Unabhängige Uhrmacher gewinnen in der Welt der Uhrmacherei zusehends an Bedeutung: Der besondere Reiz ihrer Kreationen liegt darin, dass freischaffenden Uhrmachern keine starren Vorgaben eines Mutterkonzerns auferlegt sind und sie Design, Zeitaufwand sowie die Handwerkskunst, die in ihre Stücke einfließen, größtenteils selbst bestimmen können. Einer der Uhrmacher, bei dem dieses Konzept von Hingabe zum Detail und Handarbeit besonders deutlich wird, ist François-Paul Journe, der heute zu den prägenden Persönlichkeiten der modernen Uhrmacherbranche zählt und zu den meistprämierten Uhrmachern beim renommierten Grand Prix d’Horlogerie de Genève gehört, der häufig als „Uhrenoscar“ bezeichnet wird. Seine Zeitmesser entstehen in einer umgebauten ehemaligen Gaslampen-Fabrik in der Genfer Rue de l’Arquebuse, wo er, umgeben von einer ausgewählten Gruppe handwerklicher Spezialisten, innovative Mechanik konzipiert und gestaltet. Eine weitere Besonderheit dieser seltenen Stücke liegt in der Art und Weise, wie sie gefertigt werden: Jedes Kaliber wird vom Anfang bis zum Abschluss vom selben Uhrmacher betreut.

In diesem Artikel beleuchten wir die teuersten F. P.Journe Uhren, die jemals auf Auktionen verkauft wurden, und gehen im Detail auf ihre Entstehungsgeschichten sowie auf die Gründe ein, die zu ihren teils außergewöhnlich hohen Preisen geführt haben. Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie „Teuerste Armbanduhren aller Zeiten“, in der wir uns bereits mit Armbanduhren von Marken wie Richard Mille, Patek Philippe und Rolex befasst haben.

Tourbillon Souverain „Régence Circulaire“, 670-TN: 1.817.738 EUR

François-Paul Journe gründete seine gleichnamige Marke im Jahr 1999 unter dem Leitspruch „Invenit et Fecit“ – lateinisch für „erfunden und gefertigt“ – und stellte mit dem Tourbillon Souverain Remontoire d’Égalité, kurz „T“, sein erstes Modell vor. 2003 führte er diese Kreation mit dem „TN“ (Tourbillon Nouveau) konsequent weiter, offiziell bezeichnet als Tourbillon Souverain Remontoire d’Égalité avec Seconde Morte. Die seconde morte, auch als „tote Sekunde“ bekannt, ist eine Komplikation, bei der der Sekundenzeiger scheinbar innehält und exakt einmal pro Sekunde weiterspringt, während die Hemmung im Hintergrund kontinuierlich und gleichmäßig arbeitet. Ausgestattet mit einem Uhrwerk aus 18-karätigem Roségold und wahlweise in Platin oder Roségold eingeschalt, wurde der 40 Millimeter große Tourbillon Souverain bis 2018 gefertigt.

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Zu den visuell außergewöhnlich seltenen Ausführungen der Tourbillon Souverain Remontoire d’Égalité avec Seconde Morte zählt die Nummer 15 unserer Liste der teuersten F. P.Journe-Uhren, die je auf einer Auktion versteigert wurden – die Tourbillon Souverain „Régence Circulaire“. Das als Boutique Edition mit Roségoldgehäuse und passendem Roségoldzifferblatt lancierte Modell verfügt über ein aufwendig von Hand graviertes Zifferblatt, dessen geometrische Ornamente von der französischen Régence-Epoche des frühen 18. Jahrhunderts inspiriert sind. Für die Fertigstellung eines einzigen Zifferblatts benötigte ein Genfer Kunsthandwerker volle zwei Arbeitstage.

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Als das erste seiner Art mit Roségoldgehäuse und Roségoldzifferblatt, das jemals in einem internationalen Auktionssaal angeboten wurde, erzielte das Exemplar bei der Phillips Watches: Decade One (2015–2025) Auktion im Jahr 2025 einen Gesamtpreis inklusive Aufgeld von 1.817.738 Euro und überbot den oberen Schätzwert von 644.017 Euro damit um 182,30 Prozent.

14. Grande et Petite Sonnerie Minute Repeater: 1.969.939 Euro

Die Grande- und Petite-Sonnerie-Minutenrepetition Souveraine von F. P.Journe im Edelstahlgehäuse ist ein Zeitmesser, zu dessen Realisierung nur sehr wenige Uhrmacher weltweit überhaupt in der Lage sind. Tatsächlich erwies sich diese Komplikation als derart anspruchsvoll, dass erst 1992 erstmals eine Grande- und Petite-Sonnerie-Armbanduhr erfolgreich realisiert wurde – geschaffen von Philippe Dufour. Bei F.P.Journe wurden die ersten Exemplare unter dem Namen F.P.Journe Grande- und Petite-Sonnerie-Minutenrepetition Souveraine zwischen 2006 und 2018 gefertigt, fast ausnahmslos in Edelstahl; lediglich ein oder zwei Stücke wurden in Roségold mit speziellen Zifferblättern ausgeführt. Pro Jahr verließen lediglich vier Exemplare dieses Modells die Manufaktur; insgesamt wurden weniger als 60 Uhren hergestellt.

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Das handaufgezogene Goldkaliber 1505 der Sonnerie Souveraine war zugleich das erste Uhrwerk von F. P. Journe, das vollständig in den eigenen Genfer Werkstätten gefertigt wurde. Ein einzelner Uhrmacher benötigt mehr als drei Monate, um die 582 Einzelteile zu montieren. Sowohl Gehäuse als auch Zifferblatt entstehen ebenfalls vollständig in der eigenen Produktion. Die Minutenrepetition wird über den Drücker bei zwei Uhr ausgelöst; die Wahl zwischen Grande Sonnerie, Petite Sonnerie oder Stummmodus erfolgt über den Drücker bei vier Uhr in Verbindung mit dem entsprechenden Anzeigesektor auf dem Zifferblatt.

