Die Hermès H08 Squelette zeigt ein neues, skelettiertes Vaucher-Kaliber mit Titan-Platine, Wolfram-Rotor und 10-jähriger Garantie.

Es gibt bestimmte Cartier-Modelle, die, selbst nachdem sie stillschweigend aus dem Sortiment genommen wurden, nie ganz von der Bildfläche verschwinden. Die Roadster gehört dazu – und sie kehrt nun, zur Überraschung der einen und zur Freude der anderen, bei der diesjährigen Watches and Wonders zurück.
Die Cartier Roadster, die Anfang der 2000er Jahre auf den Markt kam, markierte einen bemerkenswerten Neuanfang für die Maison. Während Cartiers Identität damals noch eng mit der strengen Geometrie der Tank oder Santos verbunden war, brachte die Roadster etwas für Cartier bis dato völlig untypisches mit sich:
Mehr fließende Formen, mehr Skulpturalität, mehr Sportlichkeit und auch eine deutlich maskuliner dastehendes Erscheinungsbild.
Zugleich war sie Cartiers bislang deutlichste Annäherung an die Welt des Automobils.
Cartiers Verbindung zum Thema Automobil begann schon weit vor der ersten Roadster. Schon in den 1930er-Jahren experimentierte die Maison mit fahrerorientierten Uhren, allen voran mit der Tank Oblique, später als Tank Asymétrique bekannt. Sie war so gestaltet, dass sich die Zeit auch dann schräg ablesen ließ, wenn die Hände am Lenkrad waren. Die Roadster ging das Thema Fahren jedoch auf andere Weise an: Statt ein bestehendes Design funktional anzupassen, griff sie die Formensprache des Automobils selbst auf – genauer gesagt die stromlinienförmige Designsprache der Sportwagen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.
Das Design der Roadster war tief in der Ästhetik der Sportwagen der 1950er- und 1960er-Jahre verwurzelt. Ihr Gehäuse, weder klar tonneauförmig noch wirklich rechteckig, war als weiche, aerodynamische Form angelegt und wurde oft mit der Silhouette eines offenen Roadsters aus der Vogelperspektive verglichen. Die geschwungenen Flanken, die integrierten Bandanstöße und das gewölbte Profil verliehen der Uhr ihren schnittigen Charakter.
Diese Anspielungen entwickelten sich über die Zeit hinweg im gesamten Design der Uhr fort. Vor allem frühe Zifferblattvarianten erinnerten mit konzentrischen Skalen und markanten Ziffern an klassische Tachometer und Instrumente alter Sportwagen. Die vier Schrauben an den Ecken des Gehäuses wirkten visualisiert wie Scheinwerfer, während das leicht über das Glas hinausragende Datumsfenster eine Wölbung erzeugte, die an die Karosserieformen klassischer Sportwagen erinnerte.
Am markantesten war jedoch die Krone. Vollständig in das Gehäuse integriert, zog sie sich in einer durchgehenden Linie durch Kronenschutz, Lünette und Datumslupe. Diese langgezogene, ästhetische Konstruktion wurde zum prägenden Merkmal der Cartier Roadster: Sofort erkennbar und für viele Sammler bis heute ihr besonderstes, optisches Detail.
Trotz ihres stilvollen und eher schlichten Designs war die Roadster durchweg auch als praktische Uhr gedacht. Die meisten Modelle boten beachtliche 100 Meter Wasserdichtigkeit sowie zuverlässige Automatikwerke, meist Cartiers Kaliber 3110 welches auf Basis des ETA 2892-A2 beruhte und Robustheit mit guter Wartungsfreundlichkeit verband.
Eines ihrer zukunftsweisendsten Merkmale war das Schnellwechselsystem für Armbänder. Es ermöglichte den Wechsel zwischen Metallband-, Leder- oder Kautschukband ganz ohne Werkzeug und unterstrich damit den vielseitigen Charakter der Roadster als Alltagsuhr. Das Metallband selbst, welches in einer H-Element-Konstruktion ausgeführt wurde, war so gestaltet, dass es die ergonomische Linienführung des Gehäuses aufnahm und sich natürlich um das Handgelenk schmiegte.
