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Sammlermarken von Morgen – Folge 1: Mechanische Schweizer Uhren von Montblanc und ein gut gehütetes Geheimnis namens Minerva
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Sammlermarken von Morgen – Folge 1: Mechanische Schweizer Uhren von Montblanc und ein gut gehütetes Geheimnis namens Minerva

Seien wir ehrlich. Hand aufs Herz: Wer von uns hat bei dieser Headline nicht sofort gedacht: Oh, wie toll, hier erfahre ich, welche Armbanduhren heute billig sind und morgen deutlich mehr wert sein werden? Erwischt? Zugegeben, ich erwische mich auch in den letzten Jahren immer wieder beim Small-Talk mit Sammlern: Hätte man doch diese oder jene Uhr gekauft, eine Patek 5711 mit blauem Zifferblatt zum Beispiel, eine Zenith Daytona oder schlicht sich blind drauf verlassen, dass das Internet so gut wie jeden halbwegs bekannten Klassiker einfach noch deutlich teurer machen würde.


Der digitale Vintage-Markt nimmt Fahrt auf

Gerade im letzten Jahr während des Lockdowns ist wohl auch dem letzten Uhrensammler klar geworden: Die Globalisierung des Vintage-Uhrenmarktes im Internet hat soeben gerade erst richtig an Fahrt aufgenommen. Inzwischen gehe ich jedenfalls davon aus, dass das eintreten wird, was mir einer der gefragtesten Uhrenspezialisten der Welt, Aurel Bacs, anlässlich der Versteigerung der berühmten Rolex Paul Newman durch ihn vor gut vier Jahren erzählte: „Wir kennen die Zahlen von Picassos, der manches Jahr hunderte Werke fertig stellte oder sehr teuren Autos, die ebenfalls oft in hohen Stückzahlen gebaut wurden, aber manche Uhren gibt es eben nur einmal.“

Er ging damals schon davon aus, dass wir beide noch zu Lebzeiten (und ich bin 47 Jahre alt) erleben würden, dass die erste Armbanduhr für über 100 Millionen Dollar versteigert werden würde. Halten Sie für undenkbar? Die Wette gilt. Wer hätte jedenfalls gedacht, dass eine nagelneue Stahl-Patek-Philippe Grand Master Chime keine zwei Jahre später bereits diesen Rekord von 17,7 Millionen Dollar um fast das doppelte übertreffen würde? Bei der Only Watch Auktion 2019 erzielte die einzige Edelstahlversion der kompliziertesten Armbanduhr von Patek Philippe, deren sieben Schwestern in Edelmetall anlässlich des 175. Geburtstages der Genfer Manufaktur vorgestellt worden waren, den Hammerpreis von 31 Millionen Schweizer Franken.

Wer bietet Seltenheit und eine authentische Geschichte?

Doch hier soll es nicht um Rekordpreise gehen, sondern um etwas, das in Anbetracht dieser Sensationen rekordverdächtig oft vernachlässigt wird: Seltenheit in Verbindung mit einzigartiger Geschichte und ebenso einzigartiger Hingabe haben mehr Marken zu bieten, als nur Rolex und Patek Philippe. Und warum sollten sie etwas lesen, was sie eh besser googeln könnten?

Nein, hier geht es nicht um Rekorde. Nennen sie mich spleenig, verrückt oder auch ein bisschen verliebt, aber hier soll es um eine Außensicht gehen auf Marken, die eben selten oder gar nicht in Auktionskatalogen auftauchen. Denn wahre Sammelleidenschaft hat für mich vor allem damit was zu tun, dass man sich jahrelang (bei Uhren teils jahrzehntelang) mit etwas beschäftigt, was einem so gut gefällt, dass es ganz egal ist, was andere denken. Ja, dass man eines Tages ganz überrascht feststellt, dass andere Menschen diese Begeisterung vielleicht teilen. Und wahre Sammelleidenschaft hat auch etwas damit zu tun, dass man, wenn der Wert der geliebten Uhren wirklich stark angestiegen ist, sich eigentlich trotzdem gar nicht von seiner Sammlung trennen möchte.


Vom König der Schreibgeräte zur Uhrenmanufaktur?

In der ersten Folge dieser Reihe geht es um eine Marke, die viele Sammler natürlich kennen, aber vor allem immer noch eher von seltenen Schreibgeräten. Die deutsche Firma Montblanc mit Hauptsitz in Hamburg kann man unbestritten bis heute als das Patek Philippe der Füllfederhalter bezeichnen.

