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Gamechanger – Panerai hat die Luminor Marina mit einigen spannenden neuen Features überarbeit
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Gamechanger – Panerai hat die Luminor Marina mit einigen spannenden neuen Features überarbeit

Sammler wissen: Kleinste Veränderungen machen bei Uhren einen Riesenunterschied. Panerai überarbeitet nun sein wichtigstes Modell, die Luminor Marina. Aus der PAM01312 wird die PAM03312. Same, Same, but (totally) different? Ein Gamechanger, findet Swisswatches Experte Joern Kengelbach


Erster Eindruck – passt die neue Panerai überhaupt an mein Handgelenk?


Ich reise nach Berlin zum Fotoshooting mit gemischten Gefühlen. Einerseits freue ich mich immer darauf (wer würde das nicht?), ein Modell exklusiv vorab und außerhalb des Messestresses ausgiebig tragen und besprechen zu können. Andererseits kenne ich meine physischen Grenzen.

Es geht um eine Uhr mit 44 Millimeter Gehäusedurchmesser. Für klassische Panerai-Uhren völlig normal – wie jeder Paneristi weiß – historisch gesehen sogar klein. Für mich allerdings ein Problem: Der größte Durchmesser, den ich gewöhnlich tragen kann, beträgt 41, vielleicht maximal 42 Millimeter. Ich habe kleine Handgelenke. Kann das gutgehen?


70 Jahre Safelock-System – Panerais Meilenstein


Anlässlich des 70. Geburtstag seines berühmten Safelock-Systems wurde also nun das wichtigste Modell der Manufaktur mit Headquarter in Mailand und Manufaktur im Schweizer Neuchâtel in allen Details überarbeitet. Eine Ikone zu verändern, ist für jede Firma eine Herausforderung. Ob Panerai die Challenge angenommen hat, lesen Sie hier.

Als Experte tendiert man mit der Zeit immer mehr dazu, nur noch selten von seiner jahrelang aufgebauten und irgendwann vorgefertigten Meinung abzurücken. Schubladendenken ist gerade bei Uhren-Nerds weit verbreitet – und verhindert oft den frischen Blick auf wichtige Entwicklungen.

So geht es mir auch bei Panerai. Keine Frage, ich liebe die Marke. Die Comeback-Story unter Führung von Richemont seit 1997 (damals noch Vendôme Group) ist in allen Belangen ein Paradebeispiel für modernes Brandbuilding, aber auch für die Tatsache, dass an einer langfristig erfolgreichen Armbanduhren-Ikone auch immer zu einem großen Teil Technik- oder Menschheitsgeschichte mitgewirkt hat.


Keine Frage: Panerai hat eine extrem gute Historie


1860 in Florenz gegründet, feiert man dieses Jahr auch noch den 165. Geburtstag. Als man vor 28 Jahren von der heutigen Richemont Gruppe übernommen wurde, suchte man eine echte Sportuhrenmarke mit echter Historie. Und voilà, Panerai kam wie gerufen.

Hier die ganze History zu erzählen, sprengt leider den Rahmen. Sprengen ist ein gutes Stichwort: Wer die Marke gar nicht kennt: die ersten Panerai-Uhren waren mächtige Taucheruhren, im Prinzip wasserdichte Taschenuhren mit Gehäusen und Werken von Rolex (Guido Panerai suchte verlässliche Uhrwerke), sie wurden umgebaut für die frühe italienische Marine.

Kampftauchen war damals technisches Neuland, vergleichbar mit der Raumfahrt heute, extrem anspruchsvoll und extrem unerforscht. Getaucht wurde ausschließlich für das Militär! Im Ersten und Zweiten Weltkrieg mussten sich diese Uhren beweisen. Und ich kann Ihnen sagen: Die Uhren haben oft besser durchgehalten als ihre Träger.

