Omega Constellation Observatory: Analyse von Design, Präzision und Preis sowie Einordnung der kontroversen Reaktionen aus der Uhren-Community.

Im Rahmen der Watches and Wonders 2026 – der größten und bedeutendsten Messe der Schweizer Uhrenbranche – erweitert die unabhängige Schweizer Uhrenmarke Gerald Charles ihre Masterlink-Kollektion um einen vollständig im eigenen Haus entwickelten ewigen Kalender: den Gerald Charles Masterlink Perpetual Calendar. Diese Uhr stellt seit der Neuausrichtung der Marke vor weniger als zehn Jahren ihre komplexeste Uhr dar und markiert damit einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung der noch jungen Kollektion komplizierter Uhren. In diesem Artikel werfen wir einen genauen Blick auf die Neuheit.
Als stilprägend für die Neuheit gilt jene geschwungene und asymmetrische Gehäuseform der Masterlink-Linie, die heute als das Markenzeichen von Gerald Charles schlechthin gilt und ursprünglich im Jahr 2005 von Gérald Genta entworfen wurde. Um diese besondere Gehäuseform zu entwickeln, ließ sich Gérald Genta sowohl von der geschwungenen Fassade als auch vom achteckigen Dach eines vom schweizerisch-italienischen Architekten Francesco Borromini entworfenen Gebäudes in Rom aus dem 17. Jahrhundert inspirieren.
Als eines der letzten Designs, das von Gérald Genta geschaffen wurde und maßgeblich von der Architektur des römischen Barock inspiriert ist, kennzeichnet sich die Gehäuseform der Neuheit insbesondere durch ein verlängertes Achteck mit ungleichen Seiten, eine abgeschrägte Lünette, die dem Design zusätzliche Tiefenwirkung verleiht, sowie eine geschwungene, „lächelnde“ Linie bei 6 Uhr, in der Genta die gewölbte Fassadenfront des Gebäudes aufgriff.
Das Ergebnis dieser Gestaltung ist ein Gehäuse, das sowohl eckige als auch geschwungene Elemente in sich vereint und somit nicht nur als eines der wenigen tatsächlich asymmetrischen Uhrengehäuse auf dem Markt gilt, sondern auch als Aushängeschild der Marke Gerald Charles, das immer wieder in neuen Materialien und Variationen ausgekostet wird. Im Falle der Neuheit sind das Gehäuse sowie das Armband aus dem leichten Werkstoff Titan Grad 5 gefertigt, was bei einem Gehäusedurchmesser von 40 mm und einer Bauhöhe von 10 mm in einem Gesamtgewicht von lediglich 97 Gramm mündet. Insgesamt bestehen Gehäuse und Armband der Uhr aus 184 Komponenten, wobei 33 auf das Gehäuse und 151 auf das Armband entfallen.
Für ein markantes Erscheinungsbild der Gerald Charles Masterlink Perpetual Calendar sorgt die sogenannte „Darkblast“-Oberflächenbehandlung – eine Variation des Sandstrahlens –, die hier auf der Lünette und den Mittelgliedern des Armbands zum Einsatz kommt, um einen dunklen Farbton mit leicht gekörnter Oberfläche zu erzeugen. Ergänzt werden die dadurch entstehenden anthrazitgrauen Bestandteile durch Elemente, die dem Gehäuse sowie dem Armband eine fließende Dynamik verleihen: Unterhalb der Lünette befinden sich polierte Oberflächen sowie vertikal gebürstete Gehäuseflanken, die sich über die Bandanstöße auf die 28 Glieder des Armbands übertragen und dort fortgeführt werden, wodurch eine einheitliche Ästhetik entsteht.
Zum Marktstart erscheint die bislang komplexeste Uhr der Marke Gerald Charles in zwei Ausführungen, die beide ein unterschiedliches Zifferblatt aufweisen: Eine Variante verfügt über ein anthrazitfarbenes, zweistufiges Fumé-Zifferblatt, das von einem helleren Zentrum zum Rand hin dunkler verläuft und durch eine vertikale, grillartige Struktur mit sichtbaren Rillen gegliedert ist. Die zweite Version der Gerald Charles Masterlink Perpetual Calendar ist skelettiert und mit einem Saphirglaszifferblatt ausgestattet, das den Blick auf das reich verzierte Werk freigibt und die Stundenindizes trägt. Trotz der sichtbaren Unterschiede werden beide Varianten der Neuheit durch rhodinierte Stabzeiger mit weißen Super-LumiNova-Einlagen sowie ihre Anzeigen geeint.
Beide Varianten der Gerald Charles Masterlink Perpetual Calendar verfügen über eine bei 3 Uhr positionierte Monatsanzeige, eine Mondphasenanzeige inklusive Datumsanzeige bei 6 Uhr und eine Wochentagsanzeige bei 9 Uhr sowie eine in die Monatsanzeige integrierte Schaltjahresanzeige, die als rote Kreisgrafik dargestellt ist. Als ewiger Kalender leistet die Uhr jedoch weit mehr, als lediglich Monat, Mondphase inklusive Datum, Wochentag und Schaltjahr anzuzeigen. Die Mechanik des Uhrwerks berücksichtigt automatisch die unterschiedlichen Längen der Monate und integriert alle vier Jahre korrekt den 29. Februar. Lediglich in vollen Jahrhundertjahren, in denen gemäß den Regeln des gregorianischen Kalenders das Schaltjahr entfällt, ist eine manuelle Korrektur erforderlich: In den Jahren 2100, 2200 und 2300 muss das Datum jeweils am 1. März um einen Tag vorgestellt werden. Diese Korrektur kann über die an der Gehäuseseite befindlichen Drücker der Neuheit vorgenommen werden.
Bei einem genaueren Blick auf die Mondphasenanzeige wird ersichtlich, dass die asymmetrische Gehäuseform auch funktionale Vorteile mit sich bringt: Die Aussparung bei 6 Uhr schafft zusätzlichen Raum, wodurch die Mondphasenanzeige und die außerhalb positionierte Datumsanzeige größer ausgeführt werden können. Zudem verwendet Gerald Charles für die Mondphasenanzeige anstelle des üblichen 59-Zahn-Rades ein Rad mit 135 Zähnen, wodurch sich die Mondphase mehr als viermal täglich in entsprechend kleineren Schritten weiterbewegt und so eine höhere Präzision erreicht. Die Aussparung hat zudem zur Folge, dass die Anzeigen des Zifferblatts auf die untere Zifferblatthälfte ausgerichtet werden konnten, wodurch die obere Zifferblatthälfte Platz für weitere Elemente lässt: Bei der Version mit zweistufigem Fumé-Zifferblatt ist hier eine 12-Uhr-Markierung und das Gerald-Charles-Logo zu finden, während die skelettierte Variante die vollständige Sicht auf die Brücken des Masterlink-Uhrwerks zulässt, auf das wir nun näher eingehen wollen.
Das Kaliber GCA11000, das die Gerald Charles Masterlink Perpetual Calendar antreibt, verkörpert in seiner Konstruktion und dem Grad seiner Finissierung nicht weniger als Gerald Charles’ Einstieg in die Haute Horlogerie. In ihrer knapp über 25-jährigen Geschichte fokussierte sich Gerald Charles vor allem auf Chronographen, Worldtimer und Tourbillons – mit der Masterlink Perpetual Calendar präsentiert die Marke nun erstmals eine große Komplikation. Das ist durchaus erstaunlich, da die Manufaktur seit der Übernahme durch die Familie Ziviani im Jahr 2020 primär auf Kaliber von Vaucher setzte. Beim neuen Ewigen Kalender liegt das geistige Eigentum zu 100% bei Gerald Charles. Gewöhnlich tasten sich Uhrenhersteller langsam an eigene Uhrwerke heran, bevor sie direkt mit einer großen Komplikation wie dem Ewigen Kalender starten. Bei Gerald Charles scheint man nun die Kompetenz im eigenen Haus zu haben und es bleibt spannend zu sehen, wie sich das Uhrwerksportfolio in den kommenden Jahren entwickeln wird.
Während viele namhafte Marken bei Formuhren ein rundes Uhrwerk verwenden, das konstruktiv nicht vollständig auf das Gehäuse abgestimmt ist, verfolgte Gerald Charles einen anderen Ansatz: Der Entwicklungsprozess begann bewusst beim Uhrwerk, und das Werk wurde zunächst in der asymmetrischen Gehäuseform konzipiert, sodass beide Elemente – Gehäuse und Uhrwerk – eine Einheit bilden. Beim Kaliber GCA11000 handelt es sich um ein 4,63 mm hohes und aus 306 Komponenten bestehendes Uhrwerk, das über einen dezentralen Mikrorotor aus 3N-Gold beidseitig aufgezogen wird, um eine Gangreserve von rund 50 Stunden bei einer Frequenz von 3 Hz zu gewährleisten.
Besonders wird das Kaliber GCA11000 jedoch nicht nur durch seine Konstruktion, sondern auch durch den Grad der Finissierung. Auf der Vorderseite, die als Zifferblatt der zweiten Variante der Neuheit fungiert, finden sich Côtes de Genève (Genfer Streifen) auf der ersten Ebene, Perlage auf der zweiten sowie handanglierte Brücken. Die Rückseite des Uhrwerks, die durch den Saphirglasboden der Gehäuserückseite betrachtet werden kann, verfügt ebenfalls über mehrere Arten der Verzierung, die Anlehnungen an die Stadt Genf darstellen: Gerade Genfer Streifen sind eine Hommage an das Straßennetz Genfs; eine Linie soll die Rue du Mont-Blanc darstellen, an der sich das Atelier von Gerald Charles in Genf befindet, dessen Position auf dem Uhrwerk durch einen schwarzen Lagerstein gekennzeichnet ist. Geschwungene Genfer Streifen wiederum sind eine Anspielung auf den Genfersee.
Mit der Masterlink Perpetual Calendar und dem in Einheit mit dem Gehäuse konstruierten Kaliber GCA11000, das laut Gerald Charles als Plattform für zukünftige Entwicklungen innerhalb des Hauses dient, positioniert sich die Marke zunehmend im Segment der Feinuhrmacherei. Gleichzeitig bewahrt die Wasserdichtigkeit von 100 Metern den sportlichen Charakter der Masterlink-Kollektion. Die Masterlink Perpetual Calendar mit Fumé-Zifferblatt ist zu einem Preis von 63.000 Schweizer Franken erhältlich, während die skelettierte Version bei 70.000 Schweizer Franken liegt.
Gerald Charles CEO Federico Ziviani unterstreicht diese Strategie mit den Worten: „Der Gerald Charles Masterlink Perpetual Calendar zeigt, dass wir uns nun in einer sehr wichtigen Phase für die Maison befinden. Die Entwicklung hat drei Jahre in Anspruch genommen und belegt, dass wir unserem Anspruch treu bleiben, alle 12 bis 18 Monate eine neue High-End-Komplikation vorzustellen. Es war ein langer Weg bis hierher und verdeutlicht, wie wir uns als Schweizer Uhrenmanufaktur weiterentwickeln: Das Kaliber des Ewigen Kalenders ist das bislang komplexeste, das wir entwickelt haben, und stellte unsere Ingenieure vor eine außergewöhnliche technische Herausforderung.“