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Wilhelm Schmid, CEO von A. Lange & Söhne, hat eine angenehm bodenständige, äußerst souveräne und erfrischend optimistische Haltung, die sinnbildlich für die stolze Uhrenmanufaktur aus Glashütte steht. Für Schmid gab es noch nie eine bessere Zeit für Uhrenliebhaber als heutzutage, dank der digitalen Welt. Trotzdem hält der besonnene CEO und Autoliebhaber nicht allzu viel von der vernetzten Geschäftigkeit, zumindest was den Vertrieb seiner Uhren betrifft – denn E-Commerce spielt für Schmid noch keine große Rolle. Er investiert seine Ressourcen lieber in das Produkt, das er als ‚Kunst am Handgelenk‘ bezeichnet, in die vielen aufwendigen Dekorationen und die technischen Raffinessen, die seine Kunden davon überzeugen, rund 90.000 Euro für eine Uhr mit Digitalanzeige auszugeben. In Berlin trafen wir Wilhelm Schmid zum Lunch und wollten unbedingt auch erfahren, ob es jemals ein Sportmodell bei A. Lange & Söhne geben wird.
Meine erste Erfahrung mit einer mechanischen Uhr war recht kurzweilig. Ich hatte sie ganz klassisch von meinem Patenonkel zur Kommunion bekommen, morgens zur Kirche angelegt und nachdem wir nachmittags Fußball gespielt hatten, war sie abends schon kaputt. Bei meiner nächsten Uhr war ich 17 und total begeistert von der Mechanik, eine Uhr ohne Batterie, bei der man zusehen konnte, wie die Zahnrädchen ineinander eingreifen. Und bis heute habe ich zwei Hobbies beibehalten, die auf der Mechanik basieren: Autos und Uhren.
Ich trage seit zirka einem halben Jahr die Zeitwerk Date. Zu den schönsten Privilegien als CEO gehört, dass ich die Prototypen testen und tragen darf. Und ich habe mich nun unglaublich an diese Uhr gewöhnt und werde sie mir auf jeden Fall für meine Sammlung zulegen. Ich bin allerdings auch ein großer Freund von Chronographen. Daher trage ich den Datograph Auf/Ab in Platin mit schwarzem Zifferblatt am häufigsten.

A. Lange & Söhne Zeitwerk Date
Jeder CEO hat in erster Linie die Aufgabe, die Rahmenbedingungen für seine Mitarbeiter zu schaffen, so dass sie die Kunden zufriedenstellen und die Marke mitentwickeln können. Ich muss die Möglichkeiten dafür bieten, die Ressourcen zur Verfügung stellen und die Prozesse organisieren. Das ist der strategische Part. Der andere Part liegt im administrativen Bereich und umfasst zahlreiche Besprechungen mit Kunden, Mitarbeitern und Betriebsräten, unzählige Unterschriften und viele Reisen. Ich bin rund die Hälfte meiner Zeit unterwegs. Wir sind ein nationales Unternehmen mit internationaler Kundschaft. 80 Prozent unserer Mitarbeiter arbeiten in Glashütte, aber die meisten unserer Kunden kommen noch nicht einmal aus Deutschland. Diese zwei Welten miteinander zu vernetzen gelingt nur, wenn man weiß, was in Hongkong, New York, Genf, London oder Dubai passiert. Man muss Glashütte in die Welt hinaustragen, aber auch die Welt nach Glashütte bringen.
Wir hatten in der Vergangenheit schon immer Plattformen, um Menschen mit unseren Uhren zusammenzubringen. Das waren vor meiner Zeit zum Beispiel die Salzburger Festspiele, wodurch wir die kulturelle Seite der Marke transportieren wollten. Das machen wir auch immer noch durch unser Engagement bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Doch wir haben die Erfahrung gemacht, dass nicht alle Kulturinteressierten eine Affinität zu mechanischen Uhren haben. Wir haben dann überlegt, was am nächsten liegt. Menschen die bereit sind, Zeit und Geld in die Restauration eines alten Autos zu investieren, interessieren sich für Themen wie Handwerkskunst, Tradition, Leistung und Mechanik. Wir bringen unsere Kunden also zu Veranstaltungen, die ihnen Spaß machen. Und wir treffen dort Menschen, die hochaffin sind für das, was wir machen. Darüber hinaus haben wir natürlich auch noch den Multiplikatoreneffekt durch Presse und Social Media.
Zunächst sind die dort ausgestellten Autos – genau wie unsere Uhren – Produkte, die von Hand gemacht wurden. Hinter jedem dieser Autos steht eine unglaubliche Geschichte und die meisten von ihnen waren damals ihrer Zeit weit voraus. Wir sehen da eine Parallele zu unseren Uhren, die ich zusammengefasst als „Kunst auf Rädern und Kunst am Handgelenk“ bezeichne.