Bis in die Neunziger Jahre wurden ausschließlich Uhren fürs Militär gebaut. Und wer einen Italienurlaub plant: Gehen Sie bitte auch unbedingt nach Florenz, direkt hinter dem Dom finden Sie das erste Geschäft des Gründers.


Radiomir, Submersible und natürlich Luminor


Es gab und gibt drei Modell-Linien bei Panerai: die Radiomir, die Luminor und die Submersible. Der Begriff Submersible ist der einfachste, das kommt vom Wort für U-Boot. Diese Taucheruhr geht auf ein Modell für die ägyptische Marine im Jahr 1956 zurück.

Radiomir geht auf die erste von Panerai geschaffene Uhr zurück, auf das Jahr 1916, als man das Radium der Leuchtmasse zu einem Pulver auf Radiumbasis entwickelte, um das Ablesen von Instrumenten und Zielgeräten leichter zu machen.

Radium war bis in die 1930er- und 1940er- Jahre die einzige verfügbare Leuchtmasse für Uhren im Militär. Hochradioaktiv. Man sollte bei historischen Panerais einen Geigerzähler dabei haben.

Heute ist das natürlich harmlos, es wird Superluminova Leuchtmasse eingesetzt. Welche genau, erfahren wir gleich. Hier kommt der Name der wichtigsten Linie Panerai ins Spiel, die Luminor: die Lateiner unter Ihnen werden an Leuchten denken und das ist auch genau richtig: 1949 hat sich Panerai diesen Begriff schützen lassen für seine besonders leuchtstarken Taucheruhren mit der legendären Kronenschutzbrücke.


Die neue Panerai Luminor Marina im Detail


Bei dieser Uhr macht Panerai alles richtig – und bietet sogar noch einiges mehr.

Die größte Herausforderung für jeden Retailer, aber auch für uns Uhrenplattformen, bestand in den letzten drei Jahren nach der Pandemie darin, explodierende Preise bei gleichbleibender Leistung zu rechtfertigen. Der weltweite Markt schwächelt aus verschiedenen Gründen: Ein Grund ist der wegbrechende chinesische Markt, ein anderer liegt darin, dass das Leistungsversprechen oft nicht mehr stimmt.

Mal abgesehen vom Spitzensegment, in dem man mindestens 30.000 Euro für eine Dreizeiger-Stahluhr ausgeben darf und Kunden das, ohne zu zögern, bezahlen – weil diese Modelle so gefragt sind, dass sie im Zweitmarkt immer noch mit enormen Preisaufschlägen zu verkaufen wären. Im Kernsegment zwischen 5.000 und 10.000 Euro geht es anders zu: Dieser Markt ist hart umkämpft. Hier zählen nicht nur klassischerweise leistungsorientierte, gesättigte Märkte wie Deutschland. Die Frage lautet: Wo bekomme ich Value for Money?

Panerai greift dankenswerterweise genau dieses Thema auf und belässt den Preis der neuen PAM03312 bei 8.900 Euro – trotz deutlich besserer technischer Daten. Das ist besonders im Hinblick auf den Wettbewerb bemerkenswert.


Werden bisherige Kunden nun enttäuscht sein?


Natürlich werden jetzt einige meckern und sagen: Wenn der Preis gleich bleibt und die Leistung steigt, müssen ja bisherige Käufer über den Tisch gezogen worden sein. Das sehe ich anders: Bei ikonischen Uhren lieben Sammler oft kleinere Veränderungen bestimmter Modelljahrgänge. Leistungswerte wie eine höhere Wasserdichtigkeit sind zudem nicht für jeden Käufer entscheidend. Nicht vergessen sollte man auch: Was früher Standard war, wird heute anders beurteilt. Als 2021 das bisherige Modell vorgestellt wurde, die PAM 01312, waren die Rahmenbedingungen der Industrie, aber auch der Geschmack, ein anderer.

