Girard-Perregaux lässt aufhorchen: Mit der Minute Repeater Flying Bridges stellt die Schweizer Manufaktur eine Uhr vor, bei der sämtliche technischen Entscheidungen einem einzigen Ziel untergeordnet sind: dem optimalen Klang. Das vollständig im Haus entwickelte und gefertigte Kaliber GP9530 vereint eine Minutenrepetition, ein fliegendes Tourbillon und einen neuartigen Selbstaufzug mit Mikrorotor in einem skelettiert aufgebauten Werk mit 475 Einzelteilen. Allein für Dekoration und Montage veranschlagt die Manufaktur rund 440 Arbeitsstunden.

Das neue Kaliber ist bereits das dritte Werk, das Girard-Perregaux in weniger als sechs Monaten vorstellt, nach den Kalibern 4800 und 9620. Für die Manufaktur aus La Chaux-de-Fonds ist das ein klares Statement: Man will in der obersten Liga der Haute Horlogerie den Takt angeben.

Klangvolle Tradition seit über 200 Jahren

Die Geschichte der Schlagwerke bei Girard-Perregaux reicht zurück bis an die Wurzeln der Manufaktur. Bereits Jean-François Bautte (1772–1837), der Gründungsvater des Hauses, beschäftigte sich intensiv mit Repetitionsmechanismen. Der Genfer Uhrmacher, der auch als Graveur, Juwelier und Goldschmied ausgebildet war, begeisterte sich für Automaten, Spieldosen und mechanische Singvögel – Objekte, die Uhrmacherei, Schmuckkunst und Klanggestaltung zu einem Gesamtkunstwerk verschmolzen.

Bautte war zugleich ein visionärer Unternehmer: In einer Zeit, in der die Fertigung üblicherweise auf zahlreiche unabhängige Handwerker im sogenannten Établissage-System verteilt war, vereinte er sämtliche uhrmacherischen Gewerke unter einem Dach, vom Entwurf über die Montage bis zur Dekoration. Damit legte er den Grundstein für das Konzept der integrierten Manufaktur, das Girard-Perregaux bis heute prägt.

Auf diesem Fundament bauten Constant Girard-Perregaux und sein Sohn Constant Girard-Gallet im 19. Jahrhundert auf. Sie perfektionierten Minutenrepetitionen, entwickelten Kathedralschlagwerke und Carillons mit unterschiedlichen Tonfolgen. Es entstanden Weckeruhren, Modelle mit Grande Sonnerie sowie Zeitmesser, die Minutenrepetitionen mit Chronographen oder Vollkalendern mit Mondphasenanzeige kombinierten.

Ein Meilenstein folgte 1996, als Girard-Perregaux erstmals in der Geschichte der Marke eine Minutenrepetition mit einem Tourbillon in einer Armbanduhr vereinte. Die späteren Kollektionen Opera I und II brachten sogar ein Westminster-Carillon ans Handgelenk, das die vierstimmige Melodie anschlug, eine extreme Komplikation, die nur wenige Manufakturen der Welt beherrschen.

Credit © Sotheby’s

Die Neuheit im Detail: Architektur im Dienst des Klangs

Das Kaliber GP9530 ist konsequent auf die Verbesserung der Akustik ausgelegt. Werkplatte und Brücken bestehen aus Titan, einem leichten, steifen Material, das Vibrationen besonders gut weiterleitet. Die Werkplatte selbst ist direkt mit dem Gehäuse verschraubt, sodass die Schwingungen verlustfrei vom Uhrwerk in das Roségoldgehäuse übertragen werden. Gewölbte Saphirgläser auf Vorder- und Rückseite verstärken die Melodie der Hämmer, die auf der Zifferblattseite auf die Tonfedern schlagen.

Die Positionierung von Tonfedern und Hämmern auf der Zifferblattseite ist dabei kein rein ästhetischer Effekt: Sie verhindert, dass der Klang vom Handgelenk absorbiert wird, und ermöglicht eine direktere, kräftigere Schallabstrahlung. Die beiden Tonfedern und ihre akustische Kammer sind aus einem einzigen Stück gehärtetem und angelassenem Stahl gefertigt. Das sichert eine optimale Klangübertragung durch das gesamte Werk und ins Gehäuse hinein.

Um jedes störende Geräusch zu eliminieren, wurde der Zentrifugalregler des Schlagwerks auf die Rückseite des Werks verlegt. Auch die Skelettierung des Kalibers dient nicht allein der Optik: Die offene Struktur lässt den Klang nahezu ungehindert im Gehäuseinneren nachhallen und sorgt für optimale Resonanz. Zudem hilft es das das Gehäuse als Klangkörper mit 46 Millimeter Durchmesser und 17,9 Millimetern Höhe groß konzipiert wurde.

Erstmals automatisch: Der Mikrorotor

Eine technische Premiere für Girard-Perregaux: Erstmals erhält eine Minutenrepetition der Manufaktur einen Selbstaufzug. Die Integration eines Mikrorotors in ein bislang ausschließlich als Handaufzug konzipiertes Schlagwerk erforderte eine grundlegende Neukonzeption der Werkarchitektur, um Platz für den Mechanismus zu schaffen und gleichzeitig die visuelle Balance und ästhetische Symmetrie zu wahren, die für Girard-Perregaux so wichtig ist.

