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W&W 2025: Van Cleef & Arpels – Alle Details zu den Neuheiten mit Director of Research Rainer Bernard und Head of Timepieces Pascal Narbeburu
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W&W 2025: Van Cleef & Arpels – Alle Details zu den Neuheiten mit Director of Research Rainer Bernard und Head of Timepieces Pascal Narbeburu

1. April 2025

Mit Spannung werden bei der diesjährigen Watches & Wonders die Neuheiten von Uhrengiganten wie Patek Philippe oder auch Independence wie dem Genie Christiaan van der Klaauw erwartet. Doch unter den 60 teilnehmenden Uhrenmarken ist auch ein Stand, auf den sich Journalisten und Einzelhändler besonders freuen: Van Cleef & Arpels. Das liegt nicht nur am unverkennbar bezaubernden Standdesign des Uhren- und Schmuckherstellers, sondern auch daran, dass dort einige der anmutigsten und komplexesten Kreationen der Messe zu sehen sind. Von musizierenden Planetariumsautomaten bis hin zu Armbanduhren mit Emaille-Zifferblättern, auf denen sich Paare mechanisch umarmen, stellt das Jahr 2025 keine Ausnahme dar. Im Vorfeld der Messe haben wir uns auf den Weg nach Genf gemacht, um gemeinsam mit dem langjährigen Director of Research, Rainer Bernard, und dem Head of Timepieces, Pascal Narbeburu, auf diese ganz besonderen Stücke zu blicken.

Van Cleef Neuheiten Watches & Wonders 2025: Was ist wichtig?

In diesem Jahr besinnt sich das allzeit romantische Unternehmen Van Cleef & Arpels auf sein Pariser Erbe, nicht zuletzt im Rahmen seiner Poetic Complications. Dies zeigt sich in der farbenfrohen Pont des Amoureux (Brücke der Liebe) und der Lady Arpels Bal des Amoureux Automate, die Métiers d’Art mit mechanischem Know-how in sich vereinen. Wie diese Neuheiten verdeutlichen, wird auch der Kunst des Edelsteinfassens hierbei große Aufmerksamkeit zuteil. Wie immer setzt die Marke auch auf ihr Fachwissen im Bereich der uhrmacherischen Komplikationen und arbeitet gleichzeitig mit anderen externen Experten zusammen, um ihr Know-how in allen Bereichen – von Glocken für Schlagwerke bis hin zu Automaten – zu erweitern. Mehr dazu erfahren Sie nicht nur hier, sondern auch in unserem Artikel mit Pascal Narbeburu, dem Timepieces Director Van Cleef & Arpels.

Liebesgeschichten, verzauberte Natur, Feen und Ballerinas prägen unsere Marke. Selbst wenn das Thema einer Uhr von der Natur inspiriert ist, gravieren wir immer eine Glücksfee auf das Uhrwerk, um es zu kennzeichnen. Auch die poetische Astronomie spielt eine wichtige Rolle, wie man an unseren Planetariumskollektionen sehen kann. Auch Mode und Haute Couture beeinflussen unsere Entwürfe und inspirieren uns zu Zeitmessern, die Eleganz widerspiegeln, ohne eine bestimmte Geschichte zu erzählen.

Rainer Bernard, Director of Research

Poetic Complications Kollektion


„Die Komplikationen der Poetic Complications sind für unser Storytellung unerlässlich”, sagt Timepieces Director Pascal Narbeburu. „Ohne eine Geschichte gibt es keinen Grund, einen Zeitmesser zu entwickeln. Denn am Anfang jeder Uhr steht eine Geschichte, die das Designstudio interpretiert. Wenn wir ihre Skizzen erhalten, wissen wir noch nicht, wie wir die Uhr gestalten werden – wir kennen weder den Mechanismus noch die technischen Herausforderungen. Jahr für Jahr stellen wir fest, wie komplex diese poetischen Komplikationen sind, weshalb sie diesen Namen auch verdienen.”

