Breitling und Aston Martin feiern ihre neue Partnerschaft mit der Lancierung der Navitimer B01 Chronograph 43 Aston Martin Aramco Formula One Team.

Ob als Begleiter zentraler Meilensteine der Menschheitsgeschichte oder als Hilfsmittel in Notfallszenarien, von den frühen orbitalen Missionen bis hin zu Langzeitaufenthalten auf Raumstationen – in diesem Artikel zeigen wir die wichtigsten mechanischen Uhren im Weltraum.
Der Zeitmessung kommt in der Raumfahrt seit ihren Anfängen ein besonderer Stellenwert zu, und sie erfüllt eine klar definierte Funktion: Triebwerkszündungen, Kurskorrekturen, Andockmanöver und Außenbordeinsätze folgen exakt berechneten Zeitfenstern, in denen selbst geringe Abweichungen unmittelbare Auswirkungen haben können. Insbesondere in den frühen Phasen der bemannten Raumfahrt, als digitale Bordcomputer noch nicht ausgereift waren, diente der Chronograph am Handgelenk als unabhängiges Hilfsmittel für zeitkritische Abläufe. Uhren im Weltraum galten dabei weniger als persönliche Begleiter denn als funktionale Instrumente, deren Zuverlässigkeit unter Extrembedingungen bestehen musste. Im Folgenden beleuchten wir die wichtigsten mechanischen Uhren, die ins Weltall gelangt sind – ob als Begleiter zentraler Meilensteine der Menschheitsgeschichte oder als Hilfsmittel in Notfallszenarien, von den frühen orbitalen Missionen bis hin zu Langzeitaufenthalten auf Raumstationen.
Die Bedeutung der Sturmanskie Type II liegt in ihrer Rolle als erste Armbanduhr, die am Handgelenk eines Astronauten ins Weltall gelangte. Sie befand sich am Handgelenk Yuri Gagarins, dem es während der Mission Wostok 1 am 12. April 1961 als erstem Menschen überhaupt gelang, die international anerkannte Grenzhöhe von 100 Kilometern zu überschreiten und folgerichtig sowohl den ersten bemannten Weltraumflug als auch den ersten bemannten Orbitalflug zu absolvieren. Anstatt als Prestigeobjekt konzipiert zu sein, verfügte die Sturmanskie Type II über die wesentlichen Eigenschaften eines militärischen Zeitmessers: Das Gehäuse mit einem Durchmesser von 33 mm bei einer Höhe von 11 mm besaß einen verschraubten Gehäuseboden, um das Werk vor Staub und Feuchtigkeit zu schützen. Auch die Krone erhielt zusätzliche Dichtungen, um selbst bei Druckschwankungen einen unterbrechungsfreien Betrieb zu gewährleisten, während weitere Dichtungen an den Verbindungsstellen der Gehäusekomponenten saßen.
Bild von Yuri Gagarin vor dem Start, basierend auf einer Aufnahme des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation (mil.ru), bearbeitet, lizenziert unter Creative Commons Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0) / Credit © Netgrafik.ch
Im Inneren arbeitete das als Kaliber 43M bekannte Uhrwerk, das auf dem Kaliber 2609 basierte, nach vollständigem Aufzug eine Gangreserve von circa 34 Stunden bot und dessen Konstruktion zudem durch eine Stoßsicherung an der Unruhwelle ergänzt wurde. Die Sturmanskie wurde von der im Jahr 1930 gegründeten Ersten Moskauer Uhrenfabrik hergestellt, die jedoch im Jahr 2004 Insolvenz anmeldete. Die Markenrechte an Sturmanskie wurden ab 2004 an Volmax – einen Hersteller von Armbanduhren mit Sitz in Moskau – veräußert, der die Marke sukzessive insbesondere mit Bezug auf die sowjetische und russische Raumfahrthistorie neu ausrichtete.
