Die Watches & Wonders gilt traditionell als Höhepunkt des Uhrenjahres. Bei der Messe, die dieses Jahr vom 14. bis 20. April stattfindet, stellen die dort vertretenen Hersteller ihre wesentlichen Neuheiten vor. Zumindest im Normalfall. Auch Audemars Piguet ist zum ersten Mal seit 2019 (damals war es noch die SIHH) in Genf wieder dabei – und macht zur Premiere dann trotzdem alles anders. Vielleicht weil „normal“ nach Durchschnitt klingt, wahrscheinlicher aber weil der Februar die geballte Aufmerksamkeit der noch leicht neujahrsselig vor sich hinträumenden Uhrenwelt sicherstellt. Die große Manufaktur-Offensive wurde darum jetzt in der Schweiz beim „Audemars Piguet Social Club“ präsentiert.

Insgesamt 22 neue Modelle komplettieren künftig die Kollektion, oder ersetzen bestehende Modelle: Von einem historisch inspirierten Modell mit springender Stunde über eine Taschenuhr mit Universal-Kalender hin zu neuen Varianten der Royal Oak, Offshore-Diver-Varianten und einer Code 11.59 by Audemars Piguet mit fliegendem Tourbillon und elfenbeinfarbenem Zifferblatt. Die Marke zeigt sich bewusst vielfältig. Oder wie es CEO Ilaria Resta bei der Präsentation formuliert: „Wir müssen für vier sehr unterschiedliche Generationen das richtige Angebot haben.“ Dass die Kunden-Datenbank inzwischen zu elf Prozent aus Angehörigen der „Gen Z“ – den zwischen 1995 und 2020 geborenen – bestehe, mache aber zuversichtlich. Im April werden diese Neu-Lancierungen dann in Genf noch einmal einer breiteren Öffentlichkeit näher gebracht, aber Swisswatches Magazine war bereits zum Launch vor Ort. Dies also sind die AP-Neuheiten des Jahres – in einer subjektiv-persönlich gewählten Abfolge.

Klare Kanten: Die Neo Frame Jumping Hour, Referenz 15245OR.OO.D206VE.01

So sehr Audemars Piguet als Marke und Unternehmen heutzutage von der Royal Oak geprägt wird, so reich ist die Geschichte des Hauses an Referenzen mit ganz anderer Optik und Geschichte. Etablierte Sammler, die ihr Herz schon lange vor der aktuell allgegenwärtigen Sehnsucht nach einer Royal Oak an die Manufaktur verloren haben, werden nicht müde genau darauf hinzuweisen. In Le Brassus nutzte man unterdes für historisch inspirierte Neu-Lancierungen bislang den Kollektions-Namen [RE]Master. Modell 01 wurde 2020 vorgestellt, Modell 02 folgte 2024. Die diesjährige Neuheit mit springender Stunde allerdings verzichtet darauf Teil dieser Gruppe zu sein, obwohl das Konzept einen ähnlichen Weg geht, dabei aber anders als bei den beiden [RE]Master-Modellen auf eine vorab festgelegte Stückzahlen-Limitierung verzichtet wird. Angetrieben wird das Modell vom Kaliber 7122, dem ersten automatischen Manufaktur-Uhrwerk mit springender Stunde, das auf dem in der Royal Oak „Jumbo“ genutzten Automatik-Kaliber 7121 aufbaut. Optisch ist die „Neo Frame Jumping Hour“ von der Referenz 1271 aus dem Jahr 1929 inspiriert.

