Roger Dubuis lädt mit der Boutique Le Lounge in Genf zum Entdecken aktueller Uhren wie die Excalibur Biretrograde Calendar und der gesamten Markenwelt ein.

Kurz vor dem Start der neuen Formel-1-Saison bringen Wempe und TAG Heuer ihre erste gemeinsame Uhr innerhalb der Wempe Signature Collection: den Wempe x TAG Heuer Carrera Chronograph (auf 50 Exemplare limitiert). In diesem Artikel zeigen wir, warum die Edition für Sammler so interessant ist – von der seltenen blau-silbernen Carrera-Anmutung über die historischen Motorsport-Referenzen bis zu den Details der aktuellen „Glassbox“-Generation und dem Uhrwerk dahinter.
Ich erinnere mich noch gut an eines der letzten Interviews, die Jack Heuer gegeben hatte. Er zögerte keine Sekunde auf die Frage, welches wohl seine für ihn wichtigste Uhr war unter den vielen Modellen, die er in den spannenden Sechziger- und Siebziger-Jahren des letzten Jahrhunderts geschaffen hatte. Eine Ära explosiver Innovationen, eine Zeit, in der die großen Uhrenikonen entstanden. Heuer sagte: „Es war natürlich die Carrera.“ Er trug damals einen goldenen Carrera-Chronographen am Arm (das Original hatte 36 Millimeter Durchmesser). Sie ist bis heute eine wunderschön elegante und zugleich sportliche Uhr. Sein Modell war ganz ähnlich jenen Modellen, die Formel-1-Legenden und Ferrari-Teampiloten im ersten Uhrensponsoring der Formel 1 als frisch gekürte Weltmeister in den Manufakturgebäuden in La Chaux-de-Fonds im Kanton Neuchâtel abholten.
Denn der Armbandchronograph hat sich ebenso in die Geschichte des Motorsports eingebrannt wie Reifenabrieb in den Asphalt bei Formel-1-Rennen. Bereits 1969 war das Logo der Marke erstmals auf einem Formel-1-Auto zu sehen, als Rennfahrer Jo Siffert mit Heuer-Uhren unterwegs war – lange bevor offizielle Sponsorenverträge üblich wurden. Steve McQueen machte 1971 sein Rennfahrervorbild Siffert, der viel zu früh verstarb, im Film Le Mans mit Rennanzug und Heuer-Logo unsterblich.
Niemanden wunderte es daher, dass TAG Heuer unter Führung von LVMH seit letztem Jahr wieder offizieller Sponsor der Formel 1 ist – wie schon zu Zeiten des ersten Comebacks der Uhr im Jahr 1996 in den Jahren von 1992 bis 2003 bevor Rolex das Ruder übernahm. Viele legendäre Heuer-Modelle trugen die Namen von Rennstrecken: ob Silverstone, Monza oder Monaco. Wir haben die Geschichte ausführlich in unserem Artikel „Die Siegesformel“ beschrieben, den jeden Motorsportfan, der auch Uhrensammler ist, interessieren wird. Was die Zahl der Weltmeistertitel angeht, ist die Manufaktur neben Ferrari eine der prägendsten Marken der Formel-1-Historie.
Dass der deutsche Juwelier Wempe nur drei Tage vor dem Start der neuen Formel-1-Saison am 6. März im australischen Melbourne nun eine auf nur 50 Exemplare limitierte Edition dieses Uhrenklassikers auflegt, ist in vielfacher Hinsicht folgerichtig. Zum einen krönt das Modell sozusagen die Reihe der bisher 13 Ikonen und modernen Klassiker, mit denen Wempe die Signature-Reihe 2022 erstmals auflegte. In dieser Reihe erschienen u.a. zwei Editionen der Breitling Navitimer (jeweils 200 und zuletzt 50 Exemplare), die Laureato von Girard-Perregaux (100 Exemplare des Chronographen, bis heute mein absoluter Favorit) oder auch dezentere Designklassiker wie die zwei Nomos-Editionen, zuletzt die berühmte Tangente Neomatik 39 (100 Exemplare).
