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Das Jahr des Tourbillons: Die Geschichte von Abraham-Louis Breguet, dem Mann, der der Schwerkraft trotzte
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Das Jahr des Tourbillons: Die Geschichte von Abraham-Louis Breguet, dem Mann, der der Schwerkraft trotzte

Es war einmal, in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, ein Uhrmacher namens Abraham-Louis Breguet. Geboren in der beschaulichen mittelalterlichen Schweizer Stadt Neuchâtel (damals eine preußische Gemeinde), wuchs Breguet ganz in der Nähe einer alten Burg aus dem 12. Jahrhundert auf. Mit dem Juragebirge im Norden und dem Creux du Van im Westen war der junge Breguet von der Schönheit der Natur umgeben.

Trotz der idyllischen Landschaft die ihn umgab, hatte Breguet keine besonders idyllische Kindheit. Seine Schulausbildung endete mit 12 Jahren, und sein Vater war zwei Jahre zuvor gestorben. Das klingt zwar schrecklich, war aber wohl in diesem Fall eher ein Segen. Nach dem Tod seines Vaters heiratete seine Mutter erneut einen Mann namens Joseph Tattet, der aus einer Uhrmacherfamilie stammte. Nachdem er sich mehrere Jahre lang dagegen gewehrt hatte, in den Beruf seiner neuen Familie einzutreten, resignierte Breguet schließlich und trat im Alter von 15 Jahren in die Dienste eines Uhrmachermeisters in Versailles ein. Dort tummelten sich die Uhrmacher am berühmtesten Hof der Welt und nahmen Aufträge in Empfang.

Sein neuer Mentor ist von seinem Scharfsinn beeindruckt, und Breguet lernt neben seiner Lehre bald auch Mathematik. Wie durch ein Wunder macht ihn sein Mathematiklehrer mit keinem Geringeren als dem letzten König von Frankreich, Ludwig XVI bekannt. Zum großen Glück für Breguet hatte der unglückselige Herrscher (der während der Französischen Revolution durch die Guillotine ein tödliches Ende fand) ein großes Faible für die Mechanik. Eine schicksalhafte Begegnung für Breguet, der später im königlichen Auftrag zahlreiche Komplikationen im In- und Ausland konstruierte.

Nach dem Abschluss seines Studiums lässt sich Breguet 1775 in seiner neuen Werkstatt auf der Pariser Île de la Cité nieder, die er kurzerhand nach seinem Namen „Breguet“ benennt. Von hier aus nahm das Schicksal seinen Lauf. Breguet begann, Komplikationen zu erfinden, von neuen Hemmungen über Automatikwerke bis hin zu seiner mit der „Breguet-Kurve“ versehene Spiralfeder und dem Tourbillon.


Eine Legende der Uhrmacherei


Es ist wichtig, Abraham-Louis Breguet mit heutigen Unternehmern gleichzusetzen, um das Ausmaß seines damaligen Schaffens zu verstehen und zu würdigen. Seine Innovation, seine Verbindungen und sein international anerkannter Status sind vielleicht mit Elon Musk und seinem Tesla vergleichbar. Und doch scheint es unangemessen, die beiden völlig unterschiedlichen Persönlichkeiten – abgesehen von ihrem internationalen Bekanntheitsgrad – zu vergleichen. Denn Breguet scheint, anders als viele der heutigen Spitzenunternehmer, jemand gewesen zu sein, auf den wir romantisch als ein wahres Genie zurückblicken können. Ganz zu schweigen von einem fürsorglichen Menschen (er rettete zum Beispiel während der Französischen Revolution einen Freund, der später dasselbe für ihn tat), und jemand, der nicht nur arbeitete, um damit reich zu werden, sondern vielmehr aus echter und bedingungsloser Liebe zu seinem Handwerk.

Abraham-Louis Breguet starb am 17. September 1823 im Alter von 76 Jahren.


Die wahre Geschichte von Breguet und seinem Tourbillon


Das bringt uns zu dem Thema, mit dem wir uns in diesem Artikel beschäftigen: Breguets Erfindung des Tourbillons. Es mag überraschend sein, dass Breguet und sein Sohn zu Lebzeiten nur einige Dutzend Tourbillons herstellten, auf die wir später noch weiter eingehen werden. Dennoch ist die Erfindung selbst, ganz zu schweigen von den äußerst seltenen Modellen, die noch existieren, der Stoff, aus dem Legenden gemacht sind.

Nach mehreren Jahren in der Schweiz während der Französischen Revolution kehrt Breguet, mit frischem Enthusiasmus und inspiriert von anderen Schweizer Uhrmachern, im Frühjahr 1795 nach Paris zurück. Er musste zuvor aus Frankreich fliehen, nachdem er sich den Girondins angeschlossen hatte (einer gemäßigt republikanischen politischen Gruppierung, die aus den Jakobinern hervorging). Sein Anwesen am Quai de l’Horloge war zum Staatseigentum erklärt worden.

A.-L. Breguet eröffnet seine eigene Uhrmacherwerkstatt
am Quai de l’Horloge auf der Pariser Île de la Cité.

Breguet kehrte nur auf ausdrückliche schriftliche Aufforderung der Franzosen zurück. In den kommenden fünf Jahren nach seiner Rückkehr entwickelt Breguet zahlreiche uhrmacherische Meisterleistungen. Darunter befand sich eine besonders leistungsfähige neue Komplikation, die er „Tourbillon-Regulator“ nennt. Für diejenigen, die sich mit der Etymologie nicht auskennen: „Tourbillon“ ist das französische Wort für „Wirbelwind“.


