Über 70 unterschiedliche Kaliber hat A. Lange & Söhne seit der Neugründung 1994 bereits in-house entwickelt und hergestellt – was bislang noch fehlte, war ein Uhrwerk ausschließlich mit Ewigem Kalender und einer Minutenrepetition. Anlässlich der Watches & Wonders 2025 stellt die Glashütter Uhrenmanufaktur nun mit dem auf 50 Stück limitierten Minute Repeater Perpetual in Platin erstmals ein neues Uhrwerk vor, das ausschließlich diesen beiden Komplikationen gewidmet ist.
Das 75. eigene Kaliber
A Lange & Söhne ist nicht nur ein Meister der Finissierung ihrer Zeitmesser, sondern auch ein absoluter Spezialist, wenn es um komplexe Uhrwerksmechanismen geht. Alle Uhrwerke – und es sind nun bereits 75 – werden in der Glashütter Manufaktur entwickelt und hergestellt. Die Minutenrepetition und auch der Ewige Kalender gehören mit zu den Königsdisziplinen der Feinuhrmacherei. Es gibt bereits Uhren mit entweder einer Minutenrepetition oder einem Ewigem Kalender im Sortiment von A. Lange & Söhne, und in der Grand Complication finden sich auch beide Funktionen neben einem kleinen und großen Geläut und einem Rattrapante-Chronographen, aber die Kombination zwischen Minutenrepetitionen und Ewigem Kalender war neu für Anthony de Haas, Direktor Produktentwicklung von A. Lange & Söhne und sein Team. Es gibt auch nur eine Handvoll Uhrenmanufakturen, die diese technische Herausforderung meistern können. Jaeger-LeCoultre, Breguet, Vacheron Constantin oder auch Patek Philippe haben Uhren mit diesen beiden Komplikationen entwickelt und gebaut.



Ein neues Manufakturkaliber mit vielen Finessen
Das neue Manufakturkaliber L122.2 aus 640 Komponenten bietet einige Finessen. Zuerst einmal erklingen ganz traditionell nach Betätigen des Schiebers die Stunden in einem tiefen Ton, die Viertelstunden mit einem Doppelton und die seit der letzten Viertelstunde verstrichenen Minuten in einem hellen Ton. Doch die Konstrukteure haben eine sogenannte Ruheaufhebung integriert, damit keine Pause zwischen den Stunden- und den Minutenschlägen entsteht, sollte die Minutenzahl unter 15 liegen und somit der Doppelschlag für die Viertelstunden ausbleiben.

Ein integrierter Sicherheitsmechanismus sorgt darüber hinaus dafür, dass die Minutenrepetition bei herausgezogener Krone nicht aktiviert werden kann und somit das Schlagwerk beschädigen könnte. Ist das Schlagwerk gerade aktiv, lässt sich auch die Krone nicht herausziehen. A. Lange & Söhne hat zudem eine Hammersperre patentieren lassen, was verhindern soll, dass die Hämmer nach dem Anschlag auf die Tonfedern nicht nachschwingen können und somit unerwünscht einen weiteren Ton abgeben. Das Patent ist allerdings nicht neu und kam bereits in der Richard Lange Minutenrepetition zum Einsatz. Ein Fliehkraftregler, der bei laufendem Schlagwerk mit einer Geschwindigkeit von über 2.000 Umdrehungen pro Minute rotiert sorgt dafür, dass die Repetition gleichmäßiger läuft.

Der Mechanismus der Minutenrepetition der neuen Minute Repeater Perpetual besteht aus 194 Teilen aus Rechen, Staffeln, Hebeln und Räder und ist äußerst komplex. Die Tonfedern werden von Hand gestimmt, um den einzigartigen Klang zu erhalten, der für Uhrenliebhaber wie Musik in den Ohren klingt. Nur speziell ausgebildete Meisteruhrmacher bei Lange mit jahrelanger Erfahrung sind in der Lage, das Schlagwerk zu justieren, wobei es mehrfach demontiert, getestet und wieder montiert wird. Die Anzeigen des Ewigen Kalenders, bei dem lediglich am 1. März 2100 die Kalenderanzeige um einen Tag korrigiert werden muss, lassen sich über einen einzigen Korrektor gemeinsam weiterschalten. Die Entwicklungszeit des neuen Kalibers betrug laut de Haas 4.5 Jahre. Dadurch, dass Lange das Werk von Grund auf neu konzipiert hat, statt die beiden Werksmodule (Ewiger Kalender & Minutenrepetition) aufeinander zu bauen, konnten 2 mm Bauhöhe eingespart werden. Die Bauhöhe beträgt daher gerade einmal 12,2 mm statt 14,2 mm.

Finissierungen
Doch der komplexe Mechanismus muss nicht nur optimal choreographiert werden, sondern bei A. Lange & Söhne auch immer für den Träger einen ästhetischen Mehrwert bieten. So ist typisch-Lange der im freien Schnitt gravierte Unruhkloben mit der Schwanenhalsfeder durch den offenen Saphirglasboden zu bewundern. Die Dreiviertelplatine – ebenfalls ein typisches Lange-Merkmal – besteht aus naturbelassenem Neusilber und ist mit schwarzrhodinierten Gravuren versehen. Auch die von Hand gebogenen Tonfedern und die zwei Tonhämmer sind zu sehen. Die Tonhämmer sind sogar mit einer Schwarzpolitur versehen, eine der komplexesten und aufwendigsten Hand-Finissierungen in der Uhrmacherei. Bei der Schwarzpolitur kann das Licht nur in eine Richtung reflektieren – aus dieser Perspektive erscheint die Oberfläche tiefschwarz, von allen anderen Blickwinkeln glänzt sie spiegelgleich. Aber auch die nicht sichtbaren Komponenten werden bei Lange sorgfältig von Hand finissiert.

Zifferblatt aus Weißgold und Emaille
Auch auf dem Zifferblatt hat sich Lange ein paar besondere Finessen überlegt. Das Zifferblatt aus Weißgold ist mit schwarzer Emaille gefüllt, das bei A. Lange & Söhne in-house hergestellt wird. Die beiden Monde der Mondphasenanzeige bestehen aus 750er Gold und werden von über 100 handgravierten Sternen geziert. Jedes Teilzifferblatt wird von einer schmalen Einfassung (Lisene) aus Weißgold umfasst. Beim Hauptzifferblatt verläuft diese zwischen dem Großdatum und den römischen Appliken.

Uhren von Lange haben auf mich eine ganz besondere Anziehungskraft, denn der Blick ins Innere von der Gehäuserückseite ist oftmals für mich – mit Verlaub – noch spannender, als die Zifferblattseite. Lange Uhrwerke haben eine ganz einmalige Architektur, die ihnen eine ganz besondere Tiefe verleiht, abgesehen von der Detailverliebtheit, die man in jedem Winkel entdeckt. Das ist Lange bei der neuen Minute Repeater Perpetual auch wieder mit Bravour gelungen. Sie ist auf 50 Stück limitiert und kostet stolze 750.000 Euro.