Sein technisches Pendant, Rainer Bernard, möchte dies gerne ergänzen: „Unser Entwicklungsprozess beginnt mit einer Geschichte – nicht mit einer Technologie. Als Ingenieur könnte ich einen hochmodernen Mechanismus entwickeln und ihn an das Marketing weitergeben, aber so arbeiten wir nicht. Stattdessen beginnen wir mit einer poetischen Idee – vielleicht zwei Vögel, die sich treffen, oder Tänzern – und überlegen dann, wie wir sie zum Leben erwecken können. Es ist ein ständiges Zusammenspiel aus Forschung, Entwicklung und Kunst, bei dem wir unsere Ideen vier Jahre lang verfeinern, bevor wir sie produzieren. Wenn wir die Uhr schließlich fetigen, stellen wir fest, dass sie unserer ursprünglichen Vision bemerkenswert nahe kommt.”

Pont des Amoureux

Wie bereits angedeutet, geht es bei dieser Kollektion um die Kombination verschiedener Elemente: mechanisches Know-how, wertvolle Materialien und Métiers d’Art. Werfen wir zunächst einen genaueren Blick auf die Uhr Pont des Amoureux. Sie wurde erstmals 2010 vorgestellt und schrieb Geschichte, als sie als erstes Stück der Kollektion einen Preis beim renommierten Grand Prix d’Horlogerie de Geneve gewann (Narbeburu vergleicht den Gewinn stolz mit dem eines Oscars). Dieses Uhrenmodell erzählt immer die gleiche Geschichte: zwei Liebende treffen sich auf einer Brücke irgendwo in Paris. In diesem Jahr ist ihr Treffen auf vier Uhren und damit auf vier Tageszeiten verteilt: „Aube“, „Soiree“, „Matinee“ und „Clair de Lune“.


Emaille: Keine Selbstverständlichkeit


So romantisch die Uhr auch sein mag, so technisch ist sie auch: Auf der oberen Hälfte des grisaillefarbenen Emailzifferblatts nähern sich die bogenförmigen Stunden und Minuten einander an. Die Nutzung von Emaille geht 7.000 Jahre bis nach Mesopotamien zurück, wo es zur Dekoration und zum Schutz verwendet wurde. Wie Narbeberu erklärt, handelt es sich dabei um eine luxuriöse und technische Form von Glas, die mit Oxiden und Partikeln versetzt wird, um unterschiedliche Transparenz- und Opazitätsgrade zu erzeugen. Bei der Herstellung werden Emaillekörner auf das Zifferblatt geschichtet, in einem Ofen gebrannt und die Details verfeinert. Je nach gewünschtem Effekt kann ein Zifferblatt zwischen vier und 210 Schichten erfordern.

Darüber hinaus, so Narbeberu, reichen Van Cleef traditionelle Techniken nicht aus. Das Unternehmen zieht es vor, die Grenzen zu erweitern, um neue Materialien und Verfahren zu entdecken, die seine Geschichten noch besser erzählen können. Eine der charakteristischen Techniken des Hauses ist die „Grisaille“-Emaillierung. Sie ermöglicht dem Haus, mit Hilfe winziger Partikel, die sich auf der Oberfläche absetzen, Farbverläufe zu erzeugen. Ursprünglich war man dabei auf Schwarz und Weiß beschränkt, aber inzwischen hat Van Cleef eine Reihe von Farben entwickelt, die es nur bei der Maison gibt. Jedes Pont des Armoureux Zifferblatt ist das Werk eines hauseigenen Kunsthandwerkers, der jede Mini-Landschaft wie ein Aquarell schattiert – und wir haben das Glück, diese aufwendige Arbeit mit eigenen Augen zu sehen.