Die Uhr wurde bei der Christies Important Watches: Featuring „The Chronicle“ and „The Generations“ Collections Auktion im Jahr 2025 für einen Gesamtpreis inklusive Aufgeld von umgerechnet 1.969.939 Euro versteigert und konnte ihren oberen Schätzwert von 875.179 Euro damit um 125,1 Prozent überbieten.

13. Centigraphe Souverain, Nr. 1/3-CT, Jean Todt: 1.985.267 Euro

Der zwischen 2008 und 2018 produzierte Centigraphe Souverain entstand aus der Begegnung zwischen François-Paul Journe und dem Sammler Jean Todt im Umfeld der ICM-Stiftung. Ziel war es, den idealen Chronographen für den Motorsport zu schaffen, und das Ergebnis war ein handaufgezogenes Werk, das zum Zeitpunkt seiner Lancierung das erste seiner Art war, das von einer Hundertstelsekunde bis zu zehn Minuten messen kann. Auf dem Zifferblatt wurden diese Kapazitäten folgendermaßen umgesetzt: Der Zeiger des Hilfszifferblatts bei zwei Uhr vollzieht eine Umdrehung in 20 Sekunden, der Zeiger des Registers bei sechs Uhr benötigt zehn Minuten für eine volle Rotation. Der Zeiger des Zifferblatts bei zehn Uhr hingegen umrundet seine Skala in nur einer Sekunde, die in Hundertstel unterteilt ist. Das Federhaus des Uhrwerks ist mit einem Konstantkraftmechanismus ausgestattet, der sicherstellt, dass die Antriebskraft während des Aufziehens nicht abnimmt. Ohne Nutzung der Chronographenfunktion bietet die Uhr eine Gangreserve von mindestens 100 Stunden, bei kontinuierlichem Betrieb des Chronographen stehen 24 Stunden zur Verfügung.

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Bei der Nummer 13 unserer Liste der teuersten F.P.Journe Uhren, die jemals auf einer Auktion verkauft wurden, handelt es sich um den ersten Zeitmesser einer Kleinserie von drei Uhren, von denen der erste für Jean Todt, der zweite für Michael Schumacher und der dritte für F.P.Journe selbst gefertigt wurde. Die hier beschriebene Uhr kennzeichnet sich durch ihr ferrarirotes Zifferblatt, das mit einem Ferrari-Emblem bei zwölf Uhr sowie den Initialien „JT“ versehen ist.

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Die Uhr erzielte bei der Christies Legendary And Unique Watches Auktion im Jahr 2022 einen Gesamtpreis inklusive Aufgeld von 1.985.267 Euro und schlug den oberen Schätzwert von 1.407.991 Euro um 41 Prozent.

12. Chronomètre Furtif Bleu „Only Watch 2024“: 2.048.233 Euro

Normalerweise ist es das Letzte, was sich ein Uhrenträger wünscht, dass ein Betrachter nicht in der Lage ist, das Stück faszinierender Handwerkskunst an seinem Handgelenk zu erkennen. Mit dem Chronomètre Furtif gelingt F.P.Journe jedoch genau das. Der vollständig aus Tantal gefertigte Zeitmesser – Gehäuse wie Armband entstehen in den eigenen Werkstätten von Les Boîtiers de Genève – verdankt seinen Namen der bewussten Zurückhaltung seiner Anzeigen. Das tiefblaue, gebrannte Emaillezifferblatt wirkt aus vielen Blickwinkeln nahezu homogen, da Ziffern und Skalen Ton in Ton ausgeführt sind und erst im richtigen Lichteinfall erscheinen – einzig der orangefarbene Sekundenzeiger setzt einen gezielten Akzent. Gangreserve sowie Mondphasenanzeige sind ausschließlich beim Blick durch das Saphirglas der Gehäuserückseite erkennbar und Bestandteil des seinerzeit neuen Handaufzugskalibers 1522, das erstmals in der Geschichte von F.P.Journe einen zentralen Sekundenanzeiger integrierte.

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Der Furtif ist damit eine Uhr, die sich dem flüchtigen Blick entzieht und bei der Only Watch Auktion im Jahr 2024 einen Gesamtpreis inklusive Aufgeld von 2.048.233 Euro erzielte – ein Ergebnis, das den oberen Schätzwert von 409.647 Euro um 400 Prozent übertraf.

11. Chronomètre à Résonance „Souscription“, Nr. 17/20: 2.441.930 Euro

Die Geschichte der Entwicklung der Chronomètre à Résonance, des zweiten Armbanduhrenmodells, das F.P.Journe jemals fertigte, ist ebenso interessant wie komplex. Nachdem Journe seinen ersten Zugang zur Uhrmacherei im uhrmacherischen Ausbildungsprogramm seines Cousins fand, trat er in die Pariser Restaurationswerkstatt seines Onkels Michel Journe ein, wo er historische Zeitmesser, darunter Breguet und Janvier, studierte, die unter anderem für die Weiterentwicklung des sogenannten Resonanzprinzips in der Uhrmacherei verantwortlich waren, welches das spätere Schaffen Journes im Besonderen bestimmen sollte. Bei dem natürlichen physikalischen Phänomen, das erstmals 1665 von Christiaan Huygens beschrieben worden sein soll, handelte es sich um die Beobachtung, dass zwei Pendeluhren, die gemeinsam an demselben Balken aufgehängt werden, allmählich in perfekter Synchronisation zu schwingen beginnen. Auf Grundlage des Resonanzprinzips stellten später insbesondere der französische Hofuhrmacher des 18. Jahrhunderts Antide Janvier sowie Abraham-Louis Breguet weitere Forschungen an, die einerseits in Janviers Doppelpendeluhren und andererseits in Breguets Resonanz-Taschenuhrwerk – einem Taschenuhrwerk mit zwei Unruhen und zwei getrennten Räderwerken auf einer gemeinsamen Platine – mündeten, die als maßgebliche Inspirationsquelle von Journes Chronomètre à Résonance zu nennen sind.

