Was bedeutet eine mechanische Uhr für Sie?

Rolf Bergmann: Für mich persönlich ist es pure Leidenschaft. Und als Ingenieur ist ein mechanisches Uhrwerk ein echtes Kunstwerk: ein fantastisches Getriebe, das völlig ohne Batterie auskommt. Ich habe großen Respekt vor den Uhrmachern, die diese Komplexität bereits vor Hunderten von Jahren ohne Computer konstruiert und gebaut haben.

Federico Magno: Mechanische Uhren stehen für mich ganz klar für Craftsmanship, Heritage und Iconification. Sie verkörpern die hohe Handwerkskunst traditioneller Uhrmacherei – präzise, authentisch und kompromisslos. Gleichzeitig trägt man mit ihnen ein Stück Geschichte am Handgelenk und setzt ganz bewusst ein starkes Statement. Und nicht zuletzt ist eine Uhr – wie die Porsche Design Uhr – eine echte Ikone, die genau die Werte widerspiegelt, für die man als Brand Ambassador steht.

Porsches custom-built Timepieces Programm scheint im Luxusbereich einzigartig zu sein. Sie sind damit 2020 an den Start gegangen. Weshalb haben Sie sich als Uhrenhersteller für diesen Schritt entschieden?

Rolf Bergmann: Dahinter steckt die Tatsache, dass wir kein normaler Uhrenhersteller sind, sondern vom Automobilbau kommen. Wir kennen das Konfigurationsprinzip schon lange aus dem Fahrzeugbereich von Porsche, speziell beim 911er. Die Kunden können ihr Fahrzeug mitgestalten, und wir bauen es dann nach ihren Vorstellungen. Dieses Porsche-Produktionsprinzip haben wir konsequent auf die Uhren und das custom-built Timepieces Programm übertragen — und zwar mit uhrmacherischer Präzision und in gewohnter Porsche-Qualität.

Daher bezeichnen wir diese Zeitmesser auch als „Sportwagen am Handgelenk“. Um das zu ermöglichen, arbeiten wir mit einer modularen Konstruktion und können so viele Variablen für unsere Kunden und letztlich eine umfangreiche Konfiguration überhaupt erst ermöglichen. Dazu gehört zum Beispiel auch die durchdachte Übertragung der Farbwelt der Porsche-Sportwagen und des Felgendesigns auf die Uhr mit ihren völlig anderen Dimensionen.

Wie viele Konfigurationsmöglichkeiten gibt es? Anfangs waren es 1,5 Millionen, dann 6 Millionen.

Rolf Bergmann: Und da sind die drei Bandgrößen noch nicht eingerechnet. Ich habe die Konfigurationsmöglichkeiten in der vollumfänglichen Kombinatorik aber irgendwann offen gestanden nicht mehr ausgerechnet. Gefühlt gibt es unendlich viele.

Federico Magno: Gestalterisch bietet der aktuelle Stand mehrere hundert Millionen Konfigurationsmöglichkeiten. Aber das Faszinierende dabei ist weniger die reine Zahl als das digitale Erlebnis dahinter. Denn der digitale Konfigurator eröffnet einen Raum, in dem man sich intuitiv bewegen kann: Man entdeckt Varianten, kombiniert Details neu und lässt sich immer wieder überraschen.

Genau diese digitale Freiheit im Gestalten macht den Konfigurationsprozess zu einem echten Erlebnis – fast wie ein kreativer Dialog mit dem Produkt, der durch die innovative Technologie des custom-built Timepieces Programmes möglich ist.

Die Zahl der Möglichkeiten ist gigantisch. Was genau ist das Reizvolle an einem Konfigurator? Wo liegt der Mehrwert für einen Uhrenliebhaber?