Für die hier gezeigten rosafarbenen Grisaille-Zifferblätter entwickelte Van Cleef nicht weniger als 60 neue Farben, von denen 15 für die Endprodukte ausgewählt wurden. „Die Entwicklung aller 60 war notwendig, um die perfekten Farbtöne zu erzielen“, erklärt Narbeberu. „Es ging nicht darum, sich mit ‘nahe genug’ zufrieden zu geben. Wir wollten den idealen Rosaton – kein grelles, auffälliges Pink, sondern einen subtilen, eleganten Farbton.“ Die Entwicklung dieses speziellen Rosatons dauerte zwei Jahre. Eine zusätzliche Herausforderung ergab sich, als die Maison versuchte, Emaille auf Weißgold aufzutragen. „Das Ergebnis war schrecklich – das Rosa wurde zu dunkel“, erklärt Narbeberu. „Wir verbrachten Monate damit, mit verschiedenen Metalllegierungen zu experimentieren, aber nichts funktionierte. Schließlich versuchten wir es mit Silberlegierungen und testeten verschiedene Optionen, bis wir eine fanden, die funktionierte. Einige Monate später dachten wir, wir hätten es geschafft – aber als das erste Zifferblatt aus dem Ofen kam, verformte es sich. Silber reagiert anders als Gold, also mussten wir es dicker machen. Zu diesem Zeitpunkt waren das Gehäuse und das Uhrwerk bereits entworfen. Es zeigt, wie wir unsere Zeit verbringen – wir perfektionieren jedes Detail und investieren Zeit in die Handwerkskunst.”

Für Bernard sind Situationen wie diese ein Beweis dafür, warum Van Cleef es vorzieht, alle Kompetenzen unter einem Dach zu behalten. „Es gibt zwangsläufig so viele Wiederholungen und so viele Verfeinerungen. Wenn wir versuchen würden, das extern zu machen, würde der Prozess noch länger dauern. Vor ein paar Jahren haben wir ein Projekt ausgelagert, aber am Ende mussten wir es zurücknehmen und selbst fertigstellen. Ohne eine vollständige Fertigung im eigenen Haus ist es unmöglich, unser Qualitätsniveau zu erreichen.”


Mechanismus mit doppelter Rückwärtsbewegung und Animation auf Abruf


Es liegt auf der Hand, dass die Herstellung von Emaillestücken keine leichte Aufgabe ist, und die Kombination dieses Handwerks mit komplexer Mechanik stellt eine noch größere Herausforderung dar, wie Narbeberu erklärt. „Ingenieure und Kunsthandwerker zusammenzubringen ist nicht einfach. Jeder hat andere Zwänge, die viele Iterationen erfordern, um Harmonie zu erreichen. In unserer Werkstatt mit 20 Mitarbeitern vereinen wir das Know-how von mehr als zehn verschiedenen Metiers, beherrschen alte Techniken und entwickeln neue.”

Damit kommen wir zu den technischen Raffinessen dieser Uhr: Sie ist mit einem Automatikwerk mit Animationsmechanismus ausgestattet, d. h. die Figuren auf dem Zifferblatt bewegen sich aufeinander zu und umarmen sich zur Mittagszeit und zur Minute oder auf Abruf über einen Drücker bei 8 Uhr. Durch den Saphirglasboden kann die Trägerin das Uhrwerk und weitere Emaille-Dekorationen bewundern, darunter die charakteristische Fee des Hauses.

Darüber hinaus enthüllt die Uhr durch den Gehäuseboden ein kompliziertes Innenleben, das sonst meist verborgen bleibt. „Wir haben das Gehäuse entfernt, um ein Element freizulegen, das mir besonders gefällt: den Geschwindigkeitsregler“, erklärt Bernard. „Es handelt sich um einen Zentrifugalregulator, der normalerweise bei Minutenrepetitionen verwendet wird, aber wir verwenden ihn anders: um die Geschwindigkeit des Aufzugs in der Uhr zu steuern. Wir wollen kein Durcheinander in der Uhr, also regulieren wir das Uhrwerk. Wir nehmen traditionelle Elemente der Uhrmacherei und interpretieren sie auf innovative Weise neu.”


Edelsteinfassung im Fokus


Der auffälligste Teil dieser Uhren ist jedoch nicht das Zifferblatt: Die Zeitmesser sind mit glitzernden, vollständig Edelstein besetzten Armbändern ausgestattet, die trotz des daraus resultierenden Gewichts wunderbar bequem und flexibel am Handgelenk sitzen. Dafür sorgt ein spezielles, ausgeklügeltes Maschensystem, mit dem sich die Armbänder der Wölbung des Handgelenks anpassen. Die roségoldenen Modelle werden durch eine elegante und feminine Kombination aus rosa Saphiren und Diamanten ergänzt. Die Weißgold-Editionen bestechen hingegen durch eine Kombination aus Saphiren und Diamanten. Während das Zifferblatt ein Kunstwerk, das Uhrwerk eine technische Meisterleistung und die Geschichte der Uhr eine Liebesgeschichte ist, ist es wirklich das unglaublich luxuriöse Armband, das diese bereits beeindruckenden Stücke zusammenbringt.