Hinter einem Universum an Schreibgeräten hat sich die Marke aber parallel zudem global noch zu einer Art Deutschen Louis Vuitton gemausert, die Qualität der Lederwaren und des Reisegepäcks, die in einer eigenen Fertigungsstätte in Italien produziert werden, gilt als unbestritten unter Experten. Auch die Armbänder fertigt man in dieser eigenen Pelleteria. Aber Uhren?

Ein weiser Entschluss für eine Göttin der Weisheit

Es waren die besten Füllfederhalter jenes Hauses, das 1906 gegründet und später nach Europas höchstem Berg benannt wurde, die Mitte der Neunziger Jahre den Impuls zur ersten Uhrenkollektion gaben. 1997 während des Genfer Uhrensalons vorgestellt, rümpfte so mancher Uhrenexperte noch die Nase zum neuen „Meisterstück“. Die Geschäftsführung ließ sich davon aber nicht beirren, denn nachdem die Marke 1993 von der Schweizer Richemont Gruppe gekauft worden war, war bereits klar, dass es nicht bei vorsichtigen Gehversuchen bleiben würde. Man investierte in eigene Gebäude in Le Locle, mitten im Vallée des Joux, dem Herzen der Schweizer Uhrenherstellung. Als Etablisseur mit hohem Qualitätsanspruch und gutem Preis-Leistungsverhältnis setzte man eine erste Duftmarke. Die dort erworbene Villa trägt übrigens passender Weise das Gründungsjahr der Hamburger Marke im Giebel.

Gut ein Jahr nach dem 100-jährigen Firmenjubiläum passierte dann etwas, was wohl bisher in der Uhrengeschichte einmalig sein dürfte: Der Dachkonzern Richemont hatte die 1858 in Villeret gegründete Chronographen-Manufaktur Minerva (benannt nach der römischen Göttin der Weisheit und Beschützerin der Handwerker) gekauft und entschieden, dieses Juwel unter den Schweizer Uhrenmanufakturen, komplett bei Montblanc einzugliedern. Mir ist kein weiterer Fall in der Uhrengeschichte bekannt, da es sich nicht um die Fusion zweier Marken handelte, sondern Minerva zukünftig als zusätzliche Marke die Sperrspitze der Uhrwerkeherstellung bei Montblanc darstellen sollte.

Damit wurde Montblanc quasi über Nacht in den Olymp der Uhrmacherkunst katapultiert und ist so bist heute in der Lage, hochkomplizierte Chronographenwerke, Tourbillons und sogar die Unruhspiralen seiner Modelle selbst herzustellen.

Warum dieser Fixstern unter den Chronographen-Manufakturen nur noch die Jahrtausendwende erlebt hat? Die Antwort auf diese Frage findet sich nicht im für zukünftige Montblanc-Sammler lesenswerten Buch „Writing Time“, dass Flammarion 2010 zusammen mit Montblanc herausgab. Sicher ist: Die Familie Frey verkaufte 2000 an einen italienischen Investor, der eine Kollektion hochwertiger Uhren in Manufakturqualität etablierte, bis 2006 die Richemont Group Minerva übernahm und bei Montblanc eingliederte. Der Kauf betraf übrigens nicht nur einen damals fast 150 Jahre alten, hübschen Firmennamen: Die Übernahme umfasste auch die Rechte an allen jemals entwickelten Kalibern, sämtliche historische Uhrwerke, alle Ersatzteile und noch vorhandenen Uhren, alle Maschinen, das historische Archiv und zusätzlich den traditionellen Firmensitz in Villeret, der in den Folgejahren behutsam und gleichsam modern umgebaut wurde. Im Oktober 2008 wurde er eingeweiht.

Minerva blüht auf – unter dem Dach von Montblanc

Nun wird es spannend: Was hat Montblanc aus dieser Marke in den letzten 14 Jahren gemacht? Welche Uhrenmodelle sind für Sammler relevant? Zunächst einmal finde ich erstaunlich, dass man diese Uhren gar nicht auf der Homepage oder im Online-Shop von Montblanc findet. Das bestätigte mir auch der CEO, Nicolas Baretzki, der 2017 auf Jérôme Lambert folgte, im Rahmen der diesjährigen Watches and Wonders in Genf: „Ja, Sie finden in der Tat bei uns viele High-End-Pieces gar nicht online. Dafür sind sie derzeit einfach zu selten. Das trifft übrigens auch für Schreibgeräte zu. Wir überarbeiten die Webseite derzeit komplett und werden demnächst einen High-End-Bereich bei Montblanc etablieren.“

Allein diese Aussage spricht Bände darüber, wie diskret und bescheiden man vorgeht und sollte spätestens jetzt all jene hellhörig werden lassen, die Ihre Uhren nicht googeln sondern eher jagen wollen wie einen seltenen Schatz. Willkommen im Universum von Minerva.

