Vacheron Constantin präsentiert die Overseas Extra-Flach in Platin mit ihrem neuen Kaliber 2550 und 80 Stunden Gangreserve.

Mit den beiden neuen G.F.J.-Modellen führt Zenith eine Idee weiter, die von Beginn an weniger über die Uhr als über ihr Werk definiert war. Denn auch in Tantal und Gelbgold mit Bloodstone-Zifferblatt bleibt das Kaliber 135 der Ausgangspunkt der eigentlichen Kreation. Genau daran zeigt sich, wie unterschiedlich dieselbe Konstruktion wirken kann, ohne ihren ursprünglichen Charakter zu verlieren. Interessant sind diese Neuheiten deshalb nicht nur als neue Varianten, sondern als zwei sehr verschiedene Antworten auf dieselbe uhrmacherische Grundlage.
Einige Uhrwerke altern in Würde und verschwinden dabei leise aus unserem Alltag. Sie bleiben als Referenz erhalten – in Sammlungen, Auktionshäusern oder in Erzählungen derer, die sich gerne mit alten Chronometern beschäftigen. Zenith´s historisches Kaliber 135 hat diesen Weg nie ganz eingeschlagen. Es war dafür durchweg zu präsent und angesehen in einer Phase der Uhrmacherei, wo Ganggenauigkeit noch einen anderen Stellenwert hatte: Geprüft in Observatorien, festgehalten in Resultatlisten und entschieden durch die Frage, welcher Hersteller das genaueste Werk bauen konnte.
Als Zenith mit der G.F.J. eine neue Kollektion vorstellte, ging es deshalb nicht einfach um eine hübsch verpackte Neuauflage des 135er Kalibers. Eigentlich stand von Anfang an nur das Werk im Mittelpunkt. Die Uhr an sich diente eigentlich lediglich als Rahmen dafür. Nun kommen zwei weitere Versionen hinzu, die beide auf derselben Grundlage beruhen, aber in völlig unterschiedliche Richtungen gehen: Eine G.F.J. aus Tantal in einer Auflage von 20 Stück und eine auf 161 Exemplare limitierte Ausführung in Gelbgold mit Bloodstone-Zifferblatt.
Interessant ist daran weniger die Tatsache, dass Zenith zwei neue Varianten bringt. Interessant ist, wie unterschiedlich dieselbe Uhr wirken kann, ohne ihren Charakter zu verlieren.
Die gelbgoldene Version hat etwas Offenes, fast Selbstverständliches. Im Mittelpunkt steht das Zifferblatt aus Bloodstone, einem grünen Jaspis mit roten Einschlüssen – darunter die kleine Sekunde aus Perlmutt, welche einen optisch helleren Akzent setzt. Der guillochierte Außenring mit Ziegelmuster, die an die Backsteine der historischen Manufaktur in Le Locle erinnern hält die Komposition zusammen und Indizes bzw. Zeiger aus Gelbgold schließen das Bild ab. Das wirkt weder verspielt noch streng, sondern wie ein von A bis Z komplett durchdachtes Designkonzept.
Die Tantal-Version erzeugt ein kühleres Erscheinungsbild. Tantal ist kein Material, das sich provokant in den Vordergrund drängt, aber eines, das eine Uhr sofort verändert. Die Materialdichte, Härte und dieser blaugraue, metallische Farbton verleihen dem Gehäuse eine besondere und individuelle Präsenz. Formal bleibt alles identisch zum Vorgängermodell: 39,15 Millimeter Durchmesser und 10,5 Millimeter Höhe, also dieselbe Grundform wie beim bereits bekannten G.F.J Modell. Nur wirkt diese Ausführung der Uhr hier auf einmal kompakter und strenger. Während Gelbgold Licht und Wärme mitbringt, wirkt Tantal zurückhaltend und verschafft der Gehäuseform Kontur.
Dazu passt das Zifferblatt. In der Mitte schwarzer Onyx, bei der kleinen Sekunde graues Perlmutt, außen die „Backstein“-Guillochierung, dazu Diamantindizes im Baguette Schliff. Das liest sich auf dem Papier erstmal wesentlich lauter, als die Uhr am Ende des Tages ins Auge sticht. Die Diamanten wirken eher wie gezielt gesetzte Lichtakzente auf dem Zifferblatt, als dass sie die Uhr in Richtung Schmuckstück drängen.
Beide Modelle leben aber vor allem von dem, was unter dem Zifferblatt passiert. Das Kaliber 135 wurde ursprünglich für Chronometrie-Wettbewerbe entwickelt und brachte es in seiner Wettbewerbsausführung 135-O auf 235 Preise, darunter fünf erste Plätze in Folge beim Observatorium von Neuchâtel zwischen 1950 und 1954. Diese Zahlen stehen in fast jedem Text über das Werk, und das aus gutem Grund: Sie erklären, warum Zenith dieses Kaliber nicht wie irgendeinen historischen Namen behandelt. Es ist eines der wenigen Werke, bei denen der gute Ruf nicht erst später entstanden ist.
Für die heutige G.F.J. wurde das Werk zwar überarbeitet, aber nicht gänzlich neu erfunden. Die grundsätzliche Architektur des Kalibers bleibt erhalten: 13 Linien Durchmesser, 2,5 Hertz, die große Unruh und das charakteristische 135-Layout. Gleichzeitig wurden jene technischen Eingriffe vorgenommen, die man bei einer modernen Auslegung eines solchen Kalibers erwartet: 72 Stunden Gangreserve, optimierter Rädertrieb, Breguet-Spirale, Regulierschrauben, Sekundenstopp und eine Regulierung auf plus/minus zwei Sekunden pro Tag und zwar COSC-zertifiziert. Das Entscheidende dabei ist, dass die überarbeitete Version nicht den Anschein trügt, einem historischen Werk gewaltvoll, aktuelle Eigenschaften beizubringen. Eher wirkt es so, als habe man versucht, den alten Gedanken behutsam in die Gegenwart umzusetzen, ohne ihn von Grund auf neu zu gestalten.
Durch den Saphirglasboden beider Versionen sieht man dann auch, worum es eigentlich geht. Das Kaliber 135 ist kein Uhrwerk, das sich über bloße Daten identifiziert: Seine Größe, Symmetrie und diese fast ruhige Selbstverständlichkeit der Konstruktion machen viel von seinem optischen Reiz aus. Bei der gelbgoldenen Bloodstone-Version spricht Zenith von klassischeren Dekorationscodes mit gelbgoldfarbenen Gravuren, bei der Tantal-Ausführung greift die dunkle Ruthenierung stärker die Farbe des Gehäuses auf. So oder so: In beiden Fällen bleibt das Werk der eigentliche Grund, beide Uhren überhaupt zu bauen.
Vielleicht ist das auch der Punkt, an dem sich die neuen G.F.J.-Modelle von herkömmlicheren Neuheiten klar absetzen. Nicht weil sie besonders spektakulär wären, sondern weil Zenith mit diesen Modellen testet, wie viel Zustimmung und Reichweite ihr Kaliber 135 eigentlich hat. Die gelbgoldene Bloodstone-Version zeigt die weichere, klassische Erscheinungsform die die G.F.J annehmen kann. Die Tantal-Ausführung testet, ob dieselbe Konstruktion auch in einer kühleren, sehr technisch-wirkenden Designsprache funktioniert. Beides klappt, gerade weil die Optik beider Uhren nicht versucht, die Hauptidee hinter den Kreationen bzw. das Werk zu übertönen.