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Man könnte es als gesundes Selbstbewusstsein bezeichnen, doch Porsche Design Timepieces Geschäftsführer Rolf Bergmann meint es in jedem Fall ernst: Ganz ohne große Worte über eine firmeneigene „Vollgas-Mentalität“ präsentiert Rolf Bergmann das neue Porsche Design Timepieces Manufaktur-Gebäude von Porsche Design Timepieces ganz selbstverständlich als dritte offizielle Produktionsstätte der Porsche AG. Damit reiht sich der Standort Grenchen, an dem rund 40 Mitarbeiter die exklusiven Uhren fertigen, stolz neben den großen Werken in Stuttgart und Leipzig ein, wo über 11.000 Mitarbeiter die Produktion von Ikonen wie dem 911er oder dem Macan sicherstellen.
Wenn man etwas hundertprozentig richtig machen will, dann müsse man es halt selbst machen. Das neue Porsche Design Timepieces Manufaktur-Gebäude zeugt von diesem Anspruch der Leitung des Uhrenherstellers, als auch den Erwartungen des Mutterkonzerns. Grenchen ist ein Zentrum der Uhrmacherei, auch Breitling hat hier seinen Unternehmenssitz, und der zur Swatch Group gehörende Werkehersteller ETA sitzt gleich nebenan. Es ist ein Ort mit Geschichte, und zu dieser Geschichte gehört sowohl die Familie Porsche als auch das neue Porsche Design Timepieces Manufaktur-Gebäude.
Es stammt aus dem Jahr 1955, früher beherbergte es den Uhrenhersteller Eterna. Dieser war einst auch für die Herstellung der Porsche-Design-Modelle zuständig, und bereits 1995 hatte es Ferdinand Alexander Porsche für ebendiesen Zweck schon einmal erworben. 2011 war es dann aber wieder verkauft worden, um dann erneut vom Porsche-Konzern erworben zu werden. Drei Jahre Planung und 18 Monate aufwendiger Restaurierung später soll das neue Porsche Design Timepieces Manufaktur-Gebäude in Grenchen zur Sehnsuchtsdestination von Sportwagen- und Uhrenfans werden.
Auf 3.600 Quadratmetern ist allemal mehr als genug Platz für die aktuell zehn Uhrmacherplätze. Das Porsche Design Timepieces Manufaktur-Gebäude wurde nach den Design-Prinzipien von Unternehmensgründer F.A. Porsche gestaltet. Der Vater des 911 war in vielerlei Hinsicht vom Bauhaus-Prinzip „Form folgt Funktion“ geprägt, und so finden sich im Erdgeschoss gleich mehrere F.A.-Statements an den schwarzen Wänden, die den Geist der Manufaktur widerspiegeln. Zum Beispiel: „Ein formal harmonisches Produkt braucht keine Dekoration. Es sollte durch die reine Form erhaben sein.“ Oder auch: „Wenn man die Funktion einer Sache überdenkt, ergibt sich die Form manchmal wie von allein.“
Die Zitate sollen künftigen Besuchern das Porsche-Design-Selbstverständnis näherbringen, denn regelmäßige Events und Besuche durch Kunden und Fans sind fest eingeplant. Dafür präsentiert sich das Erdgeschoss der Porsche Design Timepieces Manufaktur als Marken-Erlebniswelt, inklusive eines Studios um die eigene Wunsch-Uhr zu personalisieren. Ein erster Porsche-Club war dann auch schon zu Besuch, und General Manager Gerhard Novak berichtet, dass die Nachfrage schon jetzt sehr groß ist. Man wolle aber zunächst maximal einmal pro Woche Gästegruppen empfangen, denn der Fokus läge schließlich in der Produktion der Uhren.
Das Studio F.A. Porsche wurde 1972 gegründet, weil die familiäre Automarke inzwischen so groß und institutionalisiert worden war, dass dort keine Familienmitglieder mehr in leitender Position arbeiten sollten – nicht einmal Ferdinand Alexander, der Vater des 911. Aus diesem Studio entstand in der Folge die Marke Porsche Design. Als einer der bis heute ikonischsten und ersten Entwürfe Porsches gilt der schwarze Chronograph 1, inspiriert vom Cockpit eines 911ers.