Dazu passen zwei weitere Aussagen des CEO, der übrigens unter anderem bei Jaeger-LeCoultre und Cartier lernte. Erstere betrifft die schier endlos vorhandene Zahl an möglichen Modellen, die in Zukunft etabliert werden könnten. Das ist wichtig, um einer Sammlermarke auch in Zukunft immer neues Leben einzuhauchen, die zweite passt zum unglaublichen Qualitätsanspruch.

Baretzki erklärt: „Besuchen Sie unser Museum in Villeret, da haben Sie zirka 1000 verschiedene Modelle. Eine so reiche Geschichte werden Sie in der Uhrenbranche nur selten finden.“ Und zum Thema Fertigung fügt er hinzu:

„Wir arbeiten bei Minerva immer noch nach dem alten Prinzip, ein Uhrmacher arbeitet von A bis Z an einer Uhr. Das ist vielleicht nicht immer der ökonomischste Weg, eine Uhr zu bauen, aber das ist der Weg, den wir für Minerva gewählt haben.“

Diese Aussagen treffen voll und ganz zu. Derzeit sind die Topmodelle noch so selten, dass sie wie ein kleines Geheimnis gehütet werden, das es nun zu lüften gilt.

Welche Modelle gibt es und welche sind relevant für Sammler?

Wichtig zu wissen: Montblanc bietet drei Stufen der Fertigungstiefe in all seinen Uhren. In den Mainstream-Kollektionen arbeitet man mit klassischen zugekauften Werken von Sellita oder anderen. In der zweiten Stufe, bei den sogenannten Flaggschiff-Modellen wie der Geosphere werden alle Entwicklungsschritte der Uhren inhouse gemacht, aber die Schweizer Uhrwerke werden nicht bei Minerva gefertigt. Nur bei der Topkollektion, um die es hier gehen soll, werden die Uhrwerke bis zur Spiralfeder selbst hergestellt.

Der Name Minerva auf einer Uhrwerksbrücke bedeutet daher für Sammler: Alle Schritte der Uhrwerksfertigung werden im eigenen Haus erledigt, einschließlich der Herstellung von Platinen, Brücken sowie der Finissierung des ganzen Werkes. Ebenfalls wird bei Minerva die Unruhspirale aus eigener Fertigung verbaut.

Außergewöhnlich ist nach wie vor das Prinzip: Ein Uhrmacher kümmert sich um eine Uhr. Für diese Modelle werden lediglich die Gehäuse und die Armbänder nach den Vorgaben der Manufaktur gefertigt und dazugekauft. Der CEO ist überzeugt: „Mit den Uhrwerken von Minerva können wir es mit jeder anderen Uhrenmanufaktur in der Schweiz aufnehmen. Mit unserem Anspruch an diese Werke könnte ich gar nicht mehr als 100 Monopusher-Chronographen pro Jahr herstellen lassen.“


Die Ursprünge von Minerva

Apropos Chronographen, 1858 in Villeret gegründet, einem Dorf im Tal von Saint-Imier, gewann die Minerva-Manufaktur für ihre Präzisionsuhren nach und nach eine internationale Reputation und wurde zu einem führenden Spezialisten für die Herstellung von professionellen Uhren und Stoppuhren. Die Manufaktur produzierte eine Reihe von Uhrwerken mit Chronograph-Funktionen, darunter das legendäre Kaliber 19.09 (19 Linien / eingeführt im Jahr 1909) mit der markanten V-förmigen Chronographenbrücke, deren Design bereits 1912 geschützt wurde und heute das Haupterkennungsmerkmal dieser Uhren darstellt.

