Dieses Jahr konnten wir die Rückkehr der Roadster und eine beeindruckende neue Auswahl an Privé-Uhren erleben – doch für viele dürfte die Cartier Santos-Dumont mit ihrem komplett neuen Armband das absolute Highlight am Stand von Cartier sein.

Die Santos hebt ab

Wenn eine Uhr ein herausragendes Armband verdient, dann ist es zweifellos die Cartier Santos-Dumont. Da die Santos als die weltweit erste Fliegerarmbanduhr gilt, sind die Bänder und Armbänder ein besonders bedeutsamer Teil ihres Designs. Im Jahr 1904 entwarf Louis Cartier den Zeitmesser für seinen Freund, den brasilianischen Luftfahrtpionier und Dandy Alberto Santos-Dumont. Dieser wünschte sich eine Uhr, die es ihm ermöglichte, sein Luftschiff zu steuern – wofür er beide Hände benötigte –, ohne erst mühsam nach seiner Taschenuhr greifen zu müssen.

Natürlich gab es bereits Armbanduhren, vornehmlich in Form von Schmuckuhren. Zu den berühmtesten Beispielen zählen die Armbanduhr, die Abraham-Louis Breguet 1810 für die Königin von Neapel anfertigte, sowie ein Modell, das Patek Philippe 1868 für die ungarische Gräfin Koscowicz schuf. Armbanduhren für Herren konnten sich jedoch trotz verschiedener Vorläufer zunächst nicht durchsetzen: So produzierte Girard-Perregaux 1880 im Auftrag von Wilhelm I. eine große Serie von Armbanduhren für preußische Marineoffiziere, und 1892 brachte Audemars Piguet die erste Armbanduhr mit Minutenrepetition auf den Markt.

Die Tatsache, dass die Santos von Louis Cartier geschaffen wurde – bis heute eine prometheische Figur in der Geschichte des Uhrendesigns – sowie der Umstand, dass diese Uhr für einen Flieger und Dandy angefertigt wurde, für den Stil und Pragmatismus gleichermaßen an erster Stelle standen, ist zweifellos das, was die Santos so großartig machte. Getragen beim ersten öffentlichen Motorflug Europas zwei Jahre später, wurde die Uhr Teil sowohl der Uhrmacher- als auch der Luftfahrtgeschichte. Bis 1911 begannen Armbanduhren auf dem Markt zu erscheinen – und Louis Cartier brachte dementsprechend eine kommerzielle Version der Uhr heraus. Drei Jahre später, mit Beginn des Krieges, sollten Herrenarmbanduhren schließlich zur Normalität werden.

Das Armband in der DNA der Santos

Die kommerzielle Version war eine quadratische Uhr mit einem Gehäuse aus Gelbgold, einem Saphir-Cabochon auf der rechten Seite und Bandanstößen zur sicheren Befestigung des Lederarmbands. Dies ist ein entscheidendes Detail: Die Bandanstöße für das Armband waren keine separaten Elemente mehr, sondern fester Bestandteil des Gehäuses. Damit war das Armband nicht bloß ein Zusatz, sondern Teil des Ganzen, was sie zur ersten kommerziellen Herrenuhr machte, die ausdrücklich für das Tragen am Handgelenk konzipiert war. In diesem Sinne war sie die „erste moderne Uhr“, wie Franco Cologni in seinem Buch Cartier Tank Watch argumentiert. Im Jahr 1911 war der Zeitmesser entweder mit einem schwarzen oder einem braunen Lederarmband erhältlich.

Frühe Santos Modelle

Die erste kommerziell erhältliche Santos-Dumont besaß ein eckiges Gehäuse mit den Maßen 35 mm x 25 mm. Die Ecken des Gehäuses waren abgerundet, und ihre Verlängerung ging nahtlos in die Bandanstöße über. Somit bildeten das Gehäuse und die Armbandbefestigung eine Einheit. Das Gehäuse war in Gelbgold oder Platin erhältlich – ein Material, das Cartier bereits seit 1860 als einer der Ersten für seine Kreationen verwendete, darunter auch für die berühmte Tonneau-Uhr von 1906. Die Verwendung von Platin war ein weiteres Zeichen für die Modernität von Cartier.

Die acht sichtbaren Nieten – später Schrauben – auf der Lünette haben sich ebenfalls zu einem unverwechselbaren Markenzeichen entwickelt und waren für die damalige Zeit höchst ungewöhnlich. Zusammen mit der Gehäuseform erinnern sie in abstrakter Weise an die Vogelperspektive auf das imposante Bauwerk des Eiffelturms, wie man ihn von oben sehen würde. Darüber hinaus ist auch das Zifferblatt eine Hommage an die französische Hauptstadt: Die geschwärzten, schlanken römischen Ziffern, die später charakteristisch für die Maison werden sollten, sind dem damals neuen Stadtbild von Paris nachempfunden, das sich im 19. Jahrhundert gewandelt hatte. Angetrieben wurden die frühen Uhren durch ein Uhrwerk von Louis Cartiers Freund und Partner Edmond Jaeger (später von Jaeger-LeCoultre), zusammen mit dessen patentierter goldener Faltschließe für das Armband.

