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Die neuen Breguet Classique 7137 und 7337

Die neuen Breguet Classique 7137 und 7337

Die Referenzen 7137 und 7337 lenken den Blick auf die große Tradition und Handwerkskunst bei Breguet, wo man immer lieber voranstürmte als den Trends folgte

Als Teenager war Abraham-Louis Breguet ein unaufmerksamer Schüler. Einer, dem es an Konzentration mangelte und der als Tagträumer galt. So zumindest beschreibt ihn sein Nachfahre Emmanuel Breguet in seinem großen Firmen- und Familienhistorienbuch „Breguet – Watchmakers since 1775“. Diese Charakterisierung zeigt zum einen, dass die gängigen Vorstellungen bezüglich der Anforderungen an den Beruf des Uhrmachers nicht immer zutreffen. Und es zeigt zum anderen, dass die Breguet-Uhrenlinie, die heute unter dem Namen „Classique“ verkauft wird, eine alles andere als klassisch-traditionelle sondern vor allem eine große, unkonventionelle Geschichte voller Innovation und Neuerfindung hat.

Denn aus dem Tagträumer von einst wurde in wenigen Jahrzehnten der wohl bis heute berühmteste Uhrmacher der Welt. Einer, der sich noch nicht mit der Macht von Social Media Aufmerksamkeit verschaffen konnte, der unter seinen Förderern und Kunden aber die berühmtesten und mächtigsten Männer und Frauen seiner Zeit wusste: Von Marie-Antoinette und ihrem Gatten dem französischen König Louis XVI. hin zu Napoleon Bonaparte. Die britischen Regenten George III. und George IV. zählten ebenso zu seinen Kunden wie Preußen-König Friedrich-Wilhelm II., der russische Zar Alexander I. und Papst Pius VII.

Anders geschrieben: Wenn Abraham-Louis Breguet erleben könnte wie manche Manufakturen sich heute mit mehr oder minder bekannten Freunden des Hauses schmücken – er könnte wohl nur müde lächeln. In jedem Fall aber hat die Marke Breguet eine der imposantesten Geschichten der Haute Horlogerie vorzuweisen, und die neuen Classique-Referenzen 7137 und 7337 greifen viele Details davon auf.

Die Tradition

„Es ist eine großartige Marke für Connaisseure!“ schwärmt ein namhafter Juwelier und Breguet-Konzessionär. Sie biete allerhöchste Qualität, eine beeindruckende Geschichte, sei dabei aber in der öffentlichen Wahrnehmung leider meist nicht so allgegenwärtig wie beispielsweise Audemars Piguet oder Patek Philippe. Darum darf oder soll an dieser Stelle anhand der neuen Classique-Modelle aufgezeigt werden, welche Bedeutung Breguet für die Uhrmacherei hatte – jenseits von so wegweisenden Erfindungen wie dem Tourbillon oder der sich selbst aufziehenden Uhr.

Bewundert man nämlich heute vor allem das dekorative Geschick bei den vielfältigen Guillochierungen der Zifferblätter der 7137 und der 7337, so hatten diese für Abraham-Louis Breguet einst vor allem einen ganz praktischen Nutzen: Sie sollten die Funktionalität erhöhen. Erstmals nutzte er die Guillochierung bereits in den Jahren vor der französischen Revolution für Taschenuhrengehäuse und deren Klappdeckel, um diesen eine mattere Optik zu geben, die sowohl Gebrauchsspuren als auch Fingerabdrücke kaschierte.

Schnell erkannte er aber auch, dass unterschiedliche Muster auf dem Zifferblatt das Auge lenken, und dadurch die diversen Funktionen einer Uhr betonen können. Ähnliches gilt übrigens auch für die bis heute als „Breguet-Ziffern“ bekannten Indizes – auch hier stand weniger der dekorative Aspekt im Vordergrund als vielmehr die Tatsache, dass die extraflachen, elegant geschwungenen Zahlen besonders gut ablesbar waren. Wobei sich die hier beschriebenen Classique-Modelle allerdings mit römischen Ziffern präsentieren, was den Zeitmessern einen etwas weniger verspielten Look gibt. Darüber hinaus wirkt es in Anbetracht der Vielzahl an Mustern auf dem Blatt angenehm beruhigend.

Korbmuster, Schachbrettmuster, Clou de Paris: Die 7137

Wer also heute auf das Zifferblatt einer Classique 7137 oder auch des Schwestermodells Classique 7337 blickt, der sieht dort ein Handwerk, das bereits vor zwei Jahrhunderten ziemlich identisch praktiziert wurde. Kreisförmige Muster werden in Handarbeit an Rundzugsmaschinen und geradlinige Guillochierungen an Geradzugmaschinen geschaffen.

Bei der Classique 7137 fällt dabei vor allem die Gangreserveanzeige mit dem Korbmuster-Dekor „panier maillé“ auf, die Datumsanzeige ist im Schachbrettmuster gehalten, und der Großteil des Zifferblatts zeigt sich ansonsten im wohl berühmtesten Guilloche-Muster überhaupt: Dem „Clou de Paris“. Inspiriert ist dieses Design von einer historischen Breguet-Taschenuhr, der Perpétuelle Nr. 5.

