A. Lange & Söhne präsentiert die Lange 1 Tourbillon Ewiger Kalender Lumen mit Tourbillon, ewigem Kalender und nachleuchtendem Zifferblatt.

Kleinerer Durchmesser, ein kompakteres (und neues) Uhrwerk, eine längere Gangreserve und mehr Komponenten im Werk bei gleicher Bauhöhe. Die neuen Saxonia Jahreskalender Modelle sind mehr als nur eine subtile Modellpflege.
Bei den neuen Saxonia Jahreskalender Modellen von A. Lange & Söhne mag man auf den ersten Blick meinen, es handelt sich lediglich um ein Facelift der Linie. Doch mit der Präsentation der Referenzen 331.026 E (Weißgold) und 331.033 E (Rotgold) beginnt für das Haus eine neue Ära in der Gestaltung komplizierter Zeitmesser. Die neuen Saxonia Jahreskalender haben mit 36mm einen signifikant kleineren Durchmesser, ein kompakteres Uhrwerk, eine längere Gangreserve und mehr Komponenten im Werk bei gleicher Bauhöhe. Leidglich der Zero Reset, eine Besonderheit bei Lange, musste dafür dem Sekundenstopp weichen.
Das Herzstück dieser Innovation ist das neu konstruierte Manufakturkaliber L207.1. Es ersetzt das legendäre, aber in seiner Grundarchitektur fast drei Jahrzehnte alte Kaliber L085.1, besser bekannt unter dem Namen SAX-O-MAT. Bei den neuen Saxonia Jahreskalender Modellen lohnt es sich durchaus, genauer hinzusehen. Darum haben wir uns die Neuheiten im Detail angesehen.
Um die Relevanz der neuen Saxonia Jahreskalender zu verstehen, ist eine kurze Exkursion der Saxonia-Modellfamilie im Kontext der Manufakturgeschichte interessant. Als Walter Lange und Günter Blümlein am 24. Oktober 1994 im Dresdner Residenzschloss die erste Kollektion der neu gegründeten Lange Uhren GmbH (Dezember 1990) präsentierten, war die Saxonia eines der vier neu vorgestellten Modelle, gemeinsam mit der Lange 1, dem Tourbillon „Pour le Mérite“ und der rechteckigen Arkade.
Der Name „Saxonia“ ist eine direkte Referenz an den Freistaat Sachsen, dort, wo Ferdinand Adolph Lange 1845 den Grundstein für die deutsche Feinuhrmacherei legte. Von Beginn an stand die Saxonia für die puristischste Interpretation der Lange-Philosophie. Während die Lange 1 durch ihr asymmetrisches Zifferblattdesign und das Großdatum eine revolutionäre Ästhetik einführte, blieb die Saxonia den klassischen Gestaltungsprinzipien treu: Symmetrie, Klarheit und eine kompromisslose Fokussierung auf die mechanische Substanz.
Ursprünglich als reine Drei-Zeiger-Uhr konzipiert, wurde die Saxonia-Familie über die Jahrzehnte behutsam um Komplikationen erweitert. Der erste Saxonia Jahreskalender erschien im Jahr 2010 und war damals eine kleine Sensation, da er die Brücke zwischen den einfachen Modellen und den hochkomplizierten ewigen Kalendern schlug. Der Jahreskalender (die Komplikation wurde 1996 von Patek Philippe erstmals vorgestellt) bietet fast den gleichen Komfort wie ein ewiger Kalender, benötigt jedoch aufgrund seiner Programmierung lediglich einmal im Jahr – beim Übergang vom Februar auf den März – eine manuelle Korrektur.
Die Entscheidung, den Jahreskalender nun in einem kompakteren Gehäuse anzubieten, kommt zu einem allerbesten Zeitpunkt. Sammler legen zunehmend Wert auf die „Komplikationsdichte“ – also das Verhältnis von technischer Komplexität zu physischer Größe. Die neue Saxonia kommt diesem Wunsch nach, und schafft dieses Kunststück sogar, obwohl das neue Uhrwerk mehr Komponenten verbaut hat (491 gegenüber 476 Komponenten) als das Vorgängermodell auf kleinerem Raum.
Das neue Werk Kaliber L207.1 wurde mit dem Ziel entwickelt, die Effizienz des Aufzugs zu maximieren und gleichzeitig den Durchmesser zu reduzieren und die Bauhöhe des Gesamtsystems trotz der Kalenderkaderatur unverändert zum Vorgängermodell bei 9,8 mm zu halten. Im Gegensatz zum bisherigen L085.1, das einen Dreiviertelrotor (ähnlich einem Mikrorotor-Konzept) nutzte, verfügt das L207.1 über einen einseitig aufziehenden Zentralrotor mit einer markanten Schwungmasse aus 950er Platin.