Der Heuer-Stoppchronograph mit der Referenz 2915A markiert den ersten Einsatz eines Schweizer Zeitmessers im Weltraum und nimmt deshalb eine besondere Stellung unter den Uhren im Weltraum ein. Sie wurde von John Glenn während der Mission Mercury-Atlas 6 im Jahr 1962 mitgeführt, als er als erster Amerikaner an Bord eines Raumfahrzeugs die Erde umrundete. Gemeinsam mit seiner Heuer sollte er die Erde in einer Zeit von 4 Stunden und 55 Minuten bei einer zurückgelegten Strecke von 121.793 Kilometern dreimal umrunden, eine maximale Höhe von etwa 260 Kilometern sowie eine Umlaufgeschwindigkeit von rund 7,8 Kilometern pro Sekunde erreichen – und die USA mit John Glenn als erstem US-amerikanischen Astronauten in der Erdumlaufbahn zur Sowjetunion aufschließen.
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Bei der Heuer Referenz 2915A, die mit elastischen Bändern über John Glenns Arm gespannt war, handelte es sich um ein Modell mit weißem Zifferblatt, dessen zentraler Chronographenzeiger eine vollständige Umdrehung in 60 Sekunden vollführte. Der kleine Zeiger des oberen Hilfszifferblatts maß dabei Zeitintervalle von bis zu 60 Minuten, während der des unteren Hilfszifferblatts Zeiten von bis zu 12 Stunden erfasste. Das Zifferblatt ermöglichte dank der Kombination aus großen Ziffern und der feinen Skala am Zifferblattrand das präzise Erfassen von Zeitintervallen mit einer Genauigkeit von 1/5 Sekunden.
Credit © NASA
Die Breitling Navitimer Cosmonaute gilt als die erste Schweizer Armbanduhr, die im Weltraum getragen wurde. Auf Wunsch des amerikanischen Astronauten und späteren Aquanauten Scott Carpenter – einer der legendären „Mercury Seven“ und als vierter Amerikaner im All – wurde sie speziell mit einem 24-Stunden-Zifferblatt ausgestattet und 1962 während der Mission Mercury-Atlas 7 getragen. Die 24-Stunden-Anzeige half dabei, in der Erdumlaufbahn Verwechslungen zwischen Tag und Nacht zu vermeiden. Die spezielle, von Scott Carpenter getragene Navitimer Cosmonaute Ref. 809 wurde durch Salzwasser beschädigt und ging in der Folge verloren, nachdem Carpenter sie zur Reparatur an Breitling zurückgeschickt hatte. Ihr heutiger Verbleib ist unbekannt.
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Die zweite Version der Omega Speedmaster, die Referenz CK 2998, ist deshalb von Bedeutung, da sie als „First Omega in Space“ (FOIS) das Kapitel der Weltraumverbundenheit Omegas aufschlug und sich in ihrer Ästhetik bereits dem Charakter der späteren „Moonwatch“ annäherte. Auf dem Zifferblatt der Ref. CK 2998 wichen die pfeilartigen Zeiger der ersten Speedmaster-Referenz CK 2915 deutlich schlichteren „Alpha“-Stunden- und Minutenzeigern, während die Aluminiumlünette, auf der die Tachymeterskala untergebracht war, nunmehr mit einer schwarzen Beschichtung versehen wurde. Zu Ruhm gelangte die Uhr vor allem durch einen ihrer Träger, den Astronauten Walter „Wally“ Schirra, der die Referenz als Begleiter für die Mercury-Atlas-8-Mission am 3. Oktober 1962 auserkoren hatte und sie an Bord des Raumschiffs Sigma 7 trug. Während seines Fluges umkreiste „Wally“ die Erde sechsmal auf seiner Mission, die 9 Stunden, 13 Minuten und 15 Sekunden andauern sollte. Dies war der bis dahin längste bemannte Orbitalflug der USA im Wettlauf ins All, lag jedoch deutlich hinter dem Rekord von über drei Tagen zurück, den die sowjetische Mission Wostok 3 bereits Anfang desselben Jahres aufgestellt hatte. Noch interessanter wird Schirras CK 2998 vor dem Hintergrund, dass es sich bei der Uhr um eine private Anschaffung und nicht um eine von der NASA zertifizierte Uhr handelte.
