Jaeger-LeCoultre Reverso mit Métiers Rares 2026: Email, Edelsteinbesatz und Hokusai-Serie im Fokus – technische und gestalterische Details.

Bei kaum einem anderen Rolex-Modell hat sich ein Spitzname so selbstverständlich durchgesetzt wie bei der GMT-Master mit blau-roter Cerachrom-Zahlenscheibe als Lünetteneinlage. „Pepsi“ ist längst zu einer Art Kurzform für die gesamte Geschichte dieser Uhr geworden, obwohl die Bezeichnung natürlich nie offiziell war.
Das hat vor allem damit zu tun, dass die Farbkombination weit mehr ist als nur ein ästhetisches Detail. Sie ist eng mit der Entstehung der GMT-Master verbunden und mit einer Zeit, in der das Reisen über Zeitzonen hinweg im Alltag einer kleinen, aber wachsenden beruflichen Gruppe plötzlich eine neue praktische Relevanz bekam. Die Entwicklung der GMT-Master war damals eine Antwort auf genau dieses Problem. Rolex selbst datiert die Einführung des Modells auf 1955 und beschreibt die ursprüngliche GMT-Master als Navigationshilfe für Menschen, die beruflich um die Welt reisen.
Dass ausgerechnet die blau-rote Version später zum bekanntesten Gesicht der gesamten Linie wurde, ist deshalb kein Zufall. An ihr lässt sich die Entwicklung des Modells besonders gut erzählen – von der frühen GMT-Master der fünfziger Jahre über die klassischen Aluminium-Referenzen bis hin zu den heutigen Modellen mit Cerachrom-Lünetteneinlage.
Die Grundidee des Modells ist einfach. Zur normalen Komplikation aus Stunde, Minute und Sekunde, kommt ein zusätzlicher 24-Stunden-Zeiger hinzu, der in Verbindung mit der Lünette eine zweite Zeitzone anzeigen kann. Damit war die GMT-Master von Anfang an stärker auf den rein praktischen Nutzen ausgelegt als viele andere Sportmodelle von Rolex. Sie war weniger eine Taucher- oder Expeditionsuhr, sondern vor allem ein praktischer Zeitmesser für das Reisen zwischen verschiedenen Zeitzonen.
Gerade weil diese Idee von Beginn an so schlüssig war, wird oft übersehen, in welchem Ausmaß das Modell im Laufe der Zeit noch einmal weiterentwickelt wurde. Der Unterschied zwischen GMT-Master und GMT-Master II ist dabei wichtiger, als er auf den ersten Blick zu scheinen mag: Erst bei der GMT-Master II lässt sich der Stundenzeiger unabhängig verstellen. Das ist kein technisches Nebendetail, sondern verändert den Umgang mit den Einstellungsmöglichkeiten der Uhr im Alltag erheblich. Beim Reisen kann die Lokalzeit angepasst werden, ohne dass die Referenzzeit verlorengeht. Durch diese Zusatzfunktion wird aus einer Uhr mit zusätzlicher Zeitzonenanzeige eine wirklich überzeugende und praktische Uhr zum Reisen. Rolex beschreibt diese Funktionsweise bis heute sehr nüchtern: Der zusätzliche 24-Stunden-Zeiger zeigt eine Referenzzeit an, während sich die Lokalzeit in Einstundensprüngen über die Krone verstellen lässt, ohne Minuten- und Sekundenzeiger zu beeinflussen.
Hinzu kommt die Lünette selbst. In Neutralstellung zeigt sie zusammen mit dem 24-Stunden-Zeiger die Referenzzeit an; dreht man sie, lässt sich zusätzlich eine weitere Zeitzone ablesen. Auch das ist ein Grund, warum die GMT-Master II trotz ihrer langen Geschichte nie altmodisch wirkt: Das Prinzip und die Funktionsweise dahinter ist bis heute unmittelbar einleuchtend.
