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Watches & Wonders 2022: bei welchen Neuheiten wir (nicht) schwach wurden

Watches & Wonders 2022: bei welchen Neuheiten wir (nicht) schwach wurden

Sie lieben Zeitmesser und machen daraus kein Geheimnis: Unsere Horologie-Fachsimpler Philippe und Alexander im Gespräch.


Watches & Wonders Edition


Philippe: Bist Du nach der Watches & Wonders ähnlich erleichtert?

Alexander: Warum?

Philippe: Nun, hätte Rolex eine neue „normale“ GMT Master II rausgebracht wäre ich wahrscheinlich schwach geworden. So hat sich das Thema für mich erledigt.

Alexander: Stimmt. Sicher ist in Anbetracht der Reaktionen auf die Uhr auch eines: Rolex hat es von Jahr zu Jahr schwerer die Erwartungen der Fans an ihre Marke zu erfüllen. Die einen schimpfen jetzt, dass Rolex sich wohl einbildet so ziemlich alles machen und verkaufen zu können. Dabei ist dieses Modell doch ganz sachlich betrachtet eine Uhr, die für Linkshänder – aber eben auch nur für die – ein Gewinn ist. Und somit eine Nische, die man halt nunmehr bedient. Kein Modell also für einen Hype. Und trotzdem motzen die anderen, dass auch diese Uhr in erster Linie ein Spekulationsmodell ist, das keiner bekommen wird.

Philippe: Gerade da wäre ich mir gar nicht so sicher. Rolex hat schließlich gute Konzessionäre. Und mir wurde zugetragen, dass mindestens einer von diesen seine Verkäufer schon angewiesen hat bei Anfragen für diese Uhr genau darauf zu achten und zu vermerken, ob die Interessenten denn Linkshänder sind. Alle Rechtshänder-Bestellungen fallen dann eh in den Papierkorb.

Rolex Oyster Perpetual GMT-Master II
Ref. M126720VTNR-0001


Highlights


Alexander: Was sind denn dann Deine Neuheiten-Höhepunkte in diesem Jahr?

Philippe: Ich finde Vacheron Constantin hat vieles sehr schön gemacht: Die 222 oder auch den Overseas Skeleton Tourbillon. Vor allem finde ich aber den Pioneer Cylindrical Tourbillon von H. Moser & Cie. toll. Mit der Marke tue ich mich zwar immer noch etwas schwer, weil ich den Slogan „Very rare“ so doof finde. Wer rares produziert muss das doch nicht noch extra betonen. Aber die Uhr ist ein Traum. Außerdem finde ich die Haltung der Marke irgendwie cool: Bei Rolex und Patek Philippe und Audemars Piguet sind die Auslagen leer gekauft, und Moser stellt eine Showuhr in „Vanta-Black“ her, die man in der Vitrine vor schwarzem Grund nicht sieht. Das ist schon lustig. Außerdem finde ich die Black Bay Pro von Tudor super. Da wünsche ich mir nur irgendwie, dass Rolex selber so ein Modell mal machen würde – und sich Tudor weniger als Rolex light präsentieren würde. Und dann finde ich natürlich vieles bei Patek Philippe sehr gelungen. Vor allem den Traveltime-Jahrekalender Referenz 5326G.

Alexander: Das geht mir ganz ähnlich. Auf der Watches & Wonders habe ich jede Gelegenheit genutzt um noch einmal am Patek Philippe Stand vorbeizulaufen um die Uhr noch einmal anzuschauen. Das Blatt ist einfach gigantisch und schimmert je nach Lichteinfall hell bis dunkel, und die Kombination der Komplikationen und das Werk sind großartig.

Philippe: Das ist halt einfach die Art von Uhr, die ich gut und wichtig für Patek Philippe halte. Referenzen also, die sich optisch durchaus von der Vergangenheit abheben und eine jüngere Klientel ansprechen. Ich finde übrigens auch die optisch ähnliche 5226G spannend. Das ist die perfekte Dreizeiger-Patek-Philippe für jüngere Kunden. Aber ich bin von den Neuheiten grundsätzlich total angetan: Den „lachsfarbenen“ neuen Chronographen finde ich toll, den gleichfarbigen Ewigen Kalender noch etwas toller – und die neue Weltzeituhr 5231G am Allerbesten.