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Am 18. März 1965 startete die Woschod-2-Mission mit Alexei Leonow und seinem Kommandanten Pawel Beljajew an Bord in Richtung Weltraum, mit dem erklärten Ziel, den ersten Außenbordeinsatz eines Kosmonauten durchzuführen. In der Erdumlaufbahn verließ Leonow sein Raumschiff und wurde somit zum ersten Menschen in der Geschichte, der frei außerhalb seines Raumfahrzeugs im Weltraum schwebte. Berühmt wurde Leonow jedoch auch durch das, was während dieses Weltraumspaziergangs geschah: Während des 12-minütigen Schwebens außerhalb seiner Raumkapsel, mit der er lediglich über eine 4,5 Meter lange Sicherheitsleine verbunden war, blähte und versteifte sich sein Raumanzug infolge des Druckunterschieds zum Vakuum des Weltraums so stark, dass ein Wiedereinstieg in die Luftschleuse unmöglich wurde. Um diesem Zustand entgegenzuwirken, verringerte Leonow den Druck seines Raumanzugs über ein auf Höhe des rechten Oberschenkels befindliches Ventil auf den Notmodus und konnte durch die entweichende Luft in die Schleuse und schließlich in das Raumschiff zurückkehren. Während Alexei Leonow den ersten Außenbordeinsatz im freien Weltraum vollzog, trug er einen Strela 3017 Chronographen mit cremefarbenem Zifferblatt der ersten Moskauer Uhrenfabrik am Handgelenk.
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Die Omega Speedmaster Ref. 105.003 nimmt einen zentralen Platz in Omegas Geschichte der Raumfahrt sowie unter den Uhren im Weltraum ein, da sie als erste Speedmaster offiziell von der NASA als „flugtauglich für alle bemannten Weltraummissionen“ erklärt wurde. Dieses Prädikat, von dem jede Marketingabteilung nur träumen kann, erhielt die Speedmaster nach dem erfolgreichen Bestehen von elf strengen Testverfahren, denen sie zwischen Oktober 1964 und März 1965 unterzogen wurde. Dabei setzte sie sich gegen ihre Mitbewerber – den Longines-Wittnauer-Chronographen Ref. 235T sowie den Rolex-Chronographen Ref. 6238 – durch und wurde schließlich von Astronauten während des Gemini-Programms getragen. Besonders hervorzuheben ist, dass Edward White bei der Mission Gemini IV, die vom 3. Juni 1965 bis zum 7. Juni 1965 andauerte, den ersten Außenbordeinsatz – auch EVA („extra-vehicular activity“) genannt – eines Amerikaners durchführte und dabei nicht nur eine, sondern gleich zwei Speedmaster 105.003 am Handgelenk trug.
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Die Glycine Watch SA ist ein Schweizer Uhrenhersteller, der 1914 in Biel von Eugène Meylan gegründet wurde, wo sich bis heute sowohl die Produktion als auch der Firmensitz befindet. Eine Glycine Airman Uhr erreichte im Jahr 1965 den Weltraum, als der Astronaut Charles „Pete“ Conrad eine Glycine Airman während der Mission Gemini 5 trug. Als langjähriger Liebhaber der Airman – laut der Marke bereits seit seiner Zeit als Testpilot – nutzte Conrad das Modell bei diesem Flug, bei dem er gemeinsam mit Gordon Cooper einen neuen Raumflug-Ausdauerrekord von 7 Tagen, 22 Stunden, 55 Minuten und 14 Sekunden aufstellte und damit den bisherigen sowjetischen Rekord übertraf. Neben den beiden von der NASA ausgegebenen Omega-Speedmaster-Modellen, die Conrad während der Mission am Handgelenk trug, befand sich auch eine Glycine Airman an seinem Handgelenk und zählt somit zu einer der Uhren im Weltraum.