Die Entscheidung gegen den klassischen SAX-O-MAT-Aufbau ist eine Konsequenz aus der Gehäusereduktion. Während der Dreiviertelrotor des alten Kalibers eine große Fläche des Werks einnahm, jedoch flach integriert war, erlaubt der neue Zentralrotor eine kompaktere Anordnung des Räderwerks in der Fläche. Platin als Material für den Rotor ist hierbei entscheidend: Aufgrund seiner hohen Dichte erzeugt es bereits bei geringen Bewegungen ein ausreichendes Trägheitsmoment, um das Federhaus effizient zu spannen, was besonders bei kleineren Gehäusedurchmessern von Bedeutung ist.
Das Kaliber besteht aus 491 Einzelteilen. Zum Vergleich: Ein Standard-Automatikwerk mit Datum kommt oft mit weniger als 200 Teilen aus. Die zusätzlichen Komponenten im L207.1 entfallen primär auf das Kalendermodul, das die unterschiedlichen Monatslängen von 30 und 31 Tagen mechanisch „berechnet“.
Auch wenn das Vorgängerwerk L085.1 (SAX-O-MAT) technisch herausragend ist, wurde die Gangreserve mit 46 Stunden für heutige Standards einfach langsam zu kurz. Das neue Kaliber L207.1 adressiert dies mit einer Gangautonomie von 60 Stunden. Diese Steigerung wird durch ein optimiertes Federhaus und die Verwendung einer flacheren, aber längeren Zugfeder erreicht. Die Unruhfrequenz bleibt bei den für Lange typischen 21.600 Halbschwingungen pro Stunde (3 Hertz). Diese Frequenz bietet einen optimalen Kompromiss zwischen Ganggenauigkeit und mechanischem Verschleiß und erlaubt zudem die Integration der klassischen Schraubenunruh, die durch den Saphirglasboden zu bewundern ist.
Der Vergleich: Die neue Generation gegenüber der Referenz 330.026
Unsere Tabelle zeigen eine konsequente Weiterentwicklung in fast allen messbaren Parametern.
| Spezifikation | Saxonia Jahreskalender (Alt) | Saxonia Jahreskalender (2026) |
|---|---|---|
| Gehäusedurchmesser | 38,5 mm | 36,0 mm |
| Gehäusehöhe | 9,8 mm | 9,8 mm |
| Kaliber | L085.1 (SAX-O-MAT) | L207.1 |
| Anzahl der Bauteile | 476 | 491 |
| Anzahl der Rubine | 43 | 56 |
| Gangreserve | ca. 46 Stunden | 60 Stunden |
| Aufzugsart | Dreiviertelrotor | Zentralrotor (Platin) |
Die auffälligste Änderung neben dem Durchmesser ist die Zunahme der Steine von 43 auf 56. Diese zusätzlichen Funktionssteine deuten auf eine komplexere Lagerung des Automatikaufzugs und des Kalendergetriebes hin, was die Langlebigkeit und Reibungsarmut des Werks weiter verbessert.
Ein interessanter Aspekt ist der Wegfall des „Zero-Reset“-Mechanismus zugunsten eines herkömmlichen Sekundenstopps. Während der Zero-Reset eine Raffinesse bei Uhren von A. Lange & Söhne ist, erfordert er eine erhebliche Bauhöhe und Komplexität im Bereich des Sekundenrads. Im Inneren arbeitet meist ein kleiner Herzhebel (Herzkurvenscheibe), der den Sekundenzeiger zurückschnellen lässt. Durch den Verzicht darauf konnte Lange den gewonnenen Raum nutzen, um das Gehäuse bei gleichbleibender Höhe signifikant zu verkleinern.
Das Zifferblatt aus massivem Silber präsentiert sich in zwei Varianten: Argenté für das Weißgoldmodell und Grau für die Rotgoldausführung und folgt dem Prinzip der „optimalen Ablesbarkeit“, das bereits Firmengründer Ferdinand Adolph Lange so wichtig war.
Eine subtile Neuerung sind die Stabappliken. Ihr äußerer Abschnitt ist nun in Form einer Pyramidenspitze gestaltet. Diese geometrische Änderung ist nicht bloß dekorativ; sie sorgt für ein schönes Spiel mit dem einfallenden Licht. Je nach Neigung des Handgelenks reflektieren die Facetten der Indizes das Licht unterschiedlich, was die Wertigkeit des Zifferblatts unterstreicht und die Ablesbarkeit bei diffusem Licht verbessert. Die Lanzettzeiger für Stunde und Minute sowie die kleinen Zeiger der Kalenderanzeigen sind farblich präzise auf das jeweilige Gehäusematerial abgestimmt.