Panerai hat zudem nicht nur weltweit in ein riesiges Distributionsnetz investiert, das am Ende dem Markenwert und auch den Kunden im Service-Fall entgegenkommt, sondern: Für das alte Modell stand schlicht das neue, flachere Kaliber nicht zur Verfügung. Ein neues Kaliber ist ein Rieseninvest für Firmen. Auch das Click-System für das Armband war früher kein Thema, während es für die nächste Generation an Kunden nicht mehr hinzunehmen ist, zum Händler zu gehen, um ein Uhrenarmband zu wechseln oder selbst den Schraubendreher aus der Tasche zu holen. (Übrigens hatte der Vorläufer bereits seit 2017 ein Wechselsystem – aber kein so elegantes wie die neue Uhr.)

Wichtig ist: Jeder Modelljahrgang steht für sich, belebt die Modellgeschichte – und macht am Ende die Panerai Luminor noch ikonischer, soweit man dieses Wort überhaupt steigern kann.


Die blaue Panerai Luminor Marina PAM03313 im Wristcheck


Wenn ich die blaue Panerai Luminor Marina mit dem Kroko-Armband an den Arm lege, spüre ich sofort die enorme Präsenz, die diese Uhr dem Träger verleiht. Verkürzte Bandanstöße, dezent flacheres Gehäuse, endlich wieder ein Glasboden – hier stimmt auf den ersten Blick alles. Und keine Frage: Panerai-Uhren zu tragen, war und bleibt ein Statement.

Während ich die minimalen Veränderungen auf dem Papier zunächst abgetan habe als zu vernachlässigende Kleinigkeiten, spürt man sie am Arm sofort. Besonders die neuen Bandanstöße machen diese Uhr für mich erstmals tragbar. Wie eingangs erwähnt, kann ich normalerweise keine Uhren über 41 Millimeter tragen. Ja, die Uhr bleibt groß und flächig am Arm. Aber interessanterweise gefällt mir genau das bei diesem Modell hervorragend.


Dress- oder Sportwatch? Eine Panerai ist eine Statement-Watch


Auch wenn viele Uhrensammler von Swisswatches eher das gesamte Modell dem Anlass entsprechend wechseln (lucky us!), taugt für mich die Luminor vor allem auch für Käufer, die vielleicht nur eine Uhr besitzen wollen. Sie ist ebenso gut eine Sportuhr – dank des mitgelieferten Kautschukarmbandes – wie sie auch eine sehr gute Dresswatch für den Alltag und den Business-Termin ist.

Genau hier setzt das kinderleicht zu bedienende, patentierte Schnellwechselsystem „PAM Click Release System“ an. Noch besser: Panerai liefert derzeit als einzige Firma in diesem Preissegment Leder- und Kautschukarmband gemeinsam mit – und zeigt sich auch beim Kauf weiterer Armbänder entspannt.

Man verhindert zum Beispiel nicht aktiv – wie einige andere Marken – dass sich Käufer der schwarzen PAM003312 zusätzlich vielleicht das zu ihrem Stil besser passende Nato-olivfarbene Kautschukband noch dazu kaufen.


Drei Zifferblattfarben, drei Kautschuk- und drei Lederbandtypen


Somit stehen Kunden drei Kautschuk- und drei weitere Kroko-Lederband-Typen und damit Farben zur Auswahl. Zusätzlich erworben werden kann ohne Einschränkung das legendäre Edelstahlband von Panerai, was diese Uhr extrem vielfältig im Alltag macht.

Denn Panerai stellt mit der PAM03323 auch noch eine Variante mit blauem Zifferblatt und dem berühmten Luminor-Edelstahlband vor, dessen Design sich am Look des Safelock-Systems orientiert und den Charakter der Uhr noch einmal deutlich verändert. Kunden der Leder- oder Kautschukarmbandvarianten können dieses Armband ebenfalls separat erwerben. Nice!

Das Ganze ist deswegen nicht ganz trivial, denn man ist nun auf die Armbänder des Herstellers angewiesen – und der Kunde möchte hier natürlich dementsprechend eine große Vielfalt, wenn er sich auch beim Armband an die Manufaktur bindet.