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Die Speedmaster Referenz 105.012 begründete den Kult der „Moonwatch“, der heute einen elementaren Teil der Faszination der Omega Speedmaster ausmacht. Das Erscheinungsbild der Referenz 105.012 wird von einer asymmetrischen Gehäuseform dominiert, die Krone und Drücker auf der rechten Seite vor Stößen schützen sollte. In diesem Zuge wurde der Gehäusedurchmesser von zuvor 40 mm bei der Referenz ST 105.003 auf nunmehr 42 mm bei der Referenz 105.012 vergrößert, während die Hörner des Gehäuses eine geschwungene Form annahmen. Zudem erhielt der „Omega Speedmaster“-Schriftzug auf dem Zifferblatt zum ersten Mal den Zusatz „Professional“ – ein Verweis auf den ursprünglich professionellen Zweck des Speedmaster-Modells von 1957 sowie auf die angepasste Gehäusekonstruktion.
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Mit der Referenz 105.012 an Bord hoben die Astronauten der Apollo-11-Mission am 16. Juli 1969 in Richtung des Mondes ab. Tatsächlich war es Buzz Aldrin, der als zweiter Mann den Mond betrat und dabei seine Speedmaster 105.012 am Handgelenk trug. Neil Armstrong, der erste Mensch auf dem Mond, ließ seine Speedmaster der Sage nach hingegen in der Fähre zurück, da die Cockpituhr nicht einwandfrei funktionierte und ein Ersatz benötigt wurde. Der dritte Astronaut, Michael Collins, der während der Mission in der Kommandokapsel in der Umlaufbahn des Mondes verblieb, trug eine Speedmaster der Referenz 145.012.
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Die Omega Speedmaster Professional Ref. 105.012 begleitete zahlreiche NASA-Astronauten ins Weltall und ist neben der Mondlandung auch eng mit der Mission Apollo 13 des Jahres 1970 verbunden, die beinahe in einer Tragödie endete und eine der berühmtesten Bewährungsproben der Uhr darstellt. Denn kurz vor der geplanten Mondlandung des Raumschiffs Odyssey kam es zu einem verheerenden Zwischenfall: Mehr als 300.000 Kilometer von der Erde entfernt explodierte ein Sauerstofftank. Für die dreiköpfige Besatzung, die ihre ursprüngliche Mission aufgeben und stattdessen eine Notfallstrategie entwickeln musste, gab es nur noch ein erklärtes Ziel: sicher zur Erde zurückzukehren. Doch die Explosion, die gravierende Auswirkungen auf die Energieversorgung hatte, führte dazu, dass zahlreiche Systeme außer Betrieb gesetzt werden mussten, um den verbliebenen Strom für die überlebenswichtigen Funktionen zu reservieren – unter diesen Systemen war auch der Bordcomputer, der für Zeitmessungen genutzt wurde.
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Genau an diesem Punkt kam die Speedmaster 105.012 ins Spiel. Denn für einen erfolgreichen Wiedereintritt in die Erdatmosphäre war eine exakt getimte Zündung der Triebwerke unerlässlich: 14 Sekunden Brenndauer mit nur minimaler Abweichung. Mithilfe des Chronographen gelang es den Astronauten der Sage nach, das kritische Zeitfenster einzuhalten und somit die sichere Rückkehr zu gewährleisten. Die Rettung glückte: Am 17. April 1970 wasserte die Kommandokapsel der Apollo 13 wohlbehalten im Pazifik. Als Anerkennung für ihren Beitrag zur Mission verlieh die NASA Omega im Allgemeinen, der Omega Speedmaster im Besonderen, die prestigeträchtige Auszeichnung des Silver Snoopy Award – eine der höchsten Ehrungen, die die Raumfahrtorganisation zu vergeben hat. Heute kann dieser Award im Omega-Museum in Biel besichtigt werden.