Die ersten Monopusher Handaufzugschronographen der Welt

In den 1920er-Jahren entwickelte die Manufaktur einen der ersten Monopusher- Chronographen mit Handaufzug für Armbanduhren und schlug damit ein neues Kapitel in ihrer Geschichte und für die Kurzzeitmessung generell auf. Dieser war speziell für das Handgelenk und nicht als Taschenuhr konzipiert, was aufgrund der kleineren Größe des Uhrwerks möglich wurde, dem Kaliber 13.20 (13 Linien / eingeführt 1920). Noch immer mit der legendären V-förmigen Brücke ausgestattet, verfügte es über ein Säulenrad, eine horizontale Kupplung und seine Unruh oszillierte in der traditionellen Frequenz von 18.000 A/h.

Zusätzlich zum Kaliber 13.20 wurde in den 1930er-Jahren das Kaliber 17.29 gefertigt – einer der schmalsten Monopusher-Chronographen seiner Zeit mit einer Höhe von gerade einmal 5,6 Millimetern. Parallel dazu entwickelte Minerva auch Stoppuhren, die schon im Jahr 1911 Fünftel-Sekunden messen konnten und bald darauf auch Zehntelsekunden. Dank diesem Innovationsgeist gehörte Minerva 1916 zu den ersten Manufakturen, die ein Hochfrequenzuhrwerk herstellten, das in der Lage war, Hundertstelsekunden zu messen – eine Entwicklung, die 1936 weiter verbessert wurde und Minerva zum anerkanntesten Spezialisten für professionelle Uhren und Stoppuhren machte.

2003 wurden die Kaliber MB M16.29 und MB M13.21 als moderne Neuauflage der Minerva Chronographen gebaut, allerdings deutlich aufwändiger von Hand finissiert. Wie ihre Vorgänger sind sie aus der legendären V-förmigen Brücke und einer großen Unruh mit 18 Schrauben zusammengesetzt , die in der traditionellen Frequenz von 2,5 Hz / 18.000 A/h schlägt. Die berühmte Herkunft der Uhrwerke unterstreicht das ursprüngliche Minerva-Logo, eine Pfeilspitze, auf einer Räderwerksbrücke.

Diese Entwicklungen zeigen, welches Präzisions- und Innovationsniveau Minerva im Laufe der Jahre erreicht hat, und erklären das Ansehen der Manufaktur durch die Herstellung von Kurzzeitmessern mit verschiedenen Gehäusegrößen und Komplikationen.

Mit der sogenannten Kollektion Villeret 1858, die heute unter dem Namen 1858 geführt wird, begann bei Montblanc die Annäherung an Minerva im Jahr 2007: Zur allerersten Reihe von Uhren gehört der Chronographe Authentique, ein Einzelstück aus Platin mit Perlmuttzifferblatt. Im 41 Millimeter-Gehäuse des Monopusher-Chronographen tickt das oben erwähnte Kaliber MB M 13.21. Der Name 1858 bezog sich natürlich auf die Firmengründung, gibt aber auch Aufschluss über die Limitierungen der ersten Jahre: 1 Modell in Platin, 8 in Weißgold und 58 in Rotgoldgehäusen. Diese erste Kollektion war quasi über Nacht ausverkauft.

Den Namen Minerva wird man auf der Vorderseite dieser ersten Uhren übrigens vergeblich suchen, dafür verfügen allerdings alle Modelle unter Montblanc-Ägide über einen Saphirglasboden, durch den man auf der emblematischen Brücke natürlich den Schriftzug Minerva findet. Dieser ist auch heute teilweise bei den berühmten Monopusher-Chronographen durch einen eleganten und patentierten Klappdeckelmechanismus verborgen. Dezenter geht es also nicht.

2008, zum 150. Jubiläum der Manufaktur in Villeret gab man den Chronographenwerken vor allem mit besonderen Zifferblättern ein neues Gesicht: Es entstand eine Reihe von Uhren mit wunderschönen Zifferblättern aus Feuer-Emaille und Verzierungen in Champlevée-Technik. Sein Name: Grand Chronographe Émail Grand Feu, Kaliber MB M16.29. Acht Exemplare des Chronographen entstanden in Weißgold, 58 in Rotgold und wiederum eins in Platin. Parallel stellte man sogar eine Uhr mit Tourbillon-Mechanismus vor, die Grand Tourbillon Heures Mystérieuses Kaliber MB M65.60.