A. Lange & Söhne war bereits vorher Teil eines Konzerns. Die zu Mannesmann gehörende Holding LMH (Les Manufactures Horlogères) mit den Unternehmen Jaeger-LeCoultre, IWC und Lange wurde an Richemont veräußert, nachdem Mannesmann im Jahr 2000 von Vodafone übernommen worden war und man sich von allen Geschäftsbereichen außerhalb der Telekommunikation trennte.
Es ist müßig darüber zu diskutieren, da wir ja nie das Gegenteil beweisen könnten. Was ich aber weiß ist, dass wir im Hinblick auf die großen Themen der heutigen Zeit wie IT-Infrastruktur, Sicherheit, Logistik, geistiges Eigentum und Zollformalitäten, die wir im weltweiten Kontext zu berücksichtigen haben, im Konzern deutlich besser aufgestellt sind, als wir es als Einzelunternehmen jemals sein könnten. In einem großen Konzern haben wir die Möglichkeiten, die besten Mitarbeiter der einzelnen Sparten für uns zu gewinnen. Da Richemont uns im täglichen Geschäft die Möglichkeit lässt, als Marke alleine und autark zu entscheiden und zu walten, habe ich tatsächlich das Beste aus beiden Welten. Wir verhalten uns auch intern und im Umgang mit den Kunden wie in einem Familienbetrieb. Gleichzeitig haben wir die gewaltigen Ressourcen des Richemont-Konzerns, die wir uns als unabhängiges Unternehmen nie leisten könnten.
Der Großteil unserer Kunden versteht, was wir machen und kann die Liebe zum Detail, die Dekoration und die Technik wirklich wertschätzen – dass die Anzeigen eines ewigen Kalenders um Mitternacht gleichzeitig weiterschalten, dass der Minutenzähler beim Chronographen exakt springt und so weiter. Beim ‚Triple Split‘ muss man schon ein wahrer Uhrenkenner sein, um zu verstehen, was der kann. Und das können unsere Kunden, denn wenn sie bereit sind, so viel Geld für eine Uhr auszugeben, die von außen betrachtet eher zurückhaltend auftritt, geht es ihnen wirklich um die inneren Werte. Deshalb ist es für uns essentiell, dass alle unsere Mitarbeiter mit Kundenkontakt die Technik genauestens verstehen. Denn die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass der Kunde genauso gut informiert ist.
Wir versuchen in der Regel alles zu erfüllen, was unsere Kunden erwarten. Heute ist der Wunsch, eine Lange-Uhr online kaufen zu können, noch nicht vorhanden. Unsere Kunden erwarten allerdings, dass sie alle Informationen perfekt aufbereitet in der digitalen Welt finden, einschließlich der Telefonnummern unserer Handelspartner oder der Boutiquen. Im beschriebenen Fall greift der Kunde zum Hörer oder schreibt eine E-Mail, und dann wird man sich einig. Daher ist e-Commerce für mich derzeit überhaupt kein Thema. Bei uns findet noch sehr viel in der analogen Welt statt.
Ich nehme die Zeitwerk Date mal als Beispiel. Wer bereit ist, rund 90.000 Euro für eine Uhr mit Digitalanzeige auszugeben, weiß ganz genau, was ihn erwartet. Wer sich mit mechanischen Uhren nicht auskennt wird vermutlich denken, es handelt sich um eine quarzgesteuerte Digitaluhr. Wir machen das Unerwartete und setzen eine Digitaluhr mechanisch um, was aber technisch enorm herausfordernd ist.
Was wir darüber hinaus bieten, ist eine Kombination aus deutscher Genauigkeit und deutschem Ingenieurswesen. Einen ewigen Kalender einzustellen ist unglaublich mühsam, es sei denn, man hat einen Universaldrücker, mit dem man auf Knopfdruck alle Indikationen weiterschalten kann – das ist unsere Denkweise. Es gibt eine Hierarchie in der Wichtigkeit von Anzeigen. Wie viele ewige Kalender gibt es, bei denen man die Vielzahl an Informationen nicht auf einen Blick erfassen kann, weil zu viele Zeiger auf dem Zifferblatt sind. Was ist am wichtigsten? Datum und Zeit. Daher haben die meisten ewigen Kalender von A. Lange & Söhne ein Großdatum. Damit verbunden ist ihre Eigenständigkeit im Design.