Der Spitzname erklärt sich zunächst von selbst. Die Lünette ist blau und rot, und die damit verbundene Assoziation liegt nahe. Interessanter ist aber, warum diese Farben sich so dauerhaft mit dem Modell verbunden haben.
Denn die Zweifarbigkeit war ursprünglich funktional gedacht. Die 24-Stunden-Skala ließ sich auf diese Weise besser in Tag- und Nachtstunden gliedern. Das wirkt heutzutage wie selbstverständlich, war aber ein kluger gestalterischer Einfall: Die Uhr wurde dadurch nicht nur leichter ablesbar, sondern bekam zugleich ein Erscheinungsbild, das sich sofort in die Köpfe der Menschen eingeprägt hat. Rolex beschreibt die Logik der aktuellen zweifarbigen Cerachrom-Lünette noch immer genau so: Die rote Hälfte steht für die Tagesstunden, die blaue für die Nachtstunden.
Viele spätere GMT-Varianten sind populär geworden, einige spektakulärer, andere zurückhaltender. Die Pepsi bleibt dennoch die naheliegendste Farbkombination innerhalb der Baureihe, weil sie nicht wie eine nachträgliche Variation wirkt, sondern wie eine optisch-zeitgemäße Neuauflage der 1955 ursprünglich lancierten GMT-Master mit denselben Farben auf der Lünette.
Die Geschichte der Rolex GMT-Master beginnt mit der Referenz 6542. Mit ihr führte Rolex 1955 die GMT-Master in einer Zeit ein, in der interkontinentale Flüge längst nicht alltäglich waren, aber zunehmend schnell an Bedeutung gewannen. Der Zusammenhang mit der Airline „Pan Am“ ist oft erzählt worden und gehört tatsächlich zum Modell, auch wenn man ihn nicht übertönen muss: Die GMT-Master entstand aus einem realen Bedürfnis nach verlässlicher Orientierung über verschiedene Zeitzonen hinweg. Rolex hält selbst fest, dass die GMT-Master offizielle Armbanduhr der Pan American World Airways wurde und dass 1959 ein Pan-Am-Pilot auf dem ersten Nonstop-Flug von New York nach Moskau eine GMT-Master als Navigationshilfe trug.
Viele von den Funktionen, die man heute mit der Pepsi verbindet, sind hier schon in der Ref. 6542 verbaut: Der zusätzliche 24-Stunden-Zeiger, die markante Lünette, das Prinzip der zweiten Zeit. Dazu kommt bei frühen Exemplaren die Bakelit-Lünette, die wesentlich zum Charme der ersten GMT-Master Referenz beiträgt, unter anderem weil sie sich als besonders empfindlich erwies und gerade deshalb in original erhaltenem Zustand sehr selten zu finden ist. Das liegt allerdings den Materialeigenschaften des verwendeten Bakelit-Kunststoffs zugrunde: Bakelit ist der erste jemals hergestellte vollsynthetische Kunststoff und ebenso duroplastisch, was wiederum bedeutet, dass er hart, spröde und nach der Aushärtung nicht mehr zu verformen ist. Dessen Sprödigkeit und geringe Elastizität sind ausschlaggebend für die Empfindlichkeit und Seltenheit der Lünetten in gutem Zustand.
Die 6542 ist aus heutiger Sicht weniger deshalb interessant, weil sie schon alles perfekt konnte. Interessant ist sie, weil bei ihr bereits erkennbar ist, wie geschlossen und plausibel die Idee der GMT-Master von Anfang an war.
Mit der Referenz 1675 nahm die GMT-Master jene Form an, die das Modell für Jahrzehnte prägen sollte. Rolex brachte sie 1959 als Folgereferenz der 6542, produziert wurde sie bis 1980. Gegenüber der 6542 ist der wichtigste sichtbare Unterschied das Gehäuse mit Kronenschutz. Dazu kommt die bidirektionale 24-Stunden-Lünette mit Aluminium-Einsatz anstelle der frühen, fragileren Bakelit-Lösung der 6542. Auf dem Zifferblatt taucht bei der 1675 außerdem die Beschriftung „Superlative Chronometer Officially Certified“ auf.
