Zum 100-jährigen Jubiläum seiner historischen Boutique an der Piazza San Giovanni in Florenz lanciert Panerai das Radiomir Viaggio Nel Tempo Experience Set.

Tag, Datum, Monat – wirkt simpel, ist in der Realität aber eine der anspruchsvollsten Übersetzungsleistungen in der hohen Uhrmacherkunst: Unser Kalender wird hier in feinteilige Mechanik übersetzt. Wer verstehen will, warum manche Uhren am Monatsende „mitdenken“ und andere von Hand korrigiert werden müssen, kommt an Vollkalender, Jahreskalender und ewigem Kalender nicht vorbei.
Kalenderanzeigen mechanischer Zeitmesser wirken auf den ersten Blick vertraut: Tag, Datum, Monat – manchmal ergänzt um Mondphase oder Schaltjahr. Doch hinter diesen Fenstern steckt eine der anspruchsvollsten Disziplinen der traditionellen Uhrmacherkunst: Die Übersetzung unseres Kalenders in Mechanik. Wer verstehen will, warum manche Uhren am Monatsende „mitdenken“ und andere korrigiert werden müssen, kommt an drei Komplikationen nicht vorbei: Vollkalender, Jahreskalender und Ewiger Kalender. Wir erklären die Unterschiede, zeigen, wie die Komplikationen funktionieren und wie sie sich im Alltag tatsächlich unterscheiden.
Lesen Sie auch unseren Artikel über die Geschichte der Ewigen Kalender sowie die besten Ewigen Kalender-Uhren.
Ein Vollkalender (auch „Complete Calendar“, “Triple Date” oder Full Calendar“) ist eine Kalenderfunktion, die bei mechanischen Uhren typischerweise Wochentag, Datum und Monat anzeigt – oft auch ergänzt durch eine Mondphase. Damit liefert er wesentlich mehr Informationen als eine reine Datumsanzeige. Im Gegensatz zum Jahres- oder ewigem Kalender verfügt der Vollkalender über keine automatische Erkennung der Monatslängen. Der Mechanismus „rechnet“ also typischerweise nicht selbstständig mit 30-Tage-Monaten oder dem Februar, sondern folgt dem normalen Datumsfortschritt.
Korrekturen sind also regelmäßig nötig, vor allem am Ende von Monaten, die kürzer als 31 Tage sind. Im Alltag bedeutet das: Je nach Monat wird das Datum manuell auf den 1. des Folgemonats weitergestellt. Die Kalenderkorrektur kann in der Regel eigenständig erfolgen: Je nach Konstruktion entweder über die Krone oder über Korrektoren (Kleine Drücker an den Flanken des Gehäuses).
Unabdingbar wichtig ist hierbei, manuelle Korrekturen nicht während der automatischen Umschaltphase vorzunehmen. Traditionsreiche Manufakturen wie Vacheron Constantin empfehlen bspw. zwischen 21:00 und 03:00 Uhr Uhr keine Korrekturen vorzunehmen, oder Schnellschalt-Systeme zu bedienen. Sollte während des Verstellprozesses ein Widerstand spürbar sein oder nach längerem Stillstand eigene Unsicherheit bestehen, ist ein Besuch beim Uhrmacher einer autorisierten Markenboutique stets zu empfehlen.
Kleiner Tipp: Egal in welcher Art und Form man seine Uhr verstellen, korrigieren oder einstellen möchte: Zuvor sind Stunden- und Minutenzeiger so zu positionieren, dass sich beide Zeiger zwischen der vier- und acht Uhr Markierung auf dem Zifferblatt befinden. Dadurch kann beim Korrigieren oder Einstellen sichergestellt werden, dass keine ungewollten Fauxpas oder Beschädigungen im Werk auftreten (gilt für jede Komplikation ab dem klassischem Datumsfenster). Ein Vollkalender passt besonders gut ins Suchprofil, wenn eine klassische, informationsreiche Zifferblatt-Ästhetik gewünscht wird und gelegentliche Korrekturen als Teil der Nutzung, im wertschätzenden Sinne, akzeptiert werden.
Marken & Modellbeispiele
Ein Jahreskalender (auch „Annual Calendar“) zeigt typischerweise Datum, Wochentag und Monat (variiert je nach Modell). Er bildet die komplizierte Mitte zwischen Vollkalender und ewigem Kalender.
Der maßgebende technische Unterschied: Ein Jahreskalender erkennt Monate mit 30 bzw. 31 Tagen automatisch. Dadurch werden die meisten Monatswechsel korrekt verarbeitet, ohne dass laufend eingegriffen werden muss. Eine manuelle Korrektur bleibt nur im Februar nötig, was in der Praxis einmal pro Jahr, am 1. März bedeutet (auch in Schaltjahren, je nach Auslegung).
Im Alltag kann der Jahreskalender vor allem mit seinen sehr pflegeleichten Korrekturbedürfnissen punkten: Bei täglichem Gebrauch ist eine Korrektur am Kalender typischerweise nur einmal pro Jahr nötig, um den Februar auszugleichen (meist am 1. März; je nach Schaltjahr-Logik sind es dann 2 oder 3 tage Vorlauf).