Damals waren rechteckige Zeitmesser sehr populär – man denke an die Tank aus dem Jahr 1917 von Cartier oder die 1931 lancierte Reverso von Jaeger-LeCoultre – während sich diese Form ganz aktuell wieder wachsender Popularität erfreut – von Patek Philippes Cubitus bis zu Hublots Square Bang. Die „Jumping Hour“ von Audemars Piguet geht hier aber einen deutlich grazileren Weg und verbindet ihre klassische Anmutung mit den Vorteilen heutiger Fertigung: Das 34-Millimeter große und 8,8 Millimeter hohe Gehäuse mit seinen im Art-Deco-Stil abgestuften Flanken ist aus Roségold, Armband und Gesicht der Uhr unterdes in Schwarz gehalten. Das Zifferblatt – oder sollte man in diesem Fall eher von der Gehäuse-Oberseite schreiben – ist dabei aus PVD-behandeltem Saphirglas. Wo Sammler bei einer Cartier Tank à Guichets aus der letztjährigen Privé-Kollektion Kratzer auf dem Goldgehäuse fürchten muss, da können künftige AP-Jumping-Hour-Besitzer also gelassener bleiben. Die Dimensionen des Gehäuses sind dabei üppiger als es die 34 Millimeter auf dem Papier vermuten lassen, und doch ist es eindeutig eine Uhr, die dem Trend zu dezenteren Zeitmessern gerecht wird.

Diese Neuheit ist die wohl überraschendste unter den 22, und aus der Ferne wird bei ihrem Anblick kaum einer unmittelbar an Audemars Piguet denken. Gleichzeitig ist die Farbkombination eine expressive und hochmoderne, und wird in dieser Umsetzung dem Anspruch von CEO Ilaria Resta und ihren Kollegen mehr als gerecht: Es ist unübersehbar eine Uhr des Jahres 2026, die in der Popkultur und an den Handgelenken prominenter Sammler durchaus ihren Platz finden kann und sollte, dabei aber das reiche Erbe der Marke angenehm betont.

Royal Oak: Skelettiert besonders faszinierend

Natürlich gibt es aber auch neue Royal-Oak-Modelle, und selbstverständlich sind diese auf unterschiedlichste Arten verlockend. Womit also anfangen? Am besten mit dem Modell, das einem selbst schlaflose Nächte bereiten wird.

Auftritt: Die 39 Millimeter große Royal Oak „Jumbo“ extraflach Squelette in Titan (Referenz 16204XT.OO.1240XT.01), ausgestattet mit einer Lünette aus dem hauseigenen „Bulk Metallic Glas“ (BMG). Gemeinsam mit einer skelettierten Variante des im vergangenen Jahr neu lancierten Ewigen Kalenders (Referenz 26685XT.OO.1320XT.01), sowie einer kleineren, 37-Millimeter Gelbgold-Variante (Referenz 15467BA.OO.1256BA.01) spricht das Neuheiten-Trio Bewunderer der Skelettierungs-Expertise in Le Brassus an. Kaum eine Marke beherrscht diese Technik so gekonnt, und kaum einem Modell steht sie so gut.

Technisch ändert sich beim Titan-Modell im Vergleich zur bekannten weißgoldenen Version nichts, beide werden vom Kaliber 7124 angetrieben. Trotzdem werden selbst jene, die bereits eine skelettierte Royal Oak besitzen, beim Anlegen dieser Titan-Version im Hinterkopf den Kontostand abrufen, oder sich überlegen, wo für diese Ausnahme-Royal-Oak Lebenshaltungskosten an anderer Stelle eingespart werden können. Denn das Titan verleiht der Uhr einen angenehm zurückhaltend matte Optik, das BMG gibt der Lünette und Bandgliedern einen nahezu kratzfesten Glanz, während die Leichtigkeit des Metalls den Tragekomfort nicht nur erhöht, sondern letztlich das passendste Material für eine skelettierte Uhr ist: Maximal um jedes Extragramm reduziert ist weniger hier unbedingt mehr. Der konsequent monochrome Look des skelettierten Blattes unterscheidet die Titan-Variante dabei von dem Weißgold-Modell mit den schwarzen Akzenten.

Die gelbgoldene 37-Millimeter Royal Oak ist in diesem Trio dann die Wahl für zierlichere Handgelenke, oder auch: Eine femininere Interpretation. Anders als die „Jumbo“ wird sie vom Kaliber 3132 angetrieben und verfügt über die AP-typische doppelte Unruh. Es verlangt nach einem Gehäuse mit einer Bauhöhe von 10 Millimeter, während die extraflache Titanversion mit 8,1 Millimeter auskommt. Gemeinsam ist beiden Modellen eine monochrome Ästhetik, bei der Rehaut und skelettiertes Blatt die Farbe des Gehäuses aufnehmen, und das Uhrwerk bei der Titanvariante rhodiumfarben ist, während die gelbgoldene Variante sich ganz auf das gelbe 18K-Edelmetall konzentriert.

