Eines zeichnet sich in der heutigen Sammlerlandschaft als wiederkehrendes Muster ab: Die anfängliche Begeisterung für Design und Technik neuer Zeitmesser weicht schnell einer elementaren Frage – dem Preis. Kaum eine Uhrenkategorie versinnbildlicht diese Entwicklung so gut wie klassische Gold-Dresswatches: Allgemeinhin als puristische Form der Uhrmacherei angesehen, gehört das Segment der klassischen Dresswatches heute zu jenen Kategorien, bei denen die Preisgestaltung zunehmend besonders hinterfragt wird.

Auch Omega konnte sich diesem Trend mit der neu vorgestellten Constellation Observatory Kollektion nicht entziehen: Nach anfänglicher Begeisterung im Hinblick auf die historisch-inspirierten Elemente der Neuheiten wie die Zifferblätter im historischen „Pie-Pan“-Stil und die charakteristischen „Dog-Leg“-Bandanstöße richtete sich die Kritik der Sammlergemeinschaft vermehrt auf die in vielen Augen unrealistischen Preise der Zwei-Zeiger-Modelle.

Diese in der Uhren-Community geäußerte Kritik möchten wir in diesem Artikel anhand einer klar definierten Auswahl an Gold-Dresswatches in einen Vergleich einordnen. Berücksichtigt werden dabei ausschließlich Dresswatches mit Goldgehäuse, einem Durchmesser von 38 mm bis maximal 40 mm, Inhouse-Automatikwerken, keiner Datumsanzeige sowie Lederarmband. Auf dieser Grundlage vergleichen wir die jeweiligen Preise, die Präzision, die Gehäusehöhen sowie Zifferblattmaterialien, um relevante Wettbewerber im Segment zu identifizieren und einzuordnen, wie sich die neue Constellation Observatory gegenüber ihren Wettbewerbern behaupten kann.

Die Preise im Vergleich: Wo positioniert sich Omega?

Der Einstieg: Glashütte Original und Chopard

Am unteren Ende unserer Auswahl ist die Idee einer Golddresswatch – zumindest im Kontext der Haute Horlogerie – noch greifbar. Die Glashütte Original Senator Excellence (Ref. 1-36-01-02-05-61) positioniert sich als klassische Herrenuhr, die mit dem automatischen Manufakturwerk Kaliber 36-01 in typisch sächsischer Ausführung eine hohe Gangreserve von 100 Stunden bietet. In Kombination mit einem 40 mm im Durchmesser und 10,00 mm in der Höhe messenden Rotgoldgehäuse mit einer Wasserdichtigkeit von 50 Metern definiert sie sich primär über technische Substanz und Alltagstauglichkeit. Preislich liegt die Uhr bei 20.000 EUR (inkl. MwSt.).

Ähnlich positioniert sich auch die Chopard L.U.C XPS (Ref. 161948-5001), die in Hinsicht des Preis-Leistungs-Verhältnisses als eine der überzeugendsten Uhren in diesem Segment anzusehen ist. Das Zusammenspiel stimmiger Proportionen mit einem 40 mm im Durchmesser und 7,20 mm in der Höhe messenden Roségoldgehäuse, einem silbernen Zifferblatt, dem Manufakturwerk L.U.C 96.12-L mit Mikrorotor und einer Gangreserve von circa 65 Stunden sowie einem Preis von 22.700 EUR macht die Uhr unserer Meinung nach zur Wahl für Kenner. Von anderen Gold-Dress-Watches unterscheidet sich diese Uhr zudem durch ihre zwei übereinanderliegenden Federhäuser der Twin-Technology.