2010 tauchte erstmals der Vintage-Tachydate-Chronograph mit Tele- und Tachymeterskala auf, ebenfalls mit einem Zifferblatt aus Feuer-Emaille. Auch hier entstanden 58 Exemplare im Rotgoldgehäuse, 8 in Weißgold und eins in Platin. Mit den Kalibern MB M 16.18 und MB M 13.18 gesellten sich zudem zwei Modelle mit großer Sekunde und Sekundenstopp-Funktion hinzu, von denen das größere Werk sich einmal in acht Exemplaren mit handguillochierten weißen Zifferblättern und ein zweites Mal in acht Exemplaren mit schwarzen Blättern befindet. Die „Grand Seconde au Centre  Retour-à-zeró“ sind in Weißgoldgehäusen eingeschalt.

Zur Vollständigkeit sei hier noch erwähnt: Es entstanden in dieser Stückzahl noch weitere, extrem limitierte Modelle wie die 58 Exemplare der Seconde Authentique mit dem Kaliber MB M 62.00 oder natürlich das Einzelstück Grand Chronographe Regulateur sowie die ersten acht Exemplare der  Grand Tourbillon Heures Mystérieuse zum 150. Jubiläum. Nicht zu vergessen die acht Exemplare des ersten Exotourbillon Chronographen im Jahr 2010. In den Folgejahren entstanden in ähnlichen Stückzahlen Kleinstserien, die bis heute kaum einer, der die Uhren erwarb, je wieder hergeben dürfte.


Chronographen: Die wichtigste Sammlerkategorie überhaupt

Im Wesentlichen dreht es sich bei den relevanten Modellen also um aufwendige Chronographen, beruhigender Weise eine der wichtigsten Sammlerkategorien überhaupt. Aber Minerva hat bei Montblanc eben noch viel mehr zu bieten. Doch dazu später mehr. Schauen wir uns zunächst die beiden Chronographenmodelle an: Den 1858 Monopusher Chronograph Origins Limited Edition 100 sowie den Heritage Manufacture Pulsograph Limited Edition 100.

Der Monopusher geht direkt auf die oben erwähnten Modelle zurück und wurde dieses Frühjahr in Genf als Montblanc Monopusher Chronograph Origins Limited Edition 100 (Ref. 128506) vorgestellt, der direkt als Neuauflage eines 46-mm-Monopusher-Militärchronographen aus den 1930er Jahren zu verstehen ist, der damals mit dem berühmten Kaliber 19-09 CH ausgestattet war. Die Neuauflage im 46 Millimeter Bronze-Gehäuse wird über die Zeit eine interessante Patina entwickeln.

Seit der Neuauflage im Jahr 2016 haben nicht mehr als 100-300 Uhren dieses Typs jährlich die Werkstätten verlassen. In den vier letzten Jahren gab es überhaupt keine Modelle mit diesem Werk innerhalb der 1858 Kollektion. 2016 erfolgte die Einführung von 100 Exemplaren mit einem blauen Zifferblatt und blauen Alligatorband. 2017 waren es neben einem Goldmodell mit schwarzem Blatt drei Bronzeuhren mit champagnerfarbenem, grünem und lachsfarbenem Blatt. Die grüne Variante blieb ein absolutes Einzelstück der Only Watch Auktion, von den anderen gab es jeweils 100 Exemplare. Diese ersten vier Modelle verfügen über eine Tachymeterskala, auf die man dieses Jahr verzichtet hat. Bis Ende 2021 dürften also weltweit nur 501 Uhren davon existieren, wahrscheinlich sogar weniger wenn nicht alle bislang verkauft wurden (diesbezüglich hält sich Montblanc bedeckt). Das aktuelle Modell Montblanc 1858 Monopusher Chronograph Origins LE100 kostet 30.000 Euro.



Nicht zu verwechseln ist diese Uhr mit der Reihe des Heritage Manufacture Pulsograph Limited Edition 100 (Ref. 126095), der allerdings nicht weniger spannend ist. Erstmals vorgestellt im Jahr 2011 in der Kollektion Villeret, verfügen diese Uhren über das Manufaktur-Kaliber MB M13.21 und werden ebenfalls von Hand in Villeret gefertigt. Sie gehen zurück auf Minerva-Chronographen der 1940er Jahre mit einer Skala zum Messen des Pulses. Den Anfang machten 2011 zwei Modelle, jeweils ein Modell mit weißem und schwarzem Zifferblatt in Stahl und Massivgold.