Rolf Bergmann: Die Zahl der möglichen Kombinationen ist tatsächlich sehr groß. Das macht den Auswahlprozess für den Kunden im ersten Moment komplex und schwierig zu greifen. Daher nutzen wir einen hochmodernen Konfigurator, um mit dem Kunden unmittelbar in Interaktion zu treten und die Vielzahl an Möglichkeiten in Echtzeit zu visualisieren und erlebbar zu machen. Der Konfigurator hilft dem Kunden, seine Traumuhr ganz einfach zu gestalten. Die „Bauanleitung“ schickt er uns dann mit einem entsprechenden Code, der automatisch am Ende des Konfigurationsprozesses generiert wird. Wir lesen diesen aus und können ihm dann die Uhr genauso fertigen, wie er sie sich gewünscht hat.

Federico Magno: Um ein exklusives, maßgeschneidertes Luxusobjekt zu schaffen, , bedarf es auch eines besonderen Produktionssystems. Die Komplexität einer Uhr, die sich in der Vielzahl individueller Konfigurationsvarianten niederschlägt, kann nur mit einer hochpräzisen Fertigung beherrscht werden. Dafür benötigen wir ein technologisches Rückgrat, das sowohl die Teilbereitstellung als auch die spezifische Konfiguration des Kunden nahtlos in die Produktionssysteme überführt – mit maximaler Qualität. Nur so wird aus Individualisierung ein echtes Unikat. Und das muss natürlich gesamtheitlich zusammengeführt werden. Wir haben die Technologie auf der einen, und die Prozessgestaltung auf der anderen Seite.

Wer ist die Zielgruppe? Sind das primär Automobilbesitzer oder streben Sie ein breiteres Publikum an?

Rolf Bergmann: In erster Linie sprechen wir mit dem custom-built Timepieces Programm Porsche-Kunden an. Wir wissen, dass diese Kunden ihre Fahrzeuge sehr stark individualisieren. Deshalb gehen wir mit diesen Uhren auch in die Porsche-Zentren und in die Porsche-Community.

Das Konzept ist jedoch für alle offen, sodass sich jeder eine hochwertige, ultrapräzise Uhr zusammenstellen kann, der Individualität und Exklusivität zu schätzen weiß. Daher bieten wir neben den farbigen Bändern aus Original-Porsche-Interieurleder auch verschiedene Optionen, die nichts mit dem Fahrzeug zu tun haben. Wenn jemand beispielsweise keine Fahrzeugfelge als Aufzugsrotor wünscht, kann ein geschlossener Boden gewählt werden, der mit einer individuellen Lasergravur verziert werden kann.

Der Konfigurator ist beeindruckend umfangreich geworden. Auf welcher Technologie basiert er jetzt?

Federico Magno: Ich sage immer: Innovation happens when the customer cheers. Und ganz ehrlich: Mich begeistert der Konfigurator selbst auch total. Kundenzentrierung ist für uns nicht nur ein Prinzip, sondern ein echtes Versprechen: von der ersten Idee bis zur Umsetzung, partnerschaftlich, technologisch führend und kompromisslos in der Qualität.

Unser Anspruch ist es, Luxus und Exklusivität nicht nur zu zeigen, sondern digital spürbar zu machen. Um diese gefühlte Qualität erlebbar zu übertragen, setzen wir auf zwei zentrale technologische Säulen: unsere Elastic Content Platform in Kombination mit der Unreal Engine für die grafische Darstellung. So erreichen wir eine extrem präzise, nahezu fotorealistische Bildqualität – vergleichbar mit dem Niveau moderner Videogames.

Für Geschwindigkeit, Einfachheit und Skalierbarkeit nutzen wir die Cloud von Amazon Web Services. Selbst komplexe Varianten lassen sich dadurch intuitiv und in Echtzeit individualisieren. Und genau diese Kombination macht den Konfigurator zu einem digitalen Vertriebstool, das Performance, Präzision und Innovation vereint und neue Maßstäbe für die digitale Exzellenz bei Porsche setzt.

Was konnten Sie vom Fahrzeugkonfigurator lernen?

