Kurz bevor in Genf der Kampf um Aufmerksamkeit unter den Ausstellern auf der Uhren-Messe Watches & Wonders beginnt, nutzt ein ganz besonderes Haus die Ruhe vor dem Ansturm der Uhrenwelt – für sein eigenes Comeback: Universal Genève. Seit Jahren bereitet Georges Kern die Rückkehr dieser unter Kennern so hochgeschätzten Marke vor. Halbe Sachen sind dabei grundsätzlich nichts, wofür sich der Uhren-Unternehmer begeistern kann, und entsprechend breit gefächert ist dann auch das Modellangebot, mit dem sich Universal Genève zurückmeldet.

Gleich vier verschiedene Modelle feiern in unterschiedlichen Varianten Premiere: Das Damenmodell Disco Mini, die Unisex-Uhr Cabriolet, der Compax-Chronograph, und dann natürlich die Universal Genève Polerouter. Letztere wurde vom damals gerade einmal 23-jährigen Gérald Genta gestaltet und 1954 lanciert, und natürlich zitiert man bei Universal Genève sehr gern Evelyn, die Witwe des Gestalters von Royal Oak, Nautilus & Co.. Madame Genta nämlich wusste einst zu berichten: „Immer wenn Gérald über seine Karriere sprach, begann er stets mit der Polerouter und Universal Genève.“ Und weiter: „Es war der Anfang von allem.“ Darum soll auch bei der Rückkehr der Marke im Jahr 2026 der erste Blick der Universal Genève Polerouter gelten.

Die Universal Genève Polerouter: Ein Klassiker, zeitgemäß erneuert

Die Geschichte von Universal Genève (UG) geht bis ins Jahr 1894 zurück, und schnell erarbeiteten sich Ulysse-Georges Perret und Numa-Emile Descombes, die Gründer des Hauses, einen hervorragenden Ruf. Die Universal Genève Polerouter aber ist eine Schöpfung der 1950er Jahre, sie wurde ursprünglich auf Wunsch der Fluglinie Scandinavian Airlines (SAS), gebaut. Für den ersten Transatlantikflug über den Nordpol von Kopenhagen nach Los Angeles wollte die Fluglinie eine verlässliche Uhr für die Piloten ihrer Douglas DC-6B, und „UG“ erschien den Airline-Verantwortlichen als der beste Partner. Dort wiederum wandte man sich an Gérald Genta, der das markante Design der Uhr entwickelte – wobei die ersten Modelle der Universal Genève Polerouter allerdings noch ohne das inzwischen typische „Fadenkreuz“ auf dem Zifferblatt an die Piloten übergeben wurde.

Das gewölbte Zifferblatt der Universal Genève Polerouter sowie der patentierte Spannring aus Kristallglas rund um das Zifferblatt herum sorgten dabei für Staub- und Wasserdichtigkeit, Stoßfestigkeit und Schutz vor magnetischer Strahlung. Bis heute gilt die Universal Genève Polerouter mit ihrem klar strukturierten Zifferblatt und dem äußeren Zifferblattring als Sehnsuchtsobjekt aller Sammler von Fliegeruhren.

In Vorbereitung auf die Neu-Lancierung der Marke Universal Genève wurden dann auch Ende 2024 drei Einzelstücke der Universal Genève Polerouter der Öffentlichkeit präsentiert. Diese feierten damals das 70. Jubiläum des transpolaren SAS-Fluges, und machten schon damals klar: Auch in Zukunft wird diesem Modell eine große Bedeutung eingeräumt werden. Wie diese genau aussehen wird, ist nun endlich klar. Zum Comeback präsentiert das Universal Genève-Team elf Varianten der Polerouter, sechs davon mit 39 Millimeter Durchmesser, und fünf mit zierlicheren 37 Millimetern. Gemein ist dabei allen, dass sie auf den ersten Blick als Universal Genève Polerouter zu erkennen sind, und das Genta-Design von einst nur behutsam weiterentwickelt wurde.

Edelstahl und Roségold, Perlmutt und Sonnenschliff: Viel Angebot für neue Kunden

Das Universal Genève des 21. Jahrhunderts trägt dabei die deutliche Handschrift von Georges Kern, der zuvor schon Breitling mit klarer Struktur und gut-geschickter Geschichtserzählung neue Kraft gegeben hat. So präsentiert sich die Marke von einst mit einem früheren Werbeslogan als „Le Couturier de la Montre“, was so viel wie „der Uhren-Schneider“ bedeutet, und den kreativen Antrieb und den Sinn für Handwerkskunst betonen soll. Den Couture-Gedanken geht man dabei aber weiter und unterteilt beispielsweise die neuen Polerouter-Modelle in die beiden Kategorien Prêt-à-Porter und Capsule, womit man zwischen der Hauptkollektion und Sondereditionen unterscheidet.

Zur Prêt-à-Porter-Hauptkollektion gehört dabei natürlich die 39-Millimeter-Stahl-Version der Universal Genève Polerouter mit blauem Blatt und viergliedrigem Metallarmband (UGPO001), sie erinnert besonders an die historischen Polerouter-Modelle und hat einen besonderen Vintage-Chic. Die Drei-Zeiger-Uhr mit Datumsanzeige gibt es ebenfalls in Stahl mit schwarzem Blatt und schwarzem Lederarmband (UGPO003) oder in Roségold mit braunem Zifferblatt (UGPO002). Die vermeintlich schlichten Zifferblätter der Universal Genève Polerouter Modelle sind dabei die stillen Stars: Sie sind sowohl mit Sonnenschliff satiniert als auch einem kreisförmigen Bürstenschliff versehen. Diese doppelte Veredelung schafft eine beeindruckende Tiefe und sorgt für Reflexe, in denen sich die Betrachter ewig verlieren können.