Die Santos, in all ihren Facetten

Im Laufe der Jahre erschienen zahlreiche Variationen der Uhr. Da war zum einen der entscheidende Relaunch der Santos im Jahr 1978, der eine zeitgemäße und oft zweifarbige (Bicolor-)Option bot und die Einführung von Stahl bei der Maison markierte. Es folgten die von den 1980er-Jahren geprägte Santos Carrée mit ihrer markanten Präsenz, die weichere Santos Galbée, die selbsterklärende Santos Ronde mit rundem Zifferblatt sowie die Santos 100, die ein Jahrhundert nach dem ersten Entwurf der Santos erschien – modernisiert und mit einem automatischen Manufakturwerk ausgestattet. Währenddessen führte die Santos Demoiselle mit ihren zierlichen Maßen von 20 × 28 mm die Santos zurück in die Welt der Schmuckuhren. Im Jahr 2016 sorgte Cartier für Aufsehen, als das Unternehmen sämtliche Santos-Modelle aus seinem Portfolio nahm. Der Grund dafür wurde bald deutlich: Zwei Jahre später präsentierte die Maison eine überarbeitete Kollektion. Das Armband blieb dabei ein zentrales Designelement, wobei Cartier das QuickSwitch-System (für den mühelosen Wechsel zwischen Leder- und Stahlbändern) sowie SmartLinks (zur einfachen Anpassung der Armbandlänge) integrierte.

Santos-Dumont: 2026 Neuheiten

Doch welchen Platz nimmt die Santos-Dumont innerhalb dieses umfassenden, historischen Katalogs an Santos-Modellen ein? Sie ist die Wahl für Puristen. Mit dem 38 x 27,5 mm großen Gehäuse und dem Lederarmband blieb die Santos-Dumont dem ursprünglichen Modell treu, das einst für den Luftfahrtpionier entworfen wurde.Im Jahr 2019 führte Cartier mehrere aktualisierte Versionen mit einer größeren Krone ein, darunter einen automatischen Drei-Zeiger-Chronographen, ein skelettiertes Modell und sogar eine Quarz-Variante. Wie der verstorbene George Cramer anmerkte, erinnerte die schlankere Typografie der Indizes an ein Design aus dem Jahr 1916. Im selben Jahr wurden Editionen des Santos-Chronographen in verschiedenen Materialien veröffentlicht, darunter Versionen mit Lünetten aus Gelb- und Roségold.

Design

Galt die Santos-Dumont schon lange als die Santos für Puristen, so bekennt sich Cartier in diesem Jahr voll und ganz zu dieser Identität. Die Neuheiten von 2026 betonen die ursprünglichen Designmerkmale mit neuer Klarheit: römische Ziffern, sichtbare Schrauben, die perlierte Krone mit einem Cabochon und die disziplinierte Geometrie des Gehäuses.

Gleichzeitig vollzieht sich ein subtiler, aber bedeutender Wandel. Die Einführung eines Metallarmbands, das bemerkenswert fließend, filigran und juwelenhaft wirkt, positioniert die Santos-Dumont ein Stück weit neu. Sie bleibt ihren Ursprüngen treu und wirkt dennoch neu ausgerichtet auf die umfassendere Designsprache von Cartier, wie sie sich auch im restlichen Portfolio zeigt – dort, wo die Grenze zwischen Uhrmacherkunst und Haute Joaillerie ganz bewusst aufgeweicht wird.

Gehäuse

In der gesamten Kollektion behält Cartier die charakteristischen LM-Proportionen der Santos-Dumont von 43 × 31 mm bei, mit einem bemerkenswert flachen Profil von lediglich 7,3 mm. Das Gehäuse bleibt gestreckt und elegant; seine sanft abgerundeten Ecken und die sichtbaren Schrauben bewahren die Design-Codes, die das Modell seit über einem Jahrhundert prägen.

Das Sortiment umfasst verschiedene Ausführungen, darunter Editionen aus reinem Edelmetall: 950er Platin, 750er Gelbgold sowie Bicolor-Kombinationen aus Gelbgold und Stahl. Jedes Modell behält die perlierte Krone bei, die – je nach Ausführung – mit einem Rubin (bei der Platinversion), einem Saphir oder einem synthetischen blauen Spinell besetzt ist. Trotz dieser Variationen bleibt das Gehäusedesign diszipliniert; es rahmt das Zifferblatt und das Armband ein und lässt dabei dem Material sowie der wirklich wunderschönen neuen Textur den Vorrang.