Federico Magno: Im Kern ist es eigentlich die gleiche „Konfigurator-Fabrik“. Dieselben Prinzipien, dieselbe technologische DNA und derselbe kompromisslose Anspruch an Präzision und Erlebnis. Unser Ziel war es, ein konsistentes Brand-Positioning und ein durchgängiges Brand-Narrativ zu schaffen – vom Fahrzeug bis zum Handgelenk. Der Kunde soll genau das gleiche Markengefühl haben: die gleiche Sprache, die gleiche Qualität und die gleiche emotionale Intensität – ganz egal, ob er sein Auto oder seine Uhr konfiguriert.

Rolf Bergmann: Wir verwenden sogar dieselbe technische „Sprache“. Farben und Merkmale sind bei Porsche mit I-Nummern, sogenannten Individualisierungsnummern, codiert. Wenn wir über die Farbe Schwarz sprechen, meinen wir immer den Farbcode A10 – sowohl beim Fahrzeug als auch bei unserem Leder für die Uhren. Das ist wichtig, damit wir nicht übersetzen müssen und die Systeme miteinander „reden“ können.

Was war die größte Herausforderung für MHP als IT-Dienstleister, diesen Konfigurator zu entwickeln?

Federico Magno: Als Management- sowie IT-Beratung und als Porsche-Experten bewegen wir uns hier auf vertrautem Terrain. Für uns war es weniger eine klassische Herausforderung als vielmehr Teil unseres Selbstverständnisses. Entscheidend ist immer die Experience: Der Kunde soll ein echtes Gefühl für das Produkt bekommen – vom Fahrzeug bis zur Uhr.

Unser Anspruch ist es, die zentralen Werte der Marke – Performance, Technologie, Innovation, Ingenieurskunst und Exklusivität – konsequent, präzise und vor allem spürbar in die technologische Umsetzung zu übersetzen.

Technisch gesehen konnten wir dabei auf unsere langjährige Expertise zurückgreifen. Schon vor einigen Jahren haben wir mit der 360-Grad-Ansicht für den Taycan und Macan gezeigt, was möglich ist. Diese Erfolgsgeschichte haben wir konsequent weiterentwickelt – zuletzt mit dem Cayenne Electric und der Porsche-Website „Farbe nach Wahl“. Auch hier kommt die Elastic Content Platform von MHP zum Einsatz: Über 190 Farben sind online für die Modelle 911, Taycan, Panamera, Macan und Cayenne verfügbar.

Das Besondere dabei ist das nahtlose Zusammenspiel: Die Konfiguratoren sind miteinander verknüpft, sodass Kundinnen und Kunden ihre individuelle Wunschfarbe nicht nur für ihr Fahrzeug, sondern direkt auch für die passende Uhr übernehmen können. Im Hintergrund arbeitet dabei immer dieselbe Plattform, die zuverlässig alles verbindet, während es sich für den Kunden einfach, intuitiv und begeisternd anfühlt. Genau darin liegt die Parallele zum Porsche-Fahrzeugkonfigurator.

Sie sind de facto identisch gebaut. Porsche stellt den maximalen Anspruch in Richtung Einfachheit und Qualität der Bilder. Das heißt, für den Kunden muss die Experience mit dem Konfigurator so sein, dass er ein Gefühl dafür hat, was er kauft.

Wie ordnen Sie inhaltlich die Uhren den Autos zu?

Rolf Bergmann: Eigentlich gar nicht — nur über die Felgen und Rotoren. Der Rotor in 911er-Felgenoptik passt zum 911er. Der Lenkradrotor passt zum Cayenne, ist aber auch mit dem 911er kompatibel. Es gibt zwei wesentliche Unterschiede zum Auto: Erstens: Wir haben die Vorgängermodelle nicht aus dem Konfigurator genommen. Ein Kunde, der seinen 911er vor zwei Jahren gekauft hat, kann sich immer noch die passende Uhr dazu konfigurieren. Zweitens: Beim Fahrzeug ist es ein Fehler, wenn es tickt — bei der Uhr ist es richtig, wenn sie tickt. (lacht.)