Alle Uhren wie auch das neue Modell sind in Wempe-Niederlassungen oder im Wempe-Onlineshop erhältlich und oft schon am Abend der Veranstaltung, wo die Uhren vorgestellt werden, so gut wie ausverkauft.
Wenn man sich die Details der Uhren anschaut, spürt man, dass die Wempe-Experten unter Leitung des Geschäftsführers der Uhrenabteilung, Bernhard Stoll, sich seit Jahrzehnten mit Details von Uhrenklassikern auseinandersetzen. Swisswatches hat die meisten der Signature-Modelle ausführlich beschrieben – hier finden Sie die Übersicht.
Was Kennern am Wempe-Tag-Heuer-Modell sofort auffällt: Blau-silberne Carrera-Modelle sind in der Geschichte der Uhr extrem selten: Wie Nicholas Biebuck, Heritage Director bei TAG Heuer in seinem wirklich lesenswerten Buch “The Race Never Stops” in einer Übersicht aller historischen Carrera und Pre-Carrera Modelle ausführlich beschreibt, ist blau zu Beginn eine Ausnahmefarbe in der Modellreihe, die eher auf schwarzen, silberfarbenen Elementen basiert: Unter den frühen Pre-Carreras und Carreras findet man sie gar nicht, erst mit der Carrera Chronomatic von 1969 erhält sie Einzug in die Reihe, später dann auch mit dem Kaliber 12 Automatik-Chronographen 1971. 2013 gab es eine Jack Heuer 81 Boutique Edition in Blausilber und dem Kaliber 17, ansonsten sind in jüngster Zeit blaue Modelle vor allem komplett blau und nicht in der für Sammler spannenden Zweifarb-Ausführung mit abgesetzten Totalisatoren erhältlich.
Zum anderen verbindet die beiden Traditionshäuser eine persönliche Geschichte, die geschäftsführende Gesellschafterin Kim-Eva Wempe (63) auf den Punkt bringt: „Die Carrera von TAG Heuer ist für mich mit ihrer reduzierten Formensprache und dem kompromisslosen Anspruch an Präzision eine Armbanduhr, die Generationen überdauert. Seit 1953 führen wir die Schweizer Uhrenmarke.“ Schon ihr Großvater nahm TAG Heuer in Deutschland auf. Besonders prägend in der partnerschaftlichen Zusammenarbeit war für Wempe auch die Leistung von Jack Heuer, unter dessen Leitung die Carrera als Hommage an den Motorsport entstand.
Der Start der Zusammenarbeit 1953 sagt viel über das Ethos von Wempe aus: Man sollte nicht vergessen, das ist nicht nur zehn Jahre, bevor überhaupt die erste Carrera auf den Markt kam, sondern auch fast zwei Jahrzehnte, bevor Heuer als erster Uhrensponsor in der Formel 1 auftauchte und das Rennteam von Joe Siffert unterstützte. Die Carrera, das wissen die Sammler natürlich, wurde dann 1963 vorgestellt. Inspiriert ist sie von dem legendären, bis heute stattfindenden Rennen Carrera Panamericana. Jack Heuer, damals noch nicht Geschäftsführer der in Familienbesitz befindlichen Manufaktur, suchte als Vertreter im US-Markt einen Namen für diese besondere Uhr. Sie sollte vor allem für Rennfahrer jener Ära höchste Ablesbarkeit, technische Exzellenz und klare Linienführung vereinen.
Auch wenn Jack Heuer nie als Rennfahrer auftrat, war er vom Motorsport begeistert und fuhr gelegentlich als Copilot mit; schließlich stellte Heuer Stoppuhren für Autorennen her. Er stellte dem Sports Car Club of America (SCCA) beim Zwölf-Stunden-Rennen von Sebring Stoppuhren zur Verfügung. Dadurch war er offizieller Zeitnehmer und 1963 höchstpersönlich an der Rennstrecke in Sebring anwesend. Dort lernte er den jungen mexikanischen Autorennfahrer Pedro Rodríguez kennen, der die Carrera Panamericana gefahren war und ihm davon erzählte. Er ließ den Namen für Uhren schützen – so, wie es später auch Porsche für Autos tat.