Die Lösung: ein massiver Mikrorotor aus Weißgold, der den Blick auf das Werk nicht versperrt und in seiner Position dem Federhaus spiegelbildlich gegenübersteht und so für Symmetrie auch auf der Werkrückseite sorgt. Im Vergleich zu einer zentralen Schwungmasse hilft der Mikrorotor zudem, die Bauhöhe zu begrenzen. Ein entscheidendes Detail: Der Rotor ist auf einem Lagerstein statt auf einem Kugellager montiert und läuft dadurch geräuschlos, um den Klangeindruck der Repetitionsuhr nicht zu stören. Diese Konstruktion ist beim Rotor besonders anspruchsvoll, da sie zwei Befestigungspunkte und einen längeren Trieb erfordert, um das Gewicht der Schwungmasse sicher zu tragen. Der Rotor zieht das Federhaus auf, das Energie für 60 Stunden Gangautonomie speichern kann.

Designtradition neu interpretiert

Die pfeilförmigen Brückenenden gehören seit Constant Girards erstem Tourbillon mit Drei Brücken und der Patentierung 1884 zur visuellen Identität von Girard-Perregaux. In der neuen Minute Repeater Flying Bridges wird dieses Formelement als „Neo Bridge“ zeitgenössisch interpretiert: skelettiert, architektonisch und offen. Diese Form der Brücken hat die Marke 2017 vorgestellt.

Das Pfeilmotiv durchzieht dabei nicht nur die drei Brücken aus Roségold (die dritte befindet sich auf der Werkrückseite), sondern findet sich auch an den Hämmern der Repetition, am Mikrorotor sowie am Schieber wieder, der das Schlagwerk aktiviert. Dieser Schieber ist ein eigenständiges Konstruktionselement: Er ist so ins Roségoldgehäuse integriert und konstruiert, dass die Gehäuseöffnung selbst bei vollständig gespanntem Schlagwerk geschlossen bleibt. Das Ergebnis ist eine für Schlagwerkuhren bemerkenswerte Wasserdichtheit von 30 Metern.

Der lyraförmige Tourbillonkäfig, ein weiteres Markenzeichen aus der Feder von Constant Girard, dient zugleich als Zeiger für die kleine Sekunde. Die drei stilisierten Flying Bridges aus Roségold tragen eine außergewöhnlich elegante, luftige Struktur, in der Schlagwerk und Tourbillon fast schwerelos zu schweben scheinen. Die Liebe zum Detail zeigt sich in 1.340 von Hand gebrochenen und polierten Kanten, darunter 295 Innenkanten, die für ein vielfältiges Lichtspiel sorgen. Als Hommage an den Uhrmacher, der das Werk vollendet hat, trägt eine kleine Plakette im Kaliber seine Initialen.

Seltene Kombination

Die Kombination aus Minutenrepetition und Tourbillon gehört zum Anspruchsvollsten, was die mechanische Uhrmacherei zu bieten hat. Entsprechend exklusiv ist der Kreis der Manufakturen, die sich an diese Doppelkomplikation wagen.

Die Patek Philippe skelettierte Referenz 5303 ist wohl das bekannteste Modell mit Minutenrepetitionen und Tourbillon, allerdings mit eher traditioneller Ästhetik. Auch andere große Manufakturen wie Audemars Piguet oder Vacheron Constantin haben diese Komplikationen kombiniert.

Wirklich rar sind Uhren, die zusätzlich über einen automatischen Aufzug verfügen. Realisiert haben das Roger Dubuis mit der Hommage Minute Repeater Tourbillon Automatic (2014), Breguet mit der Tradition Minute Repeater Tourbillon (2015), Carl F. Bucherer mit der Manero Minute Repeater Anniversary (2023) und Jaeger-LeCoultre mit der Master Hybris Mechanica Calibre 362 (2024). Aber aktuell ist uns kein Hersteller bekannt, der diese Kombination im Programm hat, zumindest wenn man von noch komplexeren Grande Complications mit zusätzlichen Ewigem Kalender oder Chronograph absieht.

Zudem positioniert sich Girard-Perregaux mit einem eigenständigen Profil. Während die Mitbewerber entweder auf klassische Eleganz (Patek Philippe), sportliche Integration (Vacheron Constantin) oder historische Tradition (Breguet) setzen, stellt die Minute Repeater Flying Bridges die Werkarchitektur selbst in den Mittelpunkt. Die konsequent auf Akustik ausgelegte Konstruktion mit Titanwerkplatte, direkt verschraubter Gehäuseanbindung und skelettiertem Aufbau verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Design und Funktion untrennbar verschmelzen. Der neu entwickelte Selbstaufzug mit geräuschlosem Mikrorotor hebt die Uhr zusätzlich von der handaufgezogenen Konkurrenz ab.


girard-perregaux.com

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