Wie stellen Sie sicher, dass die Customer Experience trotz der vielen Möglichkeiten Spaß macht? Testet Sie die User Experience selbst?

Federico Magno: Unser Anspruch ist es, Komplexität nicht spürbar werden zu lassen, sondern sie in ein positives Erlebnis zu übersetzen. Deshalb gestalten wir den Konfigurationsprozess bewusst intuitiv, klar strukturiert und spielerisch, sodass die vielen Möglichkeiten nicht überfordern, sondern Spaß machen.

Die User Experience testen wir kontinuierlich mit realen Nutzergruppen und iterativen Feedbackschleifen. So stellen wir sicher, dass der Konfigurator jederzeit verständlich, flüssig und inspirierend bleibt.

Perspektivisch entwickeln sich technologische Trends klar in Richtung künstliche Intelligenz. Eine intelligente Suggestion Engine, die den Kunden begleitet, im Dialog mit ihm steht und passende Optionen vorschlägt, könnte den Prozess zum Beispiel weiter vereinfachen und das Erlebnis noch persönlicher machen.

Denken Sie über eine virtuelle Anprobe am Handgelenk nach (Scanning)?

Federico Magno: Solche Funktionen müssen immer aus der Produktstrategie heraus gedacht werden, nicht aus der Perspektive einer reinen Konfigurator-Lösung. Technologisch ist eine virtuelle Anprobe grundsätzlich denkbar: Moderne Smartphones sind heute in der Lage, Formen und Proportionen sehr präzise zu erkennen und darzustellen. Ob und wann ein solches Feature sinnvoll zum Einsatz kommt, ist jedoch eine Entscheidung des Produktmanagements. Maßgeblich ist dabei immer der konkrete Mehrwert für den Kunden: also ob die Funktion das Erlebnis wirklich verbessert und den Entscheidungsprozess unterstützt.

Rolf Bergmann: Wir machen uns viele Gedanken darüber, wie die Uhr bestmöglich am Handgelenk sitzt: etwa durch die drei Bandvarianten M, L und XL. Die Auswahl erfolgt derzeit über die Angabe des Handgelenkumfangs. Eine elektronische Unterstützung ist perspektivisch aber sicherlich denkbar.

Der Konfigurator bietet derzeit Chronograph und Globetimer. Gibt es Pläne, das auszubauen? Vielleicht sogar eine Dress Watch?

Rolf Bergmann: Im Konfigurator bieten wir aktuell Chronographen — beziehungsweise bei GT-Fahrzeugen und limitierten Sondermodellen einen Flyback-Chronographen — sowie den Globetimer mit UTC-Funktion. Das sind für unsere Kunden die beiden relevantesten Komplikationen.

Denn einerseits kommen wir aus dem Rennsport, wo es um Zeitmessung geht — daher war die allererste Porsche Design von 1972 logischerweise ein Chronograph —, andererseits ist unsere Kernzielgruppe kaufkräftig, weltgewandt und reist regelmäßig interkontinental. Da ist die Anzeige einer zweiten Zeitzone besonders nützlich. Und dank der „umfunktionierten“ Chronographendrücker im Stundenrhythmus, bei denen die Datumsanzeige „mitspringt“ — und zwar in beide Richtungen —, ist die Handhabung äußerst einfach.

Wir haben in unserer Sport-Chrono-Kollektion bereits Uhren, die in Richtung Dresswatch gehen. Was man von uns aber eher nicht erwarten sollte, sind eine Minutenrepetition oder ein ewiger Kalender — das wäre nicht Porsche Design. Aber wir schauen uns natürlich kontinuierlich an, welche Komplikationen oder Varianten für unsere Kunden interessant und relevant sind, wie zum Beispiel eine besondere Datumsanzeige.

Wird für die Bänder ausschließlich originales Porsche Leder verwendet?