An diesen Details erkennt man die neuen Panerai Luminor Modelle PAM003312, PAM03313 und PAM03314


Kommen wir im Detail zum neuen Modell – in meinem Fall der blauen PAM03313. Kenner werden sie an zwei Details erkennen: So ist der Sekundenzeiger nun erstmals nicht mehr gebläut, sondern rhodiniert. Ebenso fällt auf dem Sandwich-Dial der „Automatik“-Schriftzug weg.

Dafür wurde das Datumsfenster deutlich besser ausgeschnitten, was die Lesbarkeit erheblich erhöht. Entscheidend ist aber das Innere der Uhr: Das neue Kaliber P.980 verfügt nicht nur über eine Stoppsekunde, sondern ist fast 2 Millimeter schlanker als sein Vorgänger – bei gleich blendenden drei Tagen Gangreserve.

Die Schlankheit des Werkes hat Folgen: Sie ermöglicht nun ein 13,7 Millimeter flaches Gehäuse, dessen Wasserdichtigkeit trotz Saphirglasboden sogar noch um satte 200 Meter erhöht wurde, nämlich auf 500 Meter. Kenner wissen, dass Panerai die Uhren sogar um 25 % härter testet – nämlich auf 625 Meter.

Die Zahlen sind das eine. Besonders gut gefällt mir: Diese Uhr kommt trotz der um 2 Millimeter verringerten Gehäusedicke mit Saphirglasboden – was es schon einmal gab: Bei der 2009 lancierten PAM00312 und bei der 2017 lancierten PAM01312. Nur das seit 2021 im Markt befindliche Modell hatte das nicht. Ich vermute, dass man damit – wie oben erwähnt – auf einfache Art die Gehäusedicke etwas reduzieren wollte.

Auch nicht zu übersehen: Zum ersten Mal verwendet Panerai außerdem die neue Superluminova-Leuchtmasse vom Typ X2, die nochmal 10 % mehr Leuchtkraft bringt.


Schlanker bedeutet nicht weniger markant


Natürlich sagen Werte wie eine um 12 % reduzierte Gehäusedicke sowie ein um 15 % reduziertes Gewicht erst einmal nichts. Man muss die neue Panerai Luminor Marina am Arm tragen.

Und genau im Bereich der Wearability bewährt sich die neue Panerai Luminor Marina PAM03312 bestens. Hinzu kommt das wirklich herausragende Band-Schnellwechselsystem „PAM Click Release System“: Per Knopfdruck auf die Unterseite des Armbandes löst man die Bänder in wenigen Sekunden, ohne dass man Gefahr läuft, die Uhr unterwegs aus Versehen zu verlieren.

Besonders gut gefällt mir, dass man den Charakter eines Armbandes mit starrem Steg zu 100 % beibehalten hat. Der ikonenhafte Look bleibt zu 100 % erhalten. Que Bellissima!

Gibt es keine Kritikpunkte?

Tatsächlich liest sich der Artikel wie eine Lobeshymne. Mea culpa – wenn etwas gut ist, muss es auch gut genannt werden. Einziger Kritikpunkt könnte für Paneristi meiner Meinung nach sein, dass man bei den Minuten- und Sekundenzeigern auf rhodinierte Flächen setzt und nicht – wie beim Vorläufer aus den Sixties – auf die charmanten Goldtöne.

Allerdings bleibt die Uhr dadurch vielfältiger in den Kombinationsmöglichkeiten mit der eigenen Garderobe. Das fällt mir schon bei meiner ersten Anprobe auf. Und wer weiß: Panerai will sich einige Details vielleicht auch für limitierte Sondermodelle aufheben.

Aber bei einer Uhr, bei der der Preis gleich bleibt, aber zugleich das Uhrwerk erneuert wurde und alle technischen Daten verbessert werden, gibt es einfach nicht viel auszusetzen.

Für wen ist die Panerai Luminor Marina?