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Im Jahr 1983 stellte Journe schließlich nach fünfjähriger Arbeit seine erste Uhr vor – eine Tourbillon-Taschenuhr mit Chronometerhemmung –, auf die bereits ein Jahr später seine erste Resonanz-Taschenuhr folgte. Mit der ersten Resonanz-Taschenuhr gelang es Journe, das Prinzip der Doppelpendeluhren des Uhrmachers Antide Janvier auf das Format eines Taschenuhrwerks zu miniaturisieren. Der Mechanismus besteht aus zwei unabhängigen Unruhen, die abwechselnd als „Erreger“ und „Resonator“ fungieren und sich dabei gegenseitig stabilisieren, wodurch Gangabweichungen ausgeglichen und eine höhere chronometrische Stabilität erzielt wird. Dieser Meilenstein bereitete den Nährboden für die 17 Jahre spätere Errungenschaft Journes, das Resonanzprinzip ein weiteres Mal zu verkleinern – diesmal mit der Chronomètre à Résonance in Form einer Armbanduhr. Bei der Chronomètre à Résonance handelte es sich zum Zeitpunkt ihrer Vorstellung um die erste Armbanduhr der Welt, für deren Werk das Prinzip der „Resonanz“ als Grundlage und Ausgangspunkt genommen und anschließend realisiert wurde.

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Die Chronomètre à Résonance wurde offiziell im Jahr 2000 vorgestellt, beginnend mit einer Serie von zwanzig sogenannten „Souscription“-Uhren, nummeriert von 1 bis 20 und mit der Kennzeichnung 00R für das Jahr 2000 graviert. Diese ersten zwanzig Exemplare erhielten ihre Bezeichnung daher, dass sie im Rahmen der sogenannten Souscription-Serie vorbestellt wurden – ein Konzept, bei dem die Käufer mittels einer im Voraus geleisteten Anzahlung François-Paul Journe die finanziellen Mittel zur Fertigung und Auslieferung der jeweiligen Uhr bereitstellten. Die zwanzig Chronomètre à Résonance-Uhren wurden zunächst jenen zwanzig Kunden angeboten, die bereits Journes inauguralen Tourbillon Souverain im Rahmen einer Souscription erworben hatten. Entgegen früherer Annahmen erfolgte die Auslieferung der Souscription-Exemplare des Chronomètre à Résonance jedoch nicht zwingend in numerischer Reihenfolge, wenngleich viele Sammler passende Paare aus Tourbillon und Résonance bestellten.

Bei Platz 11 unserer Liste der teuersten F.P.Journe Uhren, die jemals auf einer Auktion verkauft wurden, steht die Nr. 017/00R, deren Attraktivität zusätzlich dadurch gesteigert wird, dass ihre Authentizität im beiliegenden Echtheitszertifikat, persönlich von François-Paul Journe unterzeichnet, ausdrücklich als echte Souscription-Uhr bestätigt wird. Die Uhr erzielte bei Phillips New York Watch Auction: XIII im Jahr 2025 einen Gesamtpreis inkl. Aufgeld von 2.441.930 Euro und übertraf damit ihren oberen Schätzwert von 1.030.713 Euro um 136,9 Prozent.

10. Tourbillon Souverain à Remontoir d‘Egalité „Souscription“, Nr. 2/20: 2.779.549 Euro

Wie so oft markierte auch in der Laufbahn F. P. Journes ein Ende einen Neuanfang: Nachdem Journe von der Schule verwiesen worden war, meldeten ihn seine Eltern in einem uhrmacherischen Ausbildungsprogramm an, das von seinem Cousin geleitet wurde. Aufgrund seiner rasch erkennbaren Begabung setzte er seine Ausbildung in Paris fort und trat nach seinem Abschluss an der École d’Horlogerie de Paris in die Restaurationswerkstatt seines Onkels ein. Dort erhielt er die seltene Gelegenheit, einige der bedeutendsten Zeitmesser der Uhrengeschichte zu restaurieren. 1985 gründete Journe seine erste eigene Werkstatt in der Rue de Verneuil in Paris, wo er maßgefertigte Taschenuhren für Sammler fertigte und Uhrwerke für andere Marken entwickelte. Inspiriert von Tourbillon-Uhren – bereits seine erste Taschenuhr war mit einem Tourbillon ausgestattet – schuf er 1991 schließlich seine erste Armbanduhr: den „Prototyp“ der Tourbillon Souverain à Remontoir d’Égalité.

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Mit den verschiedenen Bestandteilen der Tourbillon Souverain à Remontoir d’Égalité zollte Journe historischen Uhrmachern Tribut, adaptierte ihren Charakter jedoch mit gezielten Weiterentwicklungen in eine modernere Form: Im Zentrum steht das 1801 von Abraham-Louis Breguet erfundene Tourbillon, dessen Käfiggestaltung bei der Souverain von Ernest Guinand inspiriert ist. Mit der Tourbillon Souverain kombinierte Journe erstmals das Tourbillon in einer Armbanduhr mit einem Remontoir-System – einer Konstantkraftvorrichtung, die John Harrison in seinem von 1737 bis 1739 gefertigten Marinezeitmesser H2 einsetzte und die unabhängig vom Aufzugszustand der Zugfeder stets die gleiche Energiemenge liefert. Das Ergebnis sind eine höhere Ganggenauigkeit und eine stabilere Amplitude.