Rolf Bergmann: Wir verarbeiten ausschließlich originales Porsche Leder. Es stammt aus derselben Gerberei und dergleichen Haut wie das Leder für das Fahrzeuginterieur und wird auf die entsprechende Stärke geschärft, damit es sich für ein Armband eignet und maximalen Tragekomfort bietet.

Der Trend geht zu kleineren Uhren. Trägt der Konfigurator dieser Entwicklung Rechnung?

Rolf Bergmann: Das Gehäuse im Konfigurator misst aktuell immer 42 Millimeter im Durchmesser. Damit fahren wir sehr gut, denn es ist für unsere überwiegend männliche Zielgruppe eine geeignete Größe. Wir haben in der Vergangenheit auch Modelle mit kleineren Gehäusen angeboten, die ebenfalls konfigurierbar waren. Und bei unseren Serienuhren gibt es ebenfalls Modelle mit kleineren Gehäusen. Wir evaluieren stetig die Wünsche und Vorlieben unserer Kunden, um ihnen ein maßgeschneidertes Angebot bieten zu können. Es ist also gut möglich, dass wir in Zukunft auch kleinere Gehäuse für unsere individualisierbaren Uhren anbieten.

Sie bieten auch limitierte, fahrzeugbegleitende Uhren an, die nur der Fahrzeugkäufer erwerben kann. Was ist der Gedanke dahinter?

Rolf Bergmann: Dahinter steckt die gleiche Idee wie beim Fahrzeug: Exklusivität. Wenn ein Sondermodell beispielsweise auf 90 Stück limitiert ist, bieten wir dazu eine ebenfalls limitierte Uhr an, die das Design des Fahrzeugs aufgreift und nur vom Fahrzeugkäufer erworben werden kann. Es ist für uns ein Ausdruck von Luxus, da Luxus per Definition nicht für jedermann erreichbar ist.

Wie hoch ist die Quote der Autokäufer, die sich für die entsprechende Uhr entscheiden?

Rolf Bergmann: Das schwankt von Modell zu Modell. Im Schnitt liegt die Quote bei über 50 Prozent. Sie kann über die Jahre auch steigen, weil der Zweitfahrzeugkäufer die entsprechende Uhr nachträglich bestellen kann, wenn der Erstbesitzer sie nicht erworben hat.

In wie vielen Ländern sind Sie mit dem Programm vertreten?

Rolf Bergmann: Derzeit sind es elf Länder: Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Spanien, Portugal, Polen, UK, USA und Kanada. Weitere werden in den kommenden Jahren nach und nach hinzukommen.

Wie stellen Sie die Reparatur und den Service für Ihre Uhren langfristig sicher?

Rolf Bergmann: Das ist ein sehr wichtiges Thema. Zum einen halten wir entsprechende Teile vor. Vor allem geht es aber darum, mit Lieferanten und Partnern zusammenzuarbeiten, die die Teile auch in Zukunft fertigen können. Die Lieferantenauswahl ist daher strategisch und langfristig ausgerichtet.

Was ist Ihre Empfehlung für den Service einer Porsche Design Uhr?

Rolf Bergmann: Wir schreiben nichts vor. Ich persönlich würde warten, bis man merkt, dass die Uhr nicht mehr richtig gut läuft und dann erst zum Service gehen. Ansonsten ist es gut, eine Uhr nach etwa fünf Jahren zum Service zu bringen – je nach Trageverhalten.

Was genau passiert in der neuen Manufaktur in Grenchen?

Rolf Bergmann: Wir haben das ehemalige Eterna-Gebäude gekauft und innerhalb von 14 Monaten komplett entkernt und generalsaniert. Nahezu alles wurde erneuert: von den Fenstern über die komplette Haustechnik bis hin zu einer hochkomplexen Lüftung.