Innerhalb der langen Produktionszeit ist die 1675 nicht völlig einheitlich. Ab etwa 1966 wechseln die Zifferblätter von glänzend zu matt; diese matten Versionen prägen den Großteil der späteren Produktion und laufen sogar noch in die ersten Ausführungen der späteren Referenz 16750 hinein. Im Jahre 1965 stellte Rolex zudem auf das Kaliber 1575 um, das die Gangreserve auf ungefähr 48 Stunden erhöhte und ab etwa 1971 auch einen Sekundenstopp mitbrachte. Genau deshalb ist die 1675 für Sammler nicht einfach „die alte Pepsi“, sondern eine Referenz mit vielen Untervarianten, an denen sich die Entwicklung der GMT-Master im Detail ablesen lässt.
Dass die 1675 heute oft als archetypische Pepsi angesehen wird, liegt also nicht nur an ihrem langen Produktionszeitraum. Viel mehr liegt es auch daran, dass sich an ihr die klassische Form des Modells sehr klar bündelt: 40-Millimeter-Stahlgehäuse, Plexiglas, Aluminium-Lünette, schlankere Proportionen und die noch unverkennbar ältere GMT-Master-Logik, bei der Lokalzeit und GMT-Anzeige mechanisch nicht getrennt sind. Genau das macht ihren Reiz, über die technischen Grenzen aus heutiger Sicht hinweg, aus.
Die GMT-Master Referenz 16750, gebaut von 1980 bis 1988, ist keine bautechnische Zwischenstation, sondern die technisch wichtigste Weiterentwicklung der klassischen GMT-Master vor dem endgültigen Wechsel zur GMT-Master II. Sie ist mit dem Kaliber 3075 ausgestattet, das nun nicht nur die Schnellverstellung des Datums ermöglicht, sondern auch eine höhere Frequenz von 28.800 Halbschwingungen pro Stunde statt 19.600 bei späten 16750er Modellen mit sich bringt; zudem steigt die Wasserdichtheit erstmals von 50 auf 100 Meter. Dass sie innerhalb der Modellgeschichte dennoch eine Übergangsstellung einnimmt, zeigt sich unter anderem beim Zifferblatt: Frühe Exemplare besitzen noch matte Zifferblätter wie einige Ausführungen der Ref. 1675, spätere dagegen glänzende Lackblätter mit Weißgold-Umrandungen.
Die 16700 ist die letzte GMT-Master überhaupt. Sie wurde von 1988 bis 1999 gebaut – also in einer Zeit, in der die GMT-Master II mit ihrem unabhängig verstellbaren Stundenzeiger längst verfügbar war. Trotzdem hielt Rolex weiterhin am Bau der klassischen GMT-Master fest. In der 16700 arbeitet das Kaliber 3175, also weiterhin ein Werk ohne unabhängig springenden Stundenzeiger. Damit bleibt sie funktional dem ursprünglichen Konzept des Modells treu: Sie zeigt zwar eine zweite Zeitzone an, lässt sich auf Reisen aber nicht so komfortabel verstellen wie eine GMT-Master II. Gegen Ende des Produktionszeitraums wechselte Rolex zudem die Leuchtmasse von Tritium zu Super-LumiNova.
Genau darin unterscheiden sich Rolex´s Referenzen 16750 und 16700. Die 16750 entwickelt die klassische GMT-Master technisch noch einmal einen Schritt weiter; die 16700 hält das ursprüngliche Konzept bis ans Ende fest.
