Der neue Chronograph RRCHF von Rexhep Rexhepi markiert einen wichtigen Moment in seiner Entwicklung. Es ist seine erste neue Serienuhr seit dem Chronomètre Contemporain II im Jahr 2022, zugleich aber scheint sie auch etwas von jener experimentelleren Energie weiterzutragen, die bereits im Antimagnétique Unique Piece für die Only Watch 2023 aufblitzte.

Das Ergebnis ist eine Uhr, die weniger wie ein Bruch als vielmehr wie eine Verdichtung wirkt: klassisch im Geist, technisch jedoch deutlich ambitionierter; streng in der Proportion, zugleich mutiger in ihrer Architektur. Rexhep Rexhepi selbst beschreibt sie als Ausdruck von „Performance“. Tatsächlich vereint die Uhr einen Flyback-Chronographen mit springendem Minutenzähler, ein Grand-Feu-Emailzifferblatt, großzügige Handfinissierung und eine bemerkenswert integrierte Konzeption, die zeigt, wie viel der Arbeit inzwischen im eigenen Atelier entsteht.

Wir trafen Rexhep Rexhepi in Genf und sprachen mit ihm ausführlich über seinen neuen RRCHF Chronograph.

Sie haben einmal gesagt: „Für mich ist eine Uhr eine Performance.“ Was meinen Sie damit?

Für mich bedeutet das alles. Eine Uhr darf nicht nur schön sein, sie muss auch gut funktionieren. Die ästhetische Seite muss stimmen, die technische Seite muss stimmen – und dann gibt es noch die menschliche Seite. Man verbringt Stunden um Stunden mit Nachdenken, Zeichnen, Korrigieren, Neubeginnen. Am Ende wird die Uhr Teil des eigenen Lebens. Hätte ich diese Uhr zwei Jahre früher oder zwei Jahre später gemacht, wäre es nicht dieselbe Uhr geworden. Sie spiegelt einen Moment meines Lebens wider, meinen Geisteszustand, meine Erfahrung in genau dieser Zeit. Deshalb nenne ich sie eine Performance.

Warum musste dieser Chronograph genau jetzt kommen?

Weil ich mich jetzt bereit dafür gefühlt habe. Ich wollte etwas mit Komplikation machen, etwas, das eine andere Seite unserer Arbeit zeigt. Und ich wollte beweisen, dass wir eine solche Komplikation auf unsere eigene Weise umsetzen können – mit einer eigenen Identität. Der Chronomètre Contemporain hat meinen Namen in eine bestimmte Richtung geprägt. Dieser Chronograph sollte zeigen, dass wir technisch und ästhetisch weitergehen können, ohne diese starke Identität zu verlieren.

Mit der AK-01 Tourbillon Chronographe Monopoussoir haben Sie bereits einen Chronographen gebaut. Inwiefern ist dieser nun ein Neuanfang und nicht einfach das nächste Kapitel?

Weil er bei null beginnt. Ja, wir haben schon an Chronographen gearbeitet. Bei der AK-01 basierte das Werk noch auf einer Ébauche aus dem Umfeld von BNB Concept, die umfassend überarbeitet wurde. Dieses Werk hingegen ist vollständig neu und vollständig unser eigenes. Es ging nicht darum, eine bestehende Basis zu nehmen und weiterzuentwickeln. Wir wollten unter meinem eigenen Namen ein komplett neues Projekt schaffen – mit neuer Architektur und neuer Balance. Das ist der entscheidende Unterschied.

Was sollte diese Uhr etablieren?

Zwei Dinge. Erstens, dass wir mit dieser Art von Komplexität umgehen können. Und zweitens, dass wir ästhetisch etwas Neues schaffen können, ohne unsere Identität aufzugeben. Die Uhr sollte als unsere erkennbar sein – nicht nur über das Werk, sondern auch über das Layout, die Proportionen, die gesamte Komposition.

Was definiert den Rexhep Rexhepi RRCHF aus mechanischer Sicht?

Mechanisch betrachtet ist der RRCHF ein Säulenrad-Chronograph mit horizontaler Kupplung. Wichtiger ist aber: Dieses Werk wurde ausschließlich für diese Uhr entwickelt. Ich wollte kein Kaliber, das sich später noch für etwas anderes adaptieren lässt. Dieses Werk, dieser Chronograph – sie gehören nur zu diesem Zeitmesser.

