Die Glashütter Manufaktur A. Lange & Söhne zeigt mit der Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender „Lumen“ den bislang aufwendigsten Vertreter ihrer nachleuchtenden Uhrenreihe. Nummer sieben der „Lumen“-Familie kombiniert gleich zwei große Komplikationen: Ein Tourbillon mit Sekundenstopp und einen ewigen Kalender mit peripherem Monatsring. Dass sämtliche Anzeigen des charakteristischen, dezentral gestalteten Zifferblatts der Lange 1 dabei auch bei Dunkelheit klar abzulesen sind, macht den auf 50 Stück limitierten Zeitmesser zu etwas Besonderem.

Inneres Leuchten

Die „Lumen“-Geschichte begann 2010, als Lange die Zeitwerk „Luminous“ vorstellte und sich damit in gestalterisches Neuland wagte. Die Idee dahinter ist bis heute gleich geblieben, klingt simpel, verlangt aber erheblichen konstruktiven Aufwand: Das Zifferblatt besteht aus Saphirglas mit einer speziellen Beschichtung, die sichtbares Licht stark filtert, ultraviolette Strahlung aber durchlässt. So können sich die darunterliegenden Leuchtpigmente der Anzeigen bei Tageslicht mit Energie aufladen und diese nachts wieder abgeben. Das seit 2013 patentierte Verfahren gestattet unbegrenzt viele Ladezyklen.

Beim neuen Modell treibt Lange dieses Konzept weiter als bei allen Vorgängern. Jede einzelne Anzeige leuchtet nach: Großdatum, retrograder Wochentag, Monatsring, Schaltjahresindikation. Die Konstrukteure haben dabei mit unterschiedlichen Leuchtflächen gespielt: Großflächige Elemente wie das Datum und die Schaltjahresanzeige strahlen mit derselben Intensität, während Zeiger, Indizes und die Mondsilhouette deutlich filigraner schimmern. Das ergibt in der Dunkelheit ein überraschend nuanciertes Bild, das mit dem plakativen Leuchten normaler Uhren wenig zu tun hat.

Besonders eindrucksvoll ist die Mondphasenanzeige konzipiert. Die Umrandung des Erdtrabanten mit Leuchtmasse ist eine Premiere. Zudem kombiniert die Manufaktur die Mondphase mit einer Tag-/Nacht-Anzeige: Eine Himmelsscheibe vollführt eine volle Umdrehung in 24 Stunden. Bei Tag sieht der Betrachter einen hellen, sternenlosen Hintergrund, bei Nacht tauchen nachleuchtende Sterne auf. Der Mond wandert darüber und bildet die aktuelle Phase ab. Und das mit einer Gangabweichung, die sich erst nach 122,6 Jahren zu einem vollen Tag summiert.

Design mit Kontrasten

Gestalterisch setzt Lange bei diesem Modell konsequent auf den Gegensatz von Hell und Dunkel. Das polierte Platingehäuse kontrastiert mit dem dunklen Zifferblatt und dem schwarzen Alligatorlederband, das von Hand genäht wird. Rhodinierte Goldzeiger und weiße Skalen heben sich klar vom Untergrund ab und verbessern die Ablesbarkeit.

Das durchscheinende Zifferblatt hat dabei nicht nur ästhetische Gründe. Erst die partielle Transparenz ermöglicht das Laden der Leuchtpigmente, die sich unterhalb der Anzeigen befinden. Gleichzeitig gibt das halbtransparente Saphirglas den Blick auf die darunterliegenden Mechanismen frei: Man sieht perlierte Platinen, Brücken mit Sonnenschliff, strichgeschliffene Hebel und Zahnräder mit Kreisschliff. Jede Kante ist von Hand angliert und poliert. Das Uhrwerk wird so zur Bühne, bei Tageslicht als sichtbare Mechanik, bei Dunkelheit als Kulisse für das grüne Leuchten.

Tourbillon mit Stoppfunktion

Von vorne lässt nur eine kleine Gravur bei der Zwölf erahnen, was sich auf der Rückseite verbirgt. Erst durch den Saphirglasboden sieht man das Minutentourbillon, dessen Käfig sich in 60 Sekunden einmal um die eigene Achse dreht und dabei Schwerkrafteinflüsse auf das Schwingsystem ausgleicht. Was bei herkömmlichen Armbanduhren längst selbstverständlich ist, die Sekundenstoppfunktion zum präzisen Einstellen der Uhrzeit, fehlt meist bei Tourbillonuhren. Lange hat dieses Problem 2008 gelöst und den Mechanismus patentieren lassen.

Beim Herausziehen der Krone drückt ein Hebelsystem eine V-förmig gebogene Stahlfeder gegen die rotierende Unruh. Die besondere Geometrie der Feder stellt sicher, dass die Unruh zuverlässig blockiert wird, egal ob der erste Kontakt auf dem Reif oder auf einem der drei Käfigpfeiler erfolgt. Entscheidend: Die gespeicherte Energie in der Spirale bleibt erhalten, sodass die Unruh beim Zurückdrücken der Krone sofort wieder selbständig anschwingt.

Auf der Rückseite lohnt auch ein genauerer Blick auf die Kloben von Tourbillon und Zwischenrad. Beide sind aus Edelstahl gefertigt und skelettiert, ihre Oberflächen schwarzpoliert. Bei diesem Verfahren wird ein Bauteil so lange mit exakt dosiertem Druck über eine Zinnscheibe geführt, bis es aus manchen Winkeln spiegelnd reflektiert und aus anderen schwarz erscheint. Die Kanten anglieren und polieren die Mitarbeiter von Hand. Die Innenwinkel stellen dabei eine besondere Herausforderung dar. Beide Kloben tragen zudem handgravierte Sterne und eine Sternschnuppe als Anspielung auf die leuchtenden Sterne auf der Vorderseite. Im Herzen des Drehgestells sitzt ein Diamant-Deckstein in einem verschraubten Goldchaton, wie ihn Lange schon bei seinen historischen Taschenuhren der höchsten Qualitätsstufe verwendete.