Wie hat Breguet das Tourbillon erfunden?


Hürde 1: Was trägt zu einem regelmäßigeren Takt bei?

Breguet lebte von 1747 bis 1823. Man muss kein Historiker sein, um davon auszugehen, dass in dieser Zeit die meisten uhrmacherischen Kreationen Taschenuhren waren. Das Problem bei einer Taschenuhr ist, dass sie größtenteils stationär ist; entweder liegt sie horizontal oder vertikal. Dank seines weitreichenden Verständnisses von Mathematik und Physik sowie stundenlanger Studien und Beobachtungen erkennt Breguet, dass er die Schwerkraft ausgleichen muss, um einen gleichmäßigeren Takt seiner Uhren zu erreichen.

Hürde 2: Welche Komponenten müssen geändert werden?

Der Uhrmachermeister macht sich also daran, die physikalischen Gesetze, die die Präzision seiner Taschenuhren beeinträchtigen, zu „kompensieren“. Breguets Ziel war es, die Gangabweichung auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Er fand heraus, dass der Schlüssel dazu in der Unruh lag – dem Bauteil, das am stärksten von der Schwerkraft beeinflusst wird. Indem er die Wirkung der Schwerkraft auf die Unruh reduzierte, hoffte er, dass die Taschenuhr unabhängig von ihrer Position eine gleichbleibende Ganggenauigkeit aufweisen würde. Auf einigen Uhrengehäusen aller Epochen kann man auf dem Gehäuseboden einer Uhr mit Tourbillon noch Sätze wie „justiert auf x Positionen“ finden.

Hürde 3: Der Schwerkraft trozen

Wie hat Breguet nun die Wirkung der Schwerkraft aufgehoben? Im Wesentlichen setzte er alle Komponenten (Unruh, Feder, Hemmung und Ankerrad), die am empfindlichsten auf die Schwerkraft reagierten, in einen Käfig, der sich wiederum einmal pro Minute um seine eigene Achse drehte. Diese Konstruktion beschreibt im Wesentlichen ein Tourbillon. Durch das rotierende Tourbillon wurde die Wirkung der Schwerkraft gleichmäßig aufgehoben, und die durch eine bestimmte Position verursachten Rotationsabweichungen konnten vermieden werden. Diese geniale Lösung ermöglichte es, einen Durchschnittsgang für die Uhr zu schaffen.


Vor 220 Jahren: Die Patentierung des Tourbillons


„Es ist mir gelungen, die Anomalien, die durch die unterschiedliche Lage der Schwerpunkte der Regulierwerke verursacht werden, durch Kompensation aufzuheben …“

Vor genau 220 Jahren, im Jahr 1801, lässt Breguet seine Erfindung patentieren. Doch nur zehn Jahre später läuft das Patent aus und wird nicht mehr erneuert. Die Erfindung kommt anfangs nur schleppend in Gang, und es dauert etwa sechs Jahre, bis der Verkauf endlich anläuft. Breguet wirbt jahrelang für seinen Tourbillon-Mechanismus, wo immer es möglich ist. So zum Beispiel auf der französischen Industriemesse in Paris in den Jahren 1802, 1806 und 1819. Er lobt stets seine Erfindung, weil sie es ermöglicht, dass „die Uhrwerke ihre Ganggenauigkeit beibehalten, unabhängig davon, ob die Uhr aufrecht steht oder gekippt ist“.

Aquarellplatte aus den 1801 eingereichten Patentunterlagen für den Tourbillon-Regulator
Credit: © INPI Paris. 430×550

Schließlich versuchten auch andere Uhrmacher, mit dem Tourbillon zu experimentieren. Allen voran der dänische Uhrmacher Bahne Bonniksen, der einige Jahrzehnte später Breguets Erkenntnisse nutzte, um seinen Karussellmechanismus zu entwickeln.


Die Tourbillon-Taschenuhren von Breguet: kulturelle Einflüsse


Bevor wir uns mit den Tourbillon-Taschenuhren von Breguet befassen, lohnt es sich, ein wenig in die Vergangenheit einzutauchen. Da ich Geisteswissenschaften studiert habe, finde ich die Zeit um in der Wende zum 19. Jahrhundert äußerst spannend, als die Tourbillonuhren von Breguet erfunden wurden. Nach der Hinrichtung von König Ludwig XVI im Jahr 1793 kam es in Frankreich nicht nur zu einer anhaltenden Revolution im politischen Bereich, sondern auch in allen anderen Bereichen des Lebens – einschließlich der Kunst.

Zur Zeit der Erfindung des Tourbillons bis zur Herstellung seiner letzten Tourbillon-Taschenuhr machte Breguet zwei wichtige Erfahrungen: die Aufklärung (die mit dem Neoklassizismus Hand in Hand ging) und die Romantik. Beide sind für die Betrachtung von Breguet als Erfinder von entscheidender Bedeutung.


Die Rückkehr zur antiken Ästhetik

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Romantik ihre ersten zaghaften Wurzeln schlug, herrschte in der europäischen Kunst noch der Neoklassizismus. Als Reaktion auf die hochdekorierten, frivolen Stile des Rokoko und des Barock, die zu dieser Zeit noch vorherrschend waren, brachte der Neoklassizismus geradlinige neugriechische Vasenmalerei und antike römisch-griechische Architektur hervor und inspirierte eine Rückkehr zur Einfachheit. Diese neoklassizistische Einfachheit inspiriert Breguet zu seinen minimalistischen Entwürfen für seine komplexen Tourbillonuhren.