Wenn man eine gute Uhr machen will – nicht nur ein gutes Werk –, dann muss alles von Anfang an als Ganzes gedacht werden. Zu oft beginnt man mit dem Werk und versucht anschließend, alles andere darum herumzulegen. Dann stimmen Drücker, Krone, Zähler oder Proportionen am Ende nicht wirklich. Hier wurde das Werk um die Uhr herum entwickelt. Das Zeigerstellwerk liegt unter dem Zifferblatt, die Chronographenmechanik auf der Rückseite. Wir haben den gesamten verfügbaren Raum genutzt, um etwas Symmetrisches, Integriertes und Stimmiges zu schaffen.

Welcher Teil des Werks bringt Ihre Vorstellung davon, wie ein Chronograph konstruiert sein sollte, am besten zum Ausdruck?

Das Zentrum. Ich wollte die zentrale Chronographensekunde mit dieser großen Stahlbrücke betonen. Für mich liegt dort das Herz der Uhr. Dort sieht man die Kupplung, dort sieht man, wie sie eingreift, dort versteht man die Mechanik wirklich. Diese zentrale Brücke ist wahrscheinlich der stärkste Ausdruck der gesamten Idee.

Die Brücke ist aus Stahl, das übrige Werk aus rhodiniertem Neusilber. Warum war das wichtig?

Weil Material nicht nur eine Frage der Optik ist. Reibung verhält sich bei Stahl anders als bei Neusilber. An manchen Stellen setzen wir Stahl ganz bewusst ein, weil dort Räder, Zapfen und mechanische Interaktionen stattfinden, bei denen Reibung entscheidend ist. Es ist also eine konstruktive, aber ebenso eine funktionale Entscheidung.

Die Uhr ist nur 9,7 mm hoch und vereint dennoch einen Flyback-Chronographen mit einem vergleichsweise dicken Grand-Feu-Emailzifferblatt von 0,9 mm. Wie anspruchsvoll war es, diese Proportionen zu erreichen?

Sehr schwierig. Wir haben vor etwa drei bis dreieinhalb Jahren mit diesem Werk begonnen. Dann entstand eine erste Version, die wir später noch einmal komplett überarbeitet haben, weil ich mehr Raum gewinnen wollte. Wir haben an Vorder- und Rückseite gearbeitet und immer versucht, das Werk integriert, aber optisch klar zu halten. Ich wollte nichts, das zu demonstrativ wirkt. Ich wollte Tiefe, aber auch Klarheit. Deshalb haben wir sehr viel überarbeitet.

Warum fiel die Wahl auf einen Flyback-Chronographen mit springendem Minutenzähler?

Weil es komplexer ist – und weil ich weitergehen wollte. Wir hätten auch einen einfacheren Chronographen machen können. Aber ich wollte mehr erkunden. Wenn ich heute unter meinem eigenen Namen einen Chronographen baue, dann soll er mehr bieten als die naheliegende Lösung.

Und was verändert dieser springende Minutenzähler im praktischen Gebrauch?

Er macht das Ablesen der gemessenen Zeit deutlich klarer. Die Minute springt exakt, auf einen Schlag. Dadurch wirkt die Anzeige präziser, exakter. Technisch ist das wesentlich schwieriger, aber es verleiht der Uhr etwas Verfeinerteres.

Was war aus Sicht des Uhrmachers die schwierigste Herausforderung?

Der springende Minutenzähler. Man muss Energie schrittweise speichern und dann im exakt richtigen Moment mit exakt der richtigen Kraft freisetzen. Der Sprung muss sauber erfolgen, darf dem Werk aber gleichzeitig nicht zu viel Energie entziehen. Es geht also um eine sehr feine Balance zwischen Federkraft, Flexibilität, Bremswirkung, Reibung und Rückführung. Alles muss äußerst präzise austariert werden.

Sie haben gesagt, dass Sie in der Regel zuerst mit Zifferblatt und Gehäuse beginnen und erst danach zum Werk kommen. Warum?

Weil die Menschen zuerst die Uhr sehen – nicht das Werk allein. Und sie berühren zuerst das Gehäuse. Früher dachte ich traditioneller: erst das Werk, dann der Rest. Heute beginne ich lieber mit der Uhr, die ich sehen möchte – mit Größe, Gehäuse, Zifferblatt, Proportionen – und zwinge mich dann, innerhalb dieser Vorgaben die technische Lösung zu finden. Das ist viel schwieriger, aber ich glaube, so entsteht die bessere Uhr.

Sie beschreiben die Uhr als gleichermaßen ausgewogen wie mutig. Diese beiden Qualitäten gehen nicht immer selbstverständlich zusammen. Wie sind Sie mit diesem Spannungsverhältnis umgegangen?