An Referenzen wie der 16750 und der späteren 16700 lässt sich gut ablesen, dass Rolex die klassische GMT-Master nicht abrupt ablöst, sondern sie zunächst weiterentwickelt und über Jahre parallel zur GMT-Master II im Programm hielt. Vielmehr entwickelte Rolex das ursprüngliche Modell weiter und ergänzte es ab 1982 um eine zweite Linie mit veränderter Funktionslogik. Grundlage dieses neuen Modells ist das 1982 eingeführte Kaliber 3085, mit dem sich der Stundenzeiger erstmals unabhängig von Minuten- und 24-Stunden-Zeiger verstellen lässt. Auf dieser technischen Neuerung beruht die GMT-Master II. Rolex beschreibt ihre Funktionsweise bis heute ziemlich knapp und eindeutig: Die Lokalzeit wird über die traditionellen Zeiger angezeigt, der Stundenzeiger lässt sich unabhängig verstellen, während der zusätzliche 24-Stunden-Zeiger die Referenzzeit beibehält.
Damit verändert sich die Bedienung der Uhr spürbar. Auch die klassische GMT-Master konnte bereits zwei Zeitzonen anzeigen; mit der GMT-Master II lassen sich Referenzzeit und Lokalzeit jedoch erstmals unabhängig voneinander handhaben. Der 24-Stunden-Zeiger behält die Referenzzeit bei, während sich die Lokalzeit über den Stundenzeiger in Einstundenschritten verstellen lässt; das Datum ist an diese Lokalzeit gekoppelt und springt beim Überschreiten von Mitternacht mit. Gerade auf Reisen ist das der entscheidende praktische Unterschied: Nach einem Zeitzonenwechsel muss nicht mehr die gesamte Anzeige neu eingestellt werden, sondern nur noch die lokale Stunde.
Von hier aus lassen sich auch die vorhergehenden Referenzen präziser lesen. Die 16750 bringt die klassische GMT-Master technisch an einen sehr ausgereiften Punkt. Die 16700 führt das ursprüngliche Konzept der GMT-Master noch bis 1999 fort, obwohl die GMT-Master II längst etabliert ist. Die GMT-Master II dagegen beruht auf einer anderen Funktionslogik. Gerade dieses Nebeneinander macht deutlich, dass Rolex das Modell nicht neu erfindet, wohl aber in seiner praktischen Nutzung entscheidend weiterentwickelt.
Mit der Referenz 16710 erreicht die Pepsi einen Punkt, an dem sich klassische GMT-Master-Proportionen und die Funktionslogik der GMT-Master II besonders überzeugend verbinden. Die Uhr wird ab 1989 gebaut und gehört damit bereits vollständig zur zweiten Modellgeneration; als Pepsi ist sie zugleich die letzte Referenz mit Aluminium-Lünette. Genau das erklärt ihre Stellung innerhalb der Baureihe recht gut.
Technisch steht sie klar auf der Seite der GMT-Master II. Meist arbeitet in ihr das Kaliber 3185, in sehr späten Exemplaren findet sich bereits das Kaliber 3186. Optisch bleibt sie der älteren GMT-Master jedoch deutlich näher als die späteren Keramik-Referenzen: Aluminium-Einsatz, schlankere Anmutung, weniger massiv auftretendes Gehäuse, insgesamt ein dezenter Auftritt am Handgelenk. Gerade diese Verbindung macht die 16710 für viele Sammler so plausibel. Sie bietet die praktischere Bedienung der GMT-Master II, ohne sich gestalterisch allzu weit von den früheren Pepsi-Referenzen zu entfernen.
Hinzu kommt, dass die 16710 innerhalb ihrer langen Laufzeit selbst noch Veränderungen durchläuft. Fachquellen verweisen auf unterschiedliche Leuchtmassen über die Jahre hinweg und auf sehr späte Ausführungen mit Kaliber 3186, die heute entsprechend genauer betrachtet werden. Die Referenz ist also nicht einfach nur die letzte Aluminium-Pepsi, sondern bereits ein Modell mit eigener Binnenentwicklung.