Und der Ewige Kalender? Er ist ganz rational betrachtet sicherlich die wichtigste Neuheit für die Marke. Das 41-Millimeter-Modell ist erstmals mit Kaliber 7139 erhältlich, einer skelettierten Variante des im vergangenen Jahr vorgestellten Kalibers 7138, wobei die Uhr als solche nicht als skelettiert bezeichnet werden sollte, sie hat vielmehr ein offenes Zifferblatt. Sämtliche Komplikationen lassen sich allein über die Krone steuern. Vier verschiedene Einstellungen von dieser ermöglichen das Aufziehen des Werkes und das Einstellen der Uhrzeit sowie aller Kalenderfunktionen. Zudem wurde die Anordnung der Hilfszifferblätter geändert: Auf zwölf Uhr findet sich nun das Datum, der Wochentag auf neun Uhr, und der Monat auf drei Uhr. Zur Premiere wird diese Neuheit ebenfalls in Titangehäuse und mit BMG-Lünette präsentiert, setzt aber anders als die „Jumbo“ mit roségoldenen Stundenmarkierungen und Zeigern einen eleganten Kontrastton ein.

Die Vielfalt der Royal Oak: Keramik in Nachtblau treffen auf Stein- und Perlmuttblätter

Vier weitere Neuheiten zeigen eindrucksvoll, zu welchen Spagat-Höchstleistungen das Gerald-Genta-Design der Royal Oak fähig ist. Da ist zum eine der Ewige Kalender aus tiefdunkelblauer Keramik (Referenz 26674CD.OO.1225CD.01), ein Farbton der bei Audemars Piguet unter dem Namen „Bleu Nuit, Nuage 50“ läuft, dem zum 150. Jubiläum im vergangenen Jahr eingeführten dunkelblauen Farbton, der eine ganz andere Tiefe und Eleganz als das Vorgänger-Blau hat. Zuletzt bekam diese Farbe am Handgelenk von Aryna Sabalenka bei den Australian Open viel Aufmerksamkeit. Auch dieser neue Ewige Kalender ist mit dem neuen, verbesserten Kaliber ausgestattet, während die Qualität des Keramikarmbandes als Goldstandard in der Branche gilt: Die Uhr ist durch den Werkstoff sehr leicht, wobei die Wertigkeit des Gesamtproduktes erhalten bleibt. Wo andere Keramikarmbänder schnell etwas wackelig und schlicht wirken, da ist das dunkelblaue Armband mit seinen satinierten Flächen extrem eindrucksvoll.

Einen optisch weniger taktil-sportlichen und dafür in jeder Hinsicht schmucken Akzent setzen zwei Varianten der klassischen Dreizeiger-Royal-Oak mit Gelbgold mit wahlweise 41 oder 37 Millimeter Durchmesser (Referenzen 15513BA.OO.1320BA.01 und 15552BA.OO.1356BA.04) mit Stein-Zifferblättern aus Malachit. Die Kombination aus Gelbgold und dunkelgrün ist aus gutem Grund ein Dauer-Liebling unter Sammlern – und funktioniert auch hier.

Royal Oak, die Dritte: Ein neues Kaliber für den 38-Millimeter-Chronographen

Uhren-Enthusiasten mit schmaleren Handgelenken wissen: Die 41-Millimeter-Varianten der Royal Oak tragen sich aufgrund der Bandanstöße deutlich größer als andere Uhren mit diesem Durchmesser. Gleichzeitig – und vielleicht auch deshalb – ist die 39-Millimeter „Jumbo“ extrem begehrt und nur schwer zu erwerben. Aus dieser Perspektive heraus betrachtet hat der 38-Millimeter-Chronograph eine nicht zu unterschätzende Bedeutung: Er kombiniert eine kompakte Unisex-Größe mit der populären Komplikation des Chronographen. Und genau dieses Modell wurde nun grundlegend überarbeitet und mit dem neuen Manufaktur-Automatik-Kaliber 6401 ausgestattet. Es ersetzt das Kaliber 2385, das im Jahr 1997 vorgestellt wurde. Es kann eine 55-Stunden-Gangreserve vorweisen, was eine Verbesserung von 15 Stunden bedeutet, und verfügt über eine unmittelbar um Mitternacht springende Datumsanzeige. Künftig gewährt nun auch ein Saphirglas auf der Rückseite Einblicke ins Uhrwerk sowie auf dessen Finissierung. Zudem wurden die Dimensionen des Vorgänger-Chronos nicht nur gehalten, der neue ist sogar eine Nuance schmaler geworden.