Unsere Uhren sind nicht einfach nur Zeitmesser – sie sind Ausdruck von Kunst, Poesie und Handwerkskunst. Indem wir traditionelles Savoir-faire mit Innovation verbinden, schaffen wir Uhren, die Geschichten erzählen, Emotionen hervorrufen und das Wesen der Zeit selbst einfangen.

Pascal Narbeberu

Lady Arpels Bal des Amoureux Automate


Eine weitere Ergänzung der Kollektion Poetic Complications wird nicht nur für Van Cleef-Fans, sondern vor allem für Uhrenliebhaber interessant sein: die Lady Arpels Bal Amoureux Automate. Wie ich bereits 2022 bei der Lancierung der Lady Arpels Heueres Florales feststellte, verbirgt sich hinter der ansprechenden Fassade dieser Uhren nicht selten ein uhrmacherisches Meisterwerk. Bei diesem Zeitmesser handelte es sich um die erste Uhr von Van Cleef ohne traditionelle Zeiger. Stattdessen verfügte sie über sechs Blütenblätter pro Blume, die der Träger abzählen musste, um die Zeit ablesen zu können. „Das war eine unserer komplexesten Kreationen“, fügt Narbeburu hinzu. Dazu könnte man anmerken, dass es ein seltenes Privileg ist, solch komplexe Uhren zu sehen, die speziell für Frauen entworfen wurden.


Lady Arpels Bal Amoureux Automate: Die personifizierte Romantik


Mit der Lady Arpels Bal Amoureux Automate wurde ein neues Kapitel in der Liebesgeschichte von Van Cleef aufgeschlagen: Das Liebespaar trifft sich wie immer in Paris – diesmal in einer Freiluftbar, einer sogenannten Guinguette. Dabei handelt es sich um traditionelle Cafés entlang des Marne-Ufers, südlich von Paris, wo man sich zum Essen, Trinken und Tanzen trifft. Van Cleef beschloss, diese lebendige Atmosphäre im Rahmen des Automaten nachzubilden. Dabei ginge es nicht darum, einen bestimmten Ort darzustellen, wie eine der Handwerkerinnen des Hauses erklärt, sondern darum, eine Stimmung oder ein Gefühl einzufangen.

Ein weiteres romantisches Design für die Poetic Complications Kollektion

Van Cleef & Arpels hat sich in der Kollektion für ein weiteres romantisches Design entschieden, bei dem ebenfalls die traditionelle Grisaille-Emailliertechnik zum Einsatz kommt – eine Art Markenzeichen der Manufaktur. Für diese Technik, die um 1500 in Frankreich entwickelt wurde, verbringen die Emaillierer von Van Cleef rund 40 Stunden damit, zwei Schichten weißes Emailpulver, sogenanntes blanc de Limoges, auf den dunkelblauen Hintergrund aufzutragen. Anschließend bringt er diesen mit den verschiedenen anderen Blautönen in Einklang und ergänzt sie mit verschiedenen kontrastierenden, warmen Gelbtönen, die Lichtstrahlen darstellen. Darüber hinaus entschied sich Van Cleef für die Verwendung von Licht- und Schattenkontrasten, ähnlich wie es die alten Meister in der Malerei taten. „Die Farbe ist ausschlaggebend“, sagt eine der Handwerkerinnen. Die Fertigstellung eines jeden Zifferblattes dauerte nicht nur eine Woche, sondern erforderte auch etwa ein Dutzend Brennvorgänge, ganz zu schweigen von der Geschicklichkeit, mit der einzelne Elemente wie die Wolken dreidimensional gestaltet wurden.