Mit der Zeit wurde die Kollektion deutlich erweitert: Neben klassischen Dreizeigermodellen lancierte Cartier auch Roadster-Modelle mit Chronographen- oder GMT-Kompliaktion, als auch große wie kleine Gehäuseformate, wie die Roadster S. Die Uhr wurde in verschiedenen Materialien produziert, darunter Edelstahl, Gelbgold, Roségold und Weißgold. Einige Modelle waren sogar mit Diamantbesatz erhältlich. Durch diese Vielfalt sprach sie ein breiteres Publikum an als viele traditionelle Cartier-Entwürfe. Dadurch wurde das ursprünglich eher männlich positionierte Modell zunehmend zu einer Unisex-Uhr.
Die Roadster entstand in einer Phase, in der sich die Luxusuhrenbranche hin zu voluminöseren und lauteren Designs bewegte. Roger Dubuis war damals erst seit gut einem halben Jahrzehnt am Markt, Richard Mille begann 2001 überhaupt erst mit der Uhrmacherei. In diesem sich schnell wandelnden Umfeld – und auch innerhalb von Cartiers eigenem Portfolio – stand die Roadster für einen zeitgemäßen, sportlich-luxuriösen Stil, der sich bewusst etwas von den klassischen Ikonen der Maison abhob.
Die Uhren Branche verändert sich stetig, und möglicherweise deshalb blieb die Produktionszeit der Roadster vergleichsweise kurz. Anfang der 2010er-Jahre richtete Cartier den Fokus wieder verstärkt auf ihre etablierteren Kollektionen und nahm die Roadster folglich nach etwas mehr als einem Jahrzehnt aus dem Programm.
Nach ihrer Einstellung hat die Roadster viele treue Anhänger unter Sammlern gewonnen, vor allem Autoenthusiasten. Ein Teil des Anklangs, den Sie unter ihren Fans fand lag auch in ihrer Eigenständigkeit. Innerhalb von Cartiers Produktpalette, die oft von Klarheit und Zurückhaltung geprägt ist, wirkt die Roadster ausdrucksstärker und experimentierfreudiger.
Tatsächlich haben sich einige Varianten als besonders beliebt erwiesen, darunter solche mit noch deutlicher automobiler geprägten Zifferblättern. Besonders begehrt ist unter Sammlern etwa die Cartier Roadster Ref. W62002V3 mit dem sogenannten „Las Vegas Roulette/Porsche“-Zifferblatt. Statt klassischer Zifferblattgestaltung und römischer Ziffern besitzt dieses Modell abwechselnd weiße und rote arabische Ziffern, einen konzentrischen Stundenring, eine innenliegende Minuterie und feine Stabzeiger, die an den Tacho eines Porsche 356 aus den 1950er-Jahren erinnern. Im Vergleich zu vielen älteren Modellen der Maison war Sie zu ihrer Zeit eine außergewöhnlich sportliche und moderne Uhr.
Deutlich mehr als ein Jahrzehnt nach ihrem Verschwinden aus Cartiers Uhrenportfolio bringt die Maison die Roadster nun in einer Neuauflage zurück, die das ursprüngliche Konzept nicht gänzlich neu erfindet, sondern gezielt verfeinert.
Die prägenden Design-Elemente bleiben erhalten – doch das Stichwort lautet nun klar: Verfeinerung. Das tonneauförmige Gehäuse, die integrierte Krone mit Lupe und die automobil inspirierten Details wurden übernommen, doch ihre Ausführung wurde überarbeitet. Die Proportionen wurden neu austariert, das Verhältnis von Lünette und Gehäuse ausgewogener gestaltet und das Zusammenspiel von Glas und Metall so verfeinert, dass eine stimmigere Silhouette entsteht.
Das Zifferblatt behält seine charakteristisch kreisförmigen Strukturen, die römischen Ziffern und die aufgedruckte Eisenbahnminuterie bei, gewinnt nun aber durch subtile dekorative Techniken an Tiefe und Relief. Dieser Appliken-Effekt wird mithilfe eines Prägewerkzeugs erzeugt, während auf die Indizes ein Lackauftrag kommt. Leuchtende Schwertzeiger verleihen der Roadster schließlich eine zeitgemäße, funktionale Note und sorgen für gute Ablesbarkeit rund um die Uhr.