Auch wenn der Begriff „Dresswatch“ für eine 44-Millimeter-Uhr schon arg an den Haaren herbeigezogen klingt – genau das war dieses Modell für mich, immer mit dem Wörtchen „Statement“ davor.

Vielleicht trifft es der Begriff „Statement Watch“ generell besser: Perfekt zu Blue-Jeans, geht diese Uhr auch gut zum Sakko. Unter einer Voraussetzung: Ein bisschen Selbstbewusstsein sollte man bei einer solchen Uhr mitbringen, denn sie ist nicht dafür gemacht, unter der Manschette versteckt zu werden.

Dann kann aber jeder mit dieser Uhr glücklich werden – auch und gerade, wenn es sich um einen echten Begleiter durchs Leben handeln soll. Das Schnellwechsel-Armbandsystem macht aus dem Modell zum Business-Termin eine für den Badeausflug und umgekehrt. Und mit dem Stahlarmband bekommt man sogar noch eine weitere Facette mitgeliefert – sei es für den Clubabend oder andere Anlässe.


Die Qual der Wahl: Die Klassische, die Elegante oder die Sportliche Panerai?


Nur eine Frage kann ich nicht wirklich beantworten: Während ich die PAM03313 mit blauem Blatt trug, wäre die klassische Alternative natürlich das Modell mit schwarzem Blatt, die PAM03312. Die Variante mit weißem Blatt, PAM03314, erscheint mir auf den ersten Blick etwas zu laut, ist aber deutlich sportlicher.

Aber seien wir ehrlich: Hierbei handelt es sich nun wirklich um Geschmacksfragen. Ich würde Erstkäufern wahrscheinlich das traditionelle schwarze Blatt empfehlen – und ihnen dazu ein Nato-olivfarbenes Kautschukband sowie ein blaues Krokoband empfehlen, um für alle Anlässe gewappnet zu sein. Wie schön, dass Panerai hier eine ganze Palette an Armbändern beabsichtigt zu lancieren. Persönlicher Wunsch: Eines in braunem Naturleder wäre klasse, um den historischen Referenzen wie der 6152/1 so nah wie möglich zu kommen.


Diese vier Elemente prägen Design und Funktion der Panerai Luminor Marina


Kommen wir noch einmal zum Original: Wie eingangs erwähnt, ist das wichtigste Wiedererkennungsmerkmal der Uhren das 1955 erstmals eingeführte Safelock-System, um die Krone der Luminor Marina vor Stößen zu schützen.

Dazu kommt das bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts eingeführte Sandwich-Zifferblatt. Dabei befindet sich die Leuchtmasse in einer zweiten Lage unterhalb des Zifferblattes, während die Ziffern und Indexe ausgeschnitten sind. Das ermöglicht eine deutlich größere Leuchtkraft als aufgesetzte Leuchtmasse.

Drittes Erkennungsmerkmal ist die in den 40er Jahren erstmals auftauchende kleine Sekunde bei 9 Uhr. Diese ermöglichte den Froschmännern, auf einen Blick zu erkennen, ob ihre Uhr noch in Betrieb ist – oder möglicherweise stehen geblieben war. Nicht ganz unwichtig im Kampfeinsatz.


Noch mal zurück zu den Uhrenpreisen


Gutes Stichwort: In welchem preislichen Umfeld bewegen sich die drei neuen Varianten der Panerai Luminor Marina?

Es gibt drei Varianten:

  • die „Klassische“ PAM03312 mit schwarzem Zifferblatt
  • die „Elegante“ PAM03323 mit blauem Blatt (die ich tragen darf)
  • und die „Sportliche“ PAM03314 mit weißem Zifferblatt.

Sie kosten alle – inklusive zweitem, farblich zum Zifferblatt abgestimmten Kautschukarmband – 8.900 Euro.