Die über 3.400 Kilometer lange Carrera Panamericana fand übrigens nur vier Jahre regulär statt, bevor sie wegen zahlreicher Todesfälle eingestellt wurde und seit 1988 als Oldtimer-Rallye wieder neu aufgelegt wird.
Für die neue Uhr wie für das Original gilt: Nichts soll von der Funktion ablenken. Natürlich ist es kein Zufall, dass Porsche auch seinem legendären Modell 911 den Namenszusatz gab, denn Carrera bedeutet nichts anderes als „Rennen“, vom Spanischen ins Deutsche übersetzt. Porsche nahm nach mehreren Siegen in seiner Klasse jeweils die leistungsstärksten Fahrzeuge einer Baureihe als Carrera – wie erstmals beim Porsche 356 A Carrera. Das Jahr der Lancierung der Carrera, 1963, markiert nicht nur einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte von TAG Heuer, sondern Porsche führte im selben Jahr sein wichtigstes Auto ein, den Porsche 911. Dass dieses Fahrzeug ebenso mit dem Namen Carrera verwachsen ist, hängt mit dem 1973 vorgestellten 911 Carrera RS 2.7 zusammen, einem besonders leistungsfähigen und sehr seltenem Porsche-Modell.
Das Jahr 1963 markiert auch einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte Wempes, denn Hellmut Wempe übernimmt nach dem Tod Herbert Wempes die Leitung des Unternehmens und entwickelt die Vision eines internationalen Juweliers mit deutschen Wurzeln. Dank seiner engen Verbindungen in die Schweiz wird Wempe im gleichen Jahr der erste Konzessionär von Rolex in Deutschland.
Tag Heuer wiederum hat bis heute in 166 Jahren mit besonderen Technologien immer wieder seinen Pioniergeist im Bereich der Chronographen bewiesen: Dazu zählen der Schwingtrieb für mechanische Stoppuhren im Jahr 1887, der Mikrograph im Jahr 1916 sowie das erste Automatik-Chronographenwerk – Calibre 11 – im Jahr 1969 (jene Monaco, die Steve McQueen in Le Mans trug). Vereinfacht kann man sagen: Ziemlich genau seit der Gründung Heuers in den 1880er-Jahren stehen Chronographen im Mittelpunkt unseres Handelns. Im Gegensatz zum Comeback dieser Uhr unter LVMH-Führung im Jahr 1996 tragen heute natürlich alle Carrera-Modelle den berühmten Namen auf dem Zifferblatt. 2021 gingen die beiden Namenshalter, Porsche und TAG Heuer, selbst eine Partnerschaft mit eigenen Sondermodellen ein.
Credit © Sotheby’s
Die aktuelle TAG Heuer Carrera Chronograph Wempe Signature Collection präsentiert sich in einem angenehm tragbaren 39-mm-Edelstahlgehäuse, wie es seit dem großen Relaunch der Kollektion im Jahr 2023 verwendet wird. Die silbrig schimmernden Zifferblätter findet man schon in der Original-Carrera der Anfangsjahre. Rote Akzente setzen der Chronographenzeiger sowie die Zeiger der Totalisatoren – ein klarer Hinweis auf die sportliche DNA der Carrera. Das gewölbte Saphirglas verleiht dem Zeitmesser nicht nur Tiefe und Charakter, sondern ist ebenfalls ein historisches Zitat klassisch bombierter Zifferblätter, wie sie schon das Urmodell hatte.
Der Hinweis auf die Zusammenarbeit der beiden Häuser ist hier neben der bewussten Farbwahl (eine solche Kombination gibt es nur bei dieser Uhr) sehr dezent, entspricht aber dem, was Sammler immer mehr schätzen: Niemand muss wissen, dass es nur 50 Exemplare des Modells weltweit gibt. Der Gehäuseboden ist mit der Gravur „One of 50“ sowie dem Zusatz „Wempe Signature Collection“ versehen. Es reicht zu wissen, einer von 50 Kunden und Kundinnen weltweit zu sein.