2014 folgte ein Modell mit silberfarbenem Zifferblatt und modernem Design, limitiert auf 90 Exemplare, in der Kollektion Heritage Spirit. 2018 gab es eine sehr schöne Uhr mit grünem Zifferblatt und grünem Alligatorband und einer Tachymeterskala anstelle des Pulsographen-Blattes. 2019 folgte ein sensationelles Modell mit lachsfarbenem Blatt sowie 2020 ein Modell mit schokoladenbraunem Zifferblatt, über das Swisswatches hier berichtete. Alle Modelle waren bislang auf 90 bis 100 Exemplare pro Edition limitiert, womit auch hier die Stückzahlen der vergangenen zehn Jahre auf weniger als 1000 Uhren kommen dürften. Es gab nur eine Ausnahme: Die Hodinkee-Edition von 2019 war auf 25 Exemplare limitiert.



Ein weiteres Highlight ist der sogenannte 1858 Split Second Chronograph Limited Edition 100, der im letzten Frühjahr vorgestellt wurde und mit dem Schleppzeiger-Manufakturkaliber MB-M 16.31 ausgestattet ist. Dieses Modell darf sich in direkter Linie zu jenen Minerva-Rattrapante-Taschenuhren sehen, die schon 1930 mit dem originalen Kaliber 19-09CH ausgestattet waren. Mit jenen Uhren waren übrigens 1936 bei den olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen die Zeiten der Ski-Wettbewerbe gemessen worden.

Wem hier als Sammler nun noch nicht das Herz aufgeht, sei gewarnt. Minerva bietet noch deutlich mehr. Neben dem ewigen Kalender aus der mittleren Baureihe (mit externen Uhrwerken und Modulen, eingeführt 2014) bietet auch Minerva eigene Uhrwerke mit einem patentierten ewigen Kalenderuhrwerk an. Markteinführung dieses 2018 patentierten und drei Jahren lang entwickelten Werkes war 2019. Zu den technischen Besonderheiten zählt neben einer Mondphasenanzeige bei 6 Uhr eine besonders praktische Schutzvorrichtung, die verhindert, dass man das Uhrwerk in der kritischen Phase zwischen 20 Uhr und Mitternacht aus Versehen verstellt, wenn das Schaltwerk arbeitet und den Tageswechsel vorbereitet. Eine weitere Besonderheit dieser Uhren ist, dass sie mit Hilfe der Krone in beide Richtungen eingestellt werden können. Zusätzlich eignet diese Uhr auch ideal zum Reisen, da sie über eine Weltzeit-Indikation aus dem Zentrum und eine 24-Stunden-Anzeige bei ‚9 Uhr‘ verfügt. Lediglich 5,8 Millimeter hoch ist das Kaliber 29.22 mit seinen 378 Komponenten.

Neben dem unlimitierten Werk in Stahl, das es nach wie vor zu kaufen gibt, gab es lediglich ein auf 100 Exemplare limitiertes Modell in Rotgold mit weißem Blatt sowie dieses Jahr ein ebenfalls auf 100 Stück limitiertes Modell mit schokoladenbraunem Zifferblatt. Es ist nicht bekannt wie viele Uhren in Stahl pro Jahr davon gefertigt werden, aber es dürften sich bei einem Preis von 14.900 Euro nur um wenige hunderte handeln. Sämtliche limitierte Modelle zusammen sind bis Ende des Jahres bei maximal 200 Exemplaren angekommen. Der neue Heritage Perpetual Calendar Limited Edition 100 mit schokobraunem Zifferblatt kostet derzeit in Rotgold 24.900 Euro.

Sie suchen noch seltenere Modelle? Auch das findet man bei Montblanc, wenn man auch deutlich tiefer in die Tasche greifen muss. Das wunderschöne, blau gehaltene Star Legacy Suspended Exo Tourbillon LE18 geht auf ein Modell im Jahr 2010 zurück, das allerdings noch nicht über die namensgebende Tourbillonbrücke verfügte. Lediglich 18 Exemplare wurden gebaut, im Vorjahr gab es eine skelettierte Rotgoldvariante, von der es nur 8 Exemplare geben wird. 2019 gab es in dieser Kollektion zwei Varianten (einmal 18 Stück in Weißgold mit diamantbesetztem Gehäuse und einmal 28 Stück in Gold mit Anthrazit farbigem Zifferblatt. Ein Jahr zuvor wurden zwei Goldmodelle vorgestellt, jeweils 58 und 28 Exemplare. Das Star Legacy Tourbillon kostet derzeit 109.000 Euro.