In der Produktion haben wir außerdem ein Reinraumsystem mit einer Heiz-/Kühldecke installiert, die die Sauberkeit sicherstellt. Wir temperieren auf konstante 22 Grad Celsius und führen fünfmal pro Stunde einen Luftaustausch durch. Der Produktionsraum, in dem die Uhrwerke bearbeitet werden und der Uhrenkopf montiert wird, hat zudem einen Überdruck, damit kein Staub hineingelangt, und die Fenster sind stets verschlossen. Wir verstehen uns bei all dem als gläserne Manufaktur, damit unsere Kunden sehen können, was wir dort tun.

Wie viele Uhrmacher beschäftigen Sie, und wie hoch ist die Kapazität der Manufaktur?

Rolf Bergmann: Im Moment haben wir zehn Uhrmacher, die polyvalent eingesetzt werden. Mit dieser Besetzung produzieren wir zwischen 30 und 40 Uhren pro Tag, abhängig von der Komplikation. Im letzten Jahr haben wir rund 5.000 Uhren hergestellt. Das Zielvolumen der neuen Manufaktur liegt perspektivisch in einer Größenordnung von 10.000 Uhren pro Jahr.

Warum beschränkt sich Porsche Design auf Titan als Material?

Rolf Bergmann: Titan ist für uns der perfekte Werkstoff. Es hat viele gute Eigenschaften, und wenn man einmal verstanden hat, wie wichtig diese Eigenschaften für ein Uhrengehäuse oder ein Uhrenarmband sind, das direkt auf der Haut getragen wird, ist es nahezu logisch, mit Titan zu arbeiten.

Was ist der Unterschied zwischen klassischem Titan und Titankarbid?

Rolf Bergmann: Titan ist ein duktiles Material. Das bedeutet, dass sich dieser Werkstoff elastisch verformen kann. Das von uns entwickelte, patentierte und 2022 erstmals in der Uhrenindustrie eingesetzte Titankarbid hingegen ist eine Nichtoxidkeramik, die gepresst und gesintert wird. Es ist extrem hart und damit absolut kratzfest. Es kann nur mit Diamantwerkzeugen bearbeitet werden.

Titankarbid ist jedoch spröde, wie alle Keramiken, und es kann zu Abplatzungen kommen, wenn es zum Beispiel auf einen Steinboden fällt. Bei Titan hätte man nur eine Delle. Beide Materialien sind hervorragende Werkstoffe mit jeweiligen Stärken und Vorteilen, die der Kunde individuell für sich gegeneinander abwägen kann.

Wie beurteilen Sie grundsätzlich die aktuelle Lage der Uhrenindustrie?

Rolf Bergmann: Eine mechanische Uhr wird allein schon aufgrund ihrer Langlebigkeit und der Werthaltigkeit immer ihre Berechtigung haben. Sie ist ein Meisterwerk der Ingenieurs- und Handwerkskunst, ein Liebhaberstück, das über Generationen weitergegeben wird. Dabei setzt die Uhr Patina an und entwickelt eine ganz persönliche Aura mit einer individuellen Geschichte. Das steigert die Begehrlichkeit zusätzlich.

Auch wenn die Zeiten gerade schwieriger sind, bin ich doch fest davon überzeugt, dass es für die Uhrenbranche viel Potenzial und viele Chancen in der Zukunft gibt. Voraussetzung ist die Kombination von höchster Qualität, Innovationskraft und traditioneller Uhrmacherkunst.

Für Porsche Design Timepieces gilt: Wir haben unseren Platz in einem hochattraktiven Segment gefunden und sind sehr zufrieden und heimisch im Cluster Solothurn–Grenchen–Biel. Wir waren übrigens schon immer Swiss Made und werden es immer sein.

Federico Magno: Die Zukunft der Uhrenindustrie liegt nicht allein im Produkt, sondern im Erlebnis und in der Bedeutung, die eine Uhr transportiert. Wie ich anfangs gesagt habe: Mechanische Uhren stehen für Craftsmanship, Heritage und Iconification. Diese Eigenschaften machen sie auch in einer zunehmend digitalen Welt zeitlos relevant.


porsche-design.com

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