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Die Mission Apollo 14 startete am 31. Januar 1971 von Cape Kennedy und landete schließlich am 5. Februar 1971 mit der Mondlandefähre Antares auf der Mondoberfläche. Die Crew, bestehend aus Stuart Roosa, Alan Shepard sowie Edgar Mitchell, absolvierte damit die dritte erfolgreiche Mondlandung der Menschheitsgeschichte; Shepard und Mitchell wurden dabei zum fünften beziehungsweise sechsten Menschen, die je den Mond betraten. Stuart Roosa – Pilot des Kommandomoduls – führte währenddessen aus der Umlaufbahn heraus eine Kartierungsmission des Mondes durch. Während die Apollo-Astronauten bekanntermaßen mit Omega-Speedmaster-Professional-Zeitmessern ausgestattet wurden, entschied sich Edgar Mitchell zusätzlich dafür, seine private Rolex GMT-Master Ref. 1675 während der Mission zu tragen – womit sie als erste Rolex auf dem Mond gilt. Jene GMT-Master, die Mitchell auf der Mondoberfläche trug, wurde mit der Inschrift „Worn by Cdr. E. Mitchell on Apollo 14, 1971, To Karlin – My Daughter.“ auf dem Gehäuseboden graviert und im Jahr 2024 beim Auktionshaus RR Auctions für einen Gesamtpreis inklusive Aufgeld von 2.163.199 US-Dollar versteigert.
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Die Geschichte von Bulova reicht bis ins Jahr 1875 zurück, als die Marke von Joseph Bulova in New York gegründet wurde. Seit 2008 unter dem Dach der Citizen Group, produziert das Unternehmen heute preisgünstige Herren- und Damenuhren in derzeit zwölf Kollektionen, in denen mechanische oder Quarzwerke verbaut sind.
Ein wesentlicher Meilenstein in der Unternehmensgeschichte von Bulova ereignete sich während der Mission Apollo 15 im Jahr 1971, als auch der Bulova Chronograph 88510/01 auf dem Mond getragen wurde und somit zu einem bedeutenden Teil der Uhren im Weltraum zählt. Die Uhr, bei der es sich um einen Prototypen handelte, diente dem Astronauten David Scott als Reserve-Chronograph während des dritten Außenbordeinsatzes von Apollo 15 auf der Mondoberfläche. Dies wurde laut den Transkripten aus dem Lunar Surface Journal der Mission Apollo 15 notwendig, nachdem David Scott offenbar nach dem zweiten Außenbordeinsatz bemerkte, dass sich das Hesalitglas seiner Omega Speedmaster Professional beim Wiedereintritt in die Kabine gelöst hatte. Deshalb griff er beim dritten Außenbordeinsatz auf seine Reserveuhr, den Bulova Chronograph 88510/01, zurück. Die Hauptfunktion des Chronographen auf der Mondoberfläche bestand darin, die Verbrauchswerte – Sauerstoff, Wasser und Batterieleistung – im tragbaren Lebenserhaltungssystem (PLSS) des Raumanzugs zu überwachen. Anschließend trug Scott den Bulova Chronographen auch im Mondorbit sowie auf dem Rückflug zur Erde.
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Der von David Scott getragene Bulova Chronograph 88510/01 wurde beim Auktionshaus RR Auctions im Jahr 2015 für einen Gesamtpreis inklusive Aufgeld von stolzen 1.592.500 US-Dollar versteigert. Der außergewöhnlich hohe Verkaufspreis der Uhr erklärt sich dadurch, dass die von der NASA an Astronauten ausgegebenen Omega-Speedmaster-Uhren grundsätzlich und dauerhaft im Eigentum der US-Regierung verbleiben. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn eine Uhr ausdrücklich verschenkt wird – ein Vorgehen, das nur äußerst selten stattfindet. Entsprechend galt die Möglichkeit, eine tatsächlich auf dem Mond getragene Uhr zu besitzen, über Jahrzehnte hinweg als faktisch ausgeschlossen. Der Bulova-Chronograph 88510/01 von David Scott stellte daher eine Besonderheit dar: Er bot die überaus seltene Gelegenheit, eine auf dem Mond getragene Armbanduhr aus privatem Besitz im Rahmen einer Auktion zu erwerben.