Doppelter Retrograd, 100 Prozent Manufakturautomaten und ein Animationsmechanismus auf Abruf


Noch beeindruckender ist, dass mit der neuen Lady Arpels Bal Amoureux Automate ein neues Automatenuhrwerk von Van Cleef eingeführt wurde. „Wir führen jetzt die gesamte Montage, die Prototypenherstellung, die Tests und die Qualifizierung im Haus durch“, erklärt Narbeburu. Die Entwicklung dieses neuen Uhrwerks hat nicht weniger als vier Jahre gedauert. Es zeigt zwei Figuren, die sich zueinander neigen und ihre Arme über drei Gelenke miteinander verbinden. Das Hauptmerkmal dieses neuen Mechanismus ist seine Geschmeidigkeit, die der Uhr einen gewisse Lebendigkeit verleiht.

Für die Uhr Lady Arpels Bal des Amoureux Automate wollten wir unseren Liebhabern möglichst natürliche Gesten verleihen. Das bedeutete, diese auszudrücken und zwei gleichzeitige Bewegungen zu kombinieren – ihre Annäherung und ihre Neigung zueinander – und ihnen gleichzeitig einen gewissen Freiheitsgrad zu geben, um die Beweglichkeit der Animation zu gewährleisten. Die Schwierigkeit bestand darin, mehrere natürliche Gesten zu erreichen, ohne die Präzision des Mechanismus zu beeinträchtigen.

Rainer Bernard, Forschungsleiter

Rainer Bernard, Director of Research


Ursprünglich bewegten sich die Liebenden einfach aufeinander zu, hielten sich an den Händen und küssten sich – doch dann stellten Van Cleef fest, dass sie noch nie bewegliche Hände gemacht hatten, die tatsächlich zusammenkommen. Das war es wert, dieser Herausforderung nachzugehen. Nach vielen Tests und Konstruktionen entwickelte das Haus ein System mit drei Gelenken: an der Taille, am Arm und an der Hand. Bei den Tests entdeckten die Ingenieure von Van Cleef jedoch etwas Unerwartetes. Die Liebenden sollten sich genau um Mitternacht und zu Mittag küssen, aber nach einigen Stunden näherten sie sich vorzeitig aneinander an. Man könnte sagen, dass sie sich so sehr zueinander hingezogen fühlten, dass sie sich mit der Zeit unmerklich näher kamen. Um dies zu verhindern, mussten die Ingenieure von Van Cleef die Bewegung modifizieren und dafür sorgen, dass sie sich nur zu den vorgesehenen Zeitpunkten oder auf Kommando küssten.

Neben dieser Herausforderung stellte auch das Uhrwerk der Lady Arpels Bal Amoureux Automate selbst eine große technische Herausforderung dar. Es musste die retrograden Sterne, die die Zeit anzeigen, mit den Bewegungen der Liebenden synchronisieren. Trotz seiner Komplexität ist es Van Cleef gelungen, dies mit nur vier zusätzlichen Komponenten zu bewerkstelligen, worauf sie sehr stolz sind.

Insgesamt ist die Uhr ein deutliches Zeichen dafür, dass Van Cleef auch in Zukunft immer komplexere Stücke entwickeln möchte. So besteht dieses besondere Kaliber mit hauseigenem Automatenwerk aus nicht weniger als 533 Komponenten besteht. Man könnte denken: „Oh je, warum so viele?“, kommentiert Narbeberu. „Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir jedes einzelne davon brauchen. Unsere Design-Philosophie ist es, die Dinge so einfach wie möglich zu machen – Verkomplizierung ist nie gut.” Er nimmt sich einen Moment Zeit, um über seinen Standpunkt nachzudenken. „Wahrscheinlich machen Sie das Gleiche, wenn Sie Ihre Artikel schreiben: Wenn sie zu komplex sind, verstehen sie die Leute nicht. Das gleiche Prinzip gilt auch hier. Selbst bei 533 Komponenten hat jede einzelne einen Zweck. Das ist unser typischer Stil.”