Mit den neueren GMT-Master-II-Referenzen verändert sich die Pepsi vor allem in Material und Erscheinung. Besonders deutlich wird das an der Lünette. Mit der eigens entwickelten Cerachrom-Zahlenscheibe ersetzt Rolex bei der Pepsi ein Element, das über Jahrzehnte nicht nur gestalterisch prägend war, sondern auch stark von Alterung und Materialempfindlichkeit lebte. Die zweifarbige Lünette bleibt als Gestaltungsidee bestehen, wird nun aber in einem Werkstoff ausgeführt, den Rolex als extrem hart, praktisch kratzfest, UV-beständig und chemisch inert beschreibt; die vertieften Ziffern und Graduierungen werden fortan per PVD mit einer dünnen Edelmetallschicht beschichtet. Die Pepsi-Modelle zwischen 1982 und 2007 hatten hingegen Lünetteneinlagen[ aus eloxiertem Aluminium verbaut, welche ihre blau-rote Farbgebung im Rahmen des Eloxal-/Galvanikprozesses erhielten.
Gerade für die Pepsi ist das mehr als ein technischer Schritt. Bei den älteren Referenzen gehörte zur blau-roten Lünette immer auch ihre Veränderlichkeit: Aluminium altert, verblasst und bekommt Spuren. Mit Cerachrom bleibt die Farbkombination erhalten, erscheint nun aber deutlich stabiler und beständiger. Darin zeigt sich der Übergang zur modernen GMT-Master II besonders klar.
Aufschlussreich ist auch die Reihenfolge, in der Rolex diese neue Form der Pepsi zurückbringt. 2014 erscheint zunächst die rot-blaue Cerachrom-Lünette erstmalig, allerdings zunächst an einem Modell in 18 Karat Weißgold. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil die 16710 als letzte fünfstellige GMT-Master II Referenz mit Pepsi-Lünette bereits 2007 ausläuft und es zwischen 2007 und 2018 keine Pepsi mehr im regulären Programm gibt. Ausgerechnet die charakteristischste Farbgebung der Kollektion ist also in ihrer ursprünglichen Materialausführung über 11 Jahre hinweg nicht zu erwerben. Erst 2018 folgt mit der Referenz 126710BLRO die Rückkehr der Pepsi in Oystersteel.
Wenn heute von der Pepsi die Rede ist, ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Referenz 126710BLRO gemeint. Sie ist die aktuelle Ausführung in Oystersteel und prägt die heutige Wahrnehmung des Modells besonders stark. Rolex führt sie aktuell mit 40 Millimetern Durchmesser, schwarzem Zifferblatt, blau-roter Cerachrom-Lünette, Kaliber 3285 und einer Wasserdichtheit bis 100 Meter.
In der derzeit von Rolex gebauten Variante ist die 126710BLRO u.a. mit dem Jubilee-Band erhältlich. Hinzu kommen die Oysterlock-Sicherheitsfaltschließe und die Easylink-Verlängerung um etwa fünf Millimeter bzw. um ein ganzes Jubilee-Bandelement. Das sind zunächst nüchterne Produktdetails, prägen die Uhr in ihrer Wirkung aber stärker, als man vermuten könnte. Das Jubilee-Band nimmt ihr etwas von der Massigkeit, die viele GMT-Master-II-Modelle am Oyster-Band ausstrahlen, und verleiht ihr eine beweglicheres, etwas sportlicheres Erscheinungsbild. Gerade darin liegt ein Teil ihrer gegenwärtigen Attraktivität. Die 126710BLRO verbindet die technische Gegenwart der GMT-Master II mit einer Gestaltung, die deutlich auf die ältere Geschichte des Modells verweist, ohne sich dabei in Nostalgie zu verlieren
Im Inneren der aktuellen Pepsi arbeitet das Kaliber 3285. Rolex beschreibt es als vollständig intern entwickeltes und gefertigtes Automatikwerk mit Chronergy-Hemmung, blauer Parachrom-Spirale, Paraflex-Stoßsicherungen und rund 70 Stunden Gangreserve. Hinzu kommen jene Funktionen, auf die es bei einer GMT-Master II im Alltag tatsächlich ankommt: Der unabhängig verstellbare Stundenzeiger, die 24-Stunden-Anzeige für die Referenzzeit, das springende Datum und der Sekundenstopp. Die Präzision gibt Rolex mit –2/+2 Sekunden pro Tag nach dem Einschalen an – im Rahmen des Standards „Chronometer der Superlative“. Dazu passt auch, dass Rolex die GMT-Master II nicht nur als Uhr für zwei Zeitzonen beschreibt, sondern sie zugleich in den eigenen Rahmen aus Präzision, Robustheit und Alltagstauglichkeit einordnet.