Im Inneren setzt Cartier nun auf eigene automatische Manufakturwerke: Das Kaliber 1847 MC für die größeren Modelle und das Kaliber 1899 MC für die mittleren Größen. Damit ersetzt die Maison die früher verwendeten Werke von Drittanbietern und bringt die Roadster auf das Level ihrer aktuellen Fertigungsstandards.
Zu den neuen Roadster-Versionen gehört die Referenz WSRD0014, eine Edelstahlausführung mit dunkelblauem Zifferblatt, die sowohl mit Metallband als auch mit einem dunkelblauen Kautschukband erhältlich ist. Das Gehäuse misst 47,3 x 38,8 Millimeter bei einer Höhe von 10,06 Millimetern. Der Preis liegt bei €8.300 Euro.
Die bicolorenen Referenzen W2RD0009 und W2RD0010 sind aus 750er Gelbgold und Edelstahl gefertigt. Die Referenz W2RD0009 misst 42,5 x 34,92 Millimeter bei einer Höhe von 9,7 Millimetern, während die W2RD0010 mit 42,7 x 38,8 Millimetern und 10,06 Millimetern Bauhöhe etwas größer ausfällt. Beide Modelle besitzen ein versilbertes, opalines Zifferblatt und werden im Rahmen des Band-Schnellwechsel-Systems mit Metallband, sowie grauem Alligatorlederband angeboten. Die Preise liegen bei 13.600 Euro für die W2RD0009 und €14.900 Euro für die W2RD0010.
Wer es auffälliger mag, findet mit den Referenzen WGRD0011 und WGRD0012 die Vollgoldvarianten aus 18 karat Gelbgold. Die WGRD0011 misst 42,5 x 34,92 Millimeter bei 9,7 Millimetern Höhe, die WGRD0012 kommt auf 42,7 x 38,8 Millimeter bei 10,06 Millimetern Höhe. Beide Modelle verfügen über ein versilbertes, opalines Zifferblatt und werden ebenso mit einem gelbgoldenen Metallarmband, sowie einem grauen Alligatorlederband angeboten. Die kleinere WGRD0011 kostet €37.800 Euro, die Große WGRD0012 €42.900 Euro.
Zu guter letzt kehren mit den Referenzen WSRD0019 und WSRD0020 zwei weitere Edelstahlmodelle zurück. Sie besitzen gebläute, schwertförmige Zeiger, ein versilbertes, opalines Zifferblatt und natürlich sowohl mit Stahlband als auch mit blauem Alligatorlederband angeboten. Die WSRD0019 misst 42,5 x 34,92 Millimeter bei 9,7 Millimetern Höhe, die WSRD0020 42,7 x 38,8 Millimeter bei 10,06 Millimetern Höhe. Die Preise liegen bei €7.600 Euro beziehungsweise €8.300 Euro.
Auch das Armband wurde überarbeitet, mit kürzeren, ergonomischeren Bandelementen und einem verfeinerten Wechselspiel aus satinierten und polierten Flächen. Das QuickSwitch-System bleibt erhalten – nun sogar mit neuem Patent – und bewahrt damit eine der praktischsten Innovationen der Roadster. Zugleich ermöglicht es dem Träger, schnell auf ein alternatives Alligatorlederband in Blau oder Grau zu wechseln, wenn ein klassischerer Look gewünscht ist. Darüber hinaus ist auch ein strukturiertes Kautschukband erhältlich, das die Uhr in ihre sportlichste Gestalt versetzt.
Was die Rückkehr der Roadster bei der diesjährigen Watches and Wonders auszeichnet, ist ihr dezentes Erscheinungsbild. Cartier hat nicht versucht, das Modell radikal neu zu interpretieren oder in eine vollkommen neue Geschichte einzubetten. Stattdessen wurde das Design mit klarem Blick überarbeitet: Proportionen wurden verbessert, die Ergonomie optimiert und die Verarbeitung verfeinert, ohne dabei die Identität aufzugeben, die die ursprüngliche Roadster so besonders gemacht hat.
Damit erkennt Cartier etwas an, das sich über die Jahre immer deutlicher gezeigt hat: Die Roadster war nie bloß ein Ausreißer, sondern vielmehr eine jugendlichere Ausdrucksform der Cartier-Designsprache. Mit einigen gezielten Anpassungen fügt sie sich nun schlüssig in das Portfolio der Maison ein – und bietet ihren Anhängern zugleich eine dynamische, neue Uhr.