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In The Metal: Das Geheimnis hinter der Masse Mystérieuse von Cartier

In The Metal: Das Geheimnis hinter der Masse Mystérieuse von Cartier

Cartier Masse Mysterieuse WHRO0078

Das Luxusgüterhaus Cartier, eine wahre Göttin der Haute Joaillerie, wird seit seiner Gründung im Jahr 1847 für seine Tradition, Eleganz und Klasse verehrt. Bekannt ist das Unternehmen aber auch für seine Uhren, von der zierlichen Tank bis zur markanten Santos-Dumont. Was jedoch von einem breiteren Publikum jenseits der Nischenbereiche der Uhrenwelt weniger Beachtung findet, ist das außerordentlich hohe Niveau der Schweizer Uhrenfertigung von Cartier. Damit sind nicht die funkelnd schönen, mit Diamanten besetzten Schmuckstücke wie die extravagante neue Métiers d’Art Crash Tigrée Métamorphoses gemeint, sondern die uhrmacherisch eindrucksvollen Kunststücke, die in Form der „Mystery Clocks“ von Cartier entstehen.

Cartier Métiers d’Art Crash Tigrée Métamorphoses

Auf den ersten Blick hat die neueste Interpretation dieser Art nichts Glitzerndes, Glamouröses oder übermäßig Pompöses an sich. Nein. Das einzige Ziel dieser puristischen und doch noblen Uhr, die in der Uhrenmanufaktur von Cartier entworfen, entwickelt und zusammengebaut wurde, besteht darin, die wichtigsten Elemente von Luxusartikeln zu verkörpern und gleichzeitig zu zeigen, über welches technische Know-how und Savoir-faire die Manufaktur verfügt. Die neue Masse Mystérieuse ist viel mehr als „Haute Joaillerie“, für die das Unternehmen bekannt ist, und erinnert uns zu Recht daran, dass Cartier eine Maison ist, die wirklich zur Spitze der komplizierten Schweizer Uhrmacherkunst gehört.

Cartier Masse Mystérieuse – limitiert auf 30 Stück


Die Geschichte hinter dem Geheimnis


Bevor wir uns der Uhr selbst zuwenden, lohnt es sich, einen Blick auf die Namensgebung dieses Stücks zu werfen. Der Begriff „Mysterium“ hat bei Cartier eine lange Geschichte, die bis ins Jahr 1912 zurückreicht und sich auf Zeitmesser bezieht, deren Stunden- und Minutenzeiger zu schweben scheinen. Diese Uhren, die eine Modezeitschrift im Jahr 1925 als „Wunder der Zeitmessung“ bezeichnete, wurden von Louis Cartier zusammen mit einem renommierten jungen Uhrmacher namens Maurice Couet entworfen. Er wurde kurze Zeit später exklusiver Lieferant von Cartier und ließ sich für seine Uhrenkreationen vor allem von seinem Vater inspirieren, einem Illusionisten und Magier.

Maurice Couet, hier in der Uhrenwerkstatt von Cartier im Jahr 1927, war für das Design der großen Art-déco-Uhren von Cartier verantwortlich.

Bei den „geheimnisvollen“ schwebenden Uhren, die Couet kreierte, waren die Zeiger nicht direkt mit den Uhrwerken verbunden. Sie sind vielmehr an zwei Kristallscheiben befestigt, die mit gezackten Metallrändern versehen sind. Diese Scheiben werden durch das Uhrwerk, das sich in der Regel im Sockel der Uhr befindet, aktiviert und drehen die Zeiger – einen für den Minutenzeiger und einen für den Stundenzeiger. Damit die Illusion perfekt ist, werden die Ränder der Scheiben durch den Stundenkreis verdeckt. Dieses historische Design ähnelt dem neuen Modell, bei dem die Zeiger im Raum des Gehäuses schweben, ohne mit einem Zahnrad verbunden zu sein.