Am 16. November 1973 starteten Kommandant Gerald P. Carr, Wissenschaftspilot Edward G. Gibson und Pilot William R. Pogue als Crew der Skylab-4-Mission zum dritten und letzten bemannten Flug zur Raumstation Skylab. Sie führten zahlreiche Experimente sowie umfangreiche Erd- und Sonnenbeobachtungen durch. Auf seinem Weltraumflug trug Pogue ohne offiziellen Auftrag als ersten automatischen Chronographen im Weltraum eine Seiko 6139 mit gelbem Zifferblatt, die seither als sogenannte „Pogue Seiko“ und eine der wichtigsten Uhren im Weltraum bekannt ist. Bei zwei Weltraumausstiegen verbrachte Pogue insgesamt über 13,5 Stunden außerhalb der Raumstation. Nach 84 Tagen landete Skylab 4 am 8. Februar 1974 wieder auf der Erde. Der von Pogue und seinen Mannschaftskameraden aufgestellte Rekord hielt vier Jahre.
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Das „Alaska“-Projekt hat seinen Ursprung in einem Geheimprojekt zwischen NASA und Omega und brachte Uhren hervor, die zu den wichtigsten Uhren im Weltraum zählen. Dem Bestreben folgend, eine ultimative Weltraumuhr zu konstruieren, widmeten sich Omegas Ingenieure ab 1968 dieser Herausforderung und fertigten erste Prototypen an. Das erste Ergebnis dieser Anstrengungen war die sogenannte „Alaska I“ (Ref. 5-003). Diese wurde 1969, im Jahr der Mondlandung, entwickelt und zeichnete sich durch ein übergroßes, kissenförmiges 46-mm-Titangehäuse aus, das von einem abnehmbaren Außenmantel aus rot eloxiertem Aluminium umgeben war. Anfang der 1970er Jahre begann Omega mit der Arbeit an der Fortsetzung des Alaska-Projekts, das nun intern als „Alaska II“ bezeichnet wurde. Der daraus resultierende Zeitmesser vereinte die bei der Fertigung der „Alaska I“ gewonnenen Technologien und Designelemente mit dem Speedmaster-„Moonwatch“-Gehäuse, während er zugleich mehrere Neuerungen präsentierte. So verfügte die „Alaska II“ beispielsweise über das aus der „Alaska I“ bekannte weiße Zifferblatt mit übergroßen, raketenartigen Zeigern auf den Hilfszifferblättern, und auch das rote Thermalschild, das laut Omega dazu ausgelegt war, den extremen Temperaturen des Mondes standzuhalten, war wieder mit an Bord.
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Zu weiteren Neuerungen zählten Leuchtmarkierungen und radiale Ziffern auf den Hilfszifferblättern sowie eine Minutenskala auf der Lünette, da die Tachymeterskala im Weltraum keine Verwendung findet. Um die Lichtreflexion auf ein Minimum zu reduzieren, wurde das Gehäuse zudem einer Mikroperlen-Sandstrahlung unterzogen, um der Uhr ein einheitliches, mattes Erscheinungsbild zu verleihen. Die „Alaska II“-Testuhren, von denen angeblich nur eine Handvoll das Licht der Welt erblickte, wurden Anfang der 1970er Jahre nach Houston geliefert. Obwohl die „Alaska-II“-Modelle nie auf dem Mond getragen wurden, da die für sie vorgesehenen Missionen Apollo 18 bis 20 gestrichen wurden, gelangten sie dennoch über Umwege an die Handgelenke sowjetischer Kosmonauten ins Weltall und wurden somit Teil der Uhren im Weltraum. Dies geschah laut Philip Corneille, dem Gründer von Moonwatch Universe, nachdem die USA und die Sowjetunion ein Abkommen zur Vorbereitung einer gemeinsamen Apollo-Sojus-Mission unterzeichnet hatten und Omegas technischer Leiter Hans Widmer sowjetische Raumfahrer nach Biel einlud. Ab 1974 trugen russische Kosmonauten verschiedene Omega-Modelle, darunter die Flightmaster sowie den selbstaufziehenden Chronographen Speedmaster Mark III, und auch die „Alaska II“ konnte schließlich ihr Endziel erreichen und ins All fliegen: Im Jahr 1977 trugen sowohl die Besatzung von Sojus 25 als auch jene von Sojus 26 Speedmaster-Uhren aus dem Alaska-II-Projekt bei ihren Missionen zur Raumstation Saljut 6.