Doch so klar die Entwürfe des Gründers auch waren, so bewegt gestaltete sich lange Zeit die Geschichte von Porsche Design. Der Name und der Gründer verband das Haus eng mit dem Stammhaus in Stuttgart, die Gesellschafterstruktur indes war eine komplett andere. Das machte eine konsequente Zusammenarbeit schwierig, und selbst heute wirken die Porsche-Design-Zeitmesser in den firmeneigenen Boutiquen mitunter etwas deplatziert zwischen Kleidung, Sonnenbrillen und Gepäck. Auch die Kooperation der Porsche-Rennsportabteilung mit TAG Heuer sorgt bei Kunden und Sammlern immer wieder für Irritationen: Welche Porsche-Uhr ist denn nun die authentischste?
Die Antwort darauf müsste inzwischen eigentlich eindeutig ausfallen, denn: Inzwischen ist Porsche Design eine hundertprozentige Tochter des Sportwagenherstellers, und entsprechend groß ist das Potenzial für die Uhrmacher aus Grenchen. 70 Prozent der Produktion machen inzwischen individualisierte Versionen der Modelle Globetimer und Chronograph sowie limitierte Modelle für Sondermodelle aus, der Rest entfällt auf den Chronograph 1.
Übers Treppenhaus der Porsche Design Timepieces Manufaktur gelangt der Besucher an einem in indischrot-belederten Handlauf in die oberste Etage der neuen Timepieces-Heimat. Dort befindet sich gleich neben den Uhrmachern die Kommissionierung mit ihrem „Supermarkt“ genannten System, wo die einzelnen Bauteile aus unterschiedlichsten Felgen-Rotoren, Zifferblatt-Farbringen, Gehäusen und Armbändern verwahrt werden. Allein die Farbringe nehmen einen guten Teil der Wand ein, von Sternrubin bis Gulf Orange ist alles möglich, wirklich jede Porsche-Sonderfarbe ist bestellbar. Wurde ein Farbton noch nie geordert wird er für die Neuanfertigung angefordert, dann aber immer gleich mindestens zehn Farbringe. Die unzähligen Boxen mit unterschiedlichsten Farbschattierungen zeugen von der Tatsache, dass es insgesamt 300 Millionen verschiedene Kombinationsmöglichkeiten gibt.
Bei der Herstellung setzt Porsche Design auf aus der Automobilindustrie vertraute Abläufe und eine Just-In-Time-Logistik: Über eine Rollbahn gelangen die benötigten Einzelteile für eine neue Uhr den Reinraum und den zuständigen Uhrmacher.
Über die Kosten für das neue Porsche Design Timepieces Manufaktur-Gebäude schweigen die Verantwortlichen vornehm. Ohne Zweifel war es ein substanzielles Investment, und die Erwartungen an das Wachstum der Uhrensparte groß. „A New Time“, eine neue Zeit also, ruft Porsche Design dann auch mit dem Umzug aus dem alten Zweckbau im benachbarten Solothurn ins neue, dritte „Werk“ in Grenchen aus. Schon jetzt sind die Uhren für gut die Hälfte des Gesamtumsatzes von Porsche Design verantwortlich, und das bei einer Produktion von wenigen tausend Uhren pro Jahr. Matthias Becker, Vorstand für Vertrieb und Marketing der Porsche AG, verkündet entsprechend stolz: „Als erster Automobilhersteller betreiben wir eine eigene Uhrenmanufaktur. Daraus leiten wir einen klaren Anspruch ab: unseren Kunden außergewöhnliche Zeitmesser zu bieten, die Porsche-typisch Innovation, Präzision und ein hohes Maß an Individualisierung vereinen.“
Aus diesem Satz lässt sich auch erkennen: Als Kunden hat man nicht nur, durchaus aber vor allem die Käufer von Porsche-Fahrzeugen im Blick. Neben dem Verkauf über die eigene Homepage, eigene Boutiquen und Konzessionäre dürften deshalb die Porsche-Zentren für das künftige Wachstum ausschlaggebend sein. Der Gedanke ist einleuchtend: 2025 lieferte man rund 280.000 Automobile aus, davon über 50.000 Exemplare des 911. Wenn nur jeder zehnte Kunde eine Uhr zum Auto bestellen würde, so wäre man in Stuttgart und Grenchen sicherlich zufrieden. Allein: Nicht jeder Pianist spielt auch gern Geige. Oder anders gesagt: Nicht jeder Autoverkäufer hat auch Freude am Vertrieb von Uhrmacherei.
Entsprechend ist die Timepieces-Mannschaft nun unterwegs durch die Niederlassungen, um für die hauseigenen Uhren Sinn und Expertise zu schärfen. Denn dass automobile und horologische Leidenschaft oft eng verbunden sind, das zeigt nicht nur die Karriere von Ferdinand A. Porsche. Das bestätigen auch viele Autosammler, und das erleben die Mitarbeiter in Grenchen schon jetzt tagtäglich.