Eine gute Uhr braucht beides. Sie muss etwas Neues bringen, sonst ist es zu einfach. Gleichzeitig darf sie die Menschen nicht schockieren. Sie muss sich weiterhin richtig anfühlen. Sie muss gut proportioniert sein. Der einfache Weg wäre gewesen, einfach den Chronomètre Contemporain zu nehmen und zwei Zähler hinzuzufügen. Das wäre sicher gewesen. Stattdessen wollte ich eine neue Anordnung, neue Zeiger, ein neues Gehäuse – und trotzdem etwas, das in sich stimmig bleibt.

Was ist das eine Detail, das den meisten beim ersten Blick entgeht, aber die ganze Geschichte der Uhr erzählt, sobald man es verstanden hat?

Wahrscheinlich die Art, wie alles zusammengeführt wurde. Die Menschen sehen zuerst, dass die Uhr gut proportioniert ist, dass das Werk kraftvoll wirkt oder dass diese große zentrale Brücke da ist. Aber viele der eigentlichen Entscheidungen liegen tiefer: die Zeiger, die Position von Drückern und Krone, die Tatsache, dass das Werk um die Uhr herum konstruiert wurde, die Verwendung unterschiedlicher Materialien und wie sie gemeinsam finissiert wurden. Genau darin steckt sehr viel Arbeit.

Die Zeiger sind komplett neu. Woher kam dieses Design?

Zuerst aus der Funktion, dann aus der Identität. Die Abstufung in ihrer Form hat einen Zweck. Sie ermöglicht es, die Zeiger näher an das Zifferblatt zu bringen, was die Ablesbarkeit verbessert und die visuelle Höhe der Uhr reduziert. Zugleich fangen sie das Licht je nach Blickwinkel anders ein, wodurch sie leichter zu lesen sind. Ja, sie stiften Identität – aber sie sind nicht um der Dekoration willen da. Sie haben eine Funktion.

Die Roségold-Version bleibt mit schwarzem Emailzifferblatt klassisch, die Platinversion mit Sturmblau fällt sofort auf. Woher kam diese Farbidee?

Ich liebe diesen grau-blauen Ton schon sehr lange. Ich hatte schon vor Jahren versucht, ihn in Email zu erreichen, aber nie wirklich bekommen. Am Ende war die Inspiration ganz einfach: Ich habe zu Hause einen Keramiktisch in einer Farbe, die ich sehr liebe, und genau diesen Ton hatte ich immer im Kopf. Unser Emaillierer ist dem schließlich sehr nahe gekommen. Es ist also keine komplizierte Geschichte – nur eine Farbe, die ich schon lange verwirklichen wollte.

Wie wichtig waren die gewachsenen Inhouse-Kapazitäten für diese Uhr?

Essenziell. Diese Uhr hätte es vor ein paar Jahren in dieser Form nicht geben können. Heute entsteht viel mehr direkt in der Werkstatt – und das gibt uns mehr Kontrolle, mehr Freiheit und auch mehr Konsistenz. Ein Teil davon ist auch aus schwierigen Erfahrungen mit Zulieferern entstanden. Man ist manchmal von Menschen abhängig, die nicht dieselben Standards haben oder einen wegen kleiner Stückzahlen nicht mehr ernst nehmen. Irgendwann wollte ich davon nicht länger abhängig sein.

Gilt das auch für die Hemmung?

Ja. Wir hatten bei einem Zulieferer Qualitätsprobleme, und ich war mit der Chronomètre Contemporain nicht zufrieden. Wenn ich nicht zufrieden bin, kann ich nicht einfach sagen: „Das ist eben deren Qualität.“ Nein – dann wird es mein Problem. Also mussten wir eine andere Lösung finden und mehr selbst machen. Auch das gehört für mich zur Performance: nichts zu akzeptieren, was nicht dem eigenen Anspruch genügt.

Jean-Pierre Hagmann ist vergangenes Jahr verstorben. Wie viel von ihm lebt in Ihrer Gehäusephilosophie weiter?

Sehr viel, wenn auch nicht auf direkte Weise. Er hat diese Uhr nicht für uns entworfen, so ist es nicht. Aber er hat uns Werkzeuge gegeben. Er hat uns Selbstvertrauen gegeben. Er hat uns gelehrt, über Proportionen nachzudenken, darüber, was ein gutes Gehäuse ausmacht und was traditionelle Gehäusemacherei wirklich bedeutet. Ohne ihn wären wir in diesem Bereich heute, glaube ich, nicht dort, wo wir stehen.

Sie sprechen oft von Handarbeit. Gleichzeitig gibt es immer dieses Spannungsfeld zwischen traditionellem Handwerk und dem Wunsch, alles so perfekt wie möglich zu machen. Wie sehen Sie diesen Konflikt?