Das Mittelfeld: Breguet, Rolex und Omega

In der nächsten Stufe, dem Mittelfeld, beginn sich die Perspektive allmählich zu verschieben. Die Breguet Classique 7147 (Ref. 7147BR/29/9WU) verleiht der Gold-Dress-Watch noch eine weitere Dimension: die Geschichte. Hier sorgen ein kanneliertes Rotgoldgehäuse mit einem Durchmesser von 40 mm und einer Höhe von 6,5 mm, ein Grand-Feu-Emaillezifferblatt sowie das automatische Uhrwerk 502.3 SD mit einer Gangreserve von rund 45 Stunden für eine Uhr, die tief in der Tradition des Hauses verankert ist. Der Preis dieser traditionellen Gold-Dress-Watch beläuft sich auf 26.500 Euro.

Die Rolex Perpetual 1908 (Ref. M52508-0006) wiederum nimmt eine Sonderrolle ein. Mit der Uhr, die ein 18-karätiges gelbgoldenes Gehäuse mit einem Durchmesser von 39 mm bei einer Höhe von 9,5 mm mit dem Manufakturkaliber 7140 und einer Gangreserve von ungefähr 66 Stunden kombiniert, bringt die Marke industrielle Präzision und chronometrische Performance in ein Segment, das sonst eher von handwerklich geprägten Marken dominiert ist. Mit einem Preis von 26.500 Euro kostet die Rolex Perpetual 1908 gleich viel wie die Breguet Classique 7147 und macht damit besonders deutlich, dass beide Uhren in einem umkämpften Segment konkurrieren.

Die neue Omega Constellation Observatory ist innerhalb des betrachteten Feldes zwar im mittleren Preissegment angesiedelt, positioniert sich jedoch innerhalb von Omegas eigenem Portfolio auf einem vergleichsweise hohen Preisniveau. Im Fokus steht dabei die Variante aus Moonshine-Gold (Ref. 140.53.39.21.99.001) – Omegas Bezeichnung für ihre Gelbgoldlegierung – am Lederarmband. Sie verfügt über ein 39,4 mm großes und 12,23 mm hohes Gelbgoldgehäuse sowie über ein Zifferblatt aus Gelbgold. In der Uhr arbeitet das hauseigene Kaliber 8915 Luxe mit einer Gangreserve von 60 Stunden, das über einen gelbgoldenen Rotor mit einem Observatoriumsemblem beidseitig aufgezogen wird. Der Preis beträgt hier 36.700 Euro.

Die obere Liga: Laurent Ferrier und Biver

Die Laurent Ferrier Classic Micro-Rotor LCF004.R5.GR1 sowie die Biver Automatique Micro-Rotor bewegen sich preislich in ihrer eigenen Liga: Hier wird der Preis nicht mehr primär über Spezifikationen definiert, sondern über Ausführung, Handarbeit und die persönliche Handschrift des Uhrmachers.

Laurent Ferrier setzt bei der Classic Micro-Rotor auf ein silberfarbenes Zifferblatt mit vertikal satiniertem Schliff, kombiniert mit einem 18-karätigen Rotgoldgehäuse, das einen Durchmesser von 40 mm bei einer Höhe von 11,10 mm aufweist. Angetrieben wird die Uhr vom Kaliber FBN229.01, einem Automatikwerk mit Klinkenaufzug und Mikro-Rotor, das eine Gangreserve von 72 Stunden bietet. Preislich liegt die Uhr bei ungefähren 98.960 Euro.

Die Biver Automatique Two-Tone präsentiert sich in einem Roségoldgehäuse mit einem Durchmesser von 39 mm und einer Höhe von 10 mm, das bis zu 80 Meter wasserdicht ist. Im Inneren arbeitet das Kaliber JCB-003-A, ein Automatikwerk mit Mikrorotor und einer Gangreserve von 65 Stunden, während ein Zifferblatt aus 18-karätigem Weißgold die Ästhetik prägt. Hervorzuheben ist zudem der hohe Grad der Finissierung des Uhrwerks, darunter die charakteristischen, pyramidenartigen Strukturen im sogenannten Clous-de-Paris-Dekor. Mit einem Preis von 102.815 Euro (inkl. MwSt.) bildet dieses Modell die preisliche Spitze innerhalb unserer Auswahl.