Das Gemälde „Der Tod des Sokrates“ aus dem Jahr 1787 von Jacques-Louis David, dem Anführer der neoklassizistischen Kunstbewegung in Frankreich.
Fotocredit: The Metropolitan Museum of Art


Eine wissenschaftliche Revolution

Die künstlerischen Kreationen des Neoklassizismus, die zu dieser Zeit entstehen, sind nicht nur das Ergebnis der Inspiration aus der Antike, sondern zielen auf einer tieferen Ebene darauf ab, zu den moralischen und intellektuellen menschlichen Werten dieser Zeit zurückzukehren. So herrschte zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Frankreich der wissenschaftliche Rationalismus vor, der Erfindern wie Breguet, die sich mit Mathematik und Physik auskannten, zu großem Erfolg verhalf.

Andererseits lehnte sich die Romantik (obwohl sie damals in England und Deutschland stärker verbreitet war als in Frankreich) gegen diese wissenschaftliche Rationalisierung der Natur auf. Die Romantik wollte vielmehr den Realitäten des Lebens entfliehen und den individuellen Ausdruck zelebrieren.

Gemälde des französischen Künstlers Théodore Géricault, 1818.
Géricault war ein Pionier der romantischen Bewegung.

Fotocredit: The Metropolitan Museum of Art

Vielleicht ließ sich Breguet sowohl von der romantischen Idee der individuellen Vorstellungskraft als kritischer Instanz als auch vom eher sachlichen Studium der Uhrmacherei als Wissenschaft inspirieren. Diese Kombination aus unabhängiger Kreativität und wissenschaftlichem Experimentieren hat sicherlich dazu beigetragen, dass der Uhrmachermeister etwas völlig Neues, Individuelles und Hochkomplexes erfinden konnte.


Die Tourbillon-Uhren von Breguet


Vor diesem Hintergrund des Gegensatzes zwischen Neoklassik und Romantik stellen wir einige Tourbillonuhren von Breguet vor. Neben neun verworfenen Exemplaren haben Breguet und seine Mitarbeiter zwischen 1796 und 1829 40 erfolgreiche Tourbillon-Uhren geschaffen. 35 davon sind Taschenuhren, die übrigen fünf sind Armbanduhren. Dabei handelte es sich um eine Sympathique-Uhr, ein so genanntes Uhrenset, einen Marinechronometer, eine Reiseuhr sowie ein wichtiges Großmodell für Vorführungen.

Der Marinechronometer mag hierbei etwas aus der Reihe tanzen, doch die Tourbillon-Uhren waren bei den Seefahrern sehr beliebt. Von den 40 hergestellten Tourbillon-Uhren wurden zehn von Schiffseignern und Matrosen für die Navigation auf See und die Berechnung von Längengraden verwendet. Der britische Armeeoffizier und Astronom Thomas Brisbane nutzte in Australien seine Tourbillonuhr genau zu diesem Zweck. Einige dieser zehn Exemplare sollten in den nächsten fünfzig Jahren auf allen Weltmeeren von Wissenschaftlern, Seefahrern und Entdeckern gleichermaßen zum Einsatz kommen.

Sir Thomas Brisbane, Besitzer eines Tourbillon-Zeitmessers von Breguet.
Fotocredit: National Portrait Gallery, Australia

Das Tourbillon von Breguet wird also in erster Linie als eine Erfindung betrachtet, die nicht für wohlhabende Zivilisten gedacht war, sondern der Wissenschaft in der Zeit der Aufklärung diente. Dennoch sparte der Uhrmacher nicht an den Details. Jedes Modell war entweder in einem Gold- oder Silbergehäuse untergebracht. Auf jedem Zifferblatt sind recht eindeutig neoklassizistische Einflüsse zu erkennen: Die Markierungen der verschiedenen Funktionen sind mit Gold, Silber oder Emaille verziert. Im Einklang mit der künstlerischen Bewegung, die Klarheit und Einfachheit bevorzugt, sind die geräumigen Zifferblätter der Tourbillon-Taschenuhren von Breguet sehr gut lesbar.

Kein Zifferblatt gleicht dem anderen. Da der Tourbillon-Mechanismus in verschiedene Hemmungsarten und Uhren integriert werden kann, gibt es neben dem Tourbillon eine Reihe von weiteren Funktionen. Dazu gehören die laufende Sekunde, die Sekunde auf Abruf (Knopfdruck), die Anzeige der Gangreserve und gelegentlich sogar ein Thermometer.


Die frühe Entwicklung der Tourbillon-Uhren von Breguet


Mit dem Entwurf einer Blaupause für seine Tourbillon-Erfindung war für Breguet noch lange nicht Schluss. Vielmehr verbrachte Breguet nach seiner Erfindung mehr als ein Jahrzehnt mit dem Feinschliff des Systems. In diesen ersten zehn Jahren schuf er seine erste Tourbillon-„Serie“, die aber aus lediglich sechs Zeitmessern bestand. Nachfolgend sind einige der Highlights aufgeführt, die die Eigenschaften dieser unglaublich seltenen und unbezahlbaren Stücke der Geschichte veranschaulichen.


Tourbillon Nr. 1176

Das Tourbillon Nr. 1176 war eine der ersten Tourbillon-Taschenuhren von Breguet überhaupt. Um die Komplexität und die vielen Stunden zu verstehen, die für die Herstellung der Tourbillons erforderlich waren, muss man sich Folgendes vor Augen führen. Mit der Herstellung der 1176 begann Breguet im Juli 1802. Sie wurde jedoch erst im Februar 1809 fertiggestellt.