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Die erste deutsche Spacelab-Mission (Spacelab Deutschland-1) fand mit dem amerikanischen Space Shuttle Challenger im Jahr 1985 statt. Bei dieser Mission, die auch als STS-61A gekennzeichnet wurde, handelte es sich um eine Kooperation zwischen der deutschen Raumfahrtagentur DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt) und der NASA. Die Mission STS-61A hält bis heute den Rekord für die größte Besatzung – acht Personen – an Bord eines einzelnen Raumfahrzeugs über die gesamte Dauer einer Mission, vom Start bis zur Landung. Unter den zwei deutschen Besatzungsmitgliedern – Ernst Messerschmid und Reinhard Furrer – war es Furrer, der während der Mission einen automatischen Sinn Chronographen 140 S mit Lemania-Uhrwerk 5100 am Handgelenk trug. Bei der Uhr handelte es sich um eine private Anschaffung, und Furrer erwarb sein Modell 140 S laut der Marke kurz vor der Spacelab-D-1-Mission. Damit zählt der Sinn 140 S Chronograph zu den wichtigsten Uhren im Weltraum und gleichermaßen zu den wenigen deutschen Armbanduhren mit nachweislich belegter Raumfahrtgeschichte.
Die MIR (auf Russisch „Frieden“ oder „Welt“) war eine von der Sowjetunion bemannte Raumstation, die von 1986 bis zu ihrem kontrollierten Absturz im Jahr 2001 die Erde umkreiste. Die Station wurde in der Umlaufbahn aus mehreren Modulen zusammengesetzt, die zwischen 1986 und 1996 einzeln gestartet wurden. Mit Ausnahme von zwei kurzen Perioden war die MIR bis August 1999 durchgehend besetzt. Nachdem die Sowjetunion zerfallen war, führte man erfolgreiche internationale Kooperationen durch, darunter auch mit der NASA, die im Shuttle-MIR-Programm gipfelten, bei dem auch russische Kosmonauten mit einem Shuttle zur Station flogen. Das Shuttle-MIR-Programm umfasste elf Missionen in den Jahren von 1994 bis 1998 und stellte die erste umfangreiche Zusammenarbeit im Weltraum zwischen den USA und Russland seit dem Apollo-Sojus-Projekt dar.
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Dieser Raumstation widmete Omega eine Serie von 35 MIR-Uhren, die von Juli 1993 bis Juli 1994 insgesamt 365 Tage auf der Raumstation MIR verbrachten und dadurch das Konzept der Uhren im Weltraum auf ein neues Niveau hoben. Die Uhren wurden auf die Weltraumstation gebracht, um die langfristigen Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf die Uhrwerke zu untersuchen. Nach einem Jahr im All wurden die Uhren an Omega zurückgegeben und befanden sich ausnahmslos in einwandfreier Verfassung. Die Sammlung umfasst 35 Uhren mit den folgenden Merkmalen: zehn Exemplare der Referenz ST 145.0022.105.1 in Stahl mit Lederband, 18 Exemplare der Referenz ST 345.0022.105 in Stahl mit Stahlband, fünf Exemplare der Referenz BA 145.0052.035A in Gold mit Lederband sowie zwei Exemplare der Referenz BA 345.0052.035 in Gold mit Goldband.