Auf dem Zifferblatt wurde unterdes das Layout der Hilfszifferblätter überarbeitet. Die Sekunde wird nun auf neun Uhr angezeigt und die Stunden auf drei Uhr. Gleichzeitig wurde die Datumsanzeige mittiger zwischen den Stunden-Indizes für vier und fünf Uhr platziert.

Zum Start gibt es drei Varianten dieses neuen Chronographen: In Edelstahl mit dunkelblauem Tapisserie-Zifferblatt als sportlichste Interpretation (Referenz 26450ST.OO.1356ST.01), in Roségold mit dunkelgrauem Blatt und silbernen Hilfszifferblättern (Referenz 26450OR.OO.1356OR.01), sowie in einer weiteren roségoldenen Version mit „sandgoldenem“ Blatt und beigen Hilfszifferblättern sowie einer Diamantlünette (Referenz 26450OR.ZZ.1356OR.01). Als Fan des stählernen Chronos mit grauem Zifferblatt ist dessen Ende natürlich aus persönlicher Sicht bedauerlich, doch ist davon auszugehen, dass gerade das blaue Blatt viele Freunde finden wird, während die Variante mit Edelstein-Lünette eine extrem edle Form von sportlicher Schmuckuhr ist.

Starke Stücke: Offshore Chronograph und Diver in neuen Designs

Sie sind die markanteste Art eine Audemars Piguet am Handgelenk zu tragen: Die Offshore-Modelle sind aufgrund ihrer agil-üppigen Maße schwer zu übersehen. Im Jahr 2026 kommen nun zwei neue Chronographen und drei Varianten der Diver hinzu.

So wird der dunkelblaue Farbton „Bleu Nuit, Nuage 50“ nun auch in dieser Kollektion verwendet: Das tiefblaue 43-Millimeter-Keramikgehäuse steht hier im starken Kontrast zum beigefarbenen Zifferblatt mit Méga-Tapisserie-Muster, die Hilfszifferblätter sind unterdes ebenfalls in blau gehalten. Dieser Zwei-Ton-Look wird von Akzenten in Titan – darunter die Schrauben auf der Lünette, der Flankenschutz der Drücker sowie die Schließe des Lederarmbandes in blauer Textiloptik – leicht aufgebrochen (Referenz 26420CD.OO.A0294VE.01). Das Ganze gibt diesem bulligen Zeitmesser eine zeitlose Note. Wenn man eine Offshore überhaupt als klassische Schönheit bezeichnen kann, dann wohl diese.

Einen deutlich aggressiveren Look pflegt unterdes Chrono Nr. 2 mit einem Gehäuse aus Titan, schwarzer Keramiklünette und grünem Méga-Tapisserie-Blatt mit Farbverlauf und graugrünem Kautschukband (Referenz 26420IO.OO.A402CA.01). In dieser Version ist die Offshore noch einmal extra-maskulin. Eine Uhr für das Survival-Camp, während die blau-cremefarbene Variante sich eher im Yachthafen zu Hause fühlt.

Auch bei den Diver-Modellen gibt es neue Farbkombinationen, neben einer stählernen Variante mit schwarzem Méga-Tapisserie-Blatt, türkiser 0-15 Minuten-Anzeige und weißgoldenen Stunden-Indizes und Zeigern (Referenz 15720ST.OO.A355CA.01) sowie einer stählernen Alternative mit schwarzem Blatt, rosafarbener 0-15 Minuten-Anzeige und roségoldenen Stunden-Indizes und Zeigern (Referenz 15720ST.OO.A010CA.01) gefällt die dritte ganz besonders: Das 42-Millimeter-Gehäuse umrahmt hier ein tief-petrolfarbenes Blatt, die Indizes und Zeiger sind hier erneut weißgolden, und die 0-15 Minuten Anzeige ist in weiß gehalten (Referenz 15720ST.OO.A403CA.01). Das Ergebnis ist eine Sportuhr, die im Sommer am Strand ebenso gut wie zum ganzjährigen Casual-Jeans-Look passt. Damit bleibt man bei AP der aktuellen Gestaltungs-Tendenz bei den Divern treu. Die Zeit knallbunter Interpretationen scheint aktuell vorbei.