Cartier Mystery Clocks Couet


Die 2022 Masse Mystérieuse


Bei der Entwicklung dieser neuesten Edition haben die Cartier-Experten fünf verschiedene Konstruktionen gebaut, bevor sie einen Prototyp auf den Markt brachten. Gefolgt von zwei weiteren Prototypen, um das Kaliber in seiner endgültigen Konfiguration zu entwickeln. Die Welt kann nun die Früchte der harten Arbeit der Uhrmacher bewundern, denn die Cartier Masse Mystérieuse übertraf auf der Watches & Wonders 2022 alle Erwartungen. Und warum? Die Antwort liegt in der Tatsache, dass das skelettierte, der Schwerkraft trotzende Kaliber in der Schwungmasse selbst verbaut wurde. Die Entwicklung dieses Kalibers hat fast acht Jahre gedauert – und das Warten hat sich gelohnt.


Des Rätsels Lösung:
Wie funktioniert dieses ungewöhnliche Kaliber überhaupt?


Das neue Uhrwerk, das letztendlich auch die DNA der gesamten Uhr definiert, trägt den Namen 9801 MC. Wie funktioniert also dieses bahnbrechende Patent, das derzeit noch auf seine Patentierung wartet? Das Herzstück des Uhrwerks befindet sich im Zentrum und ist mit einem hochentwickelten Differenzialsystem ausgestattet, um zu verhindern, dass sich Stunden- und Minutenzeiger in der Masse verfangen. Interessanterweise haben sich die Uhrmacher bei diesem System, wie es in der Branche immer häufiger vorkommt, von der Automobilindustrie inspirieren lassen.


Der Rotor


Da das Uhrwerk bei diesem Zeitmesser die Hauptrolle spielt (alle Komponenten, die Energie aus dem Uhrwerk, der Übertragung und der Regulierung erhalten, sind im Rotor integriert), verdient es natürlich einen eigenen Absatz. Im Gegensatz zu den meisten anderen Schwungmassen dreht sich diese mit einer unregelmäßigen Geschwindigkeit in beide Richtungen. Diese ungewöhnliche Wahl ist damit zu begründen, dass die Kombination aus zwei Gängen und der Ungleichmäßigkeit des Tempos dafür sorgt, dass die Unruh immer in der gleichen vertikalen Position bleibt, ganz gleich, wo sich der Rotor auf seinem Weg um das Zifferblatt befinden mag.

Das besondere Kaliber 9801 MC ist 7,3 mm hoch und mit 43 Steinen bestückt. Es schlägt mit einer Frequenz von 4 Hz und bietet eine Gangreserve von 42 Stunden. Das Zifferblatt und der Gehäuseboden aus Saphirglas bieten uns eine dieser unbezahlbaren Gelegenheiten, durch die Uhr hindurch auf das Uhrwerk und auf der anderen Seite wieder herauszusehen. Ich bin immer der Meinung, dass man aus diesen offenen und skelettierten Uhrwerken mehr lernen kann als aus hundert Büchern – gibt es eine bessere Möglichkeit, etwas über die Uhrmacherei zu lernen, als sie selbst zu beobachten?


Weitere Zahlen und Fakten


Wir werfen abschließend noch einen Blick auf die wichtigsten Fakten zu dieser Uhr. Die Cartier Masse Mystérieuse ist in einem 43,5 mm großen, bis 30 m wasserdichten Gehäuse aus Platin untergebracht und wird von einer mit einem Rubin-Cabochon besetzten Krone begleitet. Natürlich haben sich die Designer von Cartier für eine dezente Farbgebung entschieden, aber die Größe ist keineswegs unauffällig, denn sie ist vergleichbar mit der einer durchschnittlichen modernen Sportuhr. So kann sich der 39,6 x 7,3 mm große Rotor in seiner ganzen Pracht entfalten, während die Stunden mit den unverkennbaren römischen Cartier-Ziffern auf dem Ziffernring klar und deutlich angezeigt werden. Die Minuten hingegen werden mit Hilfe einer zierlichen, von Louis Cartier selbst entworfenen Schienenminuterie angezeigt.

Die Uhr wird mit einem passenden halbmatten dunkelgrauen oder schwarzen Alligatorlederarmband geliefert, das gut zu ihrer dezenten Ausstrahlung passt. Neben dieser Hauptversion zum Preis von 250.000 Euro, von der 30 nummerierte Exemplare erhältlich sind, bietet Cartier noch zwei weitere, ähnliche Varianten an: eine mit Diamanten im Baguetteschliff rund um die Lünette und eine weitere komplett mit Diamanten besetzte Variante, die sowohl das Gehäuse als auch das Platinarmband bedeckt (jeweils 10 Stück).


www.cartier.com