Schauen wir uns das Umfeld genauer an

Rolex preist seine Submariner Date 126610 derzeit im 41 Millimeter Edelstahlgehäuse und mit 300 Metern Wasserdichtigkeit bei 10.600 Euro ein. Die über 1.200 Meter wasserfeste, 43 Millimeter große Sea-Dweller liegt in Stahl bei 13.650 Euro.

Die IWC Aquatimer liegt bei 300 Metern Wassertiefe aktuell mit Stahlband bei 7.500 Euro. Allerdings verlangen die Schaffhausener für ein Kautschukband, das an das Schnellwechselsystem passt, zusätzliche 310 Euro. Das Werk mit 120 Stunden Gangreserve wird zudem hinter einem Stahlboden im 42 Millimeter-Gehäuse versteckt.

Auch Omega liegt mit der Seamaster Planet Ocean 600M in 43,5 Millimeter etwas unter der Panerai – mit 7.700 Euro und 60 Stunden Gangreserve. Allerdings kommt sie als Master Chronometer zertifizierte Uhr. Die ikonische James Bond Edition der Seamaster 300M mit Titangehäuse und Nato-Armband liegt bei etwa 9.700 Euro und damit ungefähr gleichauf mit der Panerai.

Die große Frage ist: Sind diese Marken wirklich Mitbewerber?

Um es gleich vorwegzunehmen: Viele Panerai-Träger, die ich kenne, würden niemals eine Rolex umschnallen – und umgekehrt viele Rolex-Träger keine Panerai.

Bei IWC würden – verständlicherweise – solche Kunden, die bei Panerai den historischen Bezug zur Nautik mögen, eher auf die Aeronautik, sprich Fliegeruhren, setzen. Die Schaffhausener können hier eine ikonische Geschichte vorweisen.

Und bei der Omega Seamaster muss man sich ehrlich fragen, ob das nicht eher ein klassischer Taucheruhrenkunde ist, der eine voll funktionale Taucheruhr mit drehbarer Lünette als echtes Instrument sucht.


Die zwei wertvollsten Panerai Luminor Modelle


Der Rekord für den Verkauf einer Panerai Luminor wurde bei einer Auktion von Sotheby’s in Genf im Jahr 2014 aufgestellt. Das Modell aus dem Jahr 1955 in Edelstahl wurde damals für ein Rekordgebot von 425.000 Schweizer Franken verkauft. (Dieses Modell hatte allerdings noch eine klassische Aufzugskrone.)

Credit © Sothebys

Das bekannteste Modell der Reihe ging im Jahr 2020 auf einer Auktion in New York über den Tisch. Ich erinnere mich noch gut an den Kinofilm Daylight mit Sylvester Stallone – das war zu Zeiten der großen Kino-Blockbuster, zehn Jahre vor dem ersten iPhone und gut 15 Jahre vor Facebook.

Credit © Phillips

Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass Stallone – und insbesondere seine freiwillig getragene Panerai – maßgeblich dazu beigetragen haben, die Marke Panerai von einem wenig bekannten Uhrenhersteller ins weltweite Rampenlicht zu rücken. Stallone trug diese Uhr in jeder Szene des Films Daylight von 1996.

Credit © Phillips

Die Auktion, geleitet vom wichtigsten Auktionator der Welt, Aurel Bacs, dauerte ganze fünf Minuten: Stallones Luminor wurde für 215.000 Dollar verkauft. Sie müssen jetzt also nur noch einen Hollywood-Film drehen, in dem Sie New York retten – die passende Statement-Uhr von Panerai kennen Sie ja jetzt.


Die Evolution der Luminor Marina Modelle – welche sollte man als Sammler kennen?


Abschließend – für alle, die es ganz genau wissen wollen – ein Blick auf die Modellgeschichte: Welche Panerai Luminor Modelle sollte man kennen (und ggf. als Sammler besitzen)?

Sammler sollten sich zunächst nicht verwirren lassen bei den frühen Modellen. Es handelte sich um echte Tool Watches, die immer wieder verändert wurden. Seit Beginn der 1960er-Jahre wurden die Radiomir-Dials vieler Panerai-Modelle kontinuierlich durch solche mit Luminor-Leuchtmasse ersetzt.