Code 11.59 by Audemars Piguet: Kollektionspflege in allen Segmenten

Auch die jüngste Kollektion der Manufaktur wird selbstverständlich gepflegt: Als „Showstopper“ der diesjährigen Neuheiten muss in diesem Zusammenhang der Code 11.59 Ewige Kalender mit offenem Zifferblatt bezeichnet werden (Referenz 26443NB.OO.D002CR.01). Die Mischung aus weißgoldener Code-Lünette, dem aus schwarzer Keramik gefertigten Gehäusemittelteil, und dem hier – genau wie in der entsprechenden Royal Oak – verbauten Kaliber 7139 sind in Kombination mit dem schwarzen inneren Ring, der Rehaut, wie der Blick auf ein schneebedecktes Alpenpanorama bei Nacht: Man verliert sich beim Blick auf klare Konturen und im Schatten liegende Details. Die 41-Millimeter-Code ist ein auf den ersten Blick kühl anmutendes Stück Handwerkskunst, das in seiner Finesse und Liebe zum Detail die größtmögliche Aufmerksamkeit verdient.

Neben dieser Code 11.59 by Audemars Piguet gehen die beiden neuen 38-Millimeter-Varianten fast unter: Beide sind in Roségold gehalten, die eine mit schwarzem Blatt (Referenz 77410OR.OO.A127CR.01), die andere mit silbernem (Referenz 77410OR.OO.A402VE.01). Das ist natürlich unfair, denn als klassische Dreizeigeruhr mit Datumsfunktion bewegen sich diese beiden Zeitmesser in einem ganz anderen Segment, und in diesem sind sie mit der für die Code 11.59 by Audemars Piguet typischen Ästhetik ziemlich einzigartig. Schließlich sind die Konkurrenten für gewöhnlich entweder deutlich klassischer gestaltet, oder aber gleich komplett futuristisch. Diese beiden aber pflegen eine angenehme Mischung aus beiden Welten, das Ergebnis ist eine ansprechendes „Fusion-Konzept“ für eine stark umkämpfte Kategorie. Zudem zeigen sie den unbedingten Willen zur Kompromisslosigkeit: Um den Tragekomfort zu erhöhen wurden die Lederarmbänder für das 38-Millimeter-Format optimiert und schmaler gemacht.

Die neueste Variante des 41-Millimeter-Automatik-Tourbillons wiederum ist etwas für Connaisseure: Ein elfenbeinfarbenes Blatt mit der der Kollektions-typischen Guillochierung trifft auf schwarze Akzente und roségoldene Indizes und Zeiger (Referenz 26396NB.OO.D002CR.01). Das Gehäuse ist hier eine Mischung aus Weißgold und schwarzer Keramik, was der Uhr in der Gesamterscheinung einen sehr zeitgenössischen Bi-Color-Vintage-Vibe verleiht. Im Vergleich mit dem Vorgänger-Modell mit seinem schwarzen Onyx-Blatt ist dieses fliegende Tourbillon allerdings eine vergleichsweise zurückhaltende Erscheinung.

Das Erstaunlichste zum Schluss: Die 150 Heritage-Taschenuhr mit Universal-Kalender

Komplettiert wird die Neuheiten-Aufstellung von Audemars Piguet mit einer ganz besonderen Form von Leistungsschau. Der Name „150 Heritage Pocket Watch“ (Referenz 75150PT.OO.01) deutet darauf hin, dass die Taschenuhr ursprünglich vielleicht schon für das große Jubiläum im vergangenen Jahr gedacht war, in jedem Fall aber macht sie klar, dass man im Unternehmen auch im 151. Jahr nicht die Handwerkskultur und das stete Streben nach Höchstleistungen aus den vergangenen eineinhalb Jahrhunderten verdrängt hat.