Die absolute Spitze des Machbaren bietet bei Minerva die sogenannte Metamorphosis, die 2010 als Concept Watch vorgestellt wurde. Es folgte die Metamorphisis II im Jahr 2015 mit 18 Exemplaren und 2019 ein weiteres Modell mit grauem Blatt in einer Auflage von 8 Exemplaren. Dieses Jahr erschien das extrem seltene Stück in blauem Gewand ebenfalls mit acht Exemplaren und kostet 250.000 Euro.

Bei dieser Uhr betrat Montblanc bereits vor über einer Dekade absolutes Neuland: Betätigt man einen mechanischen seitlichen Schieberegler, wird das bewegliche Zifferblatt aktiviert, das ähnlich wie der Schlitzverschluss einer mechanischen Kamera aufgebaut ist. Wahlweise verdeckt man so das Ein-Minuten-Exo-Tourbillon sowie einen rotierenden Mond auf einem Aventurin-Hintergrund. Neben der auf 122 Jahre genauen Mondphasenkomplikation ist bei geschlossenem Zifferblatt eine Weltzeitindikation über eine rotierende gewölbte Nordhalbkugel mit Tag- und Nachtanzeige zu sehen.

Einmalig dürfte die Auflage der Montblanc Heritage Small Second Limited Edition 38 sein, die 2020 der ehemalige Chef der Uhrensparte, Davide Cerrato, exklusiv bei Swisswatches vorgestellt hat: Sie wird in der Tat nicht von neuen, sondern historischen Uhrwerken angetrieben, die man in den eigenen Archiven vorfand. Sie stammten aus dem Jahr 2003, mussten lediglich aufgearbeitet werden, waren aber noch voll funktionsfähig. Mit dem lachsfarbenen Zifferblatt dürften die 38 Modelle im eleganten 40 Millimeter Gehäuse auch mit zu den schönsten und seltensten Stahlmodellen von Montblanc gehören, die Sammler-Arme je zieren werden.

CEO Nicolas Baretzki sieht übrigens keinen Widerspruch in so enormen Bandbreiten bei den Preisen: „So etwas können eben nur echte Luxusmarken bieten, und wir sind ein großes, breit aufgestelltes Unternehmen.“ Jetzt wird dennoch selbst so mancher Kenner sagen: Das ist ja alles gut und schön, aber die Preise sind schon eine echte Ansage. Gibt es nicht etwas, was sich halbwegs im Rahmen hält?

Minerva und der goldene Schnitt

Ja, daran wird auch bei Montblanc derzeit mit Hochdruck gearbeitet. Das erste Ergebnis wurde dieses Frühjahr vorgestellt: Die Montblanc Heritage Pythagore Small Second Limited Edition 148 macht den Anfang. Zwei auf jeweils 148 Exemplare limitierte Modelle im Rosé- und Weißgoldgehäuse tragen ein neues, historisch inspiriertes Uhrwerk: Denn Minerva stellte nie nur Chronographen her. Andrey Frey, der damalige Eigentümer und Uhrentechniker der Manufaktur, entwarf in den 1940er-Jahren ein bemerkenswertes modernes Uhrwerk, das Kaliber 48, welches in der Pythagore zum Einsatz kam.

Die Idee dahinter war, die Brücken gemäß den mathematischen Proportionen des Goldenen Schnitts zu positionieren. Das einzigartige Kaliber wurde für seine geraden Linien und geometrischen Winkel geschätzt. Da es seinerzeit als der Inbegriff des modernen Designs galt, wurden viele Generationen an Minerva-Uhren damit ausgestattet. Bei der Entwicklung des Manufakturkalibers MB M14.08 ließen sich die Konstrukteure von Montblanc von der Form des originalen Uhrwerks inspirieren und hielten sich dabei akribisch an das Prinzip des Goldenen Schnitts. Die Heritage Pythagore Small Second LE148 liegt immerhin unter 20.000 Euro, nämlich genau bei 18.500 Euro.

Unbedingt ansehen: Die originalen Vintage-Modelle

Wem das immer noch zu viel ist, oder wer schlicht die Bandbreite an Modellen von Minerva kennen lernen möchte, sollte sich unbedingt im Vintage-Bereich umschauen. Hier gibt es die Original-Uhrwerke natürlich zu einem Bruchteil der Preise. Noch. Und die frühen Chronographen sind dank ihrer Nutzung als Tool-Watches auch wirklich heute noch tragbar. Ich persönlich habe mir gleich zwei Militärtaschenuhren zugelegt, eines mit dem legendären Chronographen-Uhrwerk Kaliber 19/9CH. Swisswatches hat sie eigens für diesen Artikel fotografiert. Sowohl die Zifferblätter als auch die Uhrwerke halte ich vorbildlich für das, was später dann die moderne Sportuhren prägen wird.