Materialien

Die Materialität ist es, wodurch sich die diesjährige Santos-Dumont wahrhaftig abhebt. Das Herzstück der neuen Kollektion bildet das vergoldete Obsidianzifferblatt – eine technisch anspruchsvolle wie visuell fesselnde Wahl. Mit einer Stärke von gerade einmal 0,3 mm offenbart das vulkanische Gestein aus Mexiko ein subtiles Irisieren, hervorgerufen durch mikroskopisch kleine Lufteinschlüsse, die jedes Zifferblatt zu einem absoluten Unikat machen. Seine Zerbrechlichkeit ist mit der von Glas vergleichbar und erfordert daher außergewöhnliche Sorgfalt bei Schliff und Politur.

Neben diesem Highlight bietet Cartier auch klassischere Alternativen an: versilberte Zifferblätter mit Sonnenschliff, sowohl für die Modelle in Platin als auch in Gelbgold. Die Platinversion kombiniert diese mit gebläuten Schwertzeigern aus Stahl, während eine der Gelbgold-Varianten goldfarbene Stahlzeiger einführt, die der Uhr eine subtil veränderte, optische Wärme verleihen.

Uhrwerk

Alle Modelle werden vom Cartier Kaliber 430 MC angetrieben, einem mechanischen Manufakturwerk mit Handaufzug. Dank seiner flachen Bauweise bewahrt die Santos-Dumont ihre eleganten Proportionen und schmiegt sich so an das Handgelenk an, dass sie gleichermaßen diskret wie durchdacht wirkt. Die Entscheidung für den Handaufzug ist hier besonders passend, da sie den Charakter der Santos-Dumont als raffiniertes und historisches Modell unterstreicht.

Armband

Das Beste kommt zum Schluss: Die prägende Neuerung dieses Jahres ist jedoch zweifellos das Armband. Erstmals innerhalb der modernen Santos-Dumont-Kollektion präsentiert Cartier ein voll integriertes Metallarmband aus Edelmetall. Inspiriert von den maßgefertigten Armbändern der Maison aus den 1920er-Jahren ist die handwerkliche Ausführung beeindruckend filigran: 15 Reihen, bestehend aus 394 einzelnen Gliedern, von denen jedes gerade einmal 1,15 mm stark ist. Das Ergebnis ist ein wunderschönes, seidiges Band, das sich mit einer Geschmeidigkeit um das Handgelenk legt, die eher an Stoff als an Metall erinnert. In puncto Haptik kann es nur mit den Cartier Privé Normal-Modellen aus dem Jahr 2023 mithalten, die für ihre verführerisch glatten Glieder und ihren edlen Glanz bekannt sind. Wahrlich die Krönung luxuriöser Armbandfertigung.

Diese prachtvollen Armband-Modelle, erhältlich in 950er Platin und 750er Gelbgold, verändern das Trageerlebnis von Grund auf. Sie fühlen sich weniger wie eine bloße Alternative zum herkömmlichen Band an, sondern vielmehr wie eine natürliche Weiterentwicklung der Uhr selbst.

Daneben bietet Cartier weiterhin Versionen mit Lederarmband an, um den traditionellen Charakter der Santos-Dumont zu bewahren. Diese sind mit seidenmatten Alligatorlederarmbändern in Marineblau oder Anthrazit ausgestattet, kombiniert mit einer Stiftschließe aus Gelbgold oder Edelstahl.

Preise und Referenzen

Die neue Santos-Dumont-Kollektion deckt ein breites Spektrum an Materialien (und Preisen) ab und spiegelt so ihre Doppelidentität als Design- und Uhrmacherikone wider. Am oberen Ende der Skala steht das Platinmodell mit Gliederarmband (Ref. WGSA0124) zum Preis von 49.000 €. Es besticht durch ein versilbertes Zifferblatt mit Sonnenschliff, ein passendes Platinarmband und eine Krone, die von einem Rubin-Cabochon geziert wird.

Zu den Modellen mit Gelbgoldarmband gehören die Variante mit Obsidian-Zifferblatt (Ref. WGSA0123) für 38.900 € – das wohl optisch beeindruckendste Stück der Kollektion – sowie eine Version mit versilbertem Zifferblatt und Sonnenschliff (Ref. WGSA0122) für 37.000 €.

Klassischere Optionen mit Lederarmband bieten einen vergleichsweise erschwinglichen Einstieg: ein Modell aus Gelbgold an einem marineblauen Alligatorlederarmband (Ref. WGSA0139) für 13.900 € sowie eine Bicolor-Variante aus Gold und Stahl (Ref. W2SA0046) für 7.800 €. Beide Ausführungen präsentieren ein versilbertes Zifferblatt mit Sonnenschliff sowie gebläute Schwertzeiger aus Stahl.

Über alle Referenzen hinweg gewährleisten Saphirglas und eine Wasserdichtigkeit von 3 Bar (ca. 30 Meter) die Alltagstauglichkeit und erinnern uns daran, dass die Wurzeln der Santos-Dumont ebenso sehr in der Funktionalität wie im Streben nach Schönheit liegen.


cartier.com

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