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Mitte der 1990er-Jahre entschloss sich Journe, sich von Einzelanfertigungen zu lösen und eine eigene Marke unter seinem Namen zu gründen. Er verließ Paris und zog nach Genf, wo er bessere Voraussetzungen für eine Serienfertigung sah, und eröffnete sein erstes Atelier in der Rue des Maraîchers. Die größte Herausforderung stellte jedoch die Finanzierung des Markenstarts und der Entwicklung des ersten Modells dar. Auf Anraten eines Freundes griff Journe auf das von Abraham-Louis Breguet praktizierte Souscriptions-System zurück, bei dem Kunden eine Anzahlung von 50 Prozent auf eine noch nicht gefertigte Uhr leisten und im Gegenzug einen Preisnachlass erhalten. Dieses Souscriptions-Modell der Tourbillon Souverain à Remontoir d’Égalité ermöglichte es Journe, Werkstätten, Werkzeuge und Komponenten zu finanzieren – und führt zur Nummer 10 unserer Liste der teuersten F.P.Journe Uhren, die jemals auf einer Auktion verkauft wurden. Dabei handelt es sich um die Nummer 2 einer Serie von insgesamt 20 Souscription-Uhren, deren Werke aus rhodiniertem Messing bestehen.

Die Uhr erzielte bei Christies The Art of F. P. Journe Auktion im Jahr 2023 einen Gesamtpreis. Inkl. Aufgeld von 2.779.549 Euro und verfehlte damit den oberen Schätzwert von 2.875.042 um 3,3 Prozent.

9. Grande et Petite Sonnerie Minute Repeater, Jean Todt: 3.071.431 Euro

Die Nummer 9 unserer Liste der teuersten, jemals auf einer Auktion verkauften F.P.Journe Uhren ist das Ergebnis einer tiefgreifenden Individualisierung durch den ehemaligen Besitzer und Formel-1-Teamchef Jean Todt. Hierbei handelt es sich um ein Unikat der zwischen 2006 und 2018 gefertigten Grande- und Petite-Sonnerie-Minutenrepetition Souveraine, bei der – außer ein oder zwei Modellen in Roségold mit speziellen Zifferblättern – nahezu alle Exemplare in Edelstahl ausgeführt wurden. Die Personalisierung der hier beschriebenen Uhr reicht vom Zifferblatt über das Gehäuse und den Gehäuseboden bis hin zum Uhrwerk, was diese Grande- und Petite-Sonnerie-Minutenrepetition Souveraine zu einem Unikat innerhalb der Sonnerie-Souveraine-Kollektion macht.

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Allen voran steht das innerhalb der Kollektion einzigartige spiegelpolierte Zifferblatt in Petrolblau, das zudem mit dem Logo des siebten Formel-1-Konstrukteursweltmeistertitels der FIA versehen ist. Der Gehäuseboden trägt neben dem Namen des ursprünglichen Besitzers unter anderem auch die lateinische Inschrift „ARS LONGA, VITA BREVIS“, entnommen den einleitenden Zeilen der Aphorismi des antiken griechischen Arztes Hippokrates und sinngemäß zu verstehen als „die Kunst ist lang, das Leben kurz“. Im Inneren der Uhr befindet sich das handaufgezogene Goldkaliber 1505 der Sonnerie Souveraine, das ebenfalls mit dem Namen des Erstbesitzers graviert wurde und zugleich das erste Uhrwerk von F.P.Journe war, das vollständig in den eigenen Genfer Ateliers gefertigt wurde. Das Uhrwerk kombiniert eine Grande- und Petite-Sonnerie mit einer Minutenrepetition, wodurch sowohl ein automatisches akustisches Schlagen der Stunden und Viertelstunden – je nach Betriebsmodus – als auch eine Minutenrepetition auf Abruf ermöglicht wird.

Die Uhr erzielte bei Christies Legendary And Unique Watches Auktion im Jahr 2022 einen Gesamtpreis inkl. Aufgeld von 3.071.431 Euro und lag 30,6 Prozent unter dem oberen Schätzwert von 4.425.114 Euro.

8. Tourbillon Souverain à Remontoir d’Egalité „Souscription“, Nr. 24: 3.121.290 Euro

Die frühen Tourbillon Souverain à Remontoir d’Egalité-Modelle mit Messingwerk, zu denen auch die Nummer 8 unserer Liste der teuersten, jemals auf einer Auktion verkauften F.P.Journe Uhren zählt, lassen sich in vier klar voneinander abgrenzbare Serien einteilen. An vorderster Stelle steht die erste Serie, die die sogenannten Souscription-Modelle von 1999 umfasst. Zunächst entstanden zwanzig nummerierte Exemplare in Platin, die direkt von François-Paul Journe selbst verkauft wurden. Ergänzt wurde diese Gruppe im selben Jahr durch eine zweite Souscription-Phase mit lediglich zwei Einzelstücken: einem Unikat in Roségold sowie einem Unikat in Platin – der hier beschriebenen Uhr. Beide waren mit dem Schriftzug Remontoir d’Égalité auf dem Zifferblatt versehen, und auch diese Uhren wurden direkt von François-Paul Journe persönlich veräußert.

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Darauf folgte die ebenfalls im Jahr 1999 produzierte zweite Serie, die schätzungsweise 17 Exemplare in Platin umfasste. Diese zweite Serie kennzeichnet sich durch die Charakteristika einer gerundeten Remontoir-Brücke sowie der zusätzlichen Beschriftung Remontoir d’Égalité auf dem Zifferblatt. Diese Uhren wurden erstmals über autorisierte Händler verkauft. Die dritte Serie, die zwischen 1999 und 2001 produziert wurde und auf rund 60 Exemplare geschätzt wird, erschien sowohl in Platin als auch in Roségold und ist an der flachen Remontoir-Brücke sowie an den größer ausgeführten Ziffern der Gangreserveanzeige zu erkennen. Der Vertrieb dieser dritten Serie erfolgte ebenfalls über autorisierte Konzessionäre. Die vierte Serie, die von 2001 bis circa 2003 gefertigt wurde, stellt mit schätzungsweise rund 320 Exemplaren zahlenmäßig die umfangreichste Gruppe dar. Auch sie wurde sowohl in Platin als auch in Roségold angeboten und unterscheidet sich von den vorausgegangenen Serien durch die kleineren Schrauben auf dem Zifferblatt. Wie bei den vorherigen Serien erfolgte der Verkauf ausschließlich über autorisierte Händler.

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Die Nummer 8 unserer Liste verfügt gleich über mehrere Besonderheiten, die den hohen Verkaufspreis erklären lassen: Die Tourbillon Souverain à Remontoir d’Egalité mit der Nummer 24 auf dem Gehäuse ist nicht nur ein Unikat mit einem 38 mm Platingehäuse, sie ist zudem die letzte Uhr, die direkt von François-Paul Journe persönlich veräußert wurde. Darüber hinaus zeigt die Uhr einige besondere Merkmale ästhetischer Natur. Die Inschriften auf dem Gehäuseboden wurden von Hand graviert und fallen deutlich flacher aus als die später bei nachfolgenden Exemplaren mittels Laser aufgebrachten, tieferen Gravuren. Das Zifferblatt aus Gelbgold ist vergleichbar mit jenen der von Hand finissierten Ausführungen des Tourbillon Souverain à Remontoir d’Égalité – etwa den Exemplaren Nummer 13 und Nummer 15 –, und nicht zuletzt sind die Anzeigen der kleinen Sekunde um den Tourbillonkäfig größer ausgeführt und von Hand finissiert.

Die Uhr wurde bei Antiquorum im Jahr 2024 versteigert und erzielte einen Gesamtpreis inklusive Aufgeld von 3.121.290 Euro und schlug den oberen Schätzwert von 1.917.516 Euro damit um 62,8 Prozent.

7. Chronomètre à Résonance “Sincere Fine Watches, Black Mother-of-Pearl”, 033-05RN: 3.169.441 Euro

Die Bedeutung der Nummer 7 unserer Liste der teuersten, jemals auf einer Auktion verkauften F.P.Journe Zeitmesser liegt in ihrer Rolle als Teil einer limitierten Serie für die Feierlichkeiten des 50. Jubiläums des singapurischen Fachhändlers Sincere Fine Watches, die zehn Exemplare des Chronomètre à Résonance aus 18-karätigem Roségold (RN), fünf Tourbillon Souverain (TN), zehn Calendrier (Q) sowie fünf Octa Divine (D) umfasste. Bei der Erzielung des enormen Gesamtpreises inklusive Aufgeld von 3.169.441 Euro spielte vor allem ein Faktor eine entscheidende Rolle: Das 40 mm große Roségoldgehäuse liefert hier den Rahmen für ein Zifferblatt aus schwarzem Perlmutt. Dieses Zifferblatt wirkt zunächst schwarz, offenbart jedoch beim Neigen der Uhr in Richtung einer Lichtquelle die Struktur des schwarzen Perlmutts, die ihre farbige Maserung sichtbar werden lässt.

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Besonders wird der um das Jahr 2006 produzierte Chronomètre à Résonance „Sincere Fine Watches, Black Mother-of-Pearl“ darüber hinaus durch den Umstand, dass die Kombination aus einem roségoldenen Gehäuse mit einem schwarzen Zifferblatt erst vier Jahre später in die Produktion eines regulären Journe-Modells überging.

Ihren oberen Schätzwert von 515.356 Euro konnte die Uhr bei Phillips New York Watch Auction: XIII im Jahr 2025 mit einem Gesamtpreis inkl. Aufgeld von 3.169.441 Euro um ganze 515 Prozent schlagen.

6. Tourbillon Souverain à Remontoir d’Egalité „Souscription“, Nr. 1/20: 3.353.866 Euro

Bei der Nummer 6 unserer Liste der teuersten F.P.Journe Armbanduhren, die je auf einer Auktion verkauft wurden, handelt es sich um das erste bestellte Exemplar der Tourbillon Souverain à Remontoir d’Egalité Souscription-Serie mit der Nummerierung 01/20 auf dem Zifferblatt und zugleich um die erste in Serie gefertigte Armbanduhr von F. P. Journe – auch wenn die Serie mit 20 Stück zugegebenermaßen sehr klein war. Tatsächlich wurden sowohl Souscription Nr. 1 als auch Nr. 2 der Tourbillon Souverain à Remontoir d’Egalité Souscription-Serie vom selben Käufer erworben.

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Die Uhr erzielte bei Phillips Geneva Watch Auction: XIV im Jahr 2021 einen Gesamtpreis inklusive Aufgeld von 3.353.866 Euro und schlug den oberen Schätzwert von 568.612 Euro damit um ganze 489,8 Prozent.

5. Chronomètre à Résonance „Souscription“, Nr. 2/20: 3.571.075 Euro

Die frühen Exemplare der Chronomètre à Résonance lassen sich in drei Gruppen einteilen: erstens die Pre-Production-Uhren mit dem Suffix 99R und Nummern 021–03X, zweitens die Pre-Souscription-Uhren mit dem Suffix 00R und Nummerierungen 03X–05X, sowie drittens die Souscription-Uhren, die zwar ebenfalls das Suffix 00R tragen, deren Nummerierungen sich jedoch im Bereich von 1 bis 20 bewegen. Bei der Nummer 5 unserer Liste der teuersten F.P.Journe Uhren, die jemals auf einer Auktion versteigert wurden, handelt es sich um eines dieser Souscription-Exemplare.

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Die Chronomètre à Résonance Souscription-Uhren wurden ursprünglich jenen zwanzig Kunden angeboten, die zuvor Journes erstes Armbanduhrenmodell, die Tourbillon Souverain, erworben und damit den Aufbau der Marke finanziert hatten. Diese besondere Stellung spiegelt sich nicht nur in der Nummerierung auf dem Gehäuseboden wider, sondern auch im Suffix /00R, das auf das Produktionsjahr 2000 verweist. Bei der Nummer 5 unserer Liste handelt es sich um die zweite Chronomètre à Résonance „Souscription“ (Nr. 002/00R) und zugleich erst um das zweite Résonance-Souscription-Exemplar, das jemals auf dem Auktionsmarkt erschienen ist.

Aufgrund dieser außergewöhnlichen Umstände erzielte der Zeitmesser bei Phillips Watches: Decade One (2015–2025) Auktion im Jahr 2025 einen Gesamtpreis inklusive Aufgeld von 3.571.075 Euro und übertraf den ursprünglichen oberen Schätzwert von 966.026 um 269,7 Prozent.

4. Chronomètre à Résonance „Souscription“, Nr. 1/20: 3.697.876 Euro

Dem Resonanzprinzip folgend, zeichnet sich die F.P.Journe Chronomètre à Résonance durch ihre charakteristischen zwei Unruhen aus, die sich auf natürliche Weise synchronisieren oder in „Resonanz“ zueinander schwingen, wodurch die negativen Einflüsse auf die Ganggenauigkeit von Arm- und Körperbewegungen reduziert werden sollen. Diese doppelte Konstruktion setzt sich auch auf dem Zifferblatt fort: Auf dem versilberten Zifferblatt befinden sich zwei separate, silbern guillochierte Anzeigen für Stunden und Minuten, deren Anordnung die Darstellung zweier unterschiedlicher Zeitzonen ermöglicht. Ergänzt werden sie darunter von zwei kleinen Sekundenanzeigen. Unterhalb dieser beiden Sekundenregister ist in klassischer F.-P.-Journe-Manier der Schriftzug „Invenit et Fecit“ eingraviert – lateinisch für „erfunden und gefertigt“ –, eine bewusste Anlehnung an die Signaturtraditionen vergangener Jahrhunderte.

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Bei zwölf Uhr befindet sich eine Gangreserveanzeige von 40 Stunden, deren Ziffern in einer feineren Typografie ausgeführt sind als bei späteren Modellen. Bemerkenswert wird die Nummer 4 unserer Liste der teuersten F.P.Journe Uhren, die jemals auf einer Auktion versteigert wurden, durch ihre Nummerierung und Gehäuseausführung: Zum einen handelt es sich mit der Kennzeichnung „001/00R“ um die erste der insgesamt zwanzig „Souscriptions“-Chronomètre-à-Résonance-Uhren, und zum anderen verfügen von den insgesamt zwanzig gefertigten „Souscriptions“-Chronomètre-à-Résonance-Uhren lediglich fünf über ein zweifarbiges Gehäuse aus Platin und Roségold, so wie das hier beschriebene Exemplar. Darüber hinaus zählt die Uhr zu den lediglich drei zweifarbigen Résonance-Modellen, denen ein versilbertes Zifferblatt verliehen wurde.

Aufgrund dieser Tatsachen erzielte die Chronomètre à Résonance bei Phillips Geneva Watch Auction: XIV im Jahr 2021 einen Gesamtpreis inklusive Aufgeld von 3.697.876 Euro und schlug den ursprünglichen oberen Schätzwert von 379.075 Euro um beachtliche 875,5 Prozent.

3. FFC Blue Only “Watch 2021“: 4.293.443 Euro

Die anlässlich der Wohltätigkeitsauktion Only Watch 2021 präsentierte F.P.Journe FFC Blue folgte einem bewährten Prinzip der Marke: Wie bereits bei der Tourbillon Souverain Bleu (2015), dem Split-Seconds Chronograph Bleu (2017), der Astronomic Blue (2019) sowie dem Chronomètre Furtif Blue (2024) handelte es sich um ein Unikat mit Tantalgehäuse und blauen Akzenten. Das Konzept der FFC geht auf das Jahr 2012 zurück, als der Regisseur Francis Ford Coppola François-Paul Journe die Idee einer Uhr unterbreitete, die die Zeit mithilfe einer menschlichen Hand anzeigt – ein Mechanismus, der bis dahin in keiner Armbanduhr realisiert worden war. Nach sieben Jahren Entwicklungsarbeit entstand ein Zeitmesser, in dessen Zentrum eine Hand steht, deren fünf einzeln ausfahrbare Finger die Stunden von eins bis zwölf visualisieren. Als Inspirationsquelle für die Hand schöpfte Journe aus der Gestaltung einer prothetischen Hand mit dem Namen Le Petit Lorrain, die im Jahr 1551 von Ambroise Paré (1509–1590) – einem französischen Wundarzt, der allgemeinhin als wegweisend für die moderne Chirurgie und Prosthetik gilt – entwickelt wurde. Die FFC Blue unterscheidet sich von den Produktionsstücken insbesondere durch die blaue Ausführung der zentralen Hand, die dort anthrazitfarben gehalten ist.

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Bei der Only Watch Auktion 2021 erzielte die FFC Blue einen Gesamtpreis inklusive Aufgeld von 4.293.443 Euro und wurde damit zur drittteuersten jemals auf einer Auktion verkauften F.P.Journe Uhr. Ausschlaggebend dafür waren mehrere Faktoren: Zum einen handelt es sich – wie bei früheren Only-Watch-Unikaten – um einen echten Prototypen, dessen Rotor sichtbare Gebrauchsspuren eines Entwicklungsmodells trägt. Zum anderen fertigte François-Paul Journe lediglich drei FFC-Exemplare selbst an: eines für sich selbst, eines für Francis Ford Coppola – heute die teuerste je versteigerte F.P.Journe Uhr – sowie den hier beschriebenen FFC-Blue-Prototypen für Only Watch 2021. Innerhalb der FFC-Uhren zählt die FFC Blue damit zu den wenigen Exemplaren, die vollständig von Journes eigener Hand montiert wurden.

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Ausgehend von einem oberen Schätzwert von 381.639 Euro übertraf der Gesamtpreis inklusive Aufgeld von 4.293.443 Euro die ursprüngliche Bewertung um 1.025 Prozent.

2. Tourbillon Souverain à Remontoire d’Egalité, Nr. 15/93: 7.805.082 Euro

Kaum eine Uhr ist so eng mit François-Paul Journe gleich aus mehreren Gesichtspunkten verbunden wie die Nummer 2 unserer Liste der teuersten F.P.Journe Uhren, die je auf einer Auktion versteigert wurden: Es handelt sich bei der F.P.Journe Tourbillon à Remontoir d’Egalité „15/93“ nämlich einerseits um die zweite Armbanduhr, die Journe jemals anfertigte, und die erste Uhr, die er jemals verkaufte. Andererseits gilt die F.P.Journe Tourbillon à Remontoir d’Egalité „15/93“ als eines von drei frühen Entwicklungsmodellen einer Reihe von 20 limitierten Exemplaren der späteren Tourbillon à Remontoire d’Egalité-Souscription-Serie, die im Jahr 1999 zu ihrer kommerziellen Vollendung gebracht wurde und den Grundstein für Journes Karriere als unabhängige Uhrenmarke legte. Der erste „Prototyp“ Remontoir d’Egalité „11/91“ wurde von Journe selbst getragen und befindet sich bis heute in seiner privaten Sammlung. 1993 fertigte er zwei weitere identische Exemplare: die hier beschriebene Uhr „15/93“ sowie ein weiteres Stück mit der Gravur „16/93“. Die „15“ steht hierbei dafür, dass es sich um den fünfzehnten von Journe gefertigten Zeitmesser handelt – Taschenuhren und Armbanduhren zusammengefasst –, während „93“ für das Fertigungsjahr, also 1993, steht.

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Doch bevor er zu einem der einflussreichsten und vielfach ausgezeichneten Uhrmacher seiner Epoche wurde, gingen einige Lehrjahre voraus, die sich auch in der Tourbillon à Remontoir d’Egalité „15/93“ widerspiegeln: Nachdem Journe im Jahr 1976 seinen Abschluss an der École d’Horlogerie de Paris absolvierte, entwarf er bereits 1979 den Mechanismus eines Planetariums für Asprey in London, im Auftrag der Ateliers P.-G. Brun in Paris. Zwei Meilensteine folgten im Jahr 1983, als er nach fünfjähriger Arbeit seinen ersten Zeitmesser, eine Tourbillon-Taschenuhr mit Chronometerhemmung, fertigstellte; im selben Jahr begann er mit der Forschung am Remontoir-Prinzip, was in der Herstellung einer Tourbillon-Taschenuhr mit Remontoir als Hommage an die großen Uhrmacher des 18. Jahrhunderts mündete. Seine erste Armbanduhr, der „Prototyp“ Remontoir d’Egalité „11/91“, folgte schließlich 1991, mit einem Zeitmesser, der ein Tourbillon erstmals mit einem integrierten Remontoir-System sowie einem vollständig aus 18-karätigem Gold gefertigten Werk und Räderwerk in einem Zeitmesser miteinander kombinierte. Mit dieser erstmaligen Kombination aus Tourbillon und Remontoir-System wollte Journe Abraham-Louis Breguets Erfindung weiterentwickeln: Beim Remontoir-System handelt es sich um eine Konstantkraftvorrichtung, die unabhängig vom Aufzugszustand der Zugfeder stets dieselbe Energiemenge liefert und so die Ganggenauigkeit verbessert.

Credit © Phillips

Im Jahr 1993 fertigte Journe dann mit der Tourbillon à Remontoire d’Egalité „15/93“ die nunmehr zweitteuerste, jemals auf einer Auktion verkaufte F.P.Journe Uhr an. Diese Uhr beschreibt der Uhrmacher selbst mit den Worten: „Diese erste Tourbillon-Armbanduhr zollt fünf Uhrmachern Tribut: Abraham-Louis Breguet als Erfinder des Tourbillons, Ernest Guinand für die Form des Tourbillonkäfigs, Jost Bürgi für das Remontoir-System, Ferdinand Berthoud für die Gesamtästhetik – und mir selbst, da sie Jahrzehnte an Erfahrung und Lernprozess widerspiegelt.“ Viele der hier gezeigten Merkmale sollten später identitätsstiftend für die späteren Zeitmesser von Journe werden. Dazu zählt vor allem das goldene „Zifferblatt“, das streng genommen keines ist, sondern die Grundplatine des Uhrwerks selbst darstellt. Da sowohl Grundplatine als auch Brücken aus massivem Gold gefertigt sind, entspricht das sichtbare Zifferblatt aus Gelbgold der Unterseite dieser Grundplatine. Bei den später serienmäßig produzierten Modellen des Tourbillon Remontoir d’Égalité wechselte François-Paul Journe zunächst zu Brücken aus Messing. Erst 2004 kehrte er zur vollständig aus Gold gefertigten Werkarchitektur zurück – ein Merkmal, das sich seither als eines der zentralen Kennzeichen der Marke etabliert hat. Auch das Gehäuse nimmt mit einem Durchmesser von 38 Millimetern bereits weitgehend die späteren Proportionen vorweg. Dennoch unterscheidet es sich in einigen Details von späteren Ausführungen des Modells, insbesondere durch eine deutlich ausgeprägte Stufe in der Lünette, breitere Bandanstöße sowie verschraubte Bandstege.

Die F.P.Journe Tourbillon à Remontoir d’Egalité „15/93“ befand sich über drei Jahrzehnte im Besitz des ursprünglichen Käufers und wurde schließlich im Jahr 2024 bei der Auktion Reloaded: The Rebirth of Mechanical Watchmaking, 1980–1999 des Auktionshauses Phillips für einen Gesamtpreis inklusive Aufgeld von 7.805.082 Euro verkauft.

1. FFC Prototype, “Francis Ford Coppola”: 9.237.761 Euro

Die Geschichte der teuersten F.P.Journe Uhr, die jemals auf einer Auktion verkauft wurde und bei der Phillips New York Watch Auction: XIII als Los 17 unter den Hammer kam, beginnt im Jahr 2009 mit Mrs. Eleanor Coppola. Sie schenkte ihrem Ehemann, dem Regisseur Francis Ford Coppola, eine Chronomètre à Résonance – jenes Modell, das ebenfalls bei der Phillips New York Watch Auction: XIII versteigert wurde und einen Verkaufspreis von 584.200 US-Dollar erzielte. Begeistert von der Uhr lud Coppola ihren Schöpfer François-Paul Journe 2012 zu einem Treffen auf sein Weingut Inglenook im Napa Valley ein. Dort stellte er Journe eine außergewöhnliche Frage: ob es jemals einen Uhrmacher gegeben habe, der die Stunden so anzeigen konnte, wie es die Alten taten – indem sie sie an ihren Fingern abzählten. 2014 begann Journe mit der Konzeption eines Zeitmessers, der diese Form der Zeitanzeige ermöglichen sollte, stieß jedoch auf zwei zentrale Herausforderungen: Zum einen musste die architektonische Umsetzung des Zeiger- und Handmechanismus gelöst werden, zum anderen galt es, diesen Mechanismus dauerhaft mit ausreichend Energie zu versorgen, ohne die sich allmählich entladende Kraft der Spiralfeder zu schnell zu erschöpfen.

Credit © Phillips

Nach sieben Jahren Entwicklungsarbeit entstand mit der FFC schließlich ein fertiger Zeitmesser, der beide Probleme überzeugend löste. Journe fertigte lediglich drei einzigartige Exemplare an: eines für sich selbst, eines für Francis Ford Coppola – das heute als teuerste je versteigerte F.P.Journe Uhr gilt – sowie einen dritten FFC-Blue-Prototypen für die Wohltätigkeitsauktion Only Watch 2021. Unter den FFC-Uhren sind dies die einzigen drei Exemplare, die vollständig von François-Paul Journes eigener Hand montiert wurden. Coppolas Exemplar zeichnet sich durch mehrere Besonderheiten aus: Die von Paré entworfene Hand ist hier aus Titan gefertigt und nicht anthrazitfarben, sondern schwarz ausgeführt; der rotierende Minutenring erscheint statt grau in Weiß. Hinzu kommen ein Rotor des Octa-Kalibers aus 18-karätigem Roségold – anstelle eines mit dem Namen gravierten Rotors der Serienmodelle – sowie Brücken aus Stahl.

Credit © Phillips

Diese Merkmale und der Umstand, dass bis auf den FFC-Blue-Prototyp zuvor kein FFC-Exemplar öffentlich versteigert worden war, führten bei Phillips New York Watch Auction: XIII im Jahr 2025 zu einem Gesamtpreis inklusive Aufgeld von 9.237.761 Euro.


fpjourne.com


In diesem Artikel werden die teuersten Armbanduhren von F.P.Journe vorgestellt.
Stand: Januar 2026


ModellErzielter Preis
15. Tourbillon Souverain „Régence Circulaire“, 670-TNEUR 1.817.738
14. Grande et Petite Sonnerie Minute RepeaterEUR 1.969.939
13. Centigraphe Souverain, No. 1/3-CT, Jean TodtEUR 1.985.267
12. Chronomètre Furtif Bleu „Only Watch 2024“EUR 2.048.233
11. Chronomètre à Résonance „Souscription“, No. 17/20EUR 2.441.930
10. Tourbillon Souverain à Remontoir d‘Egalité „Souscription“, No. 2/20EUR 2.779.549
09. Grande et Petite Sonnerie Minute Repeater, Jean TodtEUR 3.071.431
08. Tourbillon Souverain à Remontoir d’Egalité „Souscription“, No. 24EUR 3.121.290
07. Chronomètre à Résonance “Sincere Fine Watches, Black Mother-of-Pearl”, 033-05RNEUR 3.169.441
06. Tourbillon Souverain à Remontoir d’Egalité „Souscription“, No. 1/20EUR 3.353.866
05. Chronomètre à Résonance „Souscription“, No. 2/20EUR 3.571.075
04. Chronomètre à Résonance „Souscription“, No. 1/20EUR 3.697.876
03. FFC Blue „Only Watch 2021“EUR 4.293.443
02. Tourbillon Souverain à Remontoire d’Egalité, No. 15/93EUR 7.805.082
01. FFC Prototype, “Francis Ford Coppola”EUR 9.237.761

Die verwendeten Auktionsdaten stammen von everywatch.com.


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