Noch eine Nuance modischer präsentieren sich die drei Geschwister aus der Capsule-Kollektion: Da ist zum einen die Stahlvariante mit rötlich-braunem Steinblatt aus Bullenauge (UGPO004), und dann die beiden Roségold-Modelle der Universal Genève Polerouter, einmal mit einem Blatt aus tiefblauem Lapislazuli in Kombination mit einem blauen Lederarmband (UGPO005) sowie die wohl lauteste Polerouter in diesem Format: Ausgestattet ist sie mit einem Blatt aus Tigerauge und einem massiv-roségoldenen Armband (UGPO005). Auf die Datumsanzeige wird hier verzichtet, was die Uhren trotz ihrer exotischen Steinblätter noch etwas purer und klarer wirken lässt.

Mit 39 Millimetern Durchmesser und einer Bauhöhe von 9,5 Millimetern sind diese Universal Genève Polerouter bereits sehr elegant, doch werden ihnen noch Versionen mit 37 Millimetern an die Seite gestellt. Diese dürften sowohl bei der weiblichen Kundschaft für Begehrlichkeit sorgen, als auch Traditionalisten gefallen. Schließlich waren auch die historischen Ur-Polerouter gerade einmal 35 Millimeter groß. Auch hier erfolgt die Unterteilung in Standard- sowie Spezial-Kollektion. Prêt-à-Porter, letztlich also „von der Stange“, ist die stählerne Variante mit schwarzem Blatt (UGPO007) und die roségoldene Alternative mit Diamant-Lünette und Perlmutt-Blatt (UGPO009).

Capsule, also eine kleinere und zeitlich begrenzte Kollektion, sind die drei Polerouter Camaïeu. Deren Name bezieht sich auf eine raffinierte Maltechnik, die bei dem durch das typische Polerouter-Fadenkreuz in vier Viertel aufgeteilte Zifferblatt für Inspiration sorgte: Jedes Viertel hat einen etwas anderen Farbton, bei der Stahlvariante mit Diamantlünette sind es beispielsweise vier Schattierungen die unter dem Namen „Aqua Mint“ zusammengefasst werden (UGPO011). Hinzu kommen roségoldene Versionen mit „Toffee“-braunen Tönen (UGPO010) und eine „Berry“-rote Farbwelt (UGPO012).

Sowohl die 37- als auch die 39-Millimeter-Versionen werden dabei vom hauseigenen Microrotor-Kaliber UG110 mit 72 Stunden Gangreserve angetrieben, das mit einem Durchmesser von 32 Millimetern in beide Gehäuse passt. Mit dem UG-110 führt Universal Genève die Tradition seiner Mikrorotor-Expertise fort und präsentiert ein speziell für die Polerouter-Kollektion entworfenes Uhrwerk. Das Kaliber zeichnet sich durch eine flache Bauweise von 3,8 mm aus. Obwohl das Design und die Entwicklung vollständig auf die Vision der Marke zurückgehen, wird das Werk nicht direkt im eigenen Haus gefertigt; stattdessen übernimmt der Schweizer Spezialist LTM (Le Temps Manufactures SA) in Fleurier die Produktion. Damit positioniert sich das UG-110 als proprietäres, exklusiv für Universal Genève hergestelltes Kaliber, das das technische Erbe der Marke mit modernen Fertigungsstandards verbindet.

Ein starkes Angebot – oder?

Für einen neuen Mitbewerber am Uhrenmarkt – auch wenn er über eine reiche Historie verfügt – erscheint die Premiere mit gleich elf unterschiedlichen Modellen allein bei dieser Kollektion als ein extrem vielfältiges Angebot. Vielleicht wäre eine etwas kleinere Kollektion eine stärkere Aussage gewesen. Gleichzeitig folgt das UG-Team hier dem Breitling-Erfolgsrezept, das da lautet: Immer wieder Alternativen innerhalb einer fest definierten Kernkollektion zu schaffen. Denn Geschmäcker sind bekanntermaßen verschieden. Zudem zielt man verständlicherweise nicht nur auf jene Uhren-Enthusiasten, denen die Marke längst ein Begriff war, sondern gibt sich bewusst offen. Es gilt, nicht in Retro-Charme zu versinken, sondern attraktiv zu bleiben. Noch mag „UG“ ein Nischen-Hersteller sein, doch das soll sich ändern.

Alles in allem hinterlässt die Polerouter-Premieren-Kollektion einen bleibenden Eindruck. Es sind Einsatzuhren, ja, aber gerade von den neuen Varianten lassen sich viele auch elegant tragen. Sie sind klassisch, aber in ihrem Mut zur Farbe auch im besten Sinne wagemutig. Irgendwie wirken sie wie Uhren aus einer anderen, besseren Zeit. Aus kommunikativer Sicht bleibt spannend, ob der Slogan als „Le Couturier de la Montre“ im Jahr 2026 richtig verstanden wird. Das modische Thema dieser Bezeichnung mag in den 1960er Jahren mit ihrem Vorwärtsdrang und der Sehnsucht nach immer neuer Mode auch in der Uhrenwelt wohlverstanden gewesen sein. Heute unterdes gibt es zwar auch trendig-modische Uhren, doch Universal Genève und die Polerouter sind eigentlich zu edel, um dem „dernier cri“, dem neuesten Schrei nachzueifern. Die Marke hat schließlich schon über 130 Jahre überdauert – nun gilt es den Moment des Augenblicks zu nutzen, und all jene mit Klasse zu überzeugen, die zuvor noch nie von ihr gehört haben.

Die Preise der neuen Polerouter variieren zwischen 14.000 CHF für die Stahlmodelle und 40.320 CHF für die Goldmodelle mit Steinbesatz.


universalgeneve.com

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