Die Hilfszifferblätter für den Wochentag (9 Uhr), den Monat (3 Uhr) und die kleine Sekunde (6 Uhr) sind leicht nach innen angeschrägt. Um eine plastische Tiefenwirkung zu erzielen, nutzt Lange unterschiedliche Stufen der Azurage – einer feinen, kreisförmigen Riffelung. Während die äußeren Ringe der Hilfszifferblätter eine sehr feine Azurage aufweisen, sind die Innenflächen mit einer markanteren Struktur versehen. Diese Differenzierung erzeugt Reflexionsflächen, die die Anzeigen optisch vom Hauptzifferblatt abheben. Eine Ausnahme bildet die kleine Sekunde bei 6 Uhr: Hier trägt auch das innere Segment die feinere Azurage, um einen ruhigen Hintergrund für die detailreiche Mondphasenanzeige zu bilden.
Die Mondscheibe aus 750er Gold ist mit einer speziellen, tiefblauen Beschichtung versehen, auf der 428 Sterne abgebildet sind. Technisch ist die Mondphase so präzise berechnet, dass sie dem tatsächlichen Mondumlauf von durchschnittlich 29 Tagen, 12 Stunden, 44 Minuten und 3 Sekunden extrem nahe kommt. Erst nach 122,6 Jahren ununterbrochenen Laufs weicht die Anzeige um einen einzigen Tag von der Realität ab.
Ein wesentliches Merkmal der Kalenderuhren von Lange ist der hohe Bedienkomfort, der beim neuen Saxonia Jahreskalender konsequent fortgeführt wird. Die Uhr verfügt über einen Hauptdrücker bei 10 Uhr. Dieser ermöglicht es, alle Kalenderanzeigen – einschließlich des Großdatums, des Wochentags und des Monats sowie der Mondphase – simultan um einen Tag weiterzuschalten.
Sollte die Uhr für längere Zeit stehen geblieben sein, ist dieser Mechanismus Goldwert. Zusätzlich gibt es vier separate, im Gehäuse versenkte Korrektoren, mit denen jede Anzeige einzeln justiert werden kann. Dies ist besonders wichtig für die Mondphase, die unabhängig vom Kalender Rhythmus eingestellt werden muss, oder für den Fall, dass die Uhr am 1. März nach einem kurzen Februar manuell korrigiert wird. Das Großdatum schaltet am Monatsende präzise auf den ersten Tag des Folgemonats weiter und erkennt dabei automatisch Monate mit 30 oder 31 Tagen.
Ein Blick durch den Saphirglasboden offenbart die „opulente Schönheit“, wie die Manufaktur es selbst formuliert, die im krassen Gegensatz zum zurückhaltenden Design des Zifferblatts steht. Das Kaliber L207.1 folgt der Tradition des zweifach montierten Uhrwerks, bei dem jedes Bauteil nach der ersten Funktionsprüfung wieder zerlegt, gereinigt und abschließend veredelt wird.
Zu den charakteristischen Merkmalen der Lange-Finissage gehören:
Der handgravierte Unruhkloben: Jedes Exemplar trägt ein individuelles Blumenmuster, das von einem der Graveure der Manufaktur freihändig gestochen wird. Dies macht jedes Uhrwerk zu einem Unikat.
Glashütter Streifenschliff: Die Dreiviertelplatte aus unbehandeltem Neusilber ist mit diesem markanten Schliff dekoriert, der im Laufe der Jahre eine charakteristische goldgelbe Patina annimmt.
Polierte Fasen und gebläute Schrauben: Jede Kante der Brücken ist von Hand angliert und poliert. Die Schrauben werden thermisch gebläut, was ihnen einen tiefen, kornblumenblauen Glanz verleiht.
Verschraubte Goldchatons: Drei dieser traditionellen Lagerfassungen sind im L207.1 zu finden, die von jeweils drei gebläuten Schrauben gehalten werden.
A. Lange & Söhne nutzt den Platinrotor nicht nur als automatischen Aufzug zur Erhöhung der Aufzugseffizienz, sondern auch Bildfläche für schöne handwerkliche Verzierungen. Die schwere Schwungmasse ist aufwendig skelettiert und trägt das Relief des A. Lange & Söhne-Schriftzugs.
Die Entscheidung für einen Durchmesser von 36,0 Millimetern ist durchaus auch als eine Antwort auf die veränderten Präferenzen im High-End-Segment zu verstehen. In den letzten zwei Jahrzehnten dominierten große Uhren den Markt, wobei 40 Millimeter und mehr oft als Standard für Herrenuhren galten. In jüngster Zeit ist jedoch eine Rückkehr zu klassischen Proportionen zu beobachten, die oft als „Mid-Size-Renaissance“ bezeichnet wird.
Die neue Saxonia schmiegt sich diskret unter die Hemdmanschette, ohne dabei an Präsenz zu verlieren, was durch eine neu gestaltete Zifferblattästhetik und veränderte Indizes unterstützt wird.
Der Verzicht auf den Zero-Reset mag für den ein oder anderen ein Wehmutstropfen sein, aber im Großen und Ganzen werden die allermeisten Fans des Saxonia Jahreskalender durch die vielen dadurch erzielten Verbesserungen darüber hinwegsehen.
Beide Versionen des neuen Saxonia-Jahreskalenders werden rund 65.000 Euro kosten.