschrieb von Linné als „einen Dichter, der zufällig zum Naturforscher wurde“. Wer könnte eine „Poesie der Zeit“-Uhr besser inspirieren als der Mann, der die Poesie in der Natur fand?

„Wenn wir an Uhrenprojekten arbeiten, ist es unser Ziel, mit Hilfe von Mechanismen die Poesie des Zeitablaufs einzufangen. Und was könnte poetischer sein, als die Zeit mit dem Öffnen und Schließen von Blumen zu messen?

Nicolas Bos, Präsident und CEO von Van Cleef & Arpels

Carl von Linnés „Blumenuhr“

In seinem Werk Philosophia Botanica stellt von Linné einen hypothetischen Gartenplan vor, der aus einer Vielzahl von Pflanzen besteht, deren Blüten sich zu bestimmten Tageszeiten öffnen und schließen, um die Zeit anzuzeigen. Dieses Konzept trägt den Namen Horologium Florae: die Blumenuhr.

Horologium Florae
Fotocredit: nytimes.com

Von Linné teilte Blumen in drei verschiedene Kategorien ein. Erstens die Meteorici-Blumen, die sich je nach Wetterlage öffnen und schließen – zum Beispiel die Zephyranthes carinata (Regenlilie). Die zweite Kategorie sind die tropischen Blumen, die sich nach von Linné „genau zu einer bestimmten Stunde des Tages öffnen und im Allgemeinen jeden Tag zu einer bestimmten Stunde schließen“ – z. B. die Oenothera biennis (Nachtkerze). 

Regenlilien & Nachtkerze
Fotocredit © james jeon (links) / Vicktor IV (rechts)

Die dritte und letzte Kategorie umfasst die Blumen, die für die botanische Uhr von Linné ausgewählt wurden: die Aequinoctale. Dazu gehören beispielsweise Taglilien, Ringelblumen und Chicorée. Mit diesen Pflanzen würde der Tag zum Beispiel um 5 Uhr morgens mit dem Öffnen der Convolvulus tricolor (Wasserspinat) und des Löwenzahns beginnen. Der Nachmittag würde dann mit der Blüte von Mirabilis jalapa (treffend „Four o’clocks“ genannt) zu Ende gehen.

Wasserspinat, die Carl von Linné zufolge den frühen Morgen ankündigt
Fotocredit © Gary Fultz

Funktionieren Blumenuhren?

Ob von Linnés Horologium Florae ein wirklich effektives uhrmacherisches System ist, wurde noch nicht endgültig entschieden. Das größte Versäumnis besteht wohl darin, dass das Konzept auf die besonderen Bedingungen in Uppsala angewandt wurde, einer Gegend in Schweden, die im Sommer sehr viele Sonnenstunden sieht. Natürlich spielen auch die unterschiedlichen Temperaturen auf der Welt eine Rolle. Außerdem hat von Linnés persönliche Kategorisierung der Blumen keine wissenschaftliche Grundlage. Trotz dieser Unzulänglichkeiten kann man wohl behaupten, dass von Linné nie gedacht hätte, dass seine Idee zur Inspirationsquelle für ein Schmuckunternehmen werden würde, das erst einige Jahrzehnte später, 1896, gegründet werden sollte.

Der Linné-Garten ist der älteste botanische Garten Schwedens und stammt aus dem Jahr 1665

Fotocredit © David Naylor

Handwerkskunst und Materialien

Ein wichtiges Element der Poetic Complications von Van Cleef & Arpel ist die Verbindung von Juwelier- und Uhrmacherkompetenz. Farbige Saphire sowie gelbe und weiße Diamanten betten die Perlmuttzifferblätter der Lady Arpels Heures Florales ein. Kunsthandwerker bemalen die Blütenblätter und Schmetterlinge in Miniaturform und modellieren die Wolken aus Perlmutt.

Fotocredit © Johann Sauty

Trotz der Gravur des Gehäusebodens, die das Zifferblatt aufgreift, sorgt Van Cleef & Arpels dafür, dass die Schwungmasse sichtbar bleibt. Sie ist mit einem Dekor aus guillochiertem Gold versehen und zeigt eine Miniaturmalerei einer Libelle oder eines Schmetterlings. Beide Editionen werden mit passenden, austauschbaren Alligatorlederarmbändern und einer austauschbaren, diamantbesetzten Dornschließe geliefert.

Fotocredit © Johann Sauty

Zwei Jahreszeiten stehen zur Wahl

Die Ref. VCARPBJL00 präsentiert sich in einem weißgoldenen Gehäuse in Kombination mit blauen Blumen, während die Schwester (Ref. VCARPBJM00) in einem roségoldenen Gehäuse mit rosa Blumen präsentiert wird. Die blaue Edition soll mit frischen Blau- und Grüntönen an den Sommer erinnern, während die rosafarbene Version den Frühling zelebriert. Die Sommeredition ist mit insgesamt 424 Steinen besetzt, die Frühlingsedition mit 430 Diamanten und 10 Saphiren. 

Der Mechanismus der Lady Arpels Heures Florales

Damit die Lady Arpels Heures Florales funktionieren kann, werden 166 Komponenten in Bewegung gesetzt. Allein das Zifferblatt besteht aus insgesamt 226 Elementen und ist damit wohl der komplexeste Teil der gesamten Uhr.

Das mechanische Uhrwerk im Inneren der Uhr ist mit einem speziellen Modul ausgestattet, das die 12 Blüten öffnet, um die Stunden anzuzeigen. Jedes einzelne Blütenblatt der 12 Blumen ist mit dem Modul verbunden. Doch damit nicht genug: Jede der Blüten hat einen Öffnungsvorgang mit drei verschiedenen Sequenzen. Für jede Stunde, die vergeht, schließen sich die geöffneten Blüten, um Platz für eine neue Kombination zu machen. Am nächsten Tag wird die Abfolge der Blumensträuße, die von Stunde zu Stunde aufeinander folgen, anders sein. Mit anderen Worten: Die Trägerin weiß nicht, welche Blume als nächste auftauchen wird; es bleibt eine Überraschung.

Fotocredit © Johann Sauty

Zusätzlich zu den Blumen, die die Stunden anzeigen, kann der Träger durch ein Fenster an der Seite des Gehäuses die Minuten seitlich ablesen. Das mechanische Valfeurier-Uhrwerk mit Automatikaufzug, das die Uhr ohne Zeiger antreibt, verfügt über eine Gangreserve von 36 Stunden. Trotz des komplizierten Innen- und Außenlebens ist die Lady Arpels Heures Florales bis 30 Meter wasserdicht.

Natürlich kann die Lady Arpels Heures Florales aufgrund der einzigartigen Zeitanzeige nicht den Anspruch erheben, die praktischste Uhr zu sein. Wie die „Blumenuhr“ von Linné hat sie das auch nicht vor. Vielmehr verwandelt diese Verbindung von Horologie und Hortikultur das Ablesen der Zeit in einen physischen Akt, der Hingabe und Reflexion erfordert – und genau darin liegt die Poesie.


Der Preis für beide Versionen beträgt 265.000 Euro (inkl. MwSt.). Van Cleef & Arpels hat von jeder Edition 23 Stück hergestellt.


www.vancleefarpels.com