Die Platin-Taschenuhr steht in der Tradition von Vorgängerinnen wie der „L’Universelle“ von 1899 oder „La Grosse Pièce“ aus dem Jahr 1921, und baut auf dem Automatik-Kaliber 1000 aus dem Jahr 2023 auf. Nunmehr als Handaufzugs-Modell konzipiert, vereint das neue Kaliber 1150 offiziell insgesamt 47 Funktionen und 30 Komplikationen, wobei man bei Audemars Piguet darauf hinweist, dass dies eine konservative Zählung ist. Bei großzügigerer Betrachtung könne man auch auf 60 Funktionen kommen.

Insgesamt sind 1.140 Komponenten dafür nötig, und das Ergebnis ist beeindruckend: Die Uhr vereint unter anderem Grande Sonnerie und Minutenrepetition, einen semi-gregorianischen Ewigen Kalender, einen Schleppzeigerchronographen und ein fliegendes Tourbillon. Der Universalkalender zeigt den Sonnen- ebenso wie den Mondzyklus sowie den mit beiden verbundenen Lunisolarzyklus. Auch eng mit dem Sonnenkalender verbundene Feiertage wie Weihnachten, Ostern, Ramadan, Rosch ha-Schana oder das chinesische Neujahr werden angezeigt.

Gestellt wird diese astronomische Ausnahme-Taschenuhr über drei Kronen und Drücker: Der Hauptdrücker findet sich auf drei Uhr, mit ihm wird das Uhrwerk aufgezogen, das Datum korrigiert, die Zeit eingestellt und der Schleppzeiger ausgelöst. Über den Drücker auf zwei Uhr wird der Chronograph gestartet und gestoppt und die bevorzugte Schlagwerkfunktion gewählt, von Minutenrepetition über Petite hin zu Grande Sonnerie. Der Drücker auf vier Uhr wiederum setzt den Schleppzeiger-Chronograph zurück steuert die Monats-Einstellung.

Dem Anspruch dieser Meisterleistung entsprechend wurde zudem auch für Gehäuse und Zifferblätter aus dem vollen geschöpft: Das Platingehäuse wurde von Hand graviert, die Blätter sind aus blauer Grand-Feu-Email und auch die weißgoldenen Ziffern handgraviert.

Das Ergebnis ist eine Uhr, die in ihrer Exklusivität alles komprimiert, was das Haus Audemars Piguet heute darstellt und herstellen kann. Das Ergebnis ist eine Uhr, die in ihrer Exklusivität alles komprimiert, was das Haus Audemars Piguet heute darstellt und herstellen kann. In Platin ist dieses Modell ein Unikat, aber eine sehr limitierte Variante soll folgen.

2026 Neuheiten: Was bleibt?

Zweiundzwanzig neue Modelle – das erscheint zunächst einmal viel, ist mit Blick auf die Größe der Gesamtkollektion dann aber doch vor allem eine sehr logische Weiterentwicklung. Neue Materialien wie die tiefblaue Keramik und neue Werke wie der nur über die Krone einzustellende Ewige Kalender werden verstärkt genutzt, und finden in neuen Varianten zunehmend Platz in den unterschiedlichen Modell-Linien.

Lange bevor die Watches & Wonders losgeht hat Audemars Piguet damit eine breite Auswahl seiner Schaffenskraft eindrucksvoll dokumentiert. Schließlich ist eine goldene 38-Millimeter Code 11.59 by Audemars Piguet für die Manufaktur so etwas wie der Einstieg in die Markenwelt, während die Platin-Taschenuhr mit Universalkalender das exakte Gegenteil davon ist, nämlich der Beweis für die nach oben immer offene Begeisterung selbst für vermeintlich undenkbare oder unkombinierbare Funktionen.

Besonders interessant werden aber die Reaktionen der Uhrenkäufer auf die „Jumping Hour“ sein, denn sowohl technisch als auch ästhetisch hätte sie jeden Sammler-Hype verdient. Die Emanzipierung von der Royal Oak? Sie ist keine Priorität, doch sie schreitet voran.


audemarspiguet.com

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