Ein weiterer faszinierender Aspekt dieses Stücks ist die Art und Weise, wie Van Cleef & Arpels technisches Know-how auf hohem Niveau mit Métiers d’Art verbindet. Die Schnittstelle zwischen diesen beiden ist unglaublich schwierig zu meistern. Denn das Kaliber integriert handgefertigte und andere Komponenten, die eine Präzision bis auf den Mikrometer genau erfordern. „Beides miteinander zu verbinden, ist eine echte Herausforderung“, erklärt Narbeberu. „Bemerken Sie, dass Sie keine Schrauben oder Befestigungselemente sehen? Man hat keine Ahnung, wie es zusammengesetzt ist. Es ist viel schwieriger, die Technik zu verstecken, als sie sichtbar zu machen. Könnten Sie sich vorstellen, hier eine große Schraube zu sehen? Nein – absolut nicht. Das ist auch Teil unserer DNA: sicherzustellen, dass das Uhrwerk der Geschichte dient.”

Extraordinary Objects

Bei allen Vorzügen dieser Uhren ist das Segment der „Extrodinary Objects“ vielleicht das visuell anregendste im gesamten Portfolio von Van Cleef. Diese großen Automaten sind oft Einzelstücke, und auf der Watches & Wonders bietet sich die einmalige Gelegenheit, sie in Aktion zu sehen.

Naissance de l’Amour

Zu ihnen zählt etwa die Naissance de l’Amour. Wir haben nicht nur das Vergnügen, sie auf der Uhrenmesse zu sehen, sondern auch weit im Voraus, im Atelier François Junod in Sainte-Croix, Schweiz, wo sie allerdings noch nicht vollständig zusammengebaut ist. Wie Pascal Narbeburu (LINK ZUM ARTIKEL) in seinem Interview betonte, ist Van Cleef dahingehend einzigartig, dass sie offen mit kleineren externen Spezialisten und Ateliers zusammenarbeitet, um das perfekte Stück zu schaffen.


Atelier François Junod


Hoch oben in Sainte-Croix gelegen, erweckt das Atelier von François Junod seit 1984 Automaten zum Leben und verbindet dabei Tradition mit zeitgenössischem Kunsthandwerk. Wenn man das Atelier betritt, wird man von einer Vielzahl ehrgeiziger Erfindungen begrüßt: kolossale Drahtringe hängen von der Decke, die Köpfe von Schaufensterpuppen säumen die Wände, Gemälde stehen im Kontrast zu industriellen Metalltüren. Ein Schmuckstück ist ein Automat, der eine „Tassen“-Zaubertrick vorspielt, bei der ein winziger blauer Vogel unter eine Tasse flattert und dann sofort wieder verschwindet. „Das ist ein Lieblingsstück der Kinder“, sagt Junod.

Zusammen mit seinem Team, einer Gruppe junger Ingenieure, baut er schreibende Pierrots, elegante Tänzerinnen und Tänzer, Tierorchester, Dichter und Musiker – Kreationen, die in der Schweiz, in Japan, Spanien, Frankreich, Italien, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und darüber hinaus ein Zuhause gefunden haben.

Doch wie passt seine Arbeit zu Van Cleef & Arpels? Als Meister des seltenen Handwerks mechanischer Automaten ist Junods Arbeit sowohl in technischer Präzision als auch in künstlerischer Vision verwurzelt, geprägt von seinen Studien der Mikromechanik und der bildenden Kunst. Seine Automaten, vom Engel des CIMA-Museums bis hin zu The Walking Man und die Singer’s Bust in der Genfer Arena, haben ebenso viel mit Poesie wie mit Mechanik zu tun. Er verbirgt die Zahnräder, Federn und Rädchen nicht, sondern macht sie zu einem Teil der Ästhetik, zu einer Hommage an den Erfindungsreichtum der Bewegung. Seine Werkstatt ist eine Welt der barocken Komplexität, in der sich Vergangenheit und Gegenwart treffen. Aber jenseits der Mechanik strebt Junods eigentlich nach etwas schwer greifbaren: der feinen Linie zwischen der Maschine und dem Leben selbst. Seine Automaten ahmen nicht einfach nur Bewegungen nach, sie fangen etwas zutiefst Menschliches ein. Sie sind eine stille Reflexion dessen, was wir sind. Somit passt seine Philosophie perfekt zu Van Cleef, wo menschliche Geschichten und Ästhetik eine ebenso wichtige Rolle spielen wie die Mechanik.