Dieser Konflikt ist überall. Aber für mich muss eine Uhr immer auch die menschliche Seite zeigen. Wenn alles zu kalt, zu perfekt, zu klinisch wird, gefällt mir das nicht. Gleichzeitig darf Handarbeit keine Ausrede für schlechte Arbeit sein. Man muss so weit gehen, wie man kann – und dann wissen, wo man aufhören muss. Diese Grenze ist schwierig. Aber gerade sie macht die Arbeit interessant.

Die Finissierung gehört bei einer Uhr wie dieser zum Kern des Arguments. Welche traditionellen Techniken prägen das Werk?

Es gibt viele: Schwarzpolitur, innenliegende Winkel, Satinierung, Perlage, Côtes de Genève, Gravuren, Kreisschliff, Anglierungen, polierte Stahlteile, Diamantage und Poli-bercé. Solche Informationen sind wichtig, weil sie zeigen, welches Kompetenzniveau hinter der Uhr steht. Sie gehören zur Geschichte dieser Uhr dazu.

Sie haben den Preis mit 150.000 Schweizer Franken ohne Steuern angesetzt — zweifellos ein signifikanter Betrag, zugleich aber deutlich unter dem Niveau, das Ihre Uhren am Sekundärmarkt inzwischen erreichen. Warum war es Ihnen wichtig, den offiziellen Preis dennoch genau dort zu belassen?

Weil ich den Menschen in die Augen schauen können möchte. So einfach ist das. Ich wollte einen Preis setzen, den ich trotz aller Entwicklungskosten noch als fair empfinde. Man darf nicht vergessen: Dieses Werk wurde ausschließlich für diese Uhr entwickelt. Es ist kein modulares System und keine Basis, die wir später einfach für viele andere Produkte weiterverwenden können. Genau das machen viele große Marken natürlich anders — auch, weil sie ganz anders kalkulieren und entwickeln müssen. Bei uns war die Ausgangslage eine andere: Wir haben dieses Werk nur für diese Referenz gebaut, mit allem, was das an Zeit, Energie und Investition bedeutet.

Ich weiß sehr gut, dass ich diese Uhren deutlich höher bepreisen könnte. Das sagen mir die Leute ständig. Aber ich möchte dieses Spiel nicht spielen. Ich möchte nicht, dass Gier die Beziehung bestimmt. Für mich besteht die Herausforderung darin, die bestmögliche Uhr zu einem Preis anzubieten, den ich trotz all dieser Entwicklung noch als ehrlich und fair vertreten kann — nicht darin, alles bis an die äußerste Grenze auszureizen, nur weil der Markt verrücktspielt.

Und was bedeutet heute für Sie der „richtige Kunde“?

Jemand, der die Arbeit schätzt und langfristig denkt. Natürlich weiß ich, dass ich nicht alles kontrollieren kann. Aber ich sehe nicht gern, wenn eine Uhr an jemanden geht, der sie wenige Monate später wieder verkauft, während andere Menschen seit Jahren warten. Das ist den Wartenden gegenüber nicht fair, und es bringt auch mich in eine schlechte Position, weil es so aussieht, als hätte ich die falsche Wahl getroffen. Ich möchte weiterhin eine menschliche Verbindung. Ich möchte Menschen, die verstehen, was sie bekommen.

Im Gespräch haben Sie etwas sehr Bemerkenswertes gesagt: dass Sie nach wie vor Frustration empfinden – und dass das vielleicht Teil des Prozesses ist. Was frustriert Sie noch immer?

Dass ich noch nicht alles erreicht habe, was ich erreichen möchte. Ich will der Uhrmacherei noch etwas Wichtiges geben. Ich will noch etwas wirklich Neues erfinden. Ich würde nicht sagen, dass diese Uhr in diesem Sinn eine Erfindung ist. Sie ist eine neue Schöpfung, ja – ein neues Werk, eine neue Architektur, ein neues Design, neue Proportionen. Aber ich will noch weitergehen. Diese Frustration ist immer da. Sie ist vielleicht nicht angenehm, aber sie treibt mich an.

Wofür soll diese Uhr am Ende stehen?

Vielleicht für Reife. Oder für einen Zustand von Reife. Aber nicht als Ende, eher als Schritt. Ich möchte, dass die Menschen sehen, dass wir wachsen, dass wir stärker werden und dass wir etwas Ernsthaftes aufbauen. Mein Traum ist nicht nur, Uhren zu machen, sondern etwas zu hinterlassen: eine Denkweise, eine Werkstattkultur, Menschen, die hier lernen und später vielleicht ihre eigenen Wege gehen. Wenn man eines Tages sagt, dass wir etwas Bedeutendes beigetragen haben, dann wäre mir das sehr wichtig.


rexheprexhepi.com

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