In das Modell wurde auch eine frühere Erfindung des Uhrmachers integriert, das „échappement naturel“. Diese spezielle Doppelrad-Chronometerhemmung, die 1789 entwickelt wurde, sollte die Notwendigkeit einer Schmierung überflüssig machen. Leider wies sie zahlreiche Unzulänglichkeiten auf, insbesondere das Spiel in der Bewegung der Räder. Dennoch blieb die Idee über die Jahrhunderte hinweg in den Köpfen experimentierfreudiger Uhrmacher. Das Tourbillon selbst verfügte über eine Anzeige für die laufende Sekunde und die Zeitmessung, die bei Bedarf gestartet und gestoppt werden konnte.


Tourbillon Nr. 1188

Ein weiteres Mitglied der ursprünglichen Tourbillon-Serie von Breguet ist die Nr. 1188. Dieses 1808 verkaufte Modell war für einen der zahlreichen adligen Kunden von Breguet bestimmt, Prinz Antonio de Bourbon von Spanien. Es dauerte fünf Jahre bis zur Fertigstellung und hatte ursprünglich ein guillochiertes Goldzifferblatt. Dieses wird jedoch 1841 durch ein Emailzifferblatt mit türkischen Ziffern ersetzt. Breguet stattete die 1188 nicht mit einem 1-Minuten-, sondern mit einem 4-Minuten-Tourbillon aus.


Tourbillon Nr. 1297

Die dritte Tourbillon-Uhr, die Louis-Abraham Breguet jemals verkaufte, Nr. 1297, ging in den Besitz von Georg III. von England über (der leider vor allem dafür bekannt ist, die amerikanischen Kolonien verloren zu haben und verrückt geworden zu sein). Trotzdem besaß er eine schöne Taschenuhr. Er war (unter anderem) ein Liebhaber der Uhrmacherkunst und besaß auch die erste bekannte Uhr mit Ankerhemmung, die von einem weiteren berühmten Uhrmacher – Thomas Mudge – entwickelt wurde. Die 1297 besitzt ein atemberaubendes guillochiertes Zifferblatt, das in meinen Augen ein lebender Beweis für das Talent des Hauses Breguet ist. Außerdem ist sie die einzige Tourbillon-Uhr von Breguet, die einen Schriftzug in englischer Sprache trägt, der lautet „Whirling about regulator“ – eine direkte (und amüsante) Übersetzung des französischen Wortes Tourbillon, das nicht ganz so beeindruckend klingt wie „Wirbelwind“.

Fotocredit: Sotheby’s

Das Tourbillon in der 1297 ist ebenfalls ein Vier-Minuten-Tourbillon mit einer Robin-Hemmung, im Gegensatz zu der bereits erwähnten échappement naturel. Abgesehen davon, dass Breguet seinerzeit mehrere dieser Vier-Minuten-Tourbillons (sowie Sechs-Minuten-Tourbillons) herstellte, ist auch die Robin-Hemmung eine Rarität. Es ist vermutlich das einzige Tourbillon von Breguet, das mit dieser Hemmung ausgestattet ist. Wie die échappement naturel war auch die Robin-Hemmung leider mit Mängeln behaftet, da sie sehr stoßempfindlich war, was sie zu einer nicht ganz geklückten Erfindung in der Welt der Uhrmacherei machte. Aber wie Breguet zeigte, weiß man es nicht, wenn man es nicht wenigstens versucht.

Fotocredit: Sotheby’s


Tourbillon Nr. 2567

Dieses ikonische Modell wurde innerhalb von „nur“ drei Jahren, von Oktober 1809 bis Dezember 1812, hergestellt, nachdem Breguets erste Serie von sechs Exemplaren fertiggestellt war. Das Modell 2567 verfügt über die für Breguet typischen gebläuten Stahlzeiger und ein exquisites guillochiertes Zifferblatt. Außerdem dreht sich das Tourbillon diesmal in einer Minute – eine Geschwindigkeit, die Breguet zum Zeitpunkt der Kreation erst ganz neu eingeführt hatte. Die feine Verarbeitung des Zifferblatts ist etwas, das jeder Breguet-Fan sofort mit den heutigen Modellen gleichsetzen wird. Diese ersten Tourbillon-Modelle zeigen, dass sich die DNA der Breguet-Tourbillon-Uhren zu formen begann.


Die Anziehungskraft des Tourbillons


Warum ist dieses scheinbar unverzichtbare Element in der modernen Uhrmacherei nicht mehr notwendig? Die Antwort ist einfach. Im Gegensatz zu Taschenuhren befinden sich moderne Armbanduhren nicht den ganzen Tag über in einer Position, sondern sind ständig in Bewegung und drehen sich mit unseren Handgelenken.

Breguet Tourbillon Extra-Plat 5367 in Platin.

Außerdem liegen sie immer mit dem Zifferblatt nach oben; in dieser Position wirkt die Schwerkraft am wenigsten auf das Uhrwerk ein. Dennoch ist das Tourbillon bis heute eine Meisterleistung der Uhrmacherkunst. Wie die obigen Modelle zeigen, war bei den ursprünglichen Tourbillon-Taschenuhren das Tourbillonwerk nicht einmal sichtbar. Heute wird die Komplikation meist auf dem Zifferblatt angezeigt, was auf das Prestige und die uhrmacherischen Fähigkeiten eines Uhrenhauses hinweist. Das führt uns zu einigen der modernen Tourbillon-Modelle, die das Uhrenhaus Breguet in den letzten Jahren hervorgebracht hat, 220 Jahre nach der Erfindung, die von Breguet selbst patentiert wurde.