Ein neues Kaliber

Das automatische Manufakturkaliber L225.1 ist komplett neu konstruiert. Seine 685 Bauteile, 74 Lagersteine und sechs Goldchatons machen es zu einem der komplexesten Uhrwerke im Lange-Portfolio. Als Gangregler dient eine Exzenter-Unruh mit hauseigener Spirale, die Frequenz liegt bei 21.600 Halbschwingungen pro Stunde. Für den Aufzug sorgt ein Zentralrotor aus Weißgold, dessen äußere Schwungmasse aus Platin das nötige Drehmoment liefert. Die volle Gangreserve beträgt 50 Stunden.

Mit 34,1 Millimetern Durchmesser und 8,3 Millimetern Höhe erlaubt das Werk ein Gehäuse von 41,9 Millimetern Breite und 13 Millimetern Bauhöhe. Im Vergleich zum Vorgängerkaliber L082.1 handelt es sich nicht um eine Evolution, sondern um eine grundlegende Neuentwicklung. Der Grund: Das halbtransparente Zifferblatt stellt besondere Anforderungen an das Layout des Werks, weil Bauteile und Oberflächen zumindest teilweise sichtbar sind und entsprechend dekoriert werden müssen.

Der ewige Monatsring

Das Alleinstellungsmerkmal des ewigen Kalenders in der Lange 1 ist seit 2012 der periphere Monatsring, eine Lösung, die auf das sonst übliche 48-Monats-Programmrad mit seinen abgestuften Einkerbungen verzichtet. Stattdessen dreht sich ein großer Ring mit innenliegender Verzahnung einmal pro Jahr um das Zifferblatt. An seiner Innenseite verläuft eine wellenförmige Kontur, die von einem gefederten Hebel abgetastet wird. Die Tiefe der jeweiligen Welle bestimmt, wann der Monatswechsel ausgelöst wird: Je tiefer die Kerbe, desto früher springt das Datum auf den Ersten, und desto kürzer ist der betreffende Monat. Für den Februar tastet ein zweiter Arm desselben Hebels eine Kurvenscheibe ab, die unter der Schaltjahresanzeige sitzt und dem Werk mitteilt, ob der Februar 28 oder 29 Tage lang ist.

Diese Konstruktion war der einzige Weg, den ewigen Kalender in das asymmetrische Layout der Lange 1 einzufügen, ohne die überlappungsfreie Anordnung der Indikationen zu opfern. Die Herausforderung: Der Monatsring muss bei jedem Monatswechsel um 30 Grad springen, ein erheblich größerer Weg als die 7,5 Grad, die ein konventionelles Programmrad zurücklegt. Die Schaltenergie wird deshalb über den gesamten Tag hinweg in zwei getrennten Federspeichern akkumuliert. Der eine treibt die täglichen Wechsel von Datum, Wochentag und Mondphase an, der andere die monatliche Fortschaltung von Ring und Vierjahresscheibe.

Das Funktionsprinzip ist bei beiden identisch: Ein Hebel fährt über 24 Stunden an einer Schneckenscheibe entlang, bis er am höchsten Punkt abrutscht und dabei schlagartig die angestaute Energie freigibt. Weil die Kraft kontinuierlich dem Räderwerk entzogen wird, bleibt die Schwingweite der Unruh immer gleich. Sämtliche Kalenderanzeigen springen plötzlich und sind dadurch eindeutig. Über Drücker an der Gehäuseflanke lassen sie sich einzeln oder gemeinsam korrigieren. Solange die Uhr läuft, funktioniert der Mechanismus autonom bis zum 1. März 2100, dann entfällt nach den Regeln des gregorianischen Kalenders erstmals ein Schaltjahr, und der Besitzer muss einen Tag manuell vorschalten.

Lumen-Reihe: Start als Experiment

Mit der Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender „Lumen“ stellt Glashüttes berühmteste Manufaktur das siebte Modell ihrer nachleuchtende Serie vor. Den Auftakt machte 2010 die Zeitwerk „Luminous“, damals ein echtes Wagnis, das sich jedoch als Volltreffer erwies. Es folgten die Große Lange 1 „Lumen“ (2013), die Große Lange 1 Mondphase „Lumen“ (2016), der Datograph Auf/Ab „Lumen“ (2018), die Zeitwerk Honeygold „Lumen“ (2021) und der Datograph Perpetual Tourbillon Honeygold „Lumen“ (2024).

Interessant ist die Entwicklung der Stückzahlen: Die erste Luminous kam in 100 Exemplaren, die drei folgenden Modelle in jeweils 200 Stück. Seit dem Datograph Perpetual Tourbillon von 2024 liegt die Auflage bei nur noch 50 Uhren. Die Botschaft ist klar: Lange positioniert die Lumen-Reihe immer stärker als Bühne für die kompliziertesten Werke des Hauses.

Die „Lumen“-Linie unterstreicht wie die Lange 1 und die Zeitwerk, dass die Manufaktur klassisches Design harmonisch mit einem eigenständigen charakterstarken Ansatz verbinden kann. Mit der neuen Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender „Lumen“ wird das nun weiter perfektioniert.

Die neue Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender Lumen wird zirka 550.000 Euro kosten.


alange-soehne.com


0 Comments
Meist bewertet
Neueste Älteste
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
0
Teilen Sie gerne Ihre Meinung mit uns.x