Der im Jahr 1994 vorgestellte Fortis Official Cosmonauts Chronograph, angetrieben vom klassischen Lemania-5100-Kaliber, war die erste Uhr, die offiziell von der russischen Raumfahrtbehörde Roscosmos für den Einsatz zugelassen wurde und damit ein bedeutender Teil der Uhren im Weltraum. Zwischen 1994 und 2003 kam sie sowohl auf Missionen zur Raumstation MIR als auch zur Internationalen Raumstation (ISS) zum Einsatz. Dieser ursprüngliche Cosmonauts Chronograph wurde schließlich 2003 vom Fortis B-42 Official Cosmonauts Chronograph abgelöst. Anstelle des Lemania-Werks kam nun ein ETA 7750 zum Einsatz; zudem wuchs das Gehäuse auf 42 Millimeter an – unter anderem, um die Bedienbarkeit mit sperrigen Raumfahrthandschuhen zu verbessern.
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Im Jahr 2012 flog ein TAG Heuer Carrera Calibre 1887 SpaceX Chronograph an Bord einer Mission von SpaceX zur Internationalen Raumstation (ISS) ins All und kehrte unbeschadet zur Erde zurück. Diese auf 2.012 Exemplare limitierte Edition wurde von TAG Heuer anlässlich zweier Jubiläen aufgelegt: zum einen 50 Jahre seit dem ersten Schweizer Zeitmesser im All – der von John Glenn 1962 getragenen Heuer-Stoppuhr Ref. 2915A –, zum anderen zur Feier der ersten erfolgreichen ISS-Versorgungsmission von SpaceX im Jahr 2012. In ihrer Zifferblattgestaltung orientierte sich TAG Heuer an der Anordnung der historischen Referenz 2915A und übersetzte sie in das Format einer Armbanduhr.
Die Jubiläumsuhr verfügte demnach über ein weißes Zifferblatt mit einem 30-Minuten-Zähler bei 12 Uhr und einem 12-Stunden-Zähler bei 6 Uhr, eingefasst in ein 43-mm-Edelstahlgehäuse. Ebenfalls übernommen wurden die Dreiecksmarkierungen bei 12 und 6 Uhr sowie die Ziffern, die in derselben Schriftart ausgeführt wurden. Völlig neu hingegen war die Verwendung eines Datumsfensters und einer grafischen Darstellung bei 3 Uhr, die ein Bild der SpaceX-Rakete Falcon 9 mit der Dragon-Kapsel im niedrigen Erdorbit zeigt.
Im Jahr 2022 trug der Kosmonaut und Kommandant Anton Schkaplerow an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) während der Expedition 66 eine Panerai Radiomir PAM210 am Handgelenk und führte mit ihr einen Außenbordeinsatz (EVA) durch, wodurch die Uhr sich zu den Uhren im Weltraum zählen kann. Bei dem Modell handelt es sich um die Radiomir PAM210 aus Stahl, die bereits 2005 vorgestellt wurde. Mit einem Gehäusedurchmesser von 45 mm bei einer Höhe von 14 mm ist sie gut ablesbar – nicht zuletzt dank der zusätzlichen Leuchtmasse in den Ziffern des Sandwich-Zifferblatts. Angetrieben wird das Modell vom Handaufzugskaliber OP X aus dem Jahr 2002, das das ETA 6497-1 als Basis verwendet.
Während der Mission Axiom Mission 2 (Ax-2), einem bemannten Flug zur Internationalen Raumstation an Bord einer Crew-Dragon-Raumkapsel, nahm der saudi-arabische Kampfpilot und Astronaut Ali Alqarni seine Rolex GMT-Master II mit ins All und hielt dieses eindrucksvolle Bild fest.
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Credit Titelbild: © NASA