Fazit: Extrem selten, glaubwürdig und extrem detailversessen, auch im Design

Was mir besonders gut bei allen Minerva Uhren gefällt? Natürlich verfügt zwar jedes Modell über ein ebenso fein bearbeitetes wie irre gutes Uhrwerk, aber jede Uhr für sich wirkt eben auch in sich harmonisch. Und im Wechselspiel mit der Marke Montblanc entsteht auch nicht der Eindruck eines Fremdkörpers innerhalb der Kollektionen. Besonders beeindruckt hat mich das Zusammenspiel der Uhren über die Jahre. Hier wird viel Wert auf Details gelegt, so dass diese Modelle auch nach vielen Jahren noch als Teil einer Familie erkennbar sind, gerade für Sammler die eine eigene Minerva-Chronographenfamilie gründen wollen, ist dieser Aspekt nicht unwichtig.

Uhren, die man zeigen – und an Armen sehen will

Wirklich klasse ist bei Minerva das Design. Das möchte man wirklich Freunden zeigen. Und ich meine hier nicht zum Angeben. Uhren, die nicht getragen werden oder über die man nicht sprechen mag, machen am Ende niemandem Freude. Minerva ist vielfältig im Look, mal klassisch sportlich, mal ultra-elegant. Die Harmonie auf den Blättern sucht ihresgleichen und zeigt für mich: Hier sind Menschen am Werk, die sowohl stilistisch aber auch handwerklich ihr Fach absolut beherrschen.

Montblanc-Uhrenträger gehören zu einem exklusiven Kreis

Damit reiht man sich ein in die Geschichte anderer großer Luxusmarken, bei denen Uhren immer eine wichtige Rolle gespielt haben, wenn vielleicht auch nicht die einzige. Wer damit Leben kann und mit der Tatsache, dass er mit einer Minerva zwar zu einem weltweit kleinen und exklusiven Kreis gehört, ist bei Montblanc bestens aufgehoben. Die Wertsteigerung kommt bestimmt, das ist nur eine Frage der Zeit bei diesen Stückzahlen und dieser Qualität. Aber hergeben will diese Uhren sowieso keiner, der sie einmal ans Handgelenk gelegt hat. Dann schon eher vererben. Das ist auch ungefähr der Zeitraum, den man beim Thema Wertsteigerung bei Sammlermarken von Morgen im Blick haben sollte. Aber so überdauert der Sammler dann auch seine Zeit, in Erinnerung an sein enorm vorrausschauendes Händchen für die Zukunft.

Gibt es einen Haken an der Sache?

Am Ende geht es bei einer Sammlermarke immer um langes Durchhaltevermögen. Eins muss Käufern von solchen Uhren daher klar sein: Montblanc gehört als Wirtschaftsunternehmen zwar zur sehr angesehenen Richemont-Gruppe, ist aber kein Familienbetrieb wie Audemars Piguet, Patek Philippe und auch keine Stiftung wie Rolex. Solange man erfolgreich Uhren im Einstiegsbereich und luxuriöse Schreibgeräte sowie Reisegepäck verkauft, wird auch das Marken-Juwel Minerva gedeihen. Und gute Marken sind eben nur so gut wie ihre Manager.

Einen solchen hat sich der erfahrene CEO Nicolas Baretzki dieses Frühjar ins Unternehmen geholt. Der neue, Laurent Lecamp, trägt als Direktor der Watch Division eine große Verantwortung, bringt aber beste Voraussetzungen mit: Er gründete bereits einmal seine eigene Uhrenfirma, Cyrus, und war bei Carl F. Bucherer nicht nur im Vorstand, sondern gilt als ehemaliger CEO von Carl F. Bucherer Japan auch als international erfahren. Sein Chef, Nicolas Baretzki, erklärte mir Laurent Lecamp’s Credo so:

„Es geht ihm um Differenzierbarkeit in Zeiten der Vereinheitlichung.
Wie kann man sich abheben vom Rest der Uhrmacherei?“

Diese Frage ist auf jeden Fall die richtige für die Zukunft von Montblanc und Minerva Uhren, um als Marke für die Sammler von Morgen spannend zu bleiben.


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