Ohne die Lange 1 hätte unsere Uhrenmanufaktur und mit ihr die Stadt Glashütte nicht die Bedeutung, die sie heute haben. Ohne den Erfolg dieser speziellen Uhr würde ich heute nicht hier sitzen und mit Ihnen sprechen. Ich glaube, dass die Lange 1 ein Geniestreich war. Sie war zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit ihren technischen Innovationen, ihrer Handwerkskunst und ihrem zeitlosen Design von hohem Wiedererkennungswert. Sie ist seit 25 Jahren immer noch unser Bestseller.
Ich habe mir angewöhnt immer nur über das zu sprechen, was schon existiert. Unsere Kunden wissen, dass wir immer wieder für Überraschungen gut sind, und wenn ich jetzt etwas dazu sage, ginge ja die ganze Spannung verloren.
Weil alle unsere Kunden VIPs sind. Warum sollten wir differenzieren zwischen den einen, die für ihre Uhr bezahlen und den anderen, die das nicht müssen? Außerdem sind wir in erster Linie Uhrmacher. Egal, ob Sie uns an unserem Messestand besuchen, in eine unserer Boutiquen kommen oder auf unsere Vintage Car Events gehen, die Uhren stehen immer im Mittelpunkt. Da unsere Ressourcen begrenzt sind, müssen wir sie gezielt einsetzen. Das heißt für uns bei der Uhr: wer eine A. Lange & Söhne Uhr kauft, tauscht sein hart verdientes Geld für eine unserer Uhren ein. Das ist der Moment der Wahrheit. Vorher war alles nur Versprechen, aber dann wird getanzt. Und der Tanz ist uns wichtiger als das Versprechen.
Die Patente sind wichtig, weil sie unsere Erfindungen vor Nachahmungen schützen. Zu meinen Favoriten gehören die Innovationen, die man nicht sieht, wie der Sekundenstopp für das Tourbillon oder das Nachspannwerk der Zeitwerk. Worauf wir wirklich stolz sind, das ist unser Know-how, das aus der Erfahrung gewonnene Wissen, wie man mechanische Konflikte in einer großen Komplikation vermeidet, wie man die filigrane Kette für den Kette-Schnecke-Antrieb baut oder wie man die verschiedenen Metallteile einer Uhr so finissiert, dass sie ihre ästhetische Wirkung im endmontierten Werk voll entfalten können. Wenn man eine Lange-Uhr in ihre Einzelteile zerlegt, weiß man zwar genau, was drinsteckt, aber nicht, wie wir es gemacht haben. Das lässt sich nicht durch Patente schützen und ist trotzdem unnachahmlich.
Die Evolution findet bei uns auf mehreren Ebenen statt. Bei der Entwicklung unserer Modellpalette bauen wir auf den gewonnenen Erfahrungen auf, um dann den nächsten Schritt zu gehen. So gesehen war auch die Zeitwerk vor zehn Jahren das Ergebnis eines evolutionären Prozesses, auch wenn es vielen wie eine technische Revolution vorkam.
Bei der Marke bedeutet Evolution, dass wir stetig internationaler werden, neue Märkte erschließen, weitere Boutiquen eröffnen und unsere Zusammenarbeit mit führenden Juwelieren ausbauen.
Für unsere Mitarbeiter haben wir in Glashütte eine moderne Manufaktur gebaut, die die besten Arbeitsbedingungen in der Uhrmacherei bietet. In Berlin haben wir ein Arbeitsparadies für digitale Nomaden, Kreative und Designer geschaffen. Das sind alles aufeinander bezogene Maßnahmen, durch die wir uns kontinuierlich weiterentwickeln.
Indem man beweist, dass Uhrmacherei ein Beruf mit Zukunft ist. In Glashütte und Umgebung hat das Uhrmacherhandwerk traditionell einen sehr hohen Stellenwert und seit 1990 wieder einen festen Platz. Wir bieten einen sicheren Arbeitsplatz in einem Beruf, der den meisten Freude macht und natürlich auch ein attraktives Umfeld. Bei uns kann man schnell Karriere machen, wenn man gut ist. Bei uns ist alles abhängig von Talent und der eigenen Bereitschaft.
Ich glaube, dass es noch nie eine bessere Zeit für Uhrenliebhaber gab als heute. Ich sammle Uhren seit 1980. Damals gab es kaum Uhren mit eigenen Manufakturkalibern. 98 Prozent der Werke stammten von der ETA, mit aufgesetzten Chronographen- oder Kalendermodulen. Es gab keine Fachmagazine, geschweige denn Internet. Die Möglichkeiten Wissen zu erwerben und eine Uhrenkultur zu entwickeln, waren entsprechend begrenzt. Daher ist heute die beste Zeit für alle, die Spaß an mechanischen Uhren haben.