Hinsichtlich dessen empfehlen wir auch bei Uhren mit Jahreskalender Komplikation selbiges Vorgehen, wie bei der Pflege und Einstellung eines Vollkalenders (Korrekturen zwischen 21:00-03:00 Uhr meiden und Einstellungs-Hinweis beachten). Dementsprechend ist auch hier im Normalfall kein Besuch beim Uhrmacher verpflichtend, außer eine- oder mehrere Anzeigen der Uhr sollten bspw. nach längerem liegen nur eingeschränkt funktionsfähig sein.
Der Jahreskalender bietet also deutlich mehr Bequemlichkeit in Sachen Ablesbarkeit und Einstellen des Uhrwerks im Vergleich zum Vollkalender, bleibt aber praktisch weniger aufwändig als ein ewiger Kalender.
Die Komplikation ist im Vergleich zu anderen Kalenderkomplikationen überraschend jung: Patek Philippe stellte 1996 den ersten Jahreskalender-Mechanismus in einer Armbanduhr vor (Ref. 5035, Baselworld) und initiierte damit die Idee der „praktischen Komplikation“ zwischen Vollkalender, welche es bereits seit den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts gibt und ewigem Kalender (1941, Patek Philippe)
Marken & Modellbeispiele
Die Komplikation des ewigen Kalenders (auch „Perpetual Calendar“) ist darauf ausgelegt, den aktuellen Tag des Monats (1-31), den Wochentag (Montag bis Sonntag), den Monat (Januar bis Dezember) automatisch korrekt anzuzeigen und zusätzlich die Schaltjahre zu berücksichtigen. Dabei wird diese Komplikation nicht selten um eine Jahres- bzw. auch Schaltjahresanzeige auf dem Zifferblatt ergänzt.
In der Mechanik selbst wird also nicht nur zwischen 30- und 31-Tage-Monaten unterschieden, sondern auch der Februar inklusive 29. Februar in Schaltjahren aufgezeigt. Kurz gesagt handelt es sich bei Uhren dieser Komplikation um Stücke, die man einfach nur zu tragen braucht, da Sie, wie der Name schon verrät, (fast) ewig richtig laufen. Stücke dieser Klasse stehen deshalb nicht zu Unrecht als Symbol für hohe Uhrmacherkunst und maximalen Komfort in Sachen Kalenderführung.
Die meisten ewigen Kalender sind so konstruiert, dass Sie bis zum Jahre 2100 korrekt laufen. Im gregorianischen Kalender ist das Jahr 2100 kein Schaltjahr, weshalb die meisten Stücke zu diesem Zeitpunkt eine Anpassung benötigen (zum 1. März 2100). Es gibt allerdings auch spezielle Modelle, sog. säkular ausgelegte ewige Kalender, die zusätzlich zu den Grundfunktionen dieser Komplikation auch die Jahrhundert-Ausnahmen berücksichtigen.
Ein ansehnliches Paradebeispiel für einen derartigen Zeitmesser ist die IWC Portugieser Eternal Calendar (Ref. IW505701). Dieser säkulare ewige Kalender berücksichtigt nicht nur die Ausnahmeregeln des gregorianischen Kalenders für das Schaltjahr, sondern weitaus mehr: IWC´s eigens entwickelte 400-Jahres-Ausrüstung ermöglicht es dem Kaliber, drei Schaltjahre über vier Jahrhunderte hinweg zu überspringen (das nächste Mal 2100 mögl.).
Laut IWC ist dieser Mechanismus aus acht Teilen gefertigt und auf bestmögliche Effizienz ausgelegt. Dieser weltliche ewige Kalender aus dem Hause IWC kann das Schaltjahr bis mindestens zum Jahre 3999 korrekt kalkulieren, da noch nicht bekannt ist, ob das Jahr 4000 ein Schaltjahr sein wird, oder nicht. Bei IWC´s Eternal Calendar ist eine kalendertechnische Korrektur grundsätzlich selbst möglich, weil die Anzeigen, im Sinne der von IWC Schaffhausen gepflegten „synchronisierten“ Kalenderlogik, über die Krone gemeinsam weitergeschaltet werden können (statt einzelne Korrekturdrücker für Tag/Datum/Monat zu bedienen).
Dies geschieht von der Grundidee her wie einst 1985 erstmals auf der Basler Uhrenmesse vorgestellt, nach dem Kurt-Klaus-Mechanismus, einem nur über die Krone einstellbaren, ewigen Kalender, der damals von Namensgeber Kurt Klaus für IWC entwickelt wurde.
In der Praxis bleibt dennoch ein Thema in Sachen Service offen: Ein ewiger Kalender ist mechanisch empfindlich, weil im Inneren ein Programmrad/Programmscheibe mit Kerben und Stufen die Monatslängen und den Februarsprung steuert. Demnach kann ein Eingriff zur falschen Zeit die Schaltmechanik belasten. Für die sicherste Ausübung von Korrekturvorhaben an solchen Uhren gilt ebenso, den Kalender nicht während der Schaltphasen zu verstellen.
Außerdem sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass sich die Kalenderanzeigen bei dieser Komplikationbis auf einzelne Ausnahme-Stücke (Bspw. Audemars Piguet Calibre 7138), nur vorwärts stellen lassen. Wenn nach längerem Stillstehen Tage oder Monate aufzuholen sind, ist ein Besuch bei einem autorisierten Uhrmacher der Marke eine gute Idee – nicht, weil es unmöglich wäre selbst vorzugehen, sondern weil eine kleine Fehlbedienung bei hochkomplexen Uhrwerken sehr kostspielig werden kann.
Marken und Modellbeispiele: