Einblicke in die Porsche Design Timepieces Manufaktur: Produktion, Individualisierung und Strategie der Uhrenfertigung in Grenchen.

Porsche gilt als der einzige Automobilhersteller mit einer eigenen Schweizer Uhrenmanufaktur – und bereits 1972 begann alles mit dem Chronograph 1, der auch heute noch als wichtigstes Modell mit der Uhrmacherei bei Porsche Design in Verbindung gebracht wird. Der Chronograph 1 wurde einst von Ferdinand Alexander Porsche, dem Schöpfer des Porsche 911, entworfen und erscheint mit der neuen Porsche Design Chronograph 1 – All Titanium Numbered Edition nun in einer Ausführung, deren Gehäuse und Armband vollständig aus Titan gefertigt sind. Die Neuheit knüpft dabei an zwei wesentliche Meilensteine in der Geschichte von Porsche Design an: einerseits an den ersten vollständig schwarzen Zeitmesser, den Chronograph 1, andererseits an die erste vollständig aus Titan gefertigte Serienarmbanduhr mit einem Chronographen. In diesem Artikel werfen wir daher nicht nur einen Blick auf die Neuheit selbst, sondern auch auf die Geschichte jener beiden Zeitmesser, auf die sie zurückgeht.
Der Chronograph 1 ist auf Ferdinand Alexander Porsche zurückzuführen, der sich in der Automobilgeschichte verewigte, indem er in der Position als Chefdesigner bei Porsche zusammen mit seinem Team im Jahr 1963 den Porsche 911 schuf, den ersten 911 Targa mit abnehmbarem Hardtop des Jahres 1965 entwarf sowie den Rennwagen Porsche 904 mit Fiberglas-Karosserie erdachte. Doch sollte sich seine Schaffenskraft auch bald auf andere Bereiche ausweiten – und eine davon war die Uhrmacherei.
Als die Mitglieder der Familie Porsche im Jahr 1972 das operative Geschäft des eigenen Unternehmens verließen (die Umwandlung der Rechtsform von Porsche zur AG gebot dies), gründete Ferdinand Alexander Porsche gemeinsam mit seinem Bruder Hans-Peter in Stuttgart sein eigenes Designstudio, mit dem er zwei Jahre später in die Heimat seiner Kindheit, Österreich, zurückkehrte. Doch noch zwei Jahre, bevor Ferdinand Alexander das eigene Designstudio in Zell am See errichten konnte, beauftragte die neu firmierte Porsche AG den Designer mit einem zunächst klein erscheinenden Auftrag: Er sollte eine Armbanduhr entwerfen, die an verdiente Porsche-Mitarbeiter geschenkt werden könnte. Als zentrales Gestaltungsprinzip der Uhr lässt sich besonders ein Aspekt hervorheben: F. A. Porsche betonte, dass es ihm darum ging, „eine Uhr passend zum Auto zu kreieren“.
Um dies zu erreichen, schuf er eine Uhr, die sich ausschließlich dadurch definierte, dass ihre Formen und Konstruktion aus der Funktion hervorgingen, und übertrug die Gestaltungsprinzipien aus dem 911-Sportwagen auf den Chronograph 1 – und somit an das Handgelenk. Die Gestaltung ist dabei insbesondere von einem Blick auf das schwarze Armaturenbrett des 911 inspiriert: Wichtigstes und unübersehbares Ausdrucksmittel dieser Prinzipien ist das Zifferblatt mit einem roten zentralen Chronographensekundenzeiger, einem 30-Minuten-Zähler auf 12 Uhr, einem 12-Stunden-Zähler auf sechs Uhr, dem Rehaut mit Tachymeterskala sowie den weißen Ziffern und Indizes, die sich kontrastreich vom schwarzen Zifferblattgrund abheben. Neben dem Zifferblatt und dem Rehaut galten auch das Gehäuse, die Lünette und das Armband – die ebenfalls allesamt in Schwarz ausgeführt waren – selbst als eine weitere Form dieses Gestaltungsprinzips.
Dies war insofern besonders, als dass man Schwarz in der Uhrenszene zwar bis dahin von Zifferblättern und Lünetten kannte, nicht jedoch als Farbe von Gehäusen und Armbändern. Insgesamt erzeugten die mattschwarzen Charakteristika des Zifferblatts, des Gehäuses, der Lünette sowie des Armbands also die Anmutung des blendfreien Armaturenbretts eines Porsche 911 und schlossen durch ihre einheitliche schwarze Ästhetik Reflexionen aus. Mit diesen Merkmalen handelte es sich bei dem Chronograph 1 um die erste schwarze Armbanduhr aller Zeiten.
Zunächst nur als eine Uhr für verdiente Porsche-Mitarbeiter gedacht, die in einer Produktionsmenge von lediglich 20 Stück pro Jahr gefertigt werden sollte, entwickelte sich der Porsche Design Chronograph 1 in den kommenden Jahren zu einem Verkaufserfolg: Inmitten der Quarzkrise wurden Zehntausende Exemplare gefertigt. Zunächst wurde der Chronograph I mit einem Lemania-5100-Werk (Referenz 7176s) ausgestattet, später dann mit dem Valjoux / ETA 7750 gefertigt. Diese ersten Modelle wurden von der Schweizer Firma Orfina produziert.
Das Konzept der blendfreien Ablesbarkeit fand auch bald Anklang bei vielen Armeen: Der Chronograph I kam bei der NATO, der Bundeswehr, dem Schweizer Heer, aber auch bei den Emiraten und natürlich ganz besonders bei der Flugstaffel der US Air Force zum Einsatz, die die Uhren in Zell am See in Auftrag gab.
Doch sollte es nicht nur bei der völlig schwarzen Chronograph 1 bleiben. Im Jahr 1978 begann Porsche Design eine Zusammenarbeit mit IWC, in der sie mit der IWC-Referenz 3511 eine sogenannte Kompassuhr realisierten, die eine Verbindung eines amagnetischen Uhrwerks mit einem Kompass im sich aufklappbaren Gehäuseboden präsentierte. Darüber hinaus experimentierte man bei diesem ersten Projekt ebenfalls mit dem schwer zu bearbeitenden, aber für die Uhrenindustrie bestens geeigneten Material Titan als Werkstoff für das Uhrengehäuse.
Die Vorzüge von Titan gegenüber Stahl bei Uhrengehäusen sind vielfältig. Einer der wichtigsten liegt im deutlich geringeren spezifischen Gewicht: Titan besitzt nur rund 60 % der Dichte von Stahl und ermöglicht dadurch besonders leichte Zeitmesser. Ein weiterer Vorteil ist die hohe Biokompatibilität des Materials, also seine gute Verträglichkeit mit der Haut – ein Aspekt, der bei Armbanduhren eine wesentliche Rolle spielt. Diese Eigenschaft ist auf eine besondere Materialcharakteristik von Titan zurückzuführen: Wird die Oberfläche von Titan mechanisch beschädigt, bildet sich sofort eine stabile Oxidschicht (das sogenannte Titanoxid), die das Metall versiegelt. Diese Schutzschicht verhindert weitgehend einen chemischen Austausch zwischen dem Metall und der Haut und sorgt somit dafür, dass Titan als besonders hautverträglich gilt.
Basierend auf den aus diesem ersten Projekt gewonnenen Erkenntnissen in der Materialfertigung folgte im Jahr 1981 auf der Basler Uhrenmesse mit der IWC Porsche Design Titan Chronograph ein zweiter Zeitmesser aus Titan, mit dem man das von Ferdinand Alexander Porsche entworfene Konzept des Chronograph 1 weiterentwickelte. Die Uhr, die in die Nachfolge des ursprünglichen Chronographen trat, galt gleich aus mehreren Gesichtspunkten als besonders: Hierbei handelte es sich um eine Uhr, die das leichte, salzwasser-, säure- sowie schweißresistente Material Titan mit dem Konzept des Chronograph 1 verband. Auf der anderen Seite galt dieser Zeitmesser nicht nur als die weltweit erste in Serie gefertigte Armbanduhr, die die Kombination aus Titangehäuse, Titanarmband und einem mechanischen Chronographen präsentierte, sondern auch als die erste Serienarmbanduhr, die über vollständig in das Gehäuse integrierte Chronographendrücker verfügte, die durch ihre großen Flächen das Starten, Stoppen und Nullstellen des Chronographen deutlich vereinfachten. Im Inneren des für seinerzeit vergleichsweise großen 42-mm-Titangehäuses tickte das 30 Millimeter große und 7,9 Millimeter hoch bauende Automatikkaliber Valjoux 7750, das sich bereits beim Chronograph 1 bewährt hatte.
Heute fertigt man alle bei Porsche Design hergestellten Uhren aus Titancarbid oder Titan – wie auch die Neuheit, die wir uns nun im nächsten Teil genauer ansehen möchten.
Mit der Idee, die Gestaltungsprinzipien des Porsche-911-Armaturenbretts auf das Handgelenk zu übertragen, legte F. A. Porsche den Grundstein für die heutige Uhrenfertigung von Porsche Design: Auch heute, mehr als fünf Jahrzehnte nach dem Erscheinen des ursprünglichen Chronograph 1, ist man bei Porsche Design noch immer ganz dem einst von F. A. Porsche entworfenen Zeitmesser verhaftet. Der Chronograph 1 verschwand jedoch einige Zeit aus dem Produktportfolio von Porsche Design, bis er im Jahr 2022 mit einer auf 500 Exemplare limitierten Sonderedition, die zeitgleich mit einem restaurierten 911 S 2.4 Targa von 1972 präsentiert wurde, wieder in den Produktkatalog aufgenommen wurde.
Der Chronograph 1 steht seither einmal mehr im Zentrum der Uhrmacherei von Porsche Design und wird in einigen Varianten vorgestellt. Nach dem im Juli 2025 lancierten Chronograph 1 – 1975 Limited Edition, der auf lediglich 350 Exemplare begrenzt war, handelt es sich bei der nun vorgestellten Porsche Design Chronograph 1 – All Titanium Numbered Edition um die zweite Edition des Porsche Design Chronograph 1 aus unbeschichtetem Titan, welche frei verkäuflich ist und von jedem Interessenten erworben werden kann – unabhängig davon, ob dieser Besitzer eines bestimmten Porsche-Sportwagens ist. Im Gegensatz zur auf lediglich 350 Stück limitierten Chronograph 1 – 1975 Limited Edition soll die Produktion der Neuheit laut Porsche Design 1000 Exemplare pro Jahr nicht überschreiten.
Wie alle Uhren von Porsche Design wird auch der Chronograph 1 – All Titanium Numbered Edition nunmehr in der neuen, modernisierten Porsche Design Timepieces Manufaktur im Schweizer Grenchen, unweit des bisherigen Standortes in Solothurn, gefertigt – «als drittes offizielles Porsche-Werk nach den Autoproduktionsstätten in Zuffenhausen und Leipzig», wie Rolf Bergmann, CEO der Porsche Design Timepieces AG, betont. Interessanterweise ist das Gebäude, in das im Sommer 2025 die ersten Mitarbeiter einzogen, geschichtlich eng mit der Manufaktur verbunden: Hierbei handelt es sich nämlich um die ehemalige Produktionsstätte von Eterna – jener Uhrenfirma, die für rund 15 Jahre bereits Armbanduhren für Porsche Design fertigte und das Modell Porsche Indicator produzierte.
An der Gestaltung der Porsche Design Chronograph 1 – All Titanium Numbered Edition hat sich seit dem Chronograph 1 von 1972 auf den ersten Blick nicht viel verändert: Das Zifferblatt ist weiterhin in einem mattschwarzen Farbton gehalten. Analog zu den Fahrzeug-Armaturen präsentiert sich der zentrale Chronographenzeiger weiterhin in einem unübersehbaren roten Farbton, und auch der Aufbau des Zifferblattlayouts ist unverändert geblieben: Auf drei Uhr befindet sich die Tag- und Datumsanzeige, auf sechs Uhr ist der 12-Stunden-Chronographenzähler positioniert, bei neun Uhr ist die kleine Sekunde zu finden und schlussendlich liegt der 30-Minuten-Chronographenzähler auf zwölf Uhr. Neu ist im Vergleich zum Ursprungsmodell von 1972 hingegen die pfeilförmige Spitze des Minutenzeigers, der auf die außenliegende Minuterie verweist.
Eingerahmt wird das Zifferblatt der Porsche Design Chronograph 1 – All Titanium Numbered Edition von einem Rehaut – also dem Ring zwischen Zifferblatt und Saphirglas –, der vergleichsweise hoch sowie steil und mit einer ausgeprägten Fläche ausgeführt ist. Auf diesem ist eine Tachymeterskala angebracht, die von 500 bis 60 Einheiten pro Stunde abgestuft ist und dazu dient, in Verbindung mit dem Chronographen Durchschnittsgeschwindigkeiten über eine bekannte Distanz zu berechnen. Durch die Kombination aus der Höhe und der kräftig ausgeprägten Fläche des Rehaut sowie den groß dimensionierten Ziffern der Tachymeterskala erzeugt die Uhr auch hier die Anmutung eines klassischen Fahrzeuginstruments.
In der heutigen Uhr tickt nicht mehr das Valjoux 7750 – wenngleich mit dem Sellita SW500 ein mehr oder weniger exakter Klon des Uhrwerks verfügbar wäre –, sondern das Porsche Design Kaliber WERK 01.140, dessen Durchmesser von 30 mm und Höhe von 7,90 mm den Dimensionen des damaligen Valjoux-7750-Kalibers genau entsprechen. Das Porsche Design Kaliber WERK 01.140 wurde zwar in der hauseigenen, bisherigen Manufaktur in Solothurn entwickelt, nutzt jedoch die Plattform des Zulieferers Concepto. Technisch kennzeichnet es sich durch eine Gangreserve von etwa 48 Stunden bei einer Frequenz von 28.800 Halbschwingungen pro Stunde (4 Hz) und verfügt über einen einseitig drehenden Aufzugsrotor. Anstatt eines klassischen Säulenrads verwendet das Werk eine Nockenschaltung zur Steuerung der Start-, Stopp- und Nullstellfunktionen des Chronographen sowie eine Schwingtrieb-Kupplung, um den Chronographenmechanismus mit dem Uhrwerk zu verbinden.
Mit einem glasperlengestrahlten Titangehäuse und Titanarmband verleiht Porsche Design auch der Chronograph 1 – All Titanium Numbered Edition jene Eigenschaften, die bereits bei der IWC Porsche Design Titan Chronograph aus dem Jahr 1981 zum Tragen kamen: eine geringe Dichte, hohe Festigkeit, eine ausgeprägte Korrosions- und Temperaturbeständigkeit sowie amagnetische und hautverträgliche Eigenschaften. Das Gehäuse des Porsche Design Chronograph 1 – All Titanium Numbered Edition verfügt über einen Durchmesser von 40,80 mm bei einer Höhe von 14,15 mm, während die verschraubte Krone und die Chronographendrücker ebenfalls aus Titan gefertigt sind. Dreht man die Uhr um, erblickt man durch den Saphirglasboden das Porsche Design Kaliber WERK 01.140 mit seinem schwarz-grauen Aufzugsrotor mit Porsche Design Logo. Umrandet wird der Saphirglasboden von der fortlaufenden Nummerierung des jeweiligen Exemplars sowie dem Verweis auf die Wasserdichtigkeit des Gehäuses bis 100 Meter.
Die neue Porsche Design Chronograph 1 – All Titanium Numbered Edition ist ab April 2026 zum Preis von 7.950,00 Euro (UVP) auf porsche.com sowie in Porsche Design Stores, teilnehmenden Porsche-Zentren und im ausgewählten Uhrenfachhandel erhältlich. Die Produktion des Zeitmessers soll, wie bereits oben erwähnt, auf 1000 Stück pro Jahr begrenzt sein.