Präzision, Bauhöhe und Zifferblattmaterialien: Wo steht die Omega Constellation im Vergleich?

Die Präzision

Mit einem Preis von 36.700 Euro positioniert sich Omega deutlich oberhalb des direkten Wettbewerbers Rolex und liegt mehr als 10.000 Euro darüber. Die entscheidende Frage ist daher, wie sich die Constellation Observatory im Vergleich zu ihren Mitbewerbern in den Bereichen Präzision, Bauhöhe und Ausführung der Zifferblätter einordnet – und ob diese Faktoren die preisliche Positionierung der Constellation Observatory in Gelbgold nachvollziehbar machen.

Mit der neuen Constellation Observatory Kollektion lenkt Omega gezielt den Fokus seiner Kommunikation in Richtung zertifizierter Präzision. Bei den Constellation Observatory Modellen handelt es sich um die ersten Zwei-Zeiger-Uhren überhaupt, die sowohl die Chronometer- als auch die Master-Chronometer-Prüfung durchlaufen haben und damit eine zertifizierte Ganggenauigkeit von 0 bis +5 Sekunden pro Tag sowie eine Magnetfeldresistenz bis 15.000 Gauss aufweisen. Möglich gemacht wurde dies durch die Schaffung des Laboratoire de Précision – Omegas eigener Instanz zur Chronometerprüfung –, die die Chronometertestung gemäß Norm ISO 3159 sowie die Master-Chronometertestung, zertifiziert durch das METAS, in der sogenannten Dual Metric Technology vereint.

Doch gerade vor diesem Hintergrund lässt sich bei der neuen Constellation Observatory ein nachvollziehbarer Kritikpunkt anstellen: Omega kommuniziert zwar hohe Präzision, wählt bei der Constellation Observatory allerdings eine Zwei-Zeiger-Anzeige ohne Sekundenzeiger, wodurch die Ganggenauigkeit für den Träger nicht sichtbar überprüfbar ist. Zudem wurde die Frage aufgeworfen, weshalb Omega nicht auf das hauseigene „Spirate“-System zurückgreift, das aktuell die technische Speerspitze der Marke in Sachen Präzision (0/+2 Sekunden) darstellt.

Mit der Superlative-Chronometer-Zertifizierung ist die Rolex Perpetual 1908 mit einem von Rolex eingeführten Qualitätsstandard ausgezeichnet, der in Bezug auf die reine Ganggenauigkeit strenger ist als Omegas Master-Chronometer-Zertifizierung: Der Rolex-Standard basiert ebenfalls auf einem zweistufigen System, bei dem das rohe Uhrwerk zuerst einer COSC-Chronometerprüfung unterzogen und dann im zweiten Schritt eingeschalt und unter realistischen Bedingungen in einem Gangbereich von –2 / +2 Sekunden pro Tag getestet wird. Insgesamt ist es aber Omegas Master-Chronometer-Zertifizierung, die eine umfassendere Prüfung vornimmt, da sie neben der Präzision unter anderem auch die Testung der Uhr unter Magneteinfluss mit einbezieht.

Ebenfalls als Chronometer zertifiziert, gilt das Manufakturwerk L.U.C 96.12-L der L.U.C XPS von Chopard, das über eine zertifizierte Ganggenauigkeit von durchschnittlich –4 bis +6 Sekunden pro Tag verfügt. Die Glashütte Original Senator Excellence wird vom Kaliber 36-01 angetrieben, bei dem eine Prüfbescheinigung sowie ein „Q“-Prüfsiegel auf dem Gehäuseboden bestätigen, dass es den 24-tägigen Langzeittest in sechs Lagen erfolgreich durchlaufen hat – darunter der mittlere tägliche Gang als Durchschnittswert aller Abweichungen, der sich innerhalb von –4 bis +6 Sekunden pro Tag bewegen darf.