Das hat in der Vergangenheit zu viel Verwirrung geführt, soll aber hier nicht weiter vertieft werden. Auch die ersten Modelle mit dem 1955 patentierten Kronenschutzbügel tauchen sowohl bei der Egiziano aus dem Jahr 1956 (GPF 2/65) auf als auch bei der Referenz 6562/1 von 1958.

Fest steht: Los geht es 1962 mit den ersten Modellen, die den Namensbestandteil Panerai Luminor oder Marina Militare auf dem Zifferblatt trugen – aus denen dann später die Ikone Panerai Luminor Marina wurde.


Die acht wichtigsten historischen Luminor-Meilensteine im Detail


Los geht es natürlich mit der Ref. 6152/1 der Sechziger Jahre, die alle erwähnten Designprinzipien der Luminor erstmals in einer Uhr vereinte. Allerdings war diese Uhr mit ihrem 47-Millimeter-Gehäuse riesig. In ihr arbeitete das Angelus-Werk SF240 mit acht Tagen Gangreserve.

Als Panerai in den Neunziger Jahren erstmals Uhren außerhalb des Militärs verkaufte, wurden rund 200 Exemplare der ersten 44 Millimeter großen Luminor Ref. 5218/203-A hergestellt. Diese Uhr trug als erste den heutigen Namen Luminor Marina. Das kompakte Gehäuse mit kurzen Bandanstößen bestand aus schwarz PVD-beschichtetem Edelstahl.

Ihr folgte mit der Übernahme durch Richemont im Jahr 1997 eine Art Hybrid der ersten beiden Modelle: Die PAM0001 steckte in einem Ref.-5218-Gehäuse aus Edelstahl, allerdings tickte in ihr – wie in den Sechzigern – ein Handaufzugskaliber auf ETA-6497/2-Basis, das sogenannte OPII. Man verzichtete auf das Sandwich-Dial, die Tritium-Leuchtmasse war aufgedruckt.

Im Jahr 2002 folgte die erste Luminor Marina mit Automatikwerk – die PAM00104, ebenfalls im 44-Millimeter-Gehäuse. Basis des OPIII genannten Werks war das Valjoux 7750-P1. Gut zu erkennen ist diese Uhr an der Vergrößerungslupe auf dem Uhrenglas, analog zu Uhren der bekannten Genfer Kollegen.

2006 wurde es wieder deutlich klassischer bei Panerai: Die PAM00204 orientierte sich mit ihrer Gehäusegröße von 47 Millimetern an dem Sixties-Urahn. Sie verfügte auch erstmals wieder über das legendäre Sandwich-Dial mit ausgeschnittenen Ziffern und Indexen. Mit dem historischen 8-Tage-Angelus-Kaliber SF240, dem Messinglook der Zeiger und weiteren Detailanleihen stellt diese Uhr vermutlich das Modell dar, das dem Original je am nächsten kam.


Die fünf direkten Vorläufer der neuen Luminor Marina


Der nächste Technologiesprung erfolgte 2009 mit der PAM00312 und dem Wechsel auf das hauseigene P.9000-Automatik-Kaliber mit drei Tagen Gangreserve. Dabei wurde erstmals ein offener Saphirglasboden verbaut.

Dieses Modell wurde viele Jahre hergestellt, bis 2017 mit der PAM01312 eine Weiterentwicklung erschien. In dieser Version wurde erstmals das überarbeitete, flachere Panerai-Kaliber P.9010 verbaut – inklusive Sekundenstopp.

Außerdem kam die damals neue Superluminova-Leuchtmasse vom Typ X1 zum Einsatz, die in einem Vintage-Beigeton (anstatt des bisher verwendeten Grüntons) leuchtete. Charakteristisch für diese Uhr war die kleine Sekunde bei neun Uhr mit gebläutem Zeiger. Auch sie besaß einen Glasboden und erstmals konnten die Bänder unkompliziert selbst gewechselt werden. Die Wasserdichtigkeit blieb bei bis zu 300 Metern.