Naissance de l’Amour: Eine weitere prunkvolle Van Cleef & Arpels Kreation


Der Automat Naissance de l’Amour (Die Geburt der Liebe) folgt auf eine Reihe anderer Automaten, die wir in den letzten Jahren von Van Cleef gesehen haben. Darunter sind auch die Rêveries de Berylline von 2022, gefolgt von der Éveil du Cyclamen und der Bouton d’Or.

Die „Geburt der Liebe“ assoziiert man oft mit Amor oder Eros in der griechischen Mythologie: dem Gott der Liebe und des Verlangens. In der klassischen Mythologie und Kunst wird Amor häufig als Verkörperung der Geburt der Liebe dargestellt; seine Pfeile entfachen die Leidenschaft, und seine Anwesenheit symbolisiert den Beginn der romantischen Anziehung. In der Kunst der Renaissance und des Barocks war die Geburt Amors oder die „Geburt der Liebe“ selbst ein häufiges Thema und symbolisierte oft den Moment, in dem die Liebe in die Welt kam. Kein Wunder also, dass dies in vielerlei Hinsicht eine überirdische und zutiefst romantische Kreation ist.

Die 30 Zentimeter hohe Amor-Figur Naissance de l’Amour entsteigt einem Federkorb und sitzt auf einer griechischen Säule aus Roségold, umgeben von Wolken aus Weißgold, Diamanten und rosa Saphiren. Wenn der Automat aktiviert wird, dreht sich die Figur und ihre Flügel aus Plique-à-jour-Emaille flattern. Während Amor seinen Auftritt hat, spielt ein mechanisches Glockenspiel eine zarte Melodie. Bei dem ganzen Spektakel sollten wir auch die Zeitanzeige nicht außer Acht lassen, die über einen abgestuften Drehring mit zwei lackierten, mit Diamanten besetzten „Federn” erfolgt, die mit einer diamantenen „Schleife“ gesichert sind.


Kostbare Edelsteine


Der Automat steht auf einem Sockel aus Tigerauge, einem nuancierten Stein mit goldenen Streifen. Erstmals bei Van Cleef zu sehen ist eine Schale aus versteinertem Palmholz, die den Federkorb hält. Jedes Material wird von den Experten der Maison sorgfältig ausgewählt, geschliffen und poliert.


Glanzstück: Planétarium-Automat


Apropos Edelsteine: Es ist an der Zeit, einen Blick auf den zweifellosen Star der Ausstellung am Stand von Van Cleef & Arpels zu werfen: der Planétarium-Automat. Neben der Liebe und der Poesie interessiert sich Van Cleef seit langem für die Sterne und die himmlischen Vorgänge am Himmel. Im letzten Jahrzehnt hat die Manufaktur daran gearbeitet, die Dimensionen der Planetarien des 19. Jahrhunderts zu komprimieren und Sonne, Mond und Planeten durch komplexe Zeitmesser und großformatige Automaten darzustellen. In diesem Jahr wird ein neues Modell vorgestellt, das mit einer einzigartigen Kombination von Materialien ausgestattet ist. Unter anderem gehören Rosé-, Weiß- und Gelbgold, Rubine, Lapislazuli-Kalcedon, Perlen, Jaspis, Jet, milchiger Rosenquarz, orangefarbener Mondstein, Obsidian, Zitronenbaum, Ziricote, Amaranth, weiße Stechpalme, Glas, schwarzes und bronzenes PVD dazu.


Planeten aus Edelsteinen


Ein besonders bemerkenswertes Element ist die Sonne, die mit Spessartin, gelben Saphiren und Diamanten auf über 500 Goldstiften besetzt ist. Die Sonne bebt auf faszinierende Weise dank eines zusätzlichen, in den Mechanismus der Automatik integrierten Trembleurs. Wie im 20. Jahrhundert tragen die anderen Planeten Bänder im Stil des 18. Jahrhunderts, die mit den Namen der Planeten geschmückt sind. Auch im Design der einzelnen Planeten finden sich zahlreiche kulturelle Bezüge. So ist die Venus mit winzigen Muscheln versehen und erscheint in Rosenquarz mit rosa Saphiren, während der Mars aus orangefarbenen Mondstein besteht und mit Pfeilen verziert ist. Für den Saturn setzt man auf Gagat, und Jupiter zeigt sich in Jaspis in Kombination mit Blitzen.