Bei unabhängigen Herstellern wie der Laurent Ferrier Classic Micro-Rotor LCF004.R5.GR1 oder der Biver Automatique Micro-Rotor verschiebt sich der Fokus erneut: Die Gangwerte werden zwar präzise reguliert, sind jedoch bewusst nicht Teil einer standardisierten Zertifizierung durch eine externe Instanz. Dahinter steht die Idee, dass die erreichte Ganggenauigkeit als Ergebnis handwerklicher Kontrolle verstanden wird – und nicht als Produkt industrieller Messsysteme. Biver hat in diesem Zusammenhang ein eigenes Qualitätssiegel für seine Uhren etabliert, das sogenannte JCB-Seal. Im Rahmen dieses Siegels werden bei vollständig eingeschalten Uhren fünf zentrale Kriterien geprüft und zertifiziert, darunter eine Wasserdichtigkeit von bis zu 50 Metern (auch bei Modellen mit Schlagwerk), eine Ganggenauigkeit auf mindestens COSC-Niveau sowie Aspekte der Funktionalität und Ästhetik.

Die Gehäusehöhe

Während Omega technisch eine Ansage im Bereich der Zertifizierung macht, indem erstmals eine Zwei-Zeiger-Uhr der Master-Chronometer-Zertifizierung unterzogen wird, liegt einer der wesentlichen Kritikpunkte der Sammler-Community an einer anderen Stelle: der Bauhöhe des Gehäuses. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die Constellation Observatory mit einer Gehäusehöhe von 12,23 mm für eine Zwei-Zeiger-Dresswatch vergleichsweise hoch ausfällt.

Der Vergleich der Gehäusehöhen:
• Die Glashütte Original Senator Excellence liegt bei 10,00 mm in der Gehäusehöhe
• Die Chopard L.U.C XPS liegt bei 7,20 mm
• Die Breguet Classique 7147 liegt bei 6,50 mm
• Die Rolex Perpetual 1908 liegt bei 9,50 mm
• Die Laurent Ferrier Classic Micro-Rotor liegt bei 11,10 mm
• Die Biver Automatique Two-Tone liegt bei 10,00 mm

Die größere Bauhöhe der Omega Constellation Observatory ist technisch erklärbar: Die Werkarchitektur des Kalibers 8915 Luxe beinhaltet eine Co-Axial-Hemmung, einen beidseitig aufziehenden Rotor, hohe Magnetfeldresistenz, die verschraubte Konstruktion, die Anforderungen der Master-Chronometer-Zertifizierung und nicht zuletzt das gewölbte Saphirglas tragen messbar zur Gesamthöhe bei. Doch selbst unter Berücksichtigung des gewölbten Saphirglases liegt die Bauhöhe der Constellation damit weiterhin über den Erwartungen, die traditionell an Uhren dieses Segments gestellt werden, und damit auch weiterhin über denen ihrer Mitbewerber.

Zifferblattmaterialien

Ein weiterer zentraler Unterschied zwischen den Modellen, der auch die Preispositionierung der gelbgoldenen Constellation Observatory bei 36.700 Euro erklären könnte, liegt in der Materialwahl des Zifferblatts: Die Omega Constellation Observatory ist vollständig aus Gelbgold gefertigt, sodass auch die Zifferblattbasis aus diesem Material bestehen.

Zum Vergleich mit den übrigen Modellen: Die Zifferblätter von Glashütte Original, Chopard und Laurent Ferrier basieren jeweils auf Metall. Rolex setzt hingegen auf eine Hightech-Beschichtung als Zifferblattbasis. Lediglich Omega und Biver verwenden in diesem Kontext 18-karätiges Gold als Basismaterial des Zifferblatts. Eine Sonderstellung nimmt Breguet mit der Classique 7147 ein, deren Zifferblatt aus gebranntem Email gefertigt ist.


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