Die Pepsi gibt es heute nicht nur in Stahl, sondern auch in Weißgold. Konstruktiv ist das zunächst dieselbe Uhr; der eigentliche Unterschied zur Stahlversion liegt hauptsächlich im Material. Interessanter wird es erst beim Zifferblatt. Rolex bietet die Weißgold-Variante Ref. 126719BLRO mit nachtblauem Blatt oder mit Meteorit-Zifferblatt an. Das blaue Blatt hält die Uhr enger zusammen, und erzeugt durch den sehr ähnlichen Blauton auf Lünette und Zifferblatt mehr Ruhe und Geschlossenheit im optischen Erscheinungsbild der Uhr. Das ebenso für die Weißgoldversion erhältliche Meteorit-Zifferblatt macht genau das Gegenteil: Es bringt Unruhe, Struktur und eine Oberfläche ins Spiel, die nie ganz gleich aussieht. Es ist aus echtem Meteorit-Stein gefertigt und durch die natürliche Beschaffenheit in dessen Muster immer ein Unikat – ähnlich wie bei Perlmutt-Zifferblättern. Genau dort beginnt die Weißgold-Pepsi, sich von der Stahlversion wirklich zu lösen – nicht in der Grundform der Uhr, sondern in ihrer Wirkung und der Variabilität in Sachen Zifferblatt-Auswahl.
Unter den öffentlich dokumentierten Auktionsergebnissen für Rolex GMT-Master-Modelle mit tatsächlich blau-roter Lünette liegt Edgar Mitchells Apollo-14-getragene Ref. 1675 mit USD 2.163.199 deutlich an der Spitze. Dahinter folgt mit großem Abstand eine Ref. 6542, die Sotheby’s 2023 für CHF 177.800 verkaufte. Beide Ergebnisse zeigen allerdings vor allem, wie stark Provenienz bei historischen Pepsi-Modellen preisbildend wirken kann.
Wer sich mit dem Kauf einer Rolex Pepsi auseinandersetzt, sollte zuerst klären, wonach er eigentlich sucht: Etwas historischem mit authentischem Vintage-Charakter, oder doch einer Variante die man ohne großartige Achtsamkeit und Nachdenken jeden Tag tragen kann, oder nach einem Modell, das beides zumindest teilweise verbindet. Von dieser Entscheidung hängt fast alles Weitere ab.
Bei Vintage-Referenzen ist Originalität der entscheidende Punkt. Das betrifft nicht nur Zifferblatt, Zeiger und Lünetten Einsatz, sondern immer die Uhr als Ganzes. Gerade bei der Pepsi ist die Versuchung groß, einzelne Elemente isoliert zu bewerten: Etwa eine schön gealterte Lünette oder ein besonders gut erhaltenes Zifferblatt. In der Praxis entscheidet aber immer das Zusammenspiel aus diesen Faktoren. Auktionshäuser wie Sotheby’s und Phillips heben bspw. bei begehrten Exemplaren der Referenz 1675 immer wieder das Zusammenspiel aus Gehäusezustand, Blatt, Lünetten Einsatz, Patina und Provenienz hervor.