Handwerkskunst aus dem 21. Jahrhundert


Heute gibt es fünf Linien, in denen das Tourbillon von Breguet zum Einsatz kommt: Héritage, Marine, Classique, Classique Complication und Tradition. Wenn wir die Liste eingrenzen, kommen wir auf 16 Modelle, die für einen umfassenden Überblick über die Tourbillon-Uhren von Breguet im 21. Jahrhundert unverzichtbar sind.


2003


Classique Grande Complication Tourbillon 3358

Im Jahr 2003 brachte Breguet dieses beeindruckende Modell aus Weißgold auf den Markt. Sein Gehäuse weist den für Breguet typischen geriffelten Boden auf, während die Lünette mit 73 Diamanten verziert ist. Die Uhr verfügt über ein brillant dekoriertes Zifferblatt – etwas, das kaum ein Uhrenhaus besser beherrscht als Breguet. Das goldene, maschinell gedrehte und aus Perlmutt gefertigte Zifferblatt ist einzeln nummeriert und mit der geheimen Signatur „Breguet“ versehen.

Bei 12 Uhr befindet sich ein dezentraler Ziffernring mit Breguet-Ziffern, bei 6 Uhr das Tourbillon, dessen blaue Details zu den Breguet-Zeigern mit offener Spitze aus gebläutem Stahl passen. Das Handaufzugskaliber 558.1T verfügt über ein einminütiges Tourbillon in einem Gehäuse aus poliertem Stahl, das über ein festes Sekundenrad läuft, sowie über eine seitliche Ankerhemmung. Das Tourbillon ist nicht nur auf der Vorderseite zu sehen, sondern auch vom Gehäuseboden aus betrachtet.


2005


Classique Tourbillon et Réserve de Marche 5317

Zwei Jahre später bringt Breguet die 5317 auf den Markt, diesmal mit einem Automatikwerk. Das versilberte, von Hand gedrehte Zifferblatt aus 18 Karat Gold ist in Gelbgold, Roségold oder Platin gefertigt und weist ein herkömmliches Hufnagel-Muster auf. Das Tourbillon befindet sich bei 6 Uhr, die große Gangreserveanzeige bei 12 Uhr und zeigt eine Breguet-Veredelung mit Wellenmuster.

Einmal mehr verfügt das Modell über einen Saphirglasboden. Dieser gibt den Blick frei auf das Kaliber 587DR mit Tourbillon, das über eine beeindruckende Gangreserve von 120 Stunden verfügt. Der Goldrotor ist exzellent von Hand graviert. Breguet integriert eine geradlinige Ankerhemmung und eine Unruh auf einer Breguet-Spirale. Außerdem lässt sich das Tourbillonwerk in fünf Positionen verstellen.


2006


Classique Doppel-Tourbillon 5347

Gleich im darauffolgenden Jahr brachte Breguet mit der 5347 eines der attraktivsten und eindrucksvollsten Tourbillons der Manufaktur heraus. Das in einem 44-mm-Gehäuse aus Rotgold untergebrachte Handaufzugswerk dieses Modells integriert zwei Tourbillon-Regulatoren, die sich auf der Stundenachse drehen. Die beiden Tourbillons, die aus über 570 Bauteilen bestehen, sind über ein Differentialgetriebe gekoppelt und auf einer drehbaren Hauptplatine montiert, die in zwölf Stunden eine vollständige Umdrehung vollführt.

Das Differentialgetriebe überträgt den mittleren Gang der beiden Tourbillons auf die rotierende Hauptplatine und den Zeitanzeigemechanismus. Der Gang der Uhr ist somit der mittlere Gang der beiden Tourbillons, wodurch das Uhrwerk doppelt so genau geht wie ein normales. Die Stunden werden von der Brücke zwischen den Tourbillonregulatoren angezeigt, die gleichzeitig als Zeiger dient, während die Minuten von einem normalen Zeiger in der Mitte angezeigt werden. Breguet liebt es, Dinge zu verkomplizieren (wir würden es auch nicht anders wollen).


2007


Classique Grandes Complications Tourbillon Messidor 5335

Die 2007 im Rahmen der Baselworld vorgestellte Classique Grandes Complications Tourbillon Messidor aus Rotgold ist eine Hommage an den 26. Juni 1801, als Breguet seine Erfindung patentieren ließ – nach dem französischen Revolutionskalender also am 7. „Messidor“ des Jahres IX. Mit dem Zeitmesser kehrt Breguet zu einem Handaufzugswerk zurück, das sich ihrem Träger mit ihrer durchbrochenen Konstruktion offenbart. Das skelettierte Tourbillon des Kalibers 558 mit laufender Sekunde liegt bei 6 Uhr, wobei zwei Saphirgläser die Tourbillonachse stützen. Dieses Mal ist es in sechs Positionen einstellbar.


2008


Héritage 5497

Die Einführung dieses Tourbillons war die erste große Komplikation in der Héritage-Kollektion. Im Gegensatz zu den runden Gehäusen der bisherigen Tourbillon-Uhren ist dieses in einem Tonneau-Gehäuse untergebracht, das in zwei Achsen gebogen ist. Das Kaliber 187H (eine abgeänderte Version des Basiskalibers 187 von Breguet) treibt das bei 6 Uhr liegende Tourbillon an (worauf auch die Tourbillonbarrette „VI“ hinweist). Es verfügt über eine Breguet-Spiralfeder und eine Ankerhemmung (an der Seite) und ist in sechs Positionen einstellbar.