Natürlich ist diese Uhr gestalterisch angelehnt an den wichtigsten Relaunch in der Historie der Uhr: 2023, zum 60. Jubiläum der Carrera, besann man sich bei TAG Heuer zurück auf seine Wurzeln: Mit dem als „Glassbox“ bezeichneten Design kehrte das stark gewölbte Glas ebenso zurück wie die in einen Zifferblattring integrierte Strich-Skala, die schon im ersten 36-Millimeter-Modell von 1963 ebenfalls unter dem Glasrand lag. Was heute Saphirglas ist, bestand damals allerdings noch aus dem Kunststoff Hesalit. Im Gegensatz zur ersten Carrera von 1963 ist allerdings die Sekundenskala einer Tachymeterskala zum Messen von Durchschnittsgeschwindigkeiten gewichen, was nicht nur wegen des größeren Gehäuses Sinn macht, sondern für Motorsportfans fast selbstverständlich im Chronographenbereich ist.
Und natürlich war die berühmte Referenz 2447 S 1a, die erste Armbanduhr mit dem Carrera-Logo, mit dem Kaliber Valjoux 72 ein Handaufzugschronograph ohne Datumsanzeige und kein Automatikchronograph mit Datum wie im aktuellen Modell. Desweiteren hat Wempe die Ablesbarkeit der Chronographenfunktion deutlich und elegant einfach erhöht: Die Sekunden- und Tachymeterskala sowie die beiden Totalisatoren bei 3 Uhr und 9 Uhr zum Ablesen der gestoppten Stunden und Minuten sind blau abgesetzt, die kleine Sekunde bei 6 Uhr ist dagegen wie das Zifferblatt in Silber gehalten, um nicht den Anschein zu Erwecken, dass sie etwas mit der Zeitanzeige zu tun hat, da die Stoppsekunde aus dem Zentrum der Uhr erfolgt. So ergeben sich auch logisch die rot angelegten Zeiger fürs Stoppen und die silbernen für die Zeitmessung. Es sind diese Details, die Sammler und Fans der präzisen Zeitmessung sicher sehr schätzen werden.
Das mechanische Chronographenwerk TH20-00 überarbeitete vor drei Jahren die von Cartier zu TAG Heuer gewechselte Ausnahme-Chefuhrmacherin Carole Forestier. Das damalige Kaliber Heuer 02 Automatik mit 80 Stunden Gangreserve, Achtelsekunden-Stoppgenauigkeit, Schaltradsteuerung und Schwingtrieb-Kupplung wurde dank des neuen bidirektionalen Aufzugs optimiert. Durch den Glasboden ist der Anblick des Werkes nun auch noch schöner: Das Uhrwerk ist hochwertiger veredelt und verfügt über einen neuen, skelettierten Rotor, der in Form des TAG-Heuer-Wappens gestaltet ist.
Profis werden erkennen: Das Wempe-Design mit dunkelblauer Tachymeterskala, blauen Totalisatoren und blauem Lederarmband erinnert übrigens stark an die erste Carrera Chronomatic Automatik aus dem Jahr 1969 mit dem berühmten Kaliber-11-Uhrwerk wie weiter oben beschrieben.
Wer Motorsport liebt, wird auch diese Uhr lieben. Sie passt zum dunkelblauen Anzug im Office ebenso wie zu Jeans und T-Shirt an der Rennstrecke. Der Preis von 7.200 Euro ist für einen Manufaktur-Chronographen auch in Anbetracht der Limitierung sehr fair. Mehr als bei allen vorangegangenen Signature-Modellen kommt es wahrscheinlich zum Start dieser Uhr auf Speed an, wer sie rechtzeitig zum Rennen in Melbourne am Handgelenk haben will.
Wempe Signature Collection x TAG Heuer
Carrera Chronograph Wempe Signature Collection
Ref. TH800467
Edelstahl
Durchmesser: 39 mm
Höhe: 13,9 mm
10 Bar (100 Meter)
Silbernes, kreisförmig gebürstetes Zifferblatt; blauer Zifferblattring mit 60-Sekunden/Minuten-Skala
3 Uhr: 30-Minuten-Chronographenzähler, 6 Uhr: Kleine Sekunde, 9 Uhr: 12-Stunden-Chronographenzähler
Blaues Lederarmband mit Edelstahl-Faltschließe
TH20-00
Automatisch
Ca. 80 Stunden
28.800 A/h (4 Hz)
Chronograph, Datum
7.200 EUR