Dazu kommt, dass Alterung oder Patina bei der Pepsi nie nur als Mangel angesehen wird. Verblasste Lünetten, leichte Farbverschiebungen oder eine überzeugende Patina können den Reiz einer Uhr deutlich steigern – vorausgesetzt, sie wirken plausibel und passend zum übrigen Zustand aller Bestandteile der Uhr. Das schlägt sich vor allem am Ende des Tages immer erheblich im Preis nieder und lässt sich bei gut dokumentierten Auktionsexemplaren immer wieder beobachten.
Bei den modernen Referenzen verschieben sich die Kriterien. Hier geht es weniger um historische Substanz als um Vollständigkeit, Erhaltungszustand und die Frage, welche Ausführung man eigentlich möchte. Bei der 126710BLRO spielt etwa durchaus eine Rolle, ob man das Jubilee-Band oder die Oyster-Version bevorzugt; Rolex führt beide Varianten offiziell. Bei der Weißgold-Referenz 126719BLRO stellt sich zusätzlich die Frage nach dem Zifferblatt: nachtblau oder Meteorit. Technisch unterscheiden sich beide Ausführungen nur im Kaliber je nach Baujahr; in ihrer funktionalen Wirkung unterscheiden sie sich nicht.
Wer den stärksten historischen Bezug sucht, wird eher bei den frühen Referenzen landen: bei der 6542 als Ausgangspunkt der GMT-Master und bei der 1675 als jener Referenz, die das Bild der Pepsi über Jahrzehnte geprägt hat. Wer dagegen eine Uhr sucht, die noch klar nach früher GMT-Master aussieht, sich im Alltag aber deutlich unkomplizierter tragen lässt, kommt meist zur 16710, der letzten Pepsi mit Aluminium-Lünette und einer bereits voll entwickelten GMT-Master-II-Funktionslogik. Und wer die Pepsi in ihrer heutigen Form will, landet bei der 126710BLRO in Oystersteel; die 126719BLRO folgt demselben Grundgedanken in 18 Karat Weißgold
Die Rolex Pepsi erzählt die Geschichte der GMT-Master Kollektion vermutlich einheitlicher als jede andere Ausführung des Modells. An ihr lässt sich nachvollziehen, wie aus einer Reise Uhr der fünfziger Jahre eine über Jahrzehnte weiterentwickelte Linie wurde, deren Grundprinzip bis heute erhalten geblieben ist: Eine zweite Zeitzone nicht nur anzuzeigen, sondern auf einen Blick lesbar und im Alltag nutzbar zu machen. Rolex selbst zieht diesen Bogen ausdrücklich von der 1955 eingeführten GMT-Master bis zur GMT-Master II mit unabhängig verstellbarem Stundenzeiger und zweifarbiger Lünette.
Gerade deshalb nimmt die Pepsi innerhalb der Kollektion eine besondere Stellung ein. Andere Farbvarianten haben die GMT-Master II erweitert und neu akzentuiert. Die blau-rote Lünette dagegen bleibt am engsten mit dem Ursprung des Modells verbunden — nicht zuletzt, weil Rolex 2014 mit der modernen Cerachrom- bzw. Keramik-Version ausdrücklich an die emblematische Farbkombination der ursprünglichen Uhr anknüpft.
Vielleicht erklärt sich genau daraus auch die Dauerhaftigkeit des Spitznamens. „Pepsi“ ist längst nicht mehr nur eine beiläufige Sammlerbezeichnung für zwei Farben auf einer Lünette, abgeleitet von der farblichen Gestaltung des Logos eines amerikanischen Softdrink-Herstellers, sondern die knappste Form, in der man die Kultur und Farbgebung rundum die ursprünglich erstveröffentlichte Rolex GMT-Master Farbkombination zusammenfassen kann.