Dieses Modell ist gar nicht so leicht von der bislang im Verkauf befindlichen PAM01312 zu unterscheiden – obwohl sie 2021 noch einmal überarbeitet wurde. In dieser überarbeiteten Version wurde wieder grüne Superluminova eingesetzt. Gleichzeitig reduzierte sich die Gehäusedicke durch Verzicht auf den Glasboden von 15,6 mm auf 15,45 mm. Allerdings verfügte das Werk nun auch nicht mehr über die Stoppsekunde.


Das noch leichtere Titan-Modell als Alternative


Abschließend soll nicht unerwähnt bleiben: Wer die 44 Millimeter große Luminor Marina mit den kürzeren Bandanstößen – wie ich – nun plötzlich tragen kann, aber mit dem Gewicht der Uhr nach wie vor weniger zurechtkommt, sollte sich die ebenfalls neue Luminor Marina Titanio PAM003325 mit olivgrünem Blatt einmal anschauen.

Titan tauchte 1998 erstmals in der Submersible-Linie bei Panerai auf. Das neue Modell ist deutlich leichter, aber eben auch teurer.

Panerai – Auf dem Weg zu neuen Ufern

Ich muss abschließend gestehen: Ich habe bislang keine Panerai-Uhren getragen, weil mir das ikonische Luminor-Modell schlicht zu groß war – obwohl ich den einzigartigen Look und die Geschichte sehr mag.

Dabei kenne ich natürlich auch die kleineren Modelle der Marke gut: Ich war dabei, als die erste Luminor Due 2016 in einer Oper in Florenz vorgestellt wurde – und ihre kleinere Schwester, die Due 38, in Genf im Jahr 2018. Auch wenn mich damals einige Hardcore-Paneristi belächelt haben: Diese Uhren waren entscheidend für die Marke und ihre Zukunft, um sich neuen Zielgruppen zu öffnen.

Ich war ebenfalls dabei, als Panerai seine bislang komplizierteste Uhr vorstellte: die Panerai Radiomir 1940 Minute Repeater Carillon Tourbillon GMT. Solche hochkomplizierten Modelle kann nur ein Bruchteil der Schweizer Manufakturen überhaupt herstellen – Panerai gehört dazu. Ein guter Sammlermarkt muss sich auch mit der Zeit weiterentwickeln – was Gehäusedurchmesser angeht – bleibt dabei aber den ikonischen Modellen treu. Welcome to Panerai.


Ausblick: Ein neuer CEO zur Watches & Wonders 2025


Und dazu braucht es fähige, langfristig denkende CEOs. Ich kenne den soeben ausgeschiedenen CEO Jean-Marc Pontroué noch aus der Zeit, als er Chef einer ganz anderen Marke war – Roger Dubuis. Seinen Vorgänger Angelo Bonati traf ich über ein Jahrzehnt lang zu verschiedenen Gelegenheiten.

Bonati ist es zu verdanken, dass Panerai zum Kult wurde – weil er sich lange genug dagegen wehrte, ständig neue Modelle zu bringen. Stattdessen rüstete er lieber die zwei Linien Radiomir und Luminor konsequent auf, entwickelte parallel die Submersible als echte Taucheruhr und brachte die seltenere Mare Nostrum nur als Sonderedition heraus.

Bis auf neue Größen, neue Werke und neue Materialien blieben auch seine Nachfolger dieser Linie treu.

Es wird spannend zu sehen sein, wie sich der soeben ernannte Emmanuel Perrin, seit drei Tagen offiziell im Amt, dieser Herausforderung stellt. Er muss gar nicht viel ändern – denn schon Kleinigkeiten machen den entscheidenden Unterschied zur perfekten Uhr.


panerai.com