2010


Tradition Tourbillon Fusée 7047

Dieses moderne Tradition-Modell ist ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der modernen Tourbillon-Uhren von Breguet und erscheint in einem ganz neuen Design. Die 41 mm große Uhr ist in einem Gehäuse aus 950er Platin untergebracht und die Position des 60-Sekunden-Tourbillon befindet sich auf 1 Uhr.

Das Handaufzugswerk ist mit einer anthrazitgrauen Legierung aus Platingruppenmetall ummantelt. Die Barrette (der dünne Steg), die obere Brücke und der Käfig gehen auf die ersten Entwürfe von Abraham-Louis Breguet zurück. Die patentierte moderne Breguet-Unruh aus Titan ist mit einer Unruhspirale aus Silizium ausgestattet. Die Gangreserve des Kalibers 569 befindet sich auf der Federhaustrommel.


2014


Classique Tourbillon Extra-Plat Automatique 5377

Breguet hat 2014 drei neue Classique-Tourbillon-Uhren auf den Markt gebracht. Die Extra-Plat ist von Anfang bis Ende ein Meisterwerk der Uhrmacherkunst. Ihr wichtigstes Merkmal ist das dezentrierte Tourbillon, dessen leichter Titankäfig eine Breguet-Unruh mit Siliziumspirale und eine speziell entwickelte Hemmung trägt. Dieses Tourbillon ist mit einem einzigen blauen Saphir befestigt.

Das Uhrwerk Kaliber 581DR verfügt über eine Frequenz von 4 Hz, was für eine Tourbillon-Unruh sehr hoch ist. Der patentierte Hochenergie-Mechanismus bietet eine Gangreserve von 80 Stunden. Trotz seiner Komplexität misst das Uhrwerk nur 3 mm und ist mit einer speziellen Platinperipherie ausgestattet, die in beide Richtungen aufzieht. Auch die Dekoration kann sich sehen lassen: Sie besteht aus vier verschiedenen maschinell gedrehten Mustern, von einem Clous de Paris über ein Gerstenkornmotiv bis hin zu maschinell gedrehten geraden Chevrons und schraffierten Rändern.


Classique Tourbillon Quantième Perpétuel 3795

Im Rahmen der Baselworld 2014 wurde auch eine weitere ziemlich außergewöhnliche Kreation präsentiert: die super komplexe Classique Tourbillon Quantième Perpétuel 3795. Während die Classique-Kollektion bereits Modelle mit ewigem Kalender umfasste, sollte diese Platin-Edition auch ein wenig Haute Couture bieten. Das skelettierte Modell verfügt über ein einminütiges Tourbillon bei 6 Uhr, auf dessen Achse die kleine Sekunde angezeigt wird.

Das Uhrwerk, das durch den Gehäuseboden sichtbar ist, verfügt über ein ausgeklügeltes Design: Eine Schneckenkurve lässt den Wochentagszeiger augenblicklich springen; die Architektur der Grundplatine lenkt ein Maximum an Licht auf das Tourbillon. Das Kaliber 558QP3 verfügt über eine seitliche Ankerhemmung und eine Unruh mit Stellschrauben auf einer Breguet-Spirale. Es ist ebenfalls in sechs Positionen justiert worden.


Classique Tourbillon Quantième Perpétuel 3797

Breguet hat auch ein nicht skelettiertes Geschwistermodell der 3795 entwickelt, das aus anderen Materialien besteht. Das versilberte Zifferblatt der Uhr aus 18 Karat Roségold ist wie bei der 5377 in vier verschiedenen Mustern maschinell gedreht. Wie bei der 5377 werden die retrograde Datumsanzeige bei 12 Uhr, die Tage bei 9 Uhr sowie die Monate und Schaltjahre bei 3 Uhr angezeigt. Die Tourbillonachse sorgt für die kleine Sekunde. Angetrieben wird die Uhr dieses Mal vom Kaliber 558QP2.

Um eine derart komplexe Uhr dennoch übersichtlich zu halten, hat das Haus Breguet das Design des Tourbillonmodells um eine dritte Dimension erweitert. Indem die Stunden- und Minutenanzeige durch versetzte Saphirscheiben in den Vordergrund gerückt wurde, zeigt die Uhr in erster Linie die wesentlichen Informationen an. Bei den anderen Anzeigen muss man etwas genauer hinsehen.


2017


Marine Équation Marchante 5887

Wie bereits erwähnt, hatte Abraham-Louis Breguet eine Reihe von Kunden, die sich für seine Marinechronometer interessierten – gerne auch mit Tourbillon. Im Jahr 1815 wird Breguet von Ludwig XVIII. sogar zum Chronometerbauer der französischen Marine ernannt. Dieser Titel zeichnete Breguet im Wesentlichen als Wissenschaftler aus. So ist es nicht verwunderlich, dass die heutige Uhrenmanufaktur ein Tourbillonmodell mit großer Komplikation in ihre Marine-Kollektion integrierte. Dies war der Beginn einer neuen Richtung für die sich stetig weiterentwickelnde Marine Linie.

Die 5887 mit blauem Zifferblatt und Platingehäuse beherbergt nicht nur ein Tourbillon, sondern auch einen ewigen Kalender und eine Zeitgleichung. Das Herzstück des Uhrwerks ist eine Nocke auf einer Saphirscheibe, die pro Jahr eine volle Umdrehung vollführt und so den Zyklus der Zeitgleichung nachbildet. Der Mechanismus wird durch eine Reihe von Zahnrädern vervollständigt, die als „Differential“ bezeichnet werden.