Das Planétarium stellt mit einer Höhe von 50 cm und einem Durchmesser von 66,5 cm die größte Kreation von Van Cleef & Arpels dar. Kein Wunder: Es beherbergt einen komplexen Mechanismus, wodurch sich jeder Planet in Echtzeit bewegt, d. h. 88 Tage für Merkur, 224 Tage für die Venus, 265 Tage für die Erde, 676 Tage für den Mars und beeindruckende 11,86 Jahre für Jupiter und 29,5 Jahre für Saturn. Der Mond hingegen wird Tag für Tag animiert und spiegelt die 27,3 Tage wider, die der Mond braucht, um sich um die Erde zu drehen. Außerdem ermöglicht eine On-Demand-Animation dem Besitzer, einen Tanz der Sterne zu aktivieren. Wenn die Animation des gesamten Planetariums beginnt, taucht eine roségoldene Sternschnuppe auf, die mit Diamanten und „Mystery”-gefassten Rubinen verziert ist und die Stunden und Minuten auf einem 24-Stunden-Zifferblatt anzeigt. Auch hier erklingt eine sanfte Melodie, die von einem Glockenspiel mit 15 Glocken begleitet wird. Diese unglaublichen Glocken wurden in Zusammenarbeit mit externen Experten an einer deutschen Universität entwickelt und können auch durch eine Tür in Aktion bewundert werden.


Animierte Tischuhren bei Van Cleef


Die Tradition der animierten Tischuhren geht auf das 19. Jahrhundert zurück, und 2017 wollte Nicolas Bos dieses Erbe wiederbeleben – nicht mit der Absicht, es zu verkaufen, sondern um die Handwerkskunst in Paris und Frankreich zu unterstützen. So wurde ein Einzelstück hergestellt und in Paris ausgestellt, das sich als Katalysator erweisen sollte. Denn ein Kunde bestand darauf, es zu kaufen und schließlich wurde eine eigene Kollektion geschaffen. Im Jahr 2020 stellte Van Cleef das Planétarium, die Fontaine aux Oiseaux und andere Stücke vor. Seitdem ist das Interesse deutlich gestiegen, und die Zukunft dieser Objekte bei Van Cleef & Arpels sieht sehr vielversprechend aus.

Die Ruban Mystérieux

Zu guter Letzt werden wir mit einem Schmuckuhren-Unikat verwöhnt, das die prächtigen quarzbetriebenen Cadenas-Neuheiten ergänzt – und diese Schmuckuhr ist sogar mechanisch. Es lohnt sich auch, einen Moment innezuhalten, um das Couture-Design dieser neuen Miniaturuhr zu bewundern. Das Design, das einer Schleife nachempfunden ist, setzt sich aus einem ovalen Perlmuttzifferblatt zusammen, das von einem 3,72-karätigen Diamanten umrahmt wird. Die Diamanten stehen im Mittelpunkt des Modells und erstrahle in einer Kombination aus Schneeflocken-Fassung und Van Cleefs sogenannter „Mystery“-Edelsteinfassung auf dem Armband. Bei dieser Technik, die von der langjährigen Erfahrung von Van Cleef zeugt, werden die Steine sorgfältig in goldene Schienen eingeschnitten.

Somit rundet dieses wunderschöne Stück ein weiteres Jahr voller atemberaubender Neuheiten der Maison ab, die nächstes Jahr ihr 120-jähriges Bestehen feiert. Wir sind gespannt, was das nächste Jahr unter der Leitung der neuen CEO, Catherine Rénier, bringen wird – und wenn es so ist, wie wir es auf der Watches and Wonders 2024 gesehen haben, dann können wir uns auf einiges freuen.


vancleefarpels.com