Alexander: Ja, auf der Watches & Wonders hörte ich häufig, dass dieses Jahr irgendwie DAS EINE Highlight fehlte über das wirklich ALLE sprechen und diskutieren konnten. Das mag sogar sein, aber ich finde das einerseits unaufgeregte und andererseits ziemlich spektakuläre Lineup bei Patek Philippe schon beeindruckend. Und bei einigen anderen Marken ebenso.

Philippe: Was denn zum Beispiel?

Alexander: Ressence mag ich ja ohnehin, und die neue Type 8 ist nun die schlichteste und somit noch erreichbarste Uhr der Kollektion. Vor allem aber bin ich von der neuen Tonda PF von Parmigiani allgemein schwer angetan, und von der jetzt vorgestellten GMT Rattrapante komplett begeistert. Die nennen das ja „Rich Minimalism“, und ich finde den supercleanen Look bei dieser Uhr in Kombination mit der einzigartigen Traveltime-Komplikation extrem ansprechend.

Philippe: Interessant, ich finde die Uhr zwar schön – mir fehlt da aber irgendwie was. Sie ist mir irgendwie etwas zu clean, und dadurch etwas blass. Da finde ich die Skeleton-Variante deutlich spannender, wobei die mich dann auch gleich an Audemars Piguets Royal Oak Openworked erinnert.

Alexander: Ich weiß was Du meinst. Natürlich soll sie Kunden ansprechen, die nach einer sportlichen High-End-Uhr mit Stahlarmband suchen – aber ich finde das Design der kompletten Reihe doch sehr eigenständig, und weit weg von Nautilus und Royal Oak. Da sind andere Marken beim Nacheifern von Ikonen viel näher dran an der Vorlage. Über die optische Rolex-Daytona-Verwandtschaft der neuen Varianten der Zenith Chronomaster Sport wurde ja schon viel gelästert, und ich verstehe es auch nicht so richtig. Die Marke hat schließlich so viel zu bieten, und es gibt doch auch eigene einzigartige Farb-Codes und andere Farbkombinationen – wie die neue Boutique-und-Online-Only-Variante mit der dreifarbigen Lünette zeigt. Auch die neue Chronomaster Open ist ziemlich großartig.

Philippe: Ja, die mochte ich auch. Ebenso einige Neuheiten von IWC. Die schwarze Big Pilot Top Gun in 43 Millimetern zum Beispiel. Zudem schätze ich grün als Farbe sehr, darum finde ich den Woodland-Chronograph auch ziemlich spannend. Da bin ich mir nur nicht sicher, ob es nicht etwas zu viel grün ist – in schwarzer Keramik mit grünem Blatt würde die glaube ich auch gut ausschauen. Und das Modell aus weißer Keramik mag ich am wenigsten – aber ich mag auch keine weißen Autos.

Alexander: Lustig, bei mir ist es genau andersrum: Ich kann dem ganzen Grüntrend eher wenig abgewinnen, und finde die weiße „Lake Tahoe“ von IWC am coolsten. Ich finde sie eine tolle Sommeruhr, für die braucht man halt das richtige Wetter, vermutlich auch einen gewisse Sommerteint – und ich bräuchte ein deutlich stärkeres Handgelenk.


Die Preisfrage


Philippe: Sehr gelungen finde ich übrigens auch so ziemlich alles von Jaeger-LeCoultre. Über die Master Hybris Artistica Calibre 945 gibt es glaube ich keine zwei Meinungen. Auch der Polaris Perpetual Calendar ist sehr gelungen. Die finde ich mit rund 30.000 Euro nur eigentlich fast zu preiswert! Zumindest wenn man es so betrachtet: Die Manufaktur gilt als Meister der Uhrmacher. In dieser Position müssen sie eigentlich nach oben streben – fair gepreiste Ewige Kalender können da eigentlich andere machen.

Alexander: Ha – jetzt klingst Du fast so, wie ich nach vier Tagen in Genf zwischen Patek Philippe, Vacheron Constantin, Cartier & Co. denke. Irgendwann verliert man komplett das Gefühl für Preise und findet nach der zehnten Produktpräsentation sechststellige Preise für relativ normal. Und das wird zukünftig kaum anders: Für kommendes Jahr stehen angeblich schon fast zwei dutzend andere Marken bereit, die gern auch auf der Watches & Wonders ausstellen wollen.

Philippe: Dann bin ich gespannt worüber wir in einem Jahr reden. Vielleicht eine Linkshänder-Daytona?


www.watchesandwonders.com


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