Das Besondere an diesem Differential ist, dass es in der Lage ist, zwei separate Informationsquellen zu kombinieren. Die zivile (lokale) Minutenanzeige wird durch das Hauptzahnradwerk der Uhr erzeugt. Die Zeitgleichung wird durch einen Stift abgelesen, welcher der Form der Nocke folgt. Das Differential führt also die Formel für die Berechnung der Sonnenzeit (zivile Zeit plus Zeitgleichung) aus, die vom Sonnenminutenzeiger angezeigt wird. Angetrieben wird das Modell von einem äußerst komplexen Kaliber 581DPE. 2020 folgt ein Geschwistermodell in einem roségoldenen Gehäuse mit braunem Zifferblatt.


2018


Classique Tourbillon Extra-Plat 5367

Die 5367 ist vor allem dafür bekannt, dass sie mit ihrem Grand-Feu-Emaille-Zifferblatt eine Neuheit unter den modernen Grandes Complications-Uhren von Breguet einläutet. Im Vergleich zu den meisten anderen Uhren, die es bisher gab, ist dieses Modell eher minimalistisch gehalten. Es besteht nur aus Breguet-Ziffern, einer verblüffenden, aber dezenten verzierten Minuterie und einem Tourbillon bei 5 Uhr. Dadurch kommen die gebläuten Pomme-Zeiger aus Stahl besonders gut zur Geltung. Das Layout der Anzeige erinnert an die Uhren von Abraham-Louis Breguet, der, wie bereits erwähnt, die ästhetischen Konventionen der Kunstszene seiner Zeit zu umgehen schien.

Wenn man die Uhr umdreht, zeigt sich jedoch ein ganz anderes Bild, nämlich das aufwendig verzierte Kaliber 581. Die Brücken, das Federhaus und die Schwungmasse sind handgraviert. Letztere ist aus Platin gefertigt, um die Trägheit zu erhöhen, und dreht sich peripher am Rand des Kalibers, um einen besseren Blick auf das Uhrwerk zu ermöglichen und um möglichst schlank zu bleiben. Schließlich misst diese Tourbillonuhr von Breguet nur 7,45 mm in der Höhe – und das Uhrwerk nur 3 mm.


2019


Classique Tourbillon Extra-Plat Squelette 5395

Mit dem ultraflachen Modell 5395 präsentierte Breguet eine Uhr, die viele verblüffte. Erneut handelt es sich um ein Modell mit dem Kaliber 581 aus 18 Karat Gold, das trotz des Tourbillons nur 3 mm hoch ist. Doch diesmal hat sich die Maison Breguet dafür entschieden, das Uhrwerk zu skelettieren. Um das Werk schlank zu halten, hat die Manufaktur auch hier den Rotor peripher am Rand der Platine platziert. Der Titankäfig des Tourbillons greift direkt in das Räderwerk ein, anstatt über ein Zahnrad an der Basis. Außerdem konnte durch die abgewinkelte Form der Siliziumhemmung zusätzlicher Platz gespart werden.

Dank des unglaublich leichten Uhrwerks mit einem Gewicht von nur 0,290 Gramm ist das Platinwerk zudem nicht zu schwer. Dennoch garantiert das mit 4 Hz schlagende Hochenergie-Federhaus wie beim Modell 5367 eine Gangreserve von 80 Stunden. Auch beim Gehäuseboden hat Breguet so viel Material wie möglich entfernt: Die Goldplatine und die Brücken sind ebenfalls skelettiert.


2020


Classique Tourbillon Extra-Plat Automatique 5367PT

Diese neue Version der 5367, die auf die Version von 2018 folgt, ist nicht in Roségold, sondern in einem Platingehäuse ausgeführt. Erneut besteht das Zifferblatt aus Grand-Feu-Emaille – keine Neuheit mehr. Die Herstellung eines solchen Zifferblatts ist übrigens ein hochkomplizierter Prozess. Dabei werden zahlreiche Emailschichten bei extrem hohen Temperaturen aufgetragen, um die Haltbarkeit zu gewährleisten und die gewünschte Farbe zu erzielen. Hinzu kommt, dass viele dieser Zifferblätter Risse bekommen und dann weggeworfen werden müssen.

Angetrieben wird die 41 mm große Uhr wieder von dem hauseigenen Automatikkaliber 581. Wie bereits erwähnt, ist das Werk mit 3 mm außerordentlich schlank – es hält sogar den Rekord als flachstes Kaliber des Unternehmens. Das Tourbillon selbst befindet sich in einem Titankäfig zwischen 4 und 6 Uhr und treibt die kleine Sekunde auf derselben Achse an. Im Inneren des Käfigs kann der Träger auch die Hemmung und die hauseigene Unruhspirale aus Silizium (die mit einer Frequenz von 4 Herz schwingt) bei ihrer Arbeit beobachten.

Auch hier gibt der Gehäuseboden den Blick auf das exquisit dekorierte Uhrwerk frei. Die Einführung des Modells ist ein weiterer wichtiger Hinweis auf die Relevanz des Tourbillons von Breguet; von vorne betrachtet, ist das Zifferblatt nicht gerade mit den gewohnt-beeindruckenden Breguet-Veredelungen versehen – was nicht bedeutet, dass die Emaille nicht exquisit ist. Das minimalistische Stück mit seinem grafischen, von Hand abgeschrägten Tourbillonsteg, der von einem Spinell gekrönt wird, hat alles, was es braucht, und erinnert an einige der frühen Tourbillon-Taschenuhren von Abraham-Louis Breguet selbst.


Classique Doppeltourbillon 5345 Quai de l’Horloge

Dieses Stück ist natürlich eine Hommage an den Quai de l’Horloge 39 in Paris. So zeigt der Gehäuseboden die ehemalige Wirkungsstätte von Abraham-Louis Breguet ab 1775 mit einer filigranen Gravur des Gebäudes. Die 46 mm große Platinuhr ist mit einem hohen, gewölbten Saphirglas ausgestattet, das das Zifferblatt schützt, um eine seitliche Transparenz zu ermöglichen. Schließlich gibt es hier viele Details zu bewundern.

Das Zifferblatt besteht aus einem Saphirglasring, der von einem Stundenkreis mit römischen Ziffern begleitet wird. Ein pompöser Breguet-Minutenzeiger aus gebläutem Stahl zeigt die Minuten von der Mitte aus an, während der blaue Stundenzeiger in Wirklichkeit die Verlängerung der Brücke der beiden Tourbillons ist, die sich zusammen mit der gesamten Platine über 12 Stunden entlang der Mittelachse der Uhr bewegt.

Das Tourbillonduo dreht sich einmal pro Minute um seine eigene Achse. Ihre schwarz polierten Edelstahlkäfige schlagen unabhängig voneinander und verfügen über ein eigenes Federhaus. Das Handaufzugswerk, das all dies möglich macht, ist das Kaliber 588N. Eines seiner beiden Federhäuser ist mit einer Reibungsbrücke versehen, so dass die Feder erst dann ausrastet, wenn die zweite Feder vollständig aufgezogen ist. Die beiden Unruhspiralen aus Stahl sind mit der so genannten Breguet-Spirale ausgestattet, die ein konzentrisches Ausdehnen und Zusammenziehen der Feder ermöglicht.

Die Classique Double Tourbillon 5345 Quai de l’Horloge ist eine der beeindruckendsten Uhren, die die Manufaktur in jüngster Zeit hervorgebracht hat, mit einem exquisiten Uhrwerk, einer wunderschönen Finissierung und einem hochtechnischen Konzept. Sie wird außerdem mit einem ungewöhnlichen und modernen Kautschukarmband mit „Steineffekt“ geliefert, das mit einer Dreifachschließe geschlossen wird (schließlich möchte man diese Armbanduhr auf keinen Fall verlieren).


Marine Équation Marchante 5887BR

Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um ein Geschwistermodell des Marine-Meisterstücks von 2017. Der Unterschied besteht darin, dass sie kein Platingehäuse und blaues Zifferblatt hat, sondern ein roségoldenes Gehäuse und ein moderneres schiefergraues Zifferblatt. Das guillochierte Wellendekor des Zifferblatts ist wiederum eine Anspielung auf die Verbindung von Breguet zum Meer. Auf dem Gehäuseboden ist die Darstellung eines alten Flaggschiffs der französischen Marine, der Royal Louis, von Hand über die vier Brücken des Uhrwerks graviert. Auf der Federhaustrommel ist eine ebenfalls handgravierte Kompassrose abgebildet. Die periphere Schwungmasse aus Platin ist von Hand guillochiert und mit dem Breguet-Schriftzug graviert.


2021


Classique Tourbillon Extra-Plat Anniversaire 5365

Eine letzte Tourbillon-Uhr von Breguet, die unbedingt erwähnt werden muss, ist die 5365 aus diesem Jahr. Der aufmerksame Leser wird feststellen, dass dieser Zeitmesser auf den 220. Jahrestag der Patentierung des Tourbillons fällt. Wie bereits erwähnt, gibt es von dieser begehrten Uhr nur 35 Exemplare, da Breguet nur 35 Taschenuhren mit Tourbillon hergestellt hat.

Mit einer Größe von 41 mm x 7,08 mm zeigt die roségoldene Kreation erst auf den zweiten Blick ihre Raffinesse. Das Zifferblatt aus 18 Karat versilbertem Gold weist mehrere Verzierungen auf. Am auffälligsten ist vielleicht das Clous de Paris-Muster in der Mitte, das den Eindruck einer matten Beschichtung erweckt. Es dient dazu, dass der Träger die beiden Pomme-Zeiger aus gebläutem Edelstahl besser ablesen kann. Zu diesem Zweck gibt es auch einen dezent dezentrierten Stundenkreis mit römischen Ziffern. Die Peripherie des Kreises ist mit einem grain d’orage Motif versehen.

Auch hier weist das Tourbillon zusätzlich eine kleine Sekunde auf. Es ist an einer Brücke aus gebläutem Edelstahl befestigt, was in der Classique-Kollektion eine Besonderheit darstellt. Der Vermerk „Brevet N°157 Du 7 Messidor An IX“ auf der Brücke des Tourbillons verweist auf Breguets Patentanmeldung für seine Erfindung. Angetrieben wird der Zeitmesser von dem bewährten Manufakturwerk 581.


2021: Das Jahr des Tourbillons


Wir Menschen verlieren zunehmend schneller als früher das Interesse an gewissen Dingen – es fällt uns schwer, unsere Konzentration aufrechtzuerhalten, und Modeerscheinungen kommen und gehen. Wir ersetzen ständig ein Produkt mit dem nächsten. Doch mit dem Tourbillon von Abraham-Louis Breguet haben wir eine Erfindung, die die Zeit überdauert und uns über die Jahrhunderte hinweg fasziniert. Vielleicht liegt es daran, dass diese Komplikation den Charme mechanischer Dinge so gut auf den Punkt bringt. Sie ist hochkompliziert, genial und versetzt uns gleichzeitig in eine scheinbar einfachere Zeit zurück. Wir können nur erahnen, was die nächsten 200 Jahre bringen werden. Aber wenn wir uns immer wieder daran erinnern, sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft zu blicken, können wir vielleicht noch das eine oder andere lernen.


www.breguet.com