Die Referenz ist dabei wahlweise mit blauem Zifferblatt in Weißgold oder aber mit einem Zifferblatt aus versilbertem Gold in roségoldenem Gehäuse erhältlich. Angetrieben wird sie vom extraflachen Automatikkaliber 502.3 DR1, was der Uhr eine schlanke Bauhöhe von 8,65 Millimetern beschert, die sehr gut mit dem Durchmesser von 39 Millimeter harmoniert und die 7137 zu einer typischen Dress Watch macht, in deren Zifferblatt-Details man sich endlos verlieren kann. Ist bei anderen Modellen oft die Mondphasen-Komplikation das optische Highlight, so tritt diese in Anbetracht der Guilloche-Feinstarbeit hier beinahe in den Hintergrund. Ihr Preis (inklusive reduzierter Mehrwertsteuer von 16 Prozent): 37.560 Euro.

Dezentral denken: Die 7337

Der Mondphase kommt stattdessen bei der Breguet Classique 7337 besondere Bedeutung zu. Die Uhr präsentiert nämlich eine weitere Innovation aus dem 19. Jahrhundert, die als „typisch Breguet!“ gelten muss: Dezentrale Zifferblätter. Diese verwendete Abraham-Louis Breguet bereits um 1812 bei Taschenuhren. Der Stundenkreis der 7337 befindet sich bei VI Uhr, die Mondphasenanzeige bei XII Uhr, womit sie der historischen Taschenuhr Nr. 3833 mit Viertelstundenrepetition ähnelt, die 1823 verkauft wurde.

Die Mondphasenanzeige ist bei dieser Classique besonders charmant und aufwendig gemacht: Der lackierte Nachthimmel – an dem man die Milchstraße funkelnd auszumachen scheint – wird von gravierten Wolken umrandet. Anders als die 7137 verzichtet sie über die Anzeige der Gangreserve, stattdessen zeigen zwei Fenster bei X und II Uhr Tag und Datum an – eine weitere Referenz an die Taschenuhr Nr. 3833.

Ansonsten ist auch hier Guillochierung in Perfektion zu bewundern: Die kleine Sekunde ziert ein Schachbrettmuster, der äußere Rand des Stundenkreises ist mit einem Gerstenkornmotiv verziert, und das Zentrum im „Clou de Paris“-Stil gehalten.

Der Zeitmesser misst dabei ebenfalls 39 Millimeter im Durchmesser und ist wahlweise mit blauem Blatt im Weißgoldgehäuse oder mit versilbertem Goldblatt im Roségoldgehäuse erhältlich. Mit 9,9 Millimeter Bauhöhe ist sie lediglich eine Nuance höher, da diese Variante des Kalibers 502.3 QSE1 etwas mehr Platz benötigt. Ihr Preis (inklusive reduzierter Mehrwertsteuer von 16 Prozent): 40.450 Euro.

Mit dieser Preisgestaltung hebt sich Breguet dann doch gegenüber den prestigeträchtigsten Mitbewerbern ab. Die bieten für ähnliche Konditionen Zeitmesser mit Jahreskalender-Komplikationen bei denen der Kunde den Kalender nicht ganz so häufig korrigieren muss. Letztlich ist es auf diesem Niveau der Horologerie aber vermutlich müßig, sich Gedanken über die Preisgestaltung zu machen. Oder auch: Unmittelbar vergleichbare Guillochage-Modelle gibt es kaum, und in dieser kleinen Nische des Uhrenmarktes war es dann vermutlich tatsächlich schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben. Breguet, das ist halt immer noch die Uhr der Könige und der Zaren. Und vielleicht auch deshalb eine Marke, die in Russland besonders populär ist.

Klassisch? Nein, Classique!

In der heutigen Social-Media-Welt sind die Präferenzen ziemlich einseitig: „Likeable“ sind vor allem Sportmodelle, und im besten Falle wurden sie von Gerald Genta gestaltet. Dieser (Instagram-) Hype lässt den ungerechtfertigten Eindruck entstehen, dass sich die Uhrenwelt ausschließlich um eine Handvoll Zeitmesser dreht. Es empfiehlt sich darum den Kopf öfter mal heraus aus dieser Social-Media-Blase zu nehmen, um sich auf das zu besinnen, was für echte Uhrenliebhaber am wichtigsten ist: Handwerkskunst und Historie.

Der Anspruch der Manufaktur, aber vor allem auch der eigene und höchstpersönliche Geschmack. Und schon fällt eventuell auf, dass eine herausragende Dress Watch vielleicht viel besser zum eigenen Lebensstil passt als eine Uhr mit Metallarmband. Und dass ein so kunstvoll guillochiertes Zifferblatt einen Wert für sich darstellt, ist es doch eigentlich nichts anderes als ein Mini-Gemälde am Handgelenk. Ein Anblick, an den man sich im besten Sinne kaum gewöhnen kann. Das Haus Breguet gehört inzwischen zur Swatch-Group, und man pflegt die schweizerisch-französische Historie mit großer Leidenschaft. Eine Breguet wird also vermutlich nie laut und aufmerksamkeitsheischend sein. Es sind ganz bewusst Uhren für den zweiten, dritten und vierten Blick.

Vom Namen ‚Classique‘ sollte man sich aber nicht zu sehr vereinnahmen lassen: Abraham-Louis Breguet zog es Mitte des 18. Jahrhunderts aus der Schweiz gen Versailles und Paris. Er wollte in der damaligen Hauptstadt der Welt, im Epizentrum von Geschmack, Fortschritt und Macht leben und arbeiten. Er veränderte und prägte seine Branche für Jahrhunderte. Die Classique-Modelle von heute vereinen also neben vielen Innovationen von einst auch einen unbändigen Drang voran und die Freude an der Neuerfindung in sich.

www.breguet.com


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