Dress Watches 2025: Entdecken Sie die schönsten Anzuguhren aus 2025 – von A. Lange & Söhne über Patek Philippe bis Vacheron Constantin.

Die Geschichte der Dress Watch ist untrennbar mit der der Armbanduhr verbunden. Seit ihrem ersten Auftauchen zählt sie – mal mehr, mal weniger gefragt – zu den festen Kategorien der Uhrenwelt. Was ihren Reiz ausmacht und wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt hat, zeigen wir hier.
Bereits im 19. Jahrhundert gab es Uhren für das Handgelenk. Als erste eindeutig belegte Armbanduhr gilt ein Modell, das die Königin von Neapel, Caroline Murat, 1810 bei Abraham-Louis Breguet in Auftrag gab. Es findet sich in dessen Auftragsbuch als „Répétition de forme oblongue pour bracelet“ (längliche Uhr mit Repetierwerk für das Armband) und wurde am 21. Dezember 1812 ausgeliefert.
Eine weitere, allerdings nicht dokumentierte Geschichte einer frühen Armbanduhr betrifft Girard-Perregaux. Immer wieder wird erzählt, das Unternehmen habe 1880 2.000 an Armketten zu tragende Uhren an die Kaiserliche Marine geliefert.
Ungeachtet dieser frühen Beispiele steht außer Frage, dass Armbanduhren erst im 20. Jahrhundert ihren Siegeszug antraten – und damit auch die Dress Watch ein Produkt dieser Ära ist. Beide sind jedoch auch im 21. Jahrhundert aktuell und gefragt. Entdecken Sie hier die schönsten Vertreter der Dress Watch aus dem vergangenen Jahr.
Firmen wie Rolex, Record Watch, Breguet, Cartier, Ebel, Enicar, Glycine, Mido und Baume & Mercier legten in den ersten beiden Jahrzehnten die Grundsteine für die Erfolgsgeschichte der Armbanduhr.
Bereits 1908 bot Rolex beispielsweis in Großbritannien Armbanduhren aus Schweizer Produktion an. Allerdings galten zu der Zeit bei den Herren Taschenuhren noch als State of the Art, sodass sich die Armbanduhren-Hersteller zunächst mit eher modisch orientierten Varianten den Damen zuwandten.
Andere Männer erkannten hingegen frühzeitig die Vorteile der unkomplizierten Handhabung einer Uhr am Handgelenk – ob im Schützengraben, auf dem Rücken eines Pferdes, am Steuer eines Kraftfahrzeuges oder im Flugzeugcockpit. Und so verdankt die Armbanduhr ihre rasante Entwicklung und ihren Siegeszug im letzten Jahrhundert den Damen, Militärs und Luftfahrtpionieren.
Diese Uhren waren selbstredend mit einem mechanischen Handaufzugswerk ausgestattet. In puncto Stil fokussierten sich die Hersteller entsprechend ihrer Zielgruppen auf schmucke beziehungsweise modische Aspekte auf der einen und funktionale beziehungsweise robuste Attribute auf der anderen Seite.
An das minimalistische Design einer Dress Watch war aber noch eine ganze Weile nicht zu denken. Stattdessen frönten die Designer und Konstrukteure zunächst einmal ihrer Kreativität – vom Gehäuse über das Zifferblatt bis zum Armband –, um durch ein unkonventionelles Äußeres neue Käuferschichten zu erschließen.
Aber es gab auch Ausnahmen und frühe Vorläufer der kommenden Dress Watches wie die Calatrava Referenz 96 mit 30,5-Millimeter-Gehäuse von Patek Philippe aus dem Jahr 1932. Kenner bezeichnen sie auch als Ur-Dress Watch.
Ab Beginn der 1940er-Jahre beruhigte sich die gestalterische Aktivität. Vor allem die Männer wandten sich von den zuvor beliebten eckigen, „klobigen“ Modellen ab, und runden, flachen, unauffälligen – und damit weniger funktionalen – Armbanduhren zu. Diese boten zudem den Vorteil, dass sie besser abzudichten waren als Formwerke.
Die runde Form kristallisiert sich zu jener Zeit – bis heute gültig – als die natürliche Gestalt einer Uhr heraus. Viele Hersteller machten sich in der Folge auf, flachere Gehäuse und Werke zu entwickeln.
Beachtenswert ist das ultraflache Handaufzugskaliber 2003 von Audemars Piguet, dessen Entstehung in der Fachliteratur mit 1946 oder 1953 datiert wird; Audemars Piguet selbst nennt 1952 als Erscheinungsjahr. Mit einem Durchmesser von 20 Millimetern und einer Höhe von lediglich 1,64 Millimetern zählte es zu den flachsten Uhrwerken seiner Zeit. Unter anderem kam das Kaliber 2003 in den 1950er-Jahren in dem Modell 5043 zum Einsatz. Aufgrund seiner Ähnlichkeit mit einem UFO erhielt es auf dem italienischen Markt den Spitznamen „Discovolante“ („fliegende Untertasse“).
Während des Zweiten Weltkriegs wurde außerdem Edelmetall wieder als Gehäusematerial gewählt. Weltwirtschaftskrise, Inflation und Krieg hatten die Menschen gelehrt, dass Gold und Platin im Notfall eine sichere Währung.
In dieser Zeit beginnt die Geschichte der Dress Watch, und zwar zunächst an den Handgelenken von Männern. Bereits Anfang der 1950er-Jahre dominierten die eleganten, runden Uhren die Kollektionen der Hersteller.
Das Buch „Armbanduhren: 100 Jahre Entwicklungsgeschichte“ von Helmut Kahlert, Richard Mühe und Gisbert L. Brunner enthält ein Zitat aus dem Jahr 1956 von Samuel Guye, einem heute wenig bekannten Autor von Uhrenfachbüchern: „Die Mode bevorzugt sehr schlichte Linien der Gehäuse, flache und sehr flache Uhren mit großer Zifferblattöffnung und nicht überladene Zifferblätter mit möglichst klaren Indexen und Zeigern.“
Damit hatte er im Grunde die bis heute gültige Definition einer klassischen Dress Watch geliefert.
Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Einerseits ist es erstaunlich, dass es für den heute so gängigen Begriff der Dress Watch – das Pendant zum deutschen Ausdruck Anzuguhr – keine gesicherten Quellen gibt, wann dieser zum ersten Mal Verwendung fand. Es wird vermutet, dass beide Wörter ab den 1960er/70er Jahren in Uhrenkatalogen, einschlägiger Literatur und Fachzeitschriften auftauchten.
Andererseits herrscht Einigkeit darüber, dass Dress Watches ihren Ursprung in der eleganten Uhrenmode der 1950er-Jahre haben: schlichtes Design, polierte Edelmetallgehäuse, Dauphine-oder Nadelzeiger, Lederband und eine auf die Uhrzeit reduzierte Funktionalität.
Zeitmesser aus dieser Ära prägen bis heute unser Bild einer klassischen Anzuguhr, welche zu formeller Kleidung getragen wird. Ihr Kennzeichen: schlichte Eleganz.
Den Designern von damals gelang dabei trotz aller gestalterischen Zurückhaltung etwas ganz Besonderes: Mit viel Gespür für eine ausgewogene Ästhetik prägten sie eine Uhren-Kategorie für die Ewigkeit. Ging es in den 1950er-Jahren in erster Linie um Dress Watches für Männer – die Damenuhren waren durchaus schmucker –, sind Dress Watches heute echte Unisex-Zeitmesser.
Wirklich aus der Mode kam der elegante Look der Dress Watches nie. Und heute ist er angesagter denn je. Dabei weicht analog zur Mode der Unterschied zwischen Dress Watches für Männer und Dress Watches für Frauen zunehmend auf.
Das hängt sicher auch mit dem veränderten Rollenverständnis der jüngeren Generation zusammen. Laut einem aktuellen Report von Chrono24 und dem Magazin Fratello verlagert sich das Interesse der unter 30-Jährigen nach Jahren der Begeisterung für sportliche Multifunktionsuhren zunehmend hin zur dezenten Eleganz von Dress Watches.
Damit geht der Eindruck einher, dass sich in vielen aktuellen Kollektionen Uhren finden, die vom formellen Design der 1950er-Jahre inspiriert sind – sei es als Neuauflage oder Neuinterpretation historischer Modelle oder als neu gestaltete Retro-Modelle im Dress-Watch-Design.
Ähnlich wie bei der zunehmend an Relevanz verlierenden Bedeutung der Kategorien Männeruhr und Damenuhr hat auch die Schublade Dress Watch in den letzten Jahrzehnten eine Evolution durchlaufen. Anzumerken ist hier, dass die folgenden Kriterien nicht absolut sind, sondern die größtmögliche Schnittmenge der gängigen Beschreibungen abbilden.
Schauen wir uns zunächst die klassische Beschreibung einer Dress Watch an, welche sich eng an der Inspirationsquelle aus den 1950er-Jahren orientiert.
Die Definition ist so kurz wie das Design reduziert: flach, schlichtes Design, Lederband, passt unter die Hemdmanschette. Das Motto lautet: Auffallen ist erlaubt, aber nur, wenn man die Uhr bewusst anschaut.
Im Fokus bleiben Träger, Trägerin und die formelle Kleidung. Für die einzelnen Komponenten einer Dress Watch bedeutet das Folgendes:
Das Gehäuse sollte aus Edelmetall oder poliertem Stahl bestehen, maximal 38 Millimeter im Durchmesser und neun Millimeter in der Höhe messen. Die Lünette ist außerdem glatt, schmal und nicht strukturiert.
Als Antrieb einer eleganten Anzuguhr dient historisch bedingt selbstverständlich ein Mechanikwerk. Obwohl ein Handaufzugswerk noch immer eine flachere Bauweise als ein Automatikwerk erlaubt, schaffen es auch zunehmend automatische Antriebe, die strengen Vorgaben einer klassischen Dress Watch zu erfüllen. Möglich machen dies unter anderem eine periphere Schwungmasse oder ein Mikrorotor.
Stunde, Minute und maximal Sekunde bieten ausreichende Funktionalität für eine Dress Watch nach klassischer Definition. Denn diese ist lediglich stiller Begleiter und kein interaktives Accessoire seines Trägers. Drücker wie bei einem Chronographen würden zudem das sanfte Gleiten unter die Manschette erschweren. Ein Sichtboden ist traditionell ebenfalls nicht vorgesehen.
Das Zifferblatt ist aufgeräumt und ruhig gestaltet, applizierten Indizes wird der Vorzug gegenüber Ziffern gewährt. Farblich besteht die Auswahl zwischen zeitlosen und zurückhaltenden Tönen wie Weiß, Champagner und Silber als Hintergrund für den Lauf schlanker, polierter Zeiger in Dauphine- oder Baton-Form; der Sekundenzeiger hält sich dezent zurück.
Die Vielfalt moderner Dress Watches in der aktuellen Uhrenwelt verdeutlicht, dass es viele nicht mehr ganz so genau mit der überlieferten Definition nehmen. Auch hier gilt wie in fast allen Lebensbereichen: Erlaubt ist, was gefällt. Und das kann bei Dress Watches für Männer und Dress Watches für Damen auch etwas größer, dicker, sportlicher, farbiger, funkelnder und/oder funktionaler ausfallen. Das ruft natürlich die Bewahrer von Konventionen auf den Plan, welche die Bezeichnung Business Casual für angemessener halten.
Zeiten ändern sich, meint hingegen die aufgeschlossenere Uhrensammler-Gemeinde. Zumal sich die Designer der Gegenwart aufs Beste darauf verstehen, den Dress Watch-Gedanken – eine zuverlässige, elegante Uhr, welche den formellen Look stilvoll ergänzt und nicht dominiert – mit dem Wunsch nach Individualität von Trägerin und Träger zu verbinden.
Quellen:
Credit Titelbild @ Phillips (Calatrava